Frankfurter Gemeine Zeitung

Fotostrecke und Eindrücke von den beiden Türkei-Solidaritäts-Demos in Frankfurt (Sonntag, 16.06.)


Um 13 Uhr versammelten wir uns am Hauptbahnhof und liefen unter vielen türkischen und Atatürk-Flaggen, begleitet von Musik, Trommeln, dem Geklapper von Kochtöpfen und Pfannen in einem immer größer werdenden Demonstrationszug in Richtung Willy-Brandt-Platz. Immer wieder riefen die etwa 2000 Menschen Slogans wie zum Beispiel: „Wir sind die Soldaten Atatürks!“, „Überall ist Taksim – Überall ist Widerstand!“ Eine ironische und gleichzeitig für Demonstrationen ungewöhnliche Aktion war das Springen der Demonstranten bei dem Ausspruch des Slogans: „ Zipla, zipla, ziplamayan AKP´li! – „Spring, Spring, wer nicht springt ist für AKP.“ Die Teilnehmerschaft war sehr gemischt, wenn auch jüngere Anhänger Atatürks dominierten: Man sah viele Familien mit Kindern, Jugendliche, aber auch Behinderte und alte Menschen. Während der Demonstration erfuhren wir von einer Paralleldemo zum gleichen Thema, die ihre Kundgebung am Römerberg abhalten soll.
Am Willy-Brandt-Platz beschlossen wir spontan, uns die andere Demonstration auch anzuschauen und dort ebenfalls mitzulaufen. Auch dort trafen wir auf etwa 1400 Menschen, die friedlich unter den Klängen von Musik ihre Haltung gegenüber Erdogans menschenverachtender Politik zum Ausdruck brachten. Ausrufe wie zum Beispiel: „Hoch die internationale Solidarität!“, „Tod dem Faschismus überall!“ und das schon vertraute „Überall ist Taksim – Überall ist Widerstand!“ waren zu hören. Der einzige auffallende Unterschied waren die Bildaufdrucke auf Transparenten mit revolutionären Idolen.
Schade, dass wir an diesem Tag unsere Solidarität mit den Kämpfern in der Türkei auf zwei verschiedenen Demonstrationen zeigen mussten. Im Anbetracht der politischen Lage in der Türkei finden wir, dass der Zusammenhalt der Menschen, unabhängig von ihrer sozialen, politischen, religiösen und ethnischen Zugehörigkeit, besonders von Bedeutung ist.
Es ist unabdingbar die Solidarität zu unseren Freunden in der Türkei, die unter schlimmsten Bedingungen sich für ihre Menschenrechte einsetzen und sich nicht spalten lassen, gemeinsam zu zeigen. Daher finden wir, dass wir die Aktivisten in der Türkei als Vorbilder nehmen sollten. Was Nazim Hikmet bereits vor Jahren erkannt hat, sollten wir uns zu Herzen nehmen:

„Yaşamak bir ağaç gibi
tek ve hür ve bir orman gibi
kardeşçesine,
bu hasret bizim.“

„Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist unser.“

Autorinnen: Ijlal Görgülü, Aylin Karacan Fotos: Meral Mete, Ijlal Görgülü





















Fotostrecke Blockupy I

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Künstler ohne Grenzen

Foto: Railway-Technology.com

Nachdem auch der letzte Mitgliedsstaat der UNESCO-Generalkonferenz die Internationale Konvention zur „Immunity for the Emigrant Artist“ angenommen hat, kann die UNESCO das Inkrafttreten des Übereinkommens zu unbegrenzten Reise- und Berufsausübungsrechten von Künstlern vermelden. Die Konvention wurde bei der letzten Tagung der UNESCO-Generalkonferenz Ende Oktober 2011 in Paris verabschiedet. Mit dem Übereinkommen werden umfassende Freizügigkeitsregelungen für migrierende Künstler eingeführt. Nach erfolgreicher Umsetzung der Konvention besitzen Künstler – ungeachtet ihrer ethnischen, nationalen, ökonomischen oder sozialen Herkunft und ungeachtet ihrer Hautfarbe, Sprache, Religion oder ihres Geschlechts – uneingeschränkte Reise- und Berufsausübungsfreiheit auf der gesamten Welt. Es steht ihnen frei, sich in dem Land ihrer Wahl niederzulassen, dort eine Arbeitserlaubnis zu erlangen und Kunstwerke herzustellen. Voraussetzung für die Anwendung der besonderen Freizügigkeitsregelungen für Künstler ist der erfolgreiche Nachweis des Künstlerstatus gegenüber den Behörden.


Pie in the Sky- Eine Brücke zwischen der Wirklichkeit und der Utopie

Pits

Ist es ein utopisches Versprechen oder gar eine illusionäre Idee, wenn der Songwriter Joe Hill den Arbeitern Anfang des 19. Jahrhunderts zynisch prophezeit:

“You will eat, bye and bye,
In that glorious land above the sky;
Work and pray, live on hay,
You’ll get pie in the sky when you die”

Wo verläuft die Grenze zwischen dem Gewünschten und der Wirklichkeit? Wie gelingt es, künstlerisch diese Thematik aufzugreifen und darzustellen?

Flaka

Basim Magdy und Flaka Haliti, zwei Künstler, die aus zwei Positionen eine Brücke zwischen Utopie und Wirklichkeit bauen. Beide schaffen einen Dialog mit der Intention, das (un)sichtbare sichtbar zu machen. Sie präsentieren in der Plattform Sarai zwei Videoinstallationen.

Die Videoinstallation von Haliti besteht aus zwei Teilen. Bereits beim Betreten des Raumes wird der Zuschauer durch die melancholischen Klänge des ersten Videos in den Bann gezogen. Dann entdeckt man die Projektion auf der Wand: ein Musikvideo der albanischen Band „Jericho“, gedreht 2005, lange Zeit in den Musikcharts. Das Video spielt auf einer öffentlichen Straße. Es sind weniger die Musiker, die die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich ziehen, sondern die Bilder im Hintergrund: Fotos von „Missing people“, Opfern des Kosovo-Krieges (1998-99). Denn den Hinterbliebenen widmet sich das Lied „Kur do t’pushojë kjo kangë“ (“When is this song goint to rest?“).

Dem gegenüber steht ein kleiner Monitor, der erst auf den zweiten Blick dem Betrachter ins Auge fällt. Nachdenklich sehen die Menschen aus, die sich mit Kopfhörern davor niedergelassen haben. Auf dem schwarzen Monitor ist nichts anderes zu sehen außer leuchtente Zeilen mit englischen Untertiteln: die Übersetzung einer Diskussion in albanischer Sprache über die ethische Vertretbarkeit der Darstellung von Kriegsopfern in der modernen Kunst.

Durch die Gegenüberstellung dieser beiden Elemente gelingt es Haliti einmal anders über die Ethik der künstlerischen Darstellung nachzudenken, wenn es um die mediale Ausbeutung der Opfer (victimization of victims) geht.

Der Titel des Songs “When is this song goint to rest?” ist vermutlich auch die Schnittschnelle zu dem Film von Basim Magdy.

Magdy

Inspiriert durch Diogenes’ Suche nach einem ehrlichen Menschen setzt sich der Künstler Magdy in seinem Film „Mein Vater sucht nach einer ehrlichen Stadt“ mit der Thematik der idealistischen Suche auseinander.

Diogenes von Sinopes, ein griechischer Denker, Philosoph, ein Schüler Sokrates war bekannt für seine provokante und zynische Art des Infragestellens des allgemein Anerkannten. Er war im antiken Griechenland kein gewöhnlicher Gelehrter, der lange Reden hielt und unzählige Schriften verfasste; sein Verständnis von Lehre war die Aktionsphilosophie. Zum Beispiel suchte er mit einer Laterne am helllichten Tag auf dem überfüllten Athener Marktplatz provokant nach einem ehrlichen Menschen: Nicht einmal das Tageslicht reichte für seine vergebliche Suche aus. In seinem auf Super 8 gedrehten Film begibt sich der Vater des Künstlers Magdy auf die Suche nach einer ehrlichen Stadt:

Ein alter Mann, der mit seiner Taschenlampe durch menschenleeren Straßen läuft, im Hintergrund das Rauschen des Windes und des Wassers. Die Tonspur klingt nach prasselndem Regen, doch auf dem Videobild ist im grellen Sonnenlicht nur eine Wasserfontaine aus einem Erdloch zu sehen. Weit und breit nichts als streuende Hunde, triste Bauten, eine unwirtliche, fast unbewohnte Stadt. Ort und Zeit scheinen irrelevant zu sein. Die Frage, ob Magdys Vater bei seiner Suche nach einer ehrlichen Stadt fündig wird, lässt dieser Film offen.

Die gemeinsamen Schnittpunkte der Werke werden nach der kurzen Einführung der Kuratorin Didem Yazici deutlicher. Haliti und Magdy begreifen die Sensibilität und Komplexität der sozialen Konflikte. In der Verarbeitung dieser Wirklichkeit steckt die Utopie der Wünsche, aber auch die Darstellung dessen, was mit diesen Wünschen passieren kann, wenn die Träume auf die Realität stoßen. Die Wunden des Kosovokrieges werden nie heilen, auch wird die Suche von Magdys Vater nie aufhören. Genauso wenig erwartet uns der von Joe Hill zynisch zugesicherte „Kuchen im Himmel“. Doch obwohl es zunächst nach einem aussichtslosen Dilemma aussieht, scheint die Suche selbst doch etwas Hoffnungsvolles zu haben. Die Ausstellung lässt genug Raum für unendliche Interpretationen. Sie hat keine direkte politische Botschaft. Magdys Arbeit widmet sich eher den Problemen der Urbanität, als den der generellen Politik und Flakas Installation thematisiert die Frage, inwieweit es ethisch vertretbar ist, die Opfer von Politik in einem Kunstwerk zu „instrumentalisieren“. Für den Betrachter gilt: Jede gestellte Frage ist auch der Anfang für etwas Neues!

Pie in the sky wartet noch auf Ihre Interpretation!

FLAKADIDEM

Was: Pie in the Sky, curated by Didem Yazici
Wo: Platform SARAI, Schweizer Str. 23 HH, 60594 Frankfurt am Main
Wann: bis zum 10.01.2012
Medien: http://nichewo.net/
In den nächsten Wochen erscheint ein Ausstellungskatalog.
https://www.facebook.com/events/203884846352772/.


Basim Magdy
Born in Assiut, Egypt in 1977, Basim Magdy currently lives and works in Basel, Switzerland and Cairo, Egypt. Magdy works with different media including drawing, painting, animation, installation, sculpture, film, video, sound and printed matter. He is particularly interested in creating narrative structures that explore the space between reality and fiction and its influence on science, history, global culture and the dissemination of knowledge. His work appeared recently in solo and group exhibitions Argos Art Center, Brussels; Kunsthalle Wien, Vienna; Institut Mathildenhöhe, Darmstadt; 1st D-O ARK Underground Biennial, Konjic/Sarajevo; Massachusetts Museum of Contemporary Art (MASS MoCa), North Adams and 2nd Ateliers de Rennes Biennale d’art contemporain, Rennes among others.

Flaka Haliti
Born in Pristhina in 1982, Flaka Haliti lives and works in Frankfurt am Main. She graduated from the Academy of Fine Arts, Pristina University (2005), and is currently continuing her studies at Staedelschule, Frankfurt. Haliti works with conceptual language, and uses various mediums including video, sound, installation, photography and performance Her work has been shown in solo and group exhibitions, presentations, symposiums and workshops internationally. Flaka Haliti is the winner of the First Prize in “Agriculture and Banking”, organized by Staedelschule Frankfurt/Main and Rentenbank, Frankfurt am Main (2009).

Didem Yazici
Didem Yazici (1986) is a freelance writer and curator, living in Kassel and Frankfurt. She contributes to exhibition catalogues, and art magazines and publications including RES Art World, Artam Global Art, Nowiswere,Sanat Dunyamız and the Turkish daily newspaper Radikal. Currently she is studying at the Curatorial Studies MA in Staedelschule and Goethe University (Frankfurt) and working in Public Programs in dOCUMENTA(13).

Fotos & Mitarbeit: Merzmensch


Occupy Frankfurt, 2011.10.22: Fotos

Occupy Frankfurt
2011.10.22

Fotos von Aylin Karacan und Merzmensch

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Occupy Frankfurt

Occupy Frankfurt
15. Oktober 2011
Fotos von Aylin Karacan

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Als wir noch dünner waren standen wir uns näher

(…) Als wir noch dünner waren standen wir uns näherUnd hatten Liebe anstatt Bratensaft im Blut (…)
(Auszug aus “Als wir noch dünner waren, standen wir uns näher”)

Kann denn eine zusammenbrechende Beziehung zweier Menschen – einst ineinander verschossen und nun auf dem Weg zur Trennung – wortgewandter, spielerischer, gewitzter erzählt werden, als in diesem Lied von Georg Kreisler?

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Frankfurter Slutwalk Fotostrecke

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Schlampenspaziergang

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Am vergangenen Samstag war am Kaisersack des Frankfurter Bahnhofsviertels der Teufel los. Unter dem Motto „No means no“ versammelten sich städteübergreifend mehrere Tausende selbsterklärte „Schlampen”, um gegen vorherrschende Rollenbilder und sexualisierter Gewalt einen Zeichen zu setzen. Mit Plakaten und Transparenten legten Frauen und Männer in schriller, freizügiger aber auch in „normaler“ Kleidung einen beeindruckenden Slutwalk hin. Eine Kleidungsvorschrift a´ la “um Miniröcke wird gebeten” gab es nicht – jede(r) kam so, wie sie oder er sich wohl fühlt. Gemeinsam marschierten sie durch das Rotlichtmilieu, an Erotikcentern, Casinos vorbei, wo neugierige Prostituierte aus den Fenstern schauten, bis hin zum Willy-Brandt-Platz. So bunt wie das Publikum, so vielfältig waren auch die Sprüche, die sich Frauen und Männern auf ihre Körper, auf Plakate oder Transparente geschrieben haben: „ My body my choice“, „You don´t own me“, “To slut or not to slut. It´s not the question. Don´t be a sexist”. “Die Würde der Schlampen ist unantastbar” oder “May be i´m asking for it, but not from you!”

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Erdogans atomare Nebenwirkungen

Während die ganze Welt gegenwärtig die Sicherheit von Kernkraftwerken heiß diskutiert, Deutschland ältere Anlagen -zumindest kurzfristig- abschaltet, äußerte der türkische Premierminister Erdogan kürzlich seinen Stolz über die erfolgreichen Verhandlungen mit Russland im Hinblick auf den ersten türkischen Reaktor in Akkuyu am Mittelmeer. ENDLICH soll auch die Türkei eigene Atomkraftwerke bekommen! Auf die Frage eines Journalisten, ob denn die Türkei in Anbetracht der Katastrophe in Japan ihre Kernkraftprojekte nicht lieber stilllegen wolle, antwortete Erdogan mit dem interessanten Vergleich: Die Anschaffung eines Gasherdes sei doch auch risikoreich, aber kaufen würden ihn die Menschen ja trotzdem. Nun, in der Tat: wie groß mag im Endeffekt der Unterschied zwischen der Explosion eines Reaktors und der eines Gasherdes sein? Auch der Hinweis des Journalisten, dass die Türkei ein Erdbebengefährdetes Land ist und in Folge eines Erdbebens eine Kernschmelze auch dort möglich wäre-Akkuyu liegt nahe einer Bruchzone in der Erdkruste- ließ everbodys darling Erdogan kalt. Der technologische Fortschritt wäre für jedes moderne Industrieland unabdingbar und sei deshalb ein zweischneidiges Schwert: Es berge nun mal Gutes und Schlechtes in sich-keine Investitionen ohne Risiken! Na dann, mal los! Ich will dem lieben Premierminister zu seinen Gunsten lediglich mangelnde Weitsicht unterstellen, was mögliche Katastrophen angeht -und die ist nichts wirklich Neues in der türkischen AKW-Politik. 25 Jahre sind nach der Katastrophe von Tschernobyl vergangen. Die Türkei, insbesondere die Schwarzmeerregion wurde und ist immer noch von den Folgen betroffen. Auch die damaligen Regierungsführer der Türkei

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