NS-SKANDAL BEI BILD? Neee… wohl doch nur skandalös schlechter Journalismus

Das Wort „Skandal“ in Verbindung mit dem Wort „Nazi“ oder dem Wort „NS“ funktioniert hervorragend, wenn es darum geht Aufmerksamkeit zu erzeugen und wenn es einen Weltmeistertitel im künstlichen Herbeischreiben von Skandalen gäbe, so wäre die Bild-Zeitung gewiss eine hoffnungsvolle Anwärterin für diesen Titel.
Von daher brauchte die Überschrift im Frankfurt-Teil der heutigen Print-Ausgabe der Bild eigentlich niemanden zu wundern.
„Blockupy wirbt mit NS-Ausdruck“ hieß es da und der Artikel begann mit den Worten „Skandal um Blockupy!“.
Doch was hatte Blockupy für eine skandalöse Nazi-Werbung gemacht?
Blockupy hatte mit dem Slogan „Blockupy Deportation Airport“ darauf aufmerksam gemacht, dass vom Frankfurter Flughafen aus regelmäßig Abschiebungen stattfinden.
Hierüber hatte sich wohl der hessische Verkehrminister Florian Rentsch (FDP) aufgeregt.
Die Bildzeitung zitiert ihn folgendermaßen: „Man kann sich dafür nur schämen, dass der Begriff „Deportation“ so geschichtsvergessen verwendet wird. Dass sich die Linken der Ausdrucksweise des NS-Regimes bedienen, ist ein Skandal.“
Wenn unser Verkehrsminister das tatsächlich so gesagt hat und es von Bild nicht nur „sinngemäß“ zusammenzitiert wurde, so bescheinigt ihm dies ein recht geringes Sprach- und Geschichtsbewusstsein.
Dass es bestimmte Worte gibt, die aufgrund ihres Nazi-Hintergrundes nicht einfach unbefangen verwendet werden können ist verbreiteter common sense.
Wer von „Endlösung“, „unwertem Leben“, „innerem Reichsparteitag“ oder „entarteter Kunst“ spricht, der macht sich damit Terminologien zu eigen, die von den Nazis eingeführt wurden und die auch nur vor dem Hintergrund entsprechender Einstellungen in sich schlüssig sind. Wenn diese Worte nun vermeintlich arglos aus dem Kontext gerissen gebraucht werden, stellt dies tatsächlich eine Verharmlosung dar, die dazu führen kann, dass die mit diesen Worten verbundenen Gedankenbilder wieder salonfähig gemacht werden. An diesem Punkt ist Wachsamkeit notwendig.
Allerdings stellt sich nun doch die Frage, ob dies auch auf den Begriff der Deportation zutrifft, wie dies Florian Rentsch und Bild unterstellen?
Unzweifelhaft haben die Nazis Deportationen durchgeführt. Allerdings handelt es sich bei dem Begriff der „Deportation“ nicht um ein Wort, welches von den Nazis erfunden wurde oder in einem ausschließlich nationalsozialistischen Kontext gebraucht worden wäre. Meines Wissens nach, wurde von Seiten der Behörden im Dritten Reich öffentlich nicht von „Deportation“ gesprochen.
Dort kamen wohl doch eher euphemistische Begriffe wie „Umsiedlung“ und „Abbeförderung“ zum Einsatz.
Der Begriff „Deportation“ hingegen wird auch in der englischen und französischen Sprache gebraucht. Laut Wörterbuch bedeutet der englische Begriff „deportation“ übrigens „Deportation“, „Zwangsverschickung“, aber auch „Abschiebung“.
Erinnern wir uns nun daran, dass der Slogan von Blockupy hieß: „Blockupy Deportation Airport“. Blockupy hat also nichts weiter getan, als das korrekte englische Wort für „Abschiebung“ zu gebrauchen. Dass der Slogan von Blockupy in diesem Sinne zu verstehen ist, wird dadurch nahegelegt, dass das Wort „Airport“ ebenfalls englisch ist.
Außerdem schlägt auch der Duden „Abschiebung“ als Synonym für „Deportation“ vor und Abschiebungen finden nun einmal vom Frankfurter Flughafen aus statt. Blockupy hatte mit dem Slogan also auf tatsächliche Verhältnisse aufmerksam gemacht und diese mit dem korrekten Wort bezeichnet.
Hieraus nun einen künstlichen Nazi-Skandal produzieren zu wollen, ist, man kann es nicht anders sagen, Bild-Niveau.




































