Frankfurter Gemeine Zeitung

“Briefe eines reisenden Franzosen” – Interview zu einer Kostbarkeit aus der Aufklärung

Hans Sarkowicz, Sie haben gemeinsam mit Heiner Boehncke einen Schatz aus der Zeit der Aufklärung gehoben: Johann Kaspar Riesbecks Briefe eines reisenden Franzosen. Zuerst einmal, wer war dieser Riesbeck? Ich habe im Zusammenhang mit ihm die schöne Charakterisierung „Temperamentshitze“ kennengelernt.

Ich glaube, daß er etwas ungestüm war. Heute würde man ihn sicher mit dem Etikett hyperaktiv versehen. Er nahm kein Blatt vor den Mund und eckte entsprechend an, zunächst in Mainz, wo er sich mit einem Domherrn um eine Frau prügelte und dann auch in Zürich. Dort war er der erste Redakteur der neugegründeten „Zürcher Zeitung“ und machte sich im Blatt über den französischen Hochadel lustig. Das schmeckte dem französischen Gesandten nicht, der über beste Kontakte zur Stadtregierung verfügte. Und so musste Riesbeck gehen. Die Charakterisierung „Temperamentshitze“ stammt übrigens von seinem Freund und ersten Biographen Johann Pezzl. Und der muße es wissen.

Riesbeck ist ein ungemein neugieriger Mensch. Ihn interessiert alles. Vor allem die Menschen. Das hat wohl viel mit seiner Art des Reisens zu tun.

Riesbeck reiste zu Fuß, in der Kutsche und auf dem Schiff, immer gemächlich und genau beobachtend. Was er sah, hörte und worauf er sich einen Reim machten konnte, das schrieb er auf und wurde dann zur Grundlage seiner „Briefe“.

Es gibt wunderbar geschilderte, pralle Szenen. Ich denke an die Wirtshausschlägerei in Bayern (mit Pfarrer). Oder auch das „Interview“ mit einem renitenten Strafgefangenen, der wegen moralischer Standhaftigkeit gegen eine bestimmte Art von christlicher Zwangsrekrutierung unendlich lange eingebuchtet wurde. Das ist doch fast schon moderne Reporterarbeit.

Wir glauben fest, daß Riesbeck ein Pionier des Reisejournalismus und der journalistischen Recherche überhaupt ist. Riesbeck begnügte sich nicht mit Buchwissen, sondern fragte nach, interviewte Menschen und vor allem: er hörte genau zu. Ein Charakteristikum seiner „Briefe“ sind diese Rechercheergebnisse seiner Feldforschungen.

Das damalige Deutschland ist ein Flickenteppich. Der Spätabsolutismus dominiert. Und doch gibt es Unterschiede in der Art des Regierens. Riesbeck, der kein Revolutionär war, sondern ein radikaler Reformer, schaut sich die Verwaltungen, die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Justiz und das Schulwesen immer genau an. Und hat für den Herrscher, der es seiner Ansicht nach verdient hat, durchaus Lob übrig. Die Verschwender, die glauben, das Volk sei für sie da, nicht umgekehrt, sie bekommen gehörig ihr Fett ab.

Es hat schon seinen Grund, daß die beiden Brief-Bände anonym erschienen. In Deutschland waren sie sofort ein Bestseller. Es gibt zahlreiche, fast durchweg positive Besprechungen. Für die aufgeklärten Schriftsteller und Publizisten waren die zum Teil harschen Beschreibungen ein gefundenes Fressen. Weil sie so in Deutschland nicht schreiben durften, zitierten sie in ihren Rezensionen ausführlich aus den „Briefen“. Riesbeck nahm, wie gesagt, kein Blatt vor den Mund. Er verteilte Lob und Tadel im Übermaß und dürfte sich viele Feinde gemacht haben. Wir haben vieles von dem, was Riesbeck behauptet, nachprüfen können und wissen: Er hat sehr gut recherchiert. Seine Urteile sind fundiert, auch wenn wir sie heute nicht in jedem Fall teilen.

Was Riesbeck überhaupt nicht abkann und seine Spottlust aufs Schönste provoziert, ist die Bigotterie, die sexuelle Doppelmoral seiner Zeit.

Das schien ihm einen besonderen Spaß gemacht zu haben: die Entlarvung der bürgerlichen und adligen Doppelmoral. Prostitution, Ehebruch, vorehelicher Sex, die erotische Libertinage an den Höfen, aber auch die Wiener Keuschheits-Kommission und die Zensur unter Maria Theresia sind Themen, die ihn ganz besonders interessieren. Reden und Handeln waren damals meilenweit voneinander entfernt. In dieser klaffenden Lücke fand er immer wieder Stoff für seine satirischen und teilweise bitterbösen Bemerkungen.

1783 sind seine Briefe in zwei Bänden in Zürich erschienen. Riesbeck wendet einen alten Trick an. Der anonyme Herausgeber will die Texte eines nur ihm bekannten Franzosen übersetzt haben. Die Briefe wurden ein europäischer Bestseller. Dann gerieten sie in Vergessenheit. Auch wenn später Auszüge daraus noch mal zu Verkaufsschlagern wurden.

Vor allem die Städte- und Landschaftsbeschreibungen aus den „Briefen“ sind in den letzten zweihundert Jahren immer wieder nachgedruckt worden. Seine politischen und gesellschaftspolitischen Beobachtungen fanden dagegen kaum Beachtung. Im Internet steht seit einigen Jahren eine Fassung, die aber relativ freizügig mit dem Urtext umgeht und auch nicht ganz vollständig ist. Außerdem hat man den doppelten Spaß beim Lesen, wenn wichtige Passagen kommentiert werden. Wir haben uns deshalb für eine vollständige und kommentierte Fassung entschieden und sie mit zahlreichen zeitgenössischen Illustrationen versehen.

Hans Sarkowicz, leitet das Ressort Kultur, Bildung und künstlerisches Wort in der Kulturwelle hr2. War Mitinitiator u.a. des Projekts „Literaturland Hessen“, des „Hörkanons“ von Marcel Reich-Ranicki und der hr2-Hörbuch-Bestenliste. Zahlreiche Bücher zu historischen, kulturgeschichtlichen, aktuell-politischen und regionalen Themen.

Johann Kaspar Riesbeck, Briefe eines reisenden Franzosen, Herausgegeben von Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz, Berlin 2013, Folio Sonderband in der Anderen Bibliothek, zahlreiche Abb, 681 Seiten, geb., 99 €.


William! Stern der schönsten Höhe

Eine neue Gedichtanthologie über und an Shakespeare und ein Abend im Goethehaus

Überall auf der Welt wird dieser Tage aus Anlaß des 450. Geburtstags William Shakespeares gedacht. Ein Stückeschreiber und Lyriker, der der ganzen Welt gehört. „Shakespeares Erbe widersetzt sich jeder Einteilung in Hochkultur und Populärkultur, jedem Urteil, das Kunst im Unterschied zu Unterhaltung und Kommerz versteht – seit jeher lebt es von der Überschreitung solcher Gegensätze und von der kreativen Spannung, die sich einstellt, wenn gänzlich Unterschiedliches ins Spiel kommt“, so Tobias Döring, der Herausgeber einer umfangreichen Anthologie mit Gedichten an und über Shakespeare.

„Nicht, daß Dein Name uns erweckte Neid,
Mein Shakespeare, preis’ ich Deine Herrlichkeit,
Denn wie man Dich auch rühmen mag und preisen;
Zu hohen Ruhm kann keiner Dir erwiesen …“

So beginnt Ben Johnsons (1572 – 1637) Gedicht „Dem Gedächtnisse des Autors, meines geliebten William Shakespeare, und dessen, was er uns hinterließ“. Und so wird auch Anthologie Wie er uns gefällt. Gedichte an und auf Shakespeare eröffnet, die zwölf mal zwölf Gedichte an und über Shakespeare versammelt. Gegliedert in Themenkomplexe, von „Zwiesprachen und Anrufungen“ über „Lebensbühnen, Welttheater“, „Spielräume, Vorstellungs- und Handlungswelten“ zu „Figur- und Maskenreden“. Umfangreichen Platz ist Gedichten eingeräumt, die sich mit dem Zauderer Hamlet und der schönsten Wasserleiche aller Zeiten, Ophelia, beschäftigen. Allen fremdsprachigen Gedichten ist verdienstvoller Weise der Originaltext beigegeben.

Jede Generation schafft sich seinen eigenen Shakespeare, von fast kultischer Verehrung bis hin zum postumen Rivalen. Davon gibt die Anthologie beredt Ausdruck, auch in ihrer Formenvielfalt, wenn sie den Bogen über vier Jahrhunderte spannt, Texte aus zehn Sprachen und zwanzig Ländern versammelt.

Am 29. April, um 19.00 Uhr spricht Hubert Spiegel, Leiter des Ressorts Literatur und literarisches Leben der FAZ, mit Heinrich Detering, Ursula Krechel und Albert Ostermaier, die neben anderen Originalbeiträge für die Anthologie geschrieben haben, über ihr Verhältnis zu William Shakespeare.

In einer Vitrine zeigt das Goethehaus an diesem Abend und in den folgenden Wochen verschiedene Exponate, die Goethes Beschäftigung mit Shakespeare beleuchten, darunter Nichola Rowes “The works of Mr. William Shakespeare”, die Goethe im Frankfurter Elternhaus studierte (die achtbändige Ausgabe konnte das Hochstift 2013 erwerben), ein Faksimile der im Hochstift befindlichen Handschrift von Goethes Rede “Zum Schäkespears Tag”, die nicht allein Goethes erster erhaltener Prosa-Text ist, sondern auch ein frühes Zeugnis der Shakespeare-Begeisterung in Deutschland im 18. Jahrhundert.

Tobias Döring (Hg.) Wie er uns gefällt. Gedichte an und auf William Shakespeare. Eine Jubiläumsanthologie, München, Manesse 2014, 335 Seiten, geb., Ln., 24,95 €

“William! Stern der schönsten Höhe“  >Shakespeare und die Dichtkunst heute<

Dienstag, 29. April, 19 Uhr – Frankurter Goethe-Haus / Freies Deutsches Hochstift, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt, Tel.: 069 / 13880-259

www.goethehaus-frankfurt.de

 

 


Mit Temperamentshitze und Kalaschnikow II

Titten

Jürgen Lentes  © Elias Hauck

Auf der Website der scheinheiligen, sexuell verklemmten und pseudomoralischen Bild-Zeitung haben die fast nackten Frauen keine Brustwarzen, sondern strahlende Sternchen. Dabei hat doch Frank Zappa die Sache schon klar gemacht, als er bei Anhörungen wegen Zensurbestrebungen von gelangweilten Politikergattinen Washingtons, darunter Frau Gore, gegen Musikproduktionen seiner Zeit klarstellte: Titten ohne Nippel seien eine formlose Masse Körperfett. Die Nippel sind das Sahnehäubchen auf diesen Teilen weiblicher Schönheit. So ist es und wird es immer bleiben, ihr Deppen der Selbstzensur.


Jazz riecht nicht komisch: Peter Rüedis monumentaler Guide

Es gibt eine schöne Anekdote um den Maler Arnold Böcklin und den Komponisten Richard Wagner (nebst Dame Cosima). Böcklin besuchte die Wagners in Venedig. Wagner und seine Frau versuchten, Böcklin als Maler für die Bayreuthweihespiele zu gewinnen. Böcklin blieb eisig distanziert, aber freundlich. Erst gab Wagners Gattin auf und verließ indigniert den Raum. Wagner schaffte hartnäckig weiter. Böcklin blieb bei seiner Abwehrhaltung. Bis Wagner der Kragen platzte: „Sie verstehen wohl nichts von Musik!“ Darauf Böcklin: „Wohl mehr als Sie von Malerei.“

Eines steht fest: Der Charakter Peter Rüedis neigt eindeutig hin zur Person Arnold Böcklins. Geboren 1943 in Basel, war Rüedi Ressortleiter Kultur bei der Weltwoche (1974 – 1980), dann ging er 1982 als Dramaturg ans Berliner Schillertheater, war in den Jahren 1982 – 1989 Chefdramaturg am Zürcher Schauspielhaus. 2011 erschien seine monumentale Dürrenmatt-Biographie Dürrenmatt oder die Ahnung vom Ganzen.


Bild: Peter Rüedi (Liebe Damen, keine Angst, wenn dieser Mann Ihnen seine Jazzsammlung zeigen will…)

Und seit dreißig Jahren nun, seit 1983, schreibt Rüedi eine wöchentliche Jazzkolumne in der Weltwoche, ein Lichtblick in der zur populistischen Rechtsaußenzeitung mutierten Institution. Diese liegen nun in einem monumentalen Band vor, ein Ereignis! Nicht nur die schiere Masse beeindruckt – hier ist eine subjektive Jazzgeschichte von Format der letzten dreißig Jahre zu bestaunen. Vor der Literatur war der Jazz die erste Liebe Rüedis, ihn faszinierte „die mythische Aura“, das Protestpotential, den freien Ausdruck, die „ekstatische Aura von Selbstverausgabung“, die „totale Investition in den Augenblick“ und die hohe Quote von „Untergehern, von tragischen Helden“. Sowie das Fragmentarische, nicht Abgeschlossene. Er verweist auf den Satz des Jazzpianisten Kenny Barron: „If you don’t make mistakes you don’t play Jazz.“

Der Literatur- und Theatermensch Rüedi verstand seine Kolumnen immer als Korrektiv zur Brotarbeit. Berühmt sind seine „manchmal wirklich grotesk ausufernden Einleitungen, Assoziationen und Abzweigungen“ (Rüedi), die, so der Autor in einem Interview, in denen es ihm darum ging, „diese Musik so zu inszenieren, dass auch mit Jazz wenig vertrauter Leser erkennen konnte, in welchem Rahmen von Ernsthaftigkeit man diese Musik hören kann. Andererseits kann man das als Versuch verstehen, von Musik zu reden, indem man von etwas anderem spricht.“ Rüedis Jazz-Etuden sind kleine Prosameisterwerke. Anregend zu lesen, erzählen sie viele Geschichten von Menschen und Instrumenten, Stille und Krach, Wind, Sonne und Kuturkuriosa. Man erfreut sich an dem Enthusiasmus und der Emphase, mit der Rüedi sich seiner Lieblingsmusik zuwendet, über so viele Jahre den eigenen Anspruch erfüllend.
Stolen Moments ist ein Buch, das in jede ordentliche Hausbibliothek gehört. Ohne Haltbarkeitsdatum. Dabei quecksilbrig lebendig. Und sicherlich wird man auf die Suche so mancher Jazzplatte gehen.

Peter Rüedi, Stolen Moments, 1522 Jazzkolumnen, Mit einem Vorwort von Michael Mettler, einem Register aller Albentitel und einem Namensregister aller Musiker, Basel 2013, Echtzeit Verlag, 1320 Seiten, Großformat, Ln. geb., 68 €


Mit Temperamentshitze und Kalschnikow

Eine Robert Gernhadt-Tassen-Schändung

Jürgen Lentes © Elias Hauck

Die Verkitschung auch großer Männer hat sich der Frankfurter B3 Verlag zur Aufgabe gemacht. Kluge Köpfe der Stadt Frankfurt kommen auf hochwertiger Keramik als Kaffeetassen mit Portrait und Sprüchlein beglücken seit einiger Zeit im Vertrieb des Bockenheimer Verlagshauses die zunehmende Anzahl nichtdenkender Frankfurter. Darunter Adorno, Stepi und Stoltze. Der Kaffeetasse aber den Boden aus schlägt No. 5. Das Zitat auf der Tasse lautet „Nichts ist eiliger, als dass es durch längeres Liegenbleiben nicht noch eiliger wird.“ Das soll von Robert Gernhardt sein.

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Große Nasen – Hauck & Bauer in Frankfurt

Sie sind jung, sie sind sexy, auch charmant, die Herzen fliegen ihnen zu. Die Rede ist von den 1978 im fränkischen Alzenau geborenen Elias Hauck und Dominik Bauer. Seit 2002 arbeiten die Jugendschulkollegen, sie haben sich im Altgriechisch-Kurs kennengelernt, zusammen. Hauck malt seine seltsam aussehenden Menschen, Bauer schreibt die Minidramen dazu.

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Krimi Shortcuts I: Pollock – Thompson – Weber – Vargas – Gran

Donald Ray Pollock Das Handwerk des Teufels Sie möchten wissen, wo eine Hölle auf Erden Hölle liegt? Wenn Sie den Roman Das Handwerk des Teufels gelesen haben, dann werden Sie es wissen. Die Hölle, das ist Knockemstiff, ein kleines Kaff in Ohio. Erfunden hat den fiktiven Ort (Faulkners „Yoknapatawpha County“ läßt grüßen) der 1954 geborene [...]

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Bärenstark – Benjamin Percys Romandebüt „Wölfe der Nacht“

Bend, ein Provinzkaff in Oregon. Von hier kommt alles Gute, was der Kapitalismus braucht. Strukturprogramme, Landerschließungen, Straßenbau, Siedlungen mit Häusern im „Tudorstil“, alle gleich, für die immer gleichen kalifornischen Rentner. Golfplätze en masse gibt es obendrauf.. Auch der Hauptschauplatz von Benjamin Percys Roman „Wölfe der Nacht, ein Canyon, soll nach langen Planungen in diesem Sinne [...]

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Vom Wal und seinem größten Sänger

Neues von und über Herman Melville

Heute sind Wale und ihr Schutz fast schon Mode, diese oft gewaltigen und majestätischen Tiere rühren uns an, sind tonnenschwere Inkarnationen unseres schlechten ökologischen Gewissens, wenn wir an die Zerstörung der Natur und die mögliche Ausrottung nicht nur dieser Spezies denken. Das war nicht immer so. Unser Wohlstand, die Wurzeln des zeitgenössischen Kapitalismus, sie liegen mehr im industriellen Walfang, der seinen Höhepunkt im 19. Jahrhundert erlebte, als wir uns vorstellen können.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1d/Herman_Melville_1860.jpg/220px-Herman_Melville_1860.jpg

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Shortcuts II – Pron und Powers

Patricio Pron Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf Nun sind auch die Argentinier Papst. Und wie weit Franziskus I. unter Gedächtnisverlust leidet oder ihn simuliert, was seine Haltung und seine Handlungen während der Militärdiktatur angeht, das wird sich vielleicht noch herausstellen. Mit Amnesie und Gedächtnisverlust, damit scheinen sich die Argentinier besonders herumschlagen zu [...]

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Die Silhouette des Todes

Wie 1911 das Böse in die Welt kam

Finsterer und elender Bandit mit dem schrecklichen Namen, dem tragischen Namen, dem mörderischen Namen. Gauner, finsterer und elender Bandit, Herr und König des Grauens, Verbrechergenie, Erzschurke und Verkörperung des Bösen – verschlagener und blutgieriger König des Verbrechens … Fantômas ist in der Welt. Im Jahre 1911 erschien der erste Fantômas-Roman von Pierre Souvestre und Marcel Allain (die oben genannten Attribute sind nur einige von unzähligen, die das Autorenduo verwendete, um ihren Helden zu charakterisieren) schlicht unter dem Titel „Fantômas“. Ursprünglich auf eine Reihe von 5 Romanen hin konzipiert, wurden es am Ende siebenundzwanzig Titel.

Der Reihe war ein fulminanter Erfolg beschieden, und nebenher revolutionierte sie den „trivialen“ Spannungsroman. Fantômas ist die Verkörperung des Prinzips des Bösen, jemand, der ohne Skrupel und mit unvorstellbarerer Grausamkeit handelt, um seine Ziele zu erreichen. Die Romane bieten keine „Happy Ends“ wie die Sherlock Holmes-Geschichten. Meist mit offenem Ausgang schildern sie den unendlichen, manichäischen Kampf zwischen Fantômas und seinem Widersacher Kommissar Juve und dessen „Assistenten“ Fandor.

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Das ist die Oblomowerei!

Zur Neuübersetzung von Iwan Gontscharows großem Roman Oblomow 1849 erschien in der russischen Literaturzeitschrift „Der Zeitgenosse“ ein Text: „Oblomows Traum. Episode aus einem unvollendeten Roman“. Autor: Iwan Gontscharow. Dieser Text beendet dann im Roman als zentrales Scharnier desRomans einen über viele Seiten geschilderten Vormittag, an dem sich Oblomow die absurdesten Wortduelle mit seinem Diener Sachar [...]

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exclusivinterview mit dem ob-kandidaten der PARTEI oliver maria schmitt

Sehr geehrter Herr Oliver Maria Schmitt, es hat uns einige Mühe und Zeit gekostet, Sie persönlich zu erreichen. Das läßt darauf schließen, daß Sie und Ihre Unterstützer von der PARTEI (der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiativen) lange und ausgiebig Ihren sehr ansehnlichen Erfolg von fast 2 % der (angeblich) abgegebenen Stimmen, [...]

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Shortcuts I – Stevenson, Chesterton & Hemingway

Zur Urlaubszeit mal einen längeren Text lesen? Dafür bieten wir euch ein paar Besprechungen bemerkenswerter Bücher an.

Robert Louis Stevenson – Das Licht der Flüsse. Eine Sommererzählung

In den letzten Jahren erlebt Robert Louis Stevenson auch im deutschen Sprachraum eine Renaissance, oder, um es präziser zu formulieren, eine Neuentdeckung. Eindrucksvoll zeigt sich, daß er viel mehr ist als „nur“ der Autor der Schatzinsel und der Erzählung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Vieles wurde erstmals übersetzt, und jedes Buch ist seine Entdeckung wert.

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Mit Gottes und meiner Hilfe

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Charles Portis Spätwestern True Grit

Bei Howard Hawks lernte John Wayne seine Westernrollen mit mehr Selbstironie zu spielen. Dies half dem alten Haudegen auch 1969, als er für die Rolle des Rooster Cogburn im Film Der Marshall von Henry Hathaway mit dem einzigen Oscar seiner Karriere ausgezeichnet wurde, zu einer Zeit, als das „New Hollywood“ das US-amerikanische Kino revolutionierte.

Der Marshall basiert auf dem Spätwestern von Charles Portis, True Grit, erschienen 1968 als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift. Das Buch war Portis’ größter Erfolg.

Die erneute Verfilmung

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„Steiner, Steiner über alles“ und ein Hilferuf

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Wer weiß etwas über den Verbleib des seit sechs Wochen verschwundenen Journalisten Thorsten Kraechan aus Mörfelden-Walldorf?

Ich habe den so ziemlich untergegangenen Beruf des Buchhändlers in Trier erlernt, in einer ziemlich großen, ziemlich guten Buchhandlung. Eine Buchhandlung, die es lange nicht mehr gibt. Wenn es sie noch gäbe, dann würde sie als ein leuchtendes Beispiel einer dem Zeitgeist und Einkaufsverhalten diametral entgegengesetzten Institution gefeiert werden. Eine Buchhandlung, die auf fast 1000 qm eher einer Bibliothek glich. In der noch vorbildlich ausgebildet wurde, in der noch Menschen arbeiteten, welche die Berufsbezeichnung Buchhändler zu recht trugen.

Eine Macke hatte jedoch der Chef, oder seine zweite Ehefrau. Die war Anthroposophin. Es gab eine große Abteilung mit den ungezählten Pamphleten des „Universalgenies“ und der seiner Jünger. Anfang der achtziger Jahre waren die Anthroposophen auch in Trier eine gut vernetzte Gesellschaft: Waldorfschulen, Lesekreise, Malwerkstätten und was das spinnerte „Genie“ Steiner noch alles so losgetreten hatte. Und ich schwöre, noch ehe

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FGZ Büchertisch: Manson und der kalifornische Blutsommer 1969

Helter Skelter. The True Stories of the Manson Murders, geschrieben vom damals verantwortlichen Staatsanwalt Vincent Bugliosi (gemeinsam mit Curt Gentry) ist schon 1974 in den USA erschienen und jetzt erstmals in deutscher Übersetzung erschienen. Man sollte sich von der reißerischen Umschlaggestaltung des Riva Verlags nicht abschrecken lassen (Der Mordrausch des Charles Manson. Eine Chronik des Grauens), denn Helter Skelter ist ein minutiös recherchiertes, unaufgeregtes Protokoll der Vorgeschichte, der Morde und des Prozesses sowie der Versuch, das „Geheimnis“ des gerade einmal 1,58 Meter großen Sektenführers Manson zu ergründen.

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