Frankfurter Gemeine Zeitung

Einsichten

Wohin treiben wir?

Der inneren Logik seiner Krisendynamik überlassen, wird das in Agonie liegende kapitalistische System in Barbarei umschlagen.

Deutschlands Managerkaste reißt beim Thema Griechenland langsam der Geduldsfaden. Inzwischen sprechen sich auch Spitzenvertreter der deutschen Kapitalverbände dafür aus, Hellas aus der Eurozone auszuschließen. Dies forderte etwa der Bosch-Chef Franz Fehrenbach gegenüber dem Manager Magazin Mitte Februar. Griechenland sei „marode und in einer Solidargemeinschaft eine untragbare Belastung“, polterte der Kapitalfunktionär in dem Interview. Fehrenbach steht mit seiner Meinung wahrlich nicht allein dar. Einer Umfrage des Manager Magazin zufolge wünschen sich inzwischen 57 Prozent von 300 befragten Funktionsträgern aus dem deutschen Spitzenmanagement, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheidet. In Deutschland gewinnen somit Bemühungen Oberhand, Griechenland möglichst günstig zu „entsorgen“, nachdem das Land aufgrund der kollabierenden Wirtschaft nicht mehr als Absatzmarkt deutscher Exporte fungieren kann.

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und das bei dem Wetter

Ein ganzes Land wird hier von der deutschen Managerkaste „abgeschrieben“, zur Desintegration freigegeben, die den sozioökonomischen Zusammenbruch Griechenlands vollenden wird, der durch den von Berlin und Brüssel oktroyierten Sparterror eingeleitet wurde – und wir können uns sicher sein, dass dieser Reflex des Ausschlusses ganzer Volkswirtschaften auch in Bezug auf die anderen südeuropäischen EU-Staaten in der deutschen Öffentlichkeit überhandnehmen wird, sobald der Krisenprozess auch bei diesen Ländern weiter voranschreitet und sie sich am Rande des Zusammenbruchs wiederfinden.

Eigentlich würde bei der Exklusion Griechenlands aus der Eurozone nur eine ökonomische Krisentendenz auch politisch und institutionell exekutiert. Die gegenwärtige Krise ist letztendlich eine Krise kapitalistischer Lohnarbeit, die zwar die Substanz des Kapitals bildet, aber aufgrund der gigantischen Produktivitätsschübe der mikroelektronischen Revolution immer schneller aus der Warenproduktion verschwindet. Dieser nüchtern betrachtet absurde Charakter der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus, der unter einer selbst hervorgebrachten Produktivität erstickt, brachte eine mörderische Verdrängungs- und letztendlich Vernichtungskonkurrenz mit sich, in der sich die hoch entwickelte und produktive deutsche Industrie – auch dank des Lohnkahlschlags hierzulande – durchsetzen konnte. Die deutschen Wirtschafts- und Exporterfolge sind nur aufgrund der Verschuldung und Deindustrialisierung in anderen Ländern Europas möglich gewesen. Tatsächlich sind insbesondere die Länder Südeuropas und auch Großbritannien in den vergangenen Jahren weitgehend deindustrialisiert worden; eine Kapitalverwertung im nennenswerten Maßstab, die die Reproduktion der gesamten Gesellschaft ermöglichte, ist dort kaum noch drin. Dieser Deindustrialisierungsprozess in vielen Ländern Europas und der Welt wurde nur durch die Verschuldungsprozesse – und die damit einhergehenden Defizitkonjunkturen – der vergangenen Jahrzehnte verschleiert.

Nach dem Platzen der Schuldenblasen schlägt nun die Krise voll durch, und die kapitalistischen Arbeitsgesellschaften der südlichen Peripherie der Eurozone zerbrechen an einem Mangel von Lohnarbeit und dem Verschwinden der industriellen Warenproduktion. In Griechenland, Portugal, Italien oder Spanien liegt die Industrieproduktion immer noch 20 bis 40 Prozent unter dem Vorkrisenstand. Der Wirtschaftseinbruch in Südeuropa wird nicht mehr von einem späteren Aufschwung abgelöst werden. Diese Einbrüche deuten vielmehr auf eine permanente Deindustrialisierung in diesen Ländern hin. In der Peripherie der EU findet somit ein dauerhafter wirtschaftlicher und sozialer Abstieg statt. Es ist, als ob die „Dritte Welt“ sich von Nordafrika über das Mittelmeer bis nach Südeuropa ausbreiten würde. Es findet derzeit ein neuer Schub des Prozesses des „Abschmelzens“ der relativen Wohlstandsinseln der „Ersten Welt“ im globalen Maßstab statt – und Südeuropa ist hiervon besonders stark betroffen.

Drängelei auf der Titanic

Letztendlich verwandelt sich die Peripherie der Eurozone in eine Region, die für das Kapital „verbrannte Erde“ darstellt, bei der kaum noch Akkumulationsprozesse ablaufen. Dies ist aber auch nur die neueste Phase eines langfristigen, dekadenlangen Prozesses. Die Krise frisst sich von der Peripherie ins Zentrum des kapitalistischen Weltsystems durch. In den späten 70er Jahren waren es die Entwicklungsdiktaturen der „Dritten Welt“, die mit ihren Modernisierungsversuchen scheiterten. Diese Regionen – etwa das subsaharische Afrika – spielen in der hiesigen Öffentlichkeit nur noch in puncto Flüchtlingsabwehr eine Rolle. Der ökonomische Zusammenbruch dort ist längst im öffentlichen Diskurs zur – oftmals mit rassistischen Stereotypen angereicherten – „Normalität“ geronnen. Ab den 90ern desintegrierte sich der Staatskapitalismus des Ostblocks, wo etliche Regionen den totalen Absturz mitsamt brutalen Bürgerkriegen erlebten (wie etwa im ehemaligen Jugoslawien), und einige Länder zur Peripherie westlichen Kapitals – hier insbesondere Deutschlands – zugerichtet wurden.

Beim gegenwärtigen Krisenschub greift die Krise auf die Zentren über, und die europäische Krisenpolitik besteht im Grunde darin, diejenigen Staaten mit der vollen Last der Krisenfolgen zu konfrontieren, die von der Krisendynamik voll erfasst wurden. Für diese Politik kann die Allegorie der sinkenden Titanic gewählt werden, bei der die Passagiere der ersten Klasse diejenigen der zweiten und dritten über Bord werfen, um noch etwas Zeit zu gewinnen – bis sie selbst an die Reihe kommen. Es handelt sich hierbei schlicht um das berüchtigte „Rette sich, wer kann“, das vom Zentrum auf Kosten der Peripherie der Eurozone durchgesetzt wird.

Die objektiv aus dem Krisenprozess resultierende Exklusion immer größerer „überflüssiger“ Teile der Menschheit aus der Kapitalverwertung findet ihre ideologische Legitimierung in den entsprechenden rechtsextremen Diskursen, die den Bewohnern der betroffenen Länder eine rassisch oder kulturalistisch grundierte Minderwertigkeit andichten. An Deutschlands Stammtischen will man ja wissen, dass die „Südländer“ schlicht zu anständiger Arbeit unfähig sind und sich deswegen verschuldet hätten, um auf Kosten der hart arbeitenden Deutschen ein Lotterleben zu führen. Die Opfer des Krisenprozesses werden so zu den Verursachern der Krise ideologisiert, indem die Krisenursachen zu Eigenschaften einer bestimmten Personengruppe halluziniert werden.

„Es reicht nicht mehr für alle“

Dieser verheerende ideologische Mechanismus der Personifizierung oder Verdinglichung von Krisenursachen baut nicht nur die „faulen Südländer“ zu Feindbildern auf. Einer soziologischen Studie der Uni Jena (Dörre, Klaus u.a.: Guter Betrieb, schlechte Gesellschaft? Arbeits- und Gesellschaftsbewusstsein im Prozess kapitalistischer Landnahme. In: Koppetsch, Cornelia (Hrsg.): Nachrichten aus den Innenwelten des Kapitalismus. VS Verlag, Wiesbaden 2011, S. 21–50) zufolge, sind ähnliche Haltungen auch innerhalb der abschmelzenden Arbeiterklasse verbreitet. Insbesondere innerhalb der Stammbelegschaften entwickle sich eine Art Wagenburgmentalität: „Die eigenen Chancen auf Beschäftigungssicherheit steigen, wenn man den Club der Festangestellten einigermaßen exklusiv hält.“ Als Feindbilder sind innerhalb dieser Schicht die Arbeitslosen beliebt. Rund 50 Prozent der befragen westdeutschen Facharbeiter stimmten der Aussage zu, „auf Arbeitslose solle größerer Druck ausgeübt“ werden, ein weiteres Drittel stimmte der Intensivierung der Schikanen gegen Erwerbslose „teilweise“ zu. Nahezu die Hälfte der westdeutschen Arbeiter bekannte sich auch zum unverblümten Sozialdarwinismus, indem sie folgende Aussage unterstützten: „Eine Gesellschaft, in der jedermann aufgefangen wird, ist nicht überlebensfähig.“ Es herrsche innerhalb der Belegschaften das Gefühl vor, dass „es nicht mehr für alle reichen“ würde, so die Interpretation der Umfrageergebnisse durch die Autoren der Studie. Generell können also alle, die aus dem Prozess der Kapitalverwertung herausfallen, für die Krise verantwortlich gemacht werden. Wobei die reaktionäre Krisenideologie der Personifizierung von Krisenursachen inzwischen sehr weit verbreitet, nahezu mehrheitsfähig ist.

Doch zugleich scheinen viele Menschen tief in den Eingeweiden zu ahnen, dass dieses Gerede von den „faulen Südländern und Arbeitslosen“ nur zur Legitimierung der Marginalisierung dieser Bevölkerungsgruppen dient. Die Ahnung, dass irgendwas fundamental schief läuft, ist durchaus weit verbreitet – doch daraus folgt keineswegs der Impuls zur Überwindung des bestehenden Systems. Stattdessen werden die Ideologeme des in Auflösung übergehenden kapitalistischen Systems in einer Art Abwehr- und Beißreflex ins Extrem getrieben. Es soll mehr Druck auf Arbeitslose, mehr Druck auf Griechenland ausgeübt werden. Die Exklusion als zentrales Mittel der kapitalistischen Krisenpolitik wird so zementiert.

Dabei wird die massive Zustimmung vor allem in der BRD zu solchen letztendlich sadistischen Terrormaßnahmen gegen die Opfer der Krise in erster Linie nicht durch den ideologisch verblendeten Glauben an die Wirksamkeit solcher Maßnahmen motiviert. Es geht hier eher um einen unbewussten psychischen Mechanismus, der dem deutschen Untertanencharakter eigen ist. Der Ruf nach Bestrafung, nach knallhartem Sparterror gegenüber den südeuropäischen „Schuldenländern“ ist vor allem deshalb so laut vernehmbar, weil die Lohnabhängigen in Deutschland spätestens mit den Hartz-IV-Gesetzen zu Lohnverzicht und umfassender Prekarisierung des Berufslebens genötigt wurden, was ja erfolgreich als ein notwendiges Opfer auf dem Altar des „Wirtschaftsstandorts Deutschland“ legitimiert wurde. Im Zuge dessen ist die Ökonomie zur zentralen Legitimationsinstanz des öffentlichen Diskurses erhoben wurden. Dieser dominante Ökonomismus lässt den Hass auf alle hochkochen, die das unter großen Opfern aufrecht gehaltene Funktionieren der Wirtschaftsmaschinerie scheinbar behindern, was die Studie „Die Mitte in der Krise“ so formulierte: „Die ständige Orientierung auf wirtschaftliche Ziele – präziser: die Forderung nach Unterwerfung unter ihre Prämissen – verstärkt einen autoritären Kreislauf. Sie führt zu einer Identifikation mit der Ökonomie, wobei die Verzichtsforderungen zu ihren Gunsten in jene autoritäre Aggression münden, die sich gegen Schwächere Bahn bricht.“ (http://library.fes.de/pdf-files/do/07504.pdf)

Es handelt sich hierbei um schlichtes Untertanendenken, bei dem die Wut sich gegen alle Menschen richtet, die sich den Prämissen der gerade Amok laufenden „Ökonomie“ nicht beugen wollen oder können – und etwa in Griechenland Generalstreiks durchführen, anstatt sich duckmäuserisch in Lohnraub und Hartz-IV-Zwangsarbeit zu fügen. Für alle Menschen, die die Prämissen der Ökonomie verinnerlicht haben und deswegen Verzicht üben, muss die Rebellion gegen die wirtschaftlichen „Sachzwänge“ unerträglich scheinen. Es ist der Hass auf das halluzinierte Glück der imaginierten „Leistungs- und Arbeitsverweigerer“, angetrieben durch ungeheuren Triebverzicht, der aus der Unterordnung unter das eiserne und beständig sich verhärtende Regime der kontrahierenden Kapitalverwertung resultiert, der die übriggebliebenen Monaden vor Wut schäumen lässt. Der beständig zunehmende Druck von oben auf die im Dauerstress irregehenden Einzelnen in der Burnout-Republik Deutschland sucht sich beständig neue Hassventile, Sündenböcke und Opfer.

Die deutsche Leistungsgemeinschaft

Das zentrale Transmissionsband, das die herrschende kapitalistische Ideologie ins Extrem treibt und den Prozess der Exklusion legitimiert, bildet der totalitäre Ökonomismus, die „Identifikation mit der Ökonomie“, der längst einen konsensartigen Charakter im öffentlichen Krisendiskurs errungen hat. In der Epoche des Zusammenbruchs der kapitalistischen Ökonomie ist die korrespondierende Ideologie ein letztes Mal bestrebt, die gesamte sich desintegrierende Gesellschaft in ihren eisernen Griff zu pressen. Die gesamte Gesellschaft, die menschliche Geschichte, ja die Existenz als solche wird durch den Wahnblick der betriebswirtschaftlichen Logik wahrgenommen. Die Krise soll dadurch überwunden werden, dass die der Kapitalverwertung entstammende betriebswirtschaftliche Logik der maximalen Effizienz und Kostenreduzierung ins Extrem gesteigert und auf die Gesamtheit der Existenz angewendet wird. Alles und jeder wird auf seine Verwertbarkeit und Nützlichkeit geprüft, überall wird nach „Schmarotzern“ und „Parasiten“, nach Kostenfaktoren Ausschau gehalten, alle haben unter Beweis zu stellen, der Deutschland-AG nicht zur Last zu fallen und eine produktive Funktion im Wirtschaftsstandort Deutschland einzunehmen.

Die Nation wird zusehends als eine „Leistungsgemeinschaft“ wahrgenommen, die gegen „unproduktive“ Elemente und „Kostenfaktoren“ vorgehen müsse: von den renitenten Griechen über faule Arbeitslose bis zu den arabischen Migranten, denen ein Thilo Sarrazin genetisch bedingte Leistungsunfähigkeit andichtete. An der Sarrazin-Debatte, die einem zivilisatorischen Dammbruch in Deutschland gleichkam, lässt sich sehr gut diese zunehmende Dominanz des Ökonomismus auch innerhalb rechtsextremer Ressentiments belegen. Die rassistische Hetze gegen Migranten aus dem arabischen Raum, die Sarrazin entfaltete, diente ja vor allem dazu, diese Gesellschaftsgruppe als einen ökonomisch unproduktiven Kostenfaktor zu brandmarken. Während der Sarrazin-Debatte verschmolzen die rechtsextremen Feindbilder des Ausländers und des Sozialschmarotzers, wie anhand der folgenden Zitate Sarrazins offenbar wird: „In Berlin leben zwanzig Prozent der Bevölkerung, die nicht ökonomisch gebraucht werden, von Hartz-IV und Transfereinkommen. … Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. … Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln. Das gilt auch für einen Teil der deutschen Unterschicht.“

An diesen Zitaten wird eine „Rationalisierung“ des Ressentiments deutlich, das die Imperative der Kapitalverwertung zu seiner Maxime hat. Bei dem korrespondierenden Ökonomismus wird also die gesamte Gesellschaft konsequent den kapitalistischen Rentabilitätskriterien unterworfen. Hier wird also tatsächlich das liberal-kapitalistische Rentabilitätsdenken aus der „Mitte“ der Gesellschaft von Sarrazin konkret ins Extrem getrieben. Eine Existenzberechtigung hat nur das, was zur Kapitalverwertung beiträgt. Hier kommt der Begriff des Rechtsextremismus ganz zu sich: Es ist die Ideologie der „Mitte“, die in ihrer mörderischen Konsequenz zu Ende gedacht wird. Der demokratische Lack blättert ab, und der barbarische Kern kapitalistischer Vergesellschaftung – Konkurrenz und Selektion – kommt offen zum Vorschein.

Im Endeffekt erkennt Sarrazin die „Überflüssigen“ des Kapitalismus nicht mehr als Menschen an – und ihm tuen es Millionen anderer Monaden gleich, die sich in der zerfallenden Tretmühle der Lohnarbeit einem immer stärkeren Druck ausgesetzt sehen. Gerade hierin liegt das implizit mitschwingende massenmörderische Potenzial dieser an Kontur gewinnenden Ideologie. Und selbstverständlich trifft diese Krise der Arbeitsgesellschaft zuerst die Arbeitsmigranten, die ja in die BRD angeworben wurden, um die einfachen Dreckarbeiten zu erledigen, die während des Booms der 50er und 60er Jahre kaum ein Deutscher mehr verrichten wollte. Es sind aber gerade diese einfachen Tätigkeitsfelder, die in den letzten Dekaden von den Rationalisierungsprozessen besonders stark erfasst wurden. Jetzt, da die billigen Arbeitskräfte aus der Türkei nicht mehr gebraucht werden, erklärt ein Sarrazin diese Menschen für genetisch minderwertig und leistungsunwillig – sie sollen verschwinden.

Dieser Amok laufende Ökonomismus kann perspektivisch alle „unproduktiven“ Gesellschaftsgruppen treffen. Was da in vielen Mördergruben in der Mitte der Gesellschaft heranreift, offenbarte beispielsweise ein Skandal um Jan Dittrich, den ehemaligen Bundesvorsitzenden der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale, der Rentner aufforderte, endlich „den Löffel abzugeben“. Solche Tendenzen zur Exklusion von Opfern des Krisenprozesses sind vielfach bereits mehrheitsfähig, wie die Umfragen über weitere „Hilfspakete“ für Griechenland unter Beweis stellten, die von der überwiegenden Mehrheit abgelehnt werden. Ob nun auf nationaler Ebene, im Betrieb oder in der Reihenhaussiedlung: Eine Art „Bunkermentalität“ greift um sich, bei der die eigene soziale Stellung dadurch behauptet werden soll, dass die Krisenopfer für die Krise verantwortlich gemacht werden, um vermittels dieser Personifizierung der Krisenursachen die daraus folgenden Maßnahmen der Marginalisierung und Abstrafung zu legitimieren. Die unproduktiven Kostenfaktoren (wie Griechen, Arbeitslose, Alte), deren bloße Existenz die nationale Leistungsgemeinschaft belastet, sollen weg.

Dies ist letztendlich ein absurdes, aus dem Warenfetischismus entspringendes und ins Magische tendierendes Denken, das die Krisenursachen zu Eigenschaften von Menschen halluziniert. Diese irre Krisenideologie reflektiert dabei nur den irren Charakter der Krise. Die Ausgrenzung und Marginalisierung immer größerer Menschengruppen vollzieht sich gerade deshalb, weil das System an seiner Produktivität erstickt, die kaum mehr in das Korsett der Kapitalverwertung gezwungen werden kann. Das Elend breitet sich also gerade deswegen aus, weil die Produktionspotenzen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse aller Menschen immer weiter anwachsen. Die Wahnvorstellung „Es reicht nicht für alle“ kann nur deshalb um sich greifen, weil die absurden fetischisierten Reproduktionsformen des Kapitalismus – bei denen die ganze Gesellschaft nur als eine Voraussetzung der selbstzweckhaften Kapitalreproduktion ihre Daseinsberechtigung hat – nicht mental durchbrochen werden. Das „Es“, dass da nicht mehr für „alle“ reicht, ist der kollabierende Prozess der Kapitalverwertung, die materiellen und technologischen Voraussetzungen eines guten Lebens für alle Erdenbewohner sind aber gegeben – und sie verbessern sich permanent mit dem Fortschritt der Produktivkräfte, der gegenwärtig die kapitalistischen Produktionsverhältnisse sprengt.

Zuerst erschienen in: Streifzüge 54 / 2012


Das “gute Leben” – Beitrag zum Kongreß “Wem gehört Frankfurt

good-life
Auf den Kongreß ‘Wem gehört Frankfurt?’ am 18. März hielt der Vertreter der FALZ (Frankfurter ArbeitslosenZentrum) einen Beitrag, in dem er Möglichkeiten des “Wie weiter?” behandelte und der auf dem Abschlußplenum nicht mehr behandelt wurde. Da wir ihn jedoch für wichtig und inspirierend erachten, drucken wir ihn hier ab. Wir meinen, dass hier ein guter Aufhänger für weitere Kooperationen und Diskussionen gegeben ist, weit über diese Zeitung hinaus.

Das gute Leben

von Harald Rein

„Alles muss man selber machen….Sozialen Fortschritt erkämpfen!“, unter diesem Slogan fand am 14.01.2009 in Frankfurt der letzte Versuch statt soziale Initiativen, politische Gruppen und Einzelpersonen in der Banken- und Finanzmetropole zusammenzubringen, um gemeinsame Inhalte auf einer großen Demonstration zu transportieren. Trotz großer Beteiligung hinterließ weder die Vorbereitung noch Nachbereitung der Demonstration einen nachhaltigen Eindruck auf die beteiligten AkteurInnen diese Form der Manifestation möglichst bald zu wiederholen. Nur mühsam konnte ein Platzen des Bündnisses im Vorfeld vermieden werden, Diskussionsbeiträge waren durchsetzt von theoretischen Alleinvertretungsansprüchen  der beteiligten Gruppen und Einzelpersonen, die Gesamtstimmung permanent aggressiv.

Danach ging es so weiter, wie die Jahre zuvor auch. Teilbereichsbewegungen (Ökologie, Lärm, Soziales, Bildungspolitisches usw.) entfalteten ihre Aktivitäten, ihre theoretischen Einsichten und ihre Praxis, ohne  dass andere Gruppen einbezogen wurden. Gemeinsamkeiten werden nicht gesucht.
Auch durch diesen Zustand gelingt es den Herrschenden fast immer  Protest klein zu halten. Angriffen auf Alle werden nicht gemeinsam begegnet.

Woran liegt das?

Möglicherweise an der Bunkermentalität vieler Gruppen, die es für Außenstehende verunmöglicht mitzuarbeiten, möglicherweise an kruden Theoriemustern, die in dogmatischer Form als Weisheit letzter Schluss ausgegeben werden, möglicherweise weil der Kontakt zu anderen Teilbereichsbewegungen für viele ein Zeit- und Kraftaufwand bedeutet, der kaum zu bewältigen ist, möglicherweise weil jeder/jede Spezialist/in auf seinem/ihren Gebiet ist und darüber hinaus nicht mehr erkennbar ist wo es sich überschneidende Kampflinien gibt. So laufen in der Regel Aktionen am Flughafen, am Arbeitsamt, am Betriebstor etc. getrennt ab.

Aus den Debatten innerhalb der bundesweiten Erwerbslosengruppen gibt es nun einen Vorschlag diesen Zustand zu verändern. Selbst stark behaftet mit Themen, die kaum anderen sozialen Bewegungen zu vermitteln sind oder diese nur am Rande interessieren, wie z.B. die Regelsatzdiskussion, wurden die Auseinandersetzungen über diese Frage nochmals gründlich gerührt und geschüttelt und über grundlegend andere Wege zu einer allgemeinen Existenzsicherung bzw. gesellschaftlichen Veränderung nachgedacht. Bevor wir dieses beantworteten, stellten wir uns zu allererst die Frage:

Was verbindet Mieterkampf, Kampf gegen Flughafenausbau, Kampf von MigrantInnen, Erwerbslosenprotest usw.?
Die Antwort ist so banal wie einsichtig: Ein gutes Leben!

Was ist das Besondere an der Forderung nach einem guten Leben?

  1. stellt es den Versuch dar, die Zersplitterung der sozialen Auseinandersetzungen zu überwinden:  hier für einen höheren Regelsatz, da für Mindestlohn, hier für die Rechte von MigrantInnen oder da für die Verbesserung der Wohnsituation. Das gute Leben ist eine gemeinsame Forderung hinter die sich Viele stellen können, ohne das der Anspruch an Radikalität verliert.
  2. Gutes Leben ist keine Defensivforderung, es geht nicht um Almosen oder Mindestsicherungen, sondern um die bewusste Forderung nach einer ausreichenden Existenzsicherung, in deren Mittelpunkt in selbstbestimmter Form die Lust auf Leben steht. Mit der notwendigen Unbescheidenheit der Begrifflichkeit „gut“ wird sich abgesetzt von der Tafelpraxis, Resteverwertung und sonstigen Maßnahmen und Mittel, die zur gesellschaftlichen Ausgrenzung genutzt werden.
  3. Aus der Forderung nach einem guten Leben ergeben sich weitere Diskussionsstränge: wie will ich Leben und Arbeiten, wie erreiche ich es möglichst preisgünstig aber dennoch gut zu wohnen, welche Arten von Wohnen möchte ich entwickeln, wie soll mein Stadtteil aussehen, welche Art von lokaler Gesundheitspolitik benötige ich, welche Angebote kostenloser oder zu geringen Gebühren verfügbaren öffentlichen Gütern sind notwendig, wie gelangen wir an gesellschaftlich erzeugten Reichtum und wie verwenden wir ihn?, usw. So wäre z.B. die Einführung eines anonymen Krankenscheins eine konkrete Verbesserung für Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus. Auch wenn vom Individuum ausgegangen wird, sollte immer klar sein, dass gesellschaftlicher Fortschritt  nur im solidarischen gemeinsamen Kampf erreichbar ist.
  4. In den einzelnen Teilbereichsbewegungen (Migration, Ökologie, Wohnen etc,) nimmt der Blick hin zu einem guten Leben einen zentralen Platz ein. Aus ihrer jeweiligen Theorie und Praxis heraus, können diese die Forderung nach einem guten Leben spezifizieren.
  5. Die Bestimmung,  was für ein gutes Leben nötig ist, kann möglicherweise über eine gemeinsame Praxis organisiert werden, etwa indem zu Veranstaltungen aufgerufen wird, in denen gesellschaftliche AkteurInnen selbst festlegen, was ein gutes Leben ausmacht, was dafür benötigt wird und wie es umzusetzen ist. Eine Art Befragung von unten, mit dem Ziel bisherige Verteilungsregelungen in Frage zu stellen und das Gemeinsame in Theorie und Praxis hervorzuheben..
  6. Die Diskussion um ein gutes Leben umfasst zum einen die Frage, was benötige ich, um gut zu leben (also alle menschlichen und gesellschaftlichen Grundbedürfnisse, die mit dem Einsatz von Geld zu befriedigen sind, wie z.B. Nahrungsmittel, Bekleidung usw.), aber auch zum anderen die Frage: Was benötige ich für ein gutes Leben, das ich mir nicht kaufen kann (also Zeit, Anerkennung, Arbeit, Gesellschaft usw.).
  7. Entscheidend ist die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen voranzutreiben und jedem einzelnen Mitglied der Gesellschaft die Möglichkeit zu bieten, Dinge realisieren zu können (politisch, kulturell, individuell etc.), die er oder sie für wichtig erachtet. Dazu benötigt es institutionelle Voraussetzungen, die erkämpft werden müssen, sodass Menschen in Freiheit tätig sein können. Eine dieser Voraussetzungen könnte das bedingungslose Grundeinkommen sein (also ein ausreichendes Einkommen, ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zur Arbeit für Alle), aber auch der freie Zugang zu anderen Ressourcen (Mobilität, Bildung, Gesundheit etc.).
  8. Und schließlich lassen sich auch internationale Verbindungen herstellen: in einigen Ländern Südamerikas hat das Recht auf gutes Leben Verfassungsrang („Buen Vivir“).

Es steht im Zusammenhang mit indigenen Traditionen bzw. Wertvorstellungen und versteht sich als neues Entwicklungskonzept, das sich von westlichen Wohlstandsparadigmen verabschieden will.

Wir möchten gerne ins Gespräch mit anderen Gruppen, Initiativen und Personen kommen, die ebenfalls den „roten Faden“ der Verbindung von theoretischen Diskussion und praktischer Arbeit unterschiedlicher Aktionsfelder suchen. Gleichzeitig stellen wir den Ansatz des „guten Lebens“ zur Diskussion, als eine Möglichkeit, diesen Faden aufzunehmen und weiterzuführen.
Für Initiativen, die sich für bestimmte Themen, wie z.B. Bildung, Wohnen oder Migration engagieren oder gegen die weiter wachsende Armut kämpfen, könnte die Diskussion um ein „gutes Leben“ nicht nur eine Klammer darstellen; sie könnte eine Dynamik in Gang bringen, herrschende Vorstellungen, wie wir zu leben haben, anzugreifen.

Wie es auch gehen kann! :

“Der Fehler eines Mitarbeiters im Jobcenter hat bei einem Paar in Sachsen-Anhalt für einen unerwarteten Geldsegen gesorgt. Die Hartz-IV Empfänger aus der Nähe von Magdeburg hatten plötzlich gut 83 000 Euro mehr auf dem Konto. Diese Summe sei im Juli und August wegen eines Eingabefehlers überwiesen worden, sagte die Leiterin des zuständigen Jobcenters. „Bei der Septemberberechnung haben wir es bemerkt“, sagte sie. Man habe sofort versucht, das Paar zu erreichen. Alle Versuche seien aber gescheitert, auch im Jobcenter seien die beiden trotz eines Anhörungstermins nicht aufgetaucht.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung 15.10.2011)


[1] Harald Rein ist als Berater im Frankfurter Arbeitslosenzentrum (FALZ) tätig und gehört einer Frankfurt/Offenbacher Arbeitsgruppe „Gutes Leben“ an, die aus der bundesweiten Arbeit des unabhängigen Erwerbslosennetzwerkes BAG-PLESA (Bundesarbeitsgemeinschaft-Prekäre Lebenslagen www.bag-plesa.de) entstanden ist. Die inhaltlichen Ausführungen sind Produkt der gemeinsamen Diskussion.


Rede auf der Auftaktkundgebung der M31-Demonstration von Jutta Dithfurth

Hej,
heute ist der erste Europäische Aktionstag gegen Kapitalismus, Nationalismus und gegen das Elend, das aus Deutschland kommt. Der Beginn einer neuen Antiautoritären Internationalen. Menschen aus verschiedenen Strömungen der emanzipatorischen Linken haben eine gemeinsame Plattform erarbeitet, so dass heute in mehr als 40 Städten und in Dutzenden europäischer Länder demonstriert wird und Solidaritätsaktionen sogar in New York und Moskau stattfinden.

Beim nächsten Mal sind vielleicht auch Gruppen aus Ägypten, Brasilien, Indien, Südafrika und der Westsahara dabei. Unsere Solidarität ist grenzenlos:
Wir scheißen auf den Nationalstaat und wollen, dass alle Menschen frei und sozial gleich leben.

Risse im System tun sich auf. Die Weltwirtschaftskrise hat die Legitimation des Kapitalismus und seiner Staaten angefressen. Die kapitalistische Produktionsweise gilt endlich nicht mehr als »Naturgesetz«. Hinter der verharmlosenden Kategorie »Globalisierung« erscheint der Imperialismus in seiner wirklichen Brutalität.
Aus der letzten Weltwirtschaftskrise rettet sich der Kapitalismus in Faschismus und Weltkrieg. Welche »Lösung« wird ihm diesmal einfallen?

Wir beobachten seine Brutalisierung und den Verfall bürgerlicher Demokratien in immer autoritärere Systeme.

Der Kapitalismus ist die Krise unseres Lebens. Indem die kapitalistische Produktionsweise, wie Marx sagt, die beiden einzigen (Spring)Quellen des Reichtums, die menschliche Arbeitskraft und die Natur für seinen Profit gnadenlos verwertet, beraubt der Kapitalismus sich tendenziell seiner eigenen Grundlage.

Er versucht dieser Gefahr zu entgehen, in dem er der Erde noch mehr Ressourcen abpresst. Das geschieht um den Preis der Vernichtung der stofflichen Grundlage unserer Existenz. Und er tritt die menschliche Arbeit bis unter die Hungergrenze und macht immer mehr Menschen für ihr ganzes einziges Leben ökonomisch überflüssig.

Wer dem Elend, das auch aus Deutschland kommt, etwa aus Afrika zu entfliehen sucht, zerschellt an den hochgerüsteten Grenzen Europas. Im »Mittelmeer der Leichen« sind letztes Jahr — allein nach UN-Angaben — 1.500 Menschen auf der Flucht ertrunken. In Wahrheit mehr, über all die Jahre die Zahl der EinwohnerInnen einer ganzen Stadt. Gejagt, bedroht und abgeschoben werden die Flüchtlinge durch die, von Deutschland und der EU finanzierte, paramilitärische Agentur Frontex.

Die Weltwirtschaftskrise ist das Ergebnis einer Überproduktionskrise des Kapitalismus, welche zum Kapitalismus gehört wie Fliegen zur Kuhscheisse. Wer nur gegen die Banken wettert, hat nicht begriffen, wie Kapitalismus funktioniert. — Wie zum Beispiel der Träger dieses Schildes hier unten gegen die »Zinsknechtschaft« hier unten nichts weiß von Profit, Mehrwert, Ausbeutung. — Der Kapitalismus ist nicht zu reformieren. Auch kleinere Verbesserungen presst man ihm nur ab, während und indem man an seiner Abschaffung arbeitet!

Denn es gibt keinen automatischen Fortschritt. Wir stecken mitten in einer autoritären Entwicklung hin zu einem vollendeten, bisher einmaligen Inhumanismus.
Die einzige Hoffnung liegt im Kampf um Befreiung.

»Reform« ist heute nichts Fortschrittliches mehr und Fortschritt kein historischer Automatismus. Die ‘Dialektik von Reform und Revolution’ von der Rosa Luxemburg noch sprach, ist durch die weltweite Entwicklung des Kapitalismus außer Kraft gesetzt. Die »Sozialreform« wurde praktisch aus ihrem revolutionären Bezugsrahmen gelöst. Sie trägt nicht mehr bei zur »selbsttätigen Assoziierung der lohnabhängigen Massen«, sondern wurde ein Instrument der Konterrevolution. Jeden dreckigen Krieg nennen sie heute ‘Menschenrechtsaktion’, jede soziale Verelendung verkauft man uns als ‘Sozialreform’.

Wir sind in einem Stadium gesellschaftlicher Entwicklung, in dem alle technischen und wissenschaftlichen Mittel entwickelt sind, um die Welt eine menschenwürdige werden zu lassen, um Humanismus radikal zu verwirklichen. Es sind aber gleichzeitig alle Techniken entwickelt, um die Erde für die Menschen zur Hölle werden zu lassen.

Aber die Ruinierung des Menschen und der Natur sind für den Kapitalismus profitabler als unser Glück, unsere Freiheit und unsere soziale Gleichheit. Es ist eben nicht die Frage fehlender Alternativen, sondern eine der Herrschaft von Staat und Kapital – und wann und mit welcher Orientierung wir mit dieser Herrschaft brechen.

Weil wir keine orthodoxen Vorstellungen haben, – weder von unserem Kampf noch von unserer Zukunft –, setzen wir auf emanzipatorische soziale Prozesse.
Es wird keine Situation geben, in der die Träger_innen der sozialen Revolution fertig ausgebildet in den Startlöchern stehen. Nichts ist fertig, wenn die Auseinandersetzung beginnt. Die gesellschaftlichen Träger der Umwälzung formieren sich erst im Prozess der Umwälzung selbst.
Eine solche Einübung geschieht hier, heute.

Wo immer wir am Ende dieses Tages stehen — oder sitzen — werden:
Es ist großartig, dass es zum ersten Mal gelungen ist, aus eigener Kraft, unabhängig auch von staatstragende Organisationen, diesen ersten »Europäischen Aktionstag gegen den Kapitalismus« zu organisieren.

Emanzipatorische Linke haben begonnen, miteinander zu arbeiten, über alle Sprachgrenzen hinweg.
Das kann uns niemand mehr nehmen.

No pasaran!

Dies ist erst der Anfang!
Danke.

Jutta Dithfurth


Stadtsplitter – in die eigene Frankfurter Geschichte eintauchen

Betrachtungen beim Gang durchs Quartier

Es ist so eine Geschichte mit der eigenen Geschichte, sie weist so manche Biegung und Verbiegung auf, will man sich wirklich erinnern. Dabei tritt dies ab und an ganz spontan ein und ist nicht immer wirklich zufriedenstellend, besonders wenn man sich mit einem Thema herumschlägt, das nicht unbedingt erbaulich ist. nehmen wir mal das Schlagwort ‚Gentrifizierung’. Diese Erinnerungen werden so ganz beiläufig nach oben gespült, ein Gang durchs Viertel, die Erwähnung einer Strasse im “Nordend”.

Ich komme an Häusern vorbei, in denen sich „meine“ Wohngemeinschaften befanden, an weiteren, in denen befreundete WG zu finden waren, entweder besetzt und/oder legalisiert, oftmals auch ganz schlicht gemietet, war nichts besonderes damals, Wohnungen, in denen üblicherweise die UnterzeichnerInnen der Mietverträge längst in alle Winde verstreut waren, mit denen zusammen Mietstreiks organisiert und Räumungsbegehren abgewehrt wurden.

Dann passiere ich solche Häuser, in die „MitkämpferInnen“ als neue Eigentümergemeinschaft einzogen, lange bevor eine solche Tat als >>Gentrifizierung<< bezeichnet werden sollte. Schon hier zog sich ein Riss, waren diese Häuser zum Teil mit kriminellen Methoden entmietet worden, was jedoch ob der Freude am eigenen Heim sehr schnell in Vergessenheit geriet. Ausserdem: die „Neuen“ waren ja die Alten, Teil der eigenen Subkultur.

Schliesslich bleibe ich an jenen Fassaden hängen, die von „Kollektiven“ aus der links-alternativen Szene erworben und umgewandelt wurden. Es sind einige, zumeist verstreut, sie fallen kaum auf und zeigen zum Teil schon eine Patina.

All dies vollzog sich nahezu unbemerkt, auf kleiner Flamme betrieben. Kein abruptes Ändern des Erscheinungsbildes, mehr: ‚mein Haus soll schöner werden’. So unter der Hand vollstreckt, blieb die Reaktion zustimmend, schön sah es halt aus, die frisch gestrichenen Fassaden. Die Umwandlung war eben nicht sichtbar. Allenfalls die Zunahme hochwertiger Fahrräder, das Hinzufügen von Balkonen und eine Häufung der Belästigung durch Baugerüste im Viertel. Parallel dazu verschwanden Stück für Stück die alten Kneipen, um als Szenelokale wieder aufzuerstehen. Aus Kollegs, die dereinst Gesangverein und ähnliches beherbergten wurden „Off-Theater“.

Mit dem Verschwinden der Brachen im Viertel war es dann klar: das Quartier verspricht ausreichend Rendite. Und damit kamen die grösseren Projekte, die mit besserer Ausstattung und mit ihnen „Heuschrecken“ und die Angst der „Pioniere der Bewegung“ hier nicht mehr mithalten zu können.

Neue Bewegung: von links nach rechts

Sie, die dieses Viertel zu erschliessen halfen, die es zum Teil mit eigenen Händen der Aufwertung zugeführt hatten, sehen sich bedroht. Die Bürgersteige zugestellt mit Karossen, die von dem neuen Selbstverständnis zeugen, so dass sie mit ihren Fahrrädern auf die Strassen ausweichen müssen. Schlimmes bahnt sich an. Der Schwung droht sie mitzureissen, sie zu Aussenseiter im Viertel zu degradieren.

Jetzt beklagen sie die Gier der Investoren, die Rücksichtslosigkeit der jungen Garde, die so gar keine Bindung an die liebevoll gepflegten Vorgärten zeigen, im Frühling nicht mit auf die Friedberger Landstrasse ziehen, um Grünstreifen anzulegen, keine Lehrtafeln an die Zäune hängen, um auf die Nützlichkeit der hier zu sehenden Pflänzlein hinzuweisen.

Die gehen lieber freitags auf den Friedberger Platz, müllen alles zu und lärmen dann durchs Viertel zu ihrem Eigentum. Die Nachbarschaft zerbricht, man streitet sich über Kinderlärm suchen und fällt mit verbissener Polemik übereinander her. Das Einzige, was beständig ist für die Generation der Pioniere ist der Wert ihrer Investition. Wichtig, weil das Rentenalter naht und zum Teil bereits erreicht ist und die Zukunft das Pflegeheim bereit hält. Wer sich nicht um „alternative Wohnmodelle“ gekümmert hat, muss auf diesen Wert zurück greifen, um die letzten Jahre mit Anstand zu überstehen.

Was auffällt: ich treffe kaum noch jemanden, sieht so aus, als wären alle schon im Heim und auch spätabends hat sich die Erscheinung verwandelt: die „Neuen“ gehen früh zu Bett, die Lokale sind leer nach Elf. Und vorher ist das Völkchen, das sich hier die Kante gibt, auch nicht mehr so bunt, oder ist das auf mein Älterwerden zurück zu führen?

Ich meine jedoch, dass diese Beobachtung genau ist, weniger eine Interpretation. Mir fällt auf, dass die kleinen Schilder an den Häusern der ehemals gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften verschwunden sind, sowas entspricht nicht mehr der Lage. Zum einen sind einige Wohnungen wohl verkauft, zum anderen würde dies auf eine Stigmatisierung der MieterInnen hinaus laufen, obwohl es seit längerem nichts mehr mit sozialem Wohnungsbaus zu tun hat. Aber richtig, die Fassaden sind aufgemotzt, innerlich bereinigt, sind sie jetzt für bessere Kreise interessant.

Trotz allem will Nostalgie sich nicht so recht einstellen, die finden wir bei den Neusiedlern der ersten Generation, sind sie doch vor allem hierher, weil sie etwas für den Rest des Lebens wollten, der nun schneller kommt als gedacht. Die Konsequenzen des bürgerlichen Eigentums fragen nicht nach Befindlichkeiten, schon gar nicht nach Bedarfen. Was sich einst als rationale Entscheidung darstellte, entblößt jetzt den Pferdefuss und der schmerzt, wenn er einen trifft.

Und plötzlich sieht man/frau sich auf der anderen Seite wieder, die Pioniere der Bewegung sind eingetreten in den Chor der Konservativen, denn sie haben viel zu erhalten. Wenn das man nicht nach hinten losgeht.


Frankfurter Wahltheater – von Tigern und anderen schwarzen Kätzchen

Mein Gott war das ein Erlebnis ihn wieder zu sehen, unsere heimliche Kiezgrösse für den gehobenen Geschmack. Da prangt er doch tatsächlich im Medium unter großer Fahne, dort wo es ihn immer wieder magisch hinzieht, fachmännisch aufgenommen von unten, so wird der Macher erst imposant. Einer, der dereinst auszog, die Verhältnisse vom Kopf auf [...]

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“Them Chemicals!” oder: ~cubische potentiale~

Neulich nächtens,
Weil Zeit und Herz mich so sehr quälten,
Traf ich trinkend auf dem Nach-Hause-Weg
Auf ein Häuschen blauer Farbe,
Wie es jedem Bauarbeiter wohl bekannt sein dürfte.
In der Hoffnung die Reste meines Rausches
Einer chemischen Grube zu übergeben
-sprich: mich drückte die Blase-
Näherte ich mich dem provisorischen Bau,
In Hoffnung auf Erleichterung.
Erst war mir, als hätte ich es übertrieben,
Als ich [...]

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Wie ein Fluch zu gestalten ist

EXOTERISCHE ANWENDUNG OKKULTER MASSNAHMEN

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Dieser Text wurde ins Leben gerissen, weil mir ein alter Freund vor langer Zeit eröffnete, dass Flüche dauerfristig eher uninteressant sind, meist jedoch zumindest wirkungsvolle und bisweilen unterhaltsame Resultate zeichnen. Auf jeden Fall sind sie im Gegensatz zu Beleidigungen straffrei, wenn sie kostenlos, also nicht im Auftrag Dritter gegen Entgelt gesprochen werden.
Es handelt sich hierbei um eindeutig Schwarze Magie.
Wer keine Lust hat, sich Flecken auf der Seele zu holen, lässt es also lieber bleiben…

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„Wir sind ein Bild aus der Zukunft“

Wie schnell man die Zukunft schon hinter sich hat

Das Motto ist gut gewählt, die Regionen dieser Welt bewegen sich in denkwürdiger Gleichförmigkeit aufeinander zu – und dies keineswegs zum Besseren für die Mehrzahl der Betroffenen. Die Ungleichzeitigkeit dieser Entwicklung gibt uns Gelegenheit, an hand verschiedener Regionen einmal darzustellen, was uns erwarten könnte – nicht muss, da wir immerhin die Möglichkeit haben, andere Richtungen einzuschlagen. Das TINA-Gewäsch können wir getrost Merkel und Konsorten überlassen.

Wer immer meint, Hauptsache es trifft die anderen und wenn ich nur fest genug mit draufschlage, wird mir auch nichts passieren, wird sich bald mit Niemöllers damaliger Einsicht konfrontiert sehen: „…als sie die Kommunisten geholt haben, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist, als sie die Sozialdemokraten geholt haben, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie mich geholt haben, war keiner mehr da….“

…ein Deutscher, der auf einen Griechen schaut, der auf einen Inder blickt.

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Nun, auf den ersten Blick nicht viel, so will es scheinen. Was hat dieser fleissige Deutsche schon mit dem listigen Griechen und vor allem dem im Aberglauben steckenden Inder gemein. Da ist dieser Exportweltmeister, der sich verwundert die Augen reibt, dass nicht alle anderen auch Weltmeister sind, der Grieche, der nur zusieht, wie er ohne Risiko seinen Vorteil ergattert und schliesslich, der langsam in den Genuss der westlichen Segnungen kommende Inder, der sich halt erst daran gewöhnen muss, dass die Mango nicht einfach in den Mund wachsen.
Indian Dreams

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Aufruf zur Verteidigung von Gesellschaft und Demokratie in Griechenland

Dieser Text ging aus der Initiative einer Gruppe von Bürgern unterschiedlicher Herkunft hervor, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Wir halten es für dringend notwendig, uns gemeinsam sowohl innerhalb als auch außerhalb Griechenlands Gehör zu verschaffen, und zwar so nachvollziehbar und kritisch, dass es uns gelingt, andere zu überzeugen.
Im Lichte [...]

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“How about:” ~ Ein offener Brief~

Hey Berlin!

duell

Du psychedelisch verpepte Parlamentarische Preussenpussy,
Verschlingerin aller Künste,
Du Vietnam des Nordens,
Was soll ich von dir halten?

Du hast den Ossis die Freiheit geschenkt:
Und jetzt werden aus unseren Verwandten Nazis…
Weil aus Mauerstücken plötzlich ein Geschäft geworden ist.
Schade. Echt schade.

Ein Grienen an die Ohren getackert
Schleppst Du Dich durch die Nächte
Und fickst um Dein Leben,
Weil Dich sonst so friert.

Mexico City ist eine Stadt
Istanbul ein Kontinentalbruch
Mein Herz ein Tempel
Und Du hast nur AIDS.

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Mao und Stalin waren Rechte- Eine Antwort auf Erika Steinbach und Götz Aly

Eine Twitter-Nachricht von der CDU-Rechtsaußen und professionellen Geschichtsrelativistin Erika Steinbach löste einen kleinen journalistischen Wirbelsturm im deutschen Wasserglas aus.
Oder vielleicht sollte man es auch einen Shitstorm nennen, zumal dieses Wort ohnehin zu den aktuell meistbenutzten Modewörtern gehört und das Gesagte von Erika Steinbach und Götz Aly mit dem Wort „Shit“ auch gut zusammengefasst ist?

Jedenfalls war die gute Frau Steinbach der Meinung, die NSDAP sei eigentlich eine linke Partei gewesen, weil ihr Name ein „S“ welches für „sozialistisch“ steht, enthält.
Hier stellt sich mir die Frage, wie Erika Steinbach die politische Ausrichtung der CDU-Schwesterpartei, der CSU, beurteilt- schließlich haben die ja auch dieses böse „S“ im Namen, diese verkappten linken Socken.
Aber historische Fehleinschätzungen von Tante Erika sind ja nichts Neues und eine gesunde Portion Geschichtsblindheit gehört schließlich zu den Schlüsselqualifikationen im Berufsbild einer Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.
Anders könnte man diesen Job gar nicht machen, ohne dass einem beim morgendlichen Blick in den Spiegel speiübel werden müsste.

Zu Erika Steinbachs mangelndem Geschichtsbewusstsein sei nur einmal an ihre Verteidigung der Deutschen Wehrmacht als „saubere Armee“ während der Wehrmachtsausstellung in den 90er Jahren erinnert, ein Mythos, der inzwischen gründlich ausgeräumt ist, im steinbachschen Geist aber mit Sicherheit auch heute noch weiterlebt.
Obendrein könnte man ohne eine gewisse Ausblendung historischer Tatsachen auch gar nicht guten Gewissens CDU-Mitglied sein, da die CDU zumindest von ihrer personellen Besetzung in der frühen Bundesrepublik die Bezeichnung „NSDAP-Nachfolgepartei“ ebenso sehr verdient hat, wie heute die die LINKE die Bezeichnung „SED-Nachfolgepartei“.
Dass allerdings nun der Historiker Götz Aly, der es eigentlich besser wissen müsste, in das gleiche Horn stößt, ist tragisch, auch wenn es angesichts dessen sonstiger geistiger Ergüsse nicht besonders überraschen mag.

Denn war die NSDAP eine linke Partei? Mitnichten!

Andersherum gedacht, würde vielleicht ein Schuh draus:
Nicht die NSDAP war links, sondern die „kommunistischen“ Massenmörder Stalin und Mao waren Rechte.

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Europa in der Krise II

Die Eurokrise bildet nur den aktuellen Brennpunkt einer langfristigen, globalen Krisis des kapitalistischen Weltsystems. Mit der vor allem von der BRD betriebenen »Sparpolitik« zeichnet sich nun ein Wirtschaftseinbruch in der Euro-Zone ab. (Fortsetzung des Überblicks)

Europa, China, USA

Wunderbar läßt sich dieser Mechanismus an der Euro-Zone demonstrieren. Das »Europäische Haus« wurde spätestens mit der Einführung des Euro auf einem beständig wachsenden Schuldenberg errichtet, der allen Beteiligten die Illusion verschaffte, an einem allgemein vorteilhaften Prozeß beteiligt zu sein. Deutschlands Exportindustrie sicherte sich – befördert durch die Absenkung des Lohnniveaus in der BRD im Gefolge der Hartz-IV-Arbeitsgesetze – die Absatzmärkte in der Euro-Zone, was zu enormen Handelsüberschüssen zugunsten Deutschlands führte. Diese Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands sind nur aufgrund des Euro in diesen gigantischen Dimensionen möglich gewesen, da die europäische Einheitswährung den ökonomisch unterlegenen südlichen Euro-Ländern die Möglichkeit nahm, die Konkurrenzfähigkeit in dem gnadenlosen binneneuropäischen Verdrängungswettbewerb in der Euro-Zone zumindest teilweise mittels Währungsabwertungen wiederherzustellen. Inzwischen belaufen sich die seit der Euro-Einführung kumulierten Leistungsbilanzüberschüsse der BRD gegenüber der Euro-Zone auf die schwindelerregende Summe von 770 Milliarden Euro! Selbstverständlich wären die deutschen Exporterfolge ohne die Verschuldungsdynamik in Südeuropa niemals erfolgreich gewesen. Die Arithmetik hat es nun mal so eingerichtet, daß das deutsche Exportkapital seine Leistungsbilanzüberschüsse nur dann erwirtschaften kann, wenn sich die Zielländer dieser aggressiven deutschen Exportoffensiven verschulden. Global summieren sich alle Leistungsbilanzüberschüsse und Defizite auf null Euro.

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Europa in der Krise I

Die Eurokrise bildet nur den aktuellen Brennpunkt einer langfristigen, globalen Krisis des kapitalistischen Weltsystems. Mit der vor allem von der BRD betriebenen »Sparpolitik« zeichnet sich nun ein Wirtschaftseinbruch in der Euro-Zone ab

Das neue Jahr fängt genauso an, wie das alte endete: mit der fortgesetzten Desintegration der Euro-Zone. Die Anzahl der Brandherde, die im porösen Gebälk des »Europäischen Hauses« schwelen, ist kaum noch zu überblicken: Griechenland steht aufgrund des fortgesetzten »Spar«-Terrors wieder kurz vor dem Bankrott, während der neoliberale Musterknabe Irland, der als Paradebeispiel gelungener Austeritätspolitik gehandelt wurde, in diesem Jahr mit einem Wirtschaftseinbruch rechnen muß. Spanien und Portugal kämpfen mit weiteren Kürzungsmaßnahmen gegen die rasant wachsenden Haushaltslöcher, die gerade durch die »Sparpolitik« der letzten Monate angeschwollen sind. Ein Großteil der Euro-Zone befindet sich inzwischen in einer Rezession. Das EU-Mitglied Ungarn taumelt am Rande der Staatspleite. Die jüngsten Turbulenzen um die größte italienische Bank UniCredit verweisen wiederum darauf, daß die europäische Schuldenkrise auch eine Krise des europäischen Finanzsektors ist.

Was so alles kommt

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Idealer Job für Langzeitarbeitslose: Bundespräsident

…Nichtsdestotrotz möchte ich Ihnen einen Leserbrief von Hans-Joachim Viehl (ehrenamtliches Magistratsmitglied der Stadt Frankfurt am Main, Mitglied in der Partei Die Linke.) zum Lesen anempfehlen. Viehls Leserbrief vom 8. Januar 2012, der an die Frankfurter Rundschau und an die Frankfurter Neue Presse geschickt wurde, schildert das Bundespräsidentenamt aus einer besonderen, satirisch-aktuellen Perspektive…

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Erklärung der Finanzkrise endlich gelungen: Kurzfinger sind es!

In Frankfurt gilt es fast schon als Gemeinplatz, dass die Finanzmaschine die Welt am Laufen hält, oder gut: zumindest ihr dauerndes Rotieren schmiert. Das Drehen ist wichtig, für die Welt wie die Finanzen, in der Wirtschaft spricht man dabei von „Turn Over“. Um so schneller der Umschlag (eben „Turn Over“) des eingesetzten Kapitals, desto größer der Ertrag oder Profit in einem Zeitraum. Auf die Zeit kommt es an wie auf den Profit: sie machen heute das Leben rund um die Welt aus.

Fingerhandschuhe-ohne-Spitzen

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Video: Schuld. Die Barbarei Europas in der Nahrungsspekulation

Eine Dokumentation, die in das Innenleben einer hochtalentierten Fondsmanagerin des größten ETF ( Exchange-traded fund) auf Nahrungsmittel und in das Fleisch unserer Zivilisation blickt.

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Occupy:Frankfurt bietet Szenarioanalyse der Eurokrise

Occupy:Frankfurt ist Teil einer globalen Bewegung, die sich gegen die Macht der Finanzmärkte und Banken richtet. Ausgehend von den Protesten an der New Yorker Wall Street ist auch die Bankenstadt Frankfurt ein zentraler Ort für friedliche Demonstrationen.
Ein zentrales Problem der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist die Komplexität der Sachverhalte und die generelle Unkenntnis über deren Zusammenhänge. Das [...]

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Argument invalid

Der Herr A. verpasste seiner Frau einen heftigen Faustschlag ins Gesicht, da das Abendessen nicht pünktlich auf dem Tisch stand.
Die Frau ließ sich das nicht gefallen, reichte die Scheidung ein und erstattete außerdem Anzeige wegen Körperverletzung.
Vor Gericht erklärte der Herr A., man könne ihm doch eigentlich keinen Vorwurf machen. In den Medien habe er von einem Fall erfahren, in dem ein Mann seine Ehefrau mit dem Schnitzelklopfer erschlagen habe, bloß wie diese ihn beim Fußballgucken störte.
Im Vergleich dazu, sei sein Faustschlag doch nun wirklich harmlos gewesen.

Was ist von diesem Argument zu halten?
Könnte man es tatsächlich als mildernden Umstand für das Verhalten des A. werten, dass es Andere gibt, die noch viel schlimmer sind?
Ich glaube, dass sich kein vernünftiger Mensch von einem solchen Scheinargument überzeugen lassen sollte.

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Draußen campieren gut. Drinnen protestieren besser.

Bei aller gesellschaftlichen und politischen Notwendigkeit der Bewegung hat Occupy eine erhebliche Schwäche:
Die Bewegung campiert vor (!) den Hochhäusern der Banken. Dieses „Davor-Campieren“ beschreibt für meine Begriffe die allgemeine Lage gesellschaftlichen Protestes in diesem Land und vielen anderen Industrieländern. Draußen ist der Protest, drinnen funktionieren alle.
Kursfeuerwerk

Auch unsere Mainstreammedien stellten bereits mit einer Mischung aus Be- und Verwunderung fest, dass sich durchaus auch einige der Angestellten der Großbanken solidarisch gezeigt haben und teilweise sogar den Demonstranten die Reste ihres Caterings vom letzten Meeting überlassen haben sollen.
Die Rundschau präsentierte mit einem gewissen Stolz Businessleute, die nach Feierabend ins Camp gekommen sind und zumindest kurzzeitig an den Protesten teilgenommen haben.
Doch was nützt es, wenn ein Bankangestellter nach Feierabend protestiert? Und die Reste des Caterings helfen der Occupy-Bewegung vielleicht beim Durchhalten, aber nicht zu einem Erfolg, für den es mehr bräuchte, als gute Hoffnung und Sitzfleisch.

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Von der demokratischen Republik zum Prokonsulat

Im folgenden eine Glosse von Ulrich Rödel über die jüngste Entwicklung in Griechenland und deren publizistischen Widerhall bei Schirrmacher und Habermas. Rödel kommt aus dem Kreis der “Frankfurter Schule” (und hat nebenbei bemerkt ebenfalls wie der letztgenannte bei Suhrkamp publiziert). In Anlehnung an die Stroemfeld-Klassikerausgaben und mit einem Seitenblick auf den jüngst verstorbenen Friedrich Kittler, nach dem das Aufschreibesystem sich nicht von den Gedanken trennen läßt, publizieren wir sie als Wiedergabe des Originaltyposkripts.
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Nazis unter weißer Maske

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Bildausschnitt aus einem Youtube-Video: Neonazis demonstrieren in Masken, Leute stehen daneben und winken

Das Markenzeichen der Anonymous-Bewegung ist die Guy-Fawkes-Maske , die man in letzter Zeit immer häufiger bei Flashmobs, Protesten und Demonstrationen sieht.
Das Konzept des gemeinsamen maskierten Auftretens hat nun allerdings auch innerhalb der rechten Szene, insbesondere unter den sogenannten „Autonomen Nationalisten“ Anklang gefunden, hier allerdings nicht in Form des grinsenden Gesichtes eines Guy Fawkes, sondern unter einer schlichten, gespenstisch wirkenden „Neutralmaske“.

Besonders die im norddeutschen und nordöstlichen Raum aktive Neonazi-Gruppe „Spreelichter“ ist oft und gerne unter der Maske aktiv.
Die „Spreelichter“ sind aber nur Teil eines Netzwerkes, der sogenannten „Unsterblich“-Bewegung, welche weitreichende Verflechtungen in das gesamte Bundesgebiet und auch bis nach Österreich aufweist.
Deren Schlachtruf lautet „werdet unsterblich“ und ihr Ziel ist es, den „deutschen Volkstod“, den sie als verursacht durch die parlamentarische Demokratie betrachten, aufzuhalten. Hierzu bedienen sie sich verstärkt moderner Protestformen wie Flash-Mobs und viraler Verbreitung ihrer Ideen auch im Internet.

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Occupy: am Tag nach der Gipfelerstürmung

Die Lage ist unübersichtlich: in Frankfurt, in Deutschland, in Europa, der Welt und dem Web. Das betrifft nicht nur die Finanzen, die der Märkte und der Staaten.

Ackermann und China verkünden in schönem Gleichklang: “Das Vertrauen der Finanzmärkte ist gestärkt” – “Gott sein Dank” möchte man anfügen.

Am Tag nach Brüssel, nach dem nun jeder die “Billion” kennt, jubeln die Finanzmärkte und manch andere, allen voran die Aktionäre der Deutsche Bank AG: Sage und Schreibe 15% plus hat ihr Kurs in den ersten Handelsstunden. Natürlich war von keiner Finanzmarkt-Transaktionssteuer die Rede heute Nacht, aber von vielen Zahlungsversprechen und über den Ausverkauf von Staaten wurde besonders palavert.

Wer glaubt, der “Neo-Liberalismus” sei auf dem absteigenden Ast, unterliegt vermutlich einer Täuschung: so schnell wie in diesen Monaten wurden öffentliche Ressourcen im letzten halben Jahrhundert in Europa noch nie vertickert. Allein Italien hat gestern die Privatisierung öffentlichen Eigentums in Höhe zweistelliger Milliarden abgekündigt.

Aber eine ganze Menge Leute in Europa und anderswo freuen sich überhaupt nicht darüber, aus ganz verschiedenen Gründen. Selbst dass der Druck auf viele zunimmt ist noch lange keine Garantie dafür, dass sich “die Wirtschaft” erholt. Und selbst wenn: unter diesen Bedingungen bleiben viele, wenn nicht die meisten Verlierer in diesem Spiel. Über die Ausweitung der Arbeitszeiten bei immer weiter steigender Produktivität und besserer Technologie können wir uns denn auch gar nicht freuen: und das gilt fast überall.

Zur Unübersichtlichkeit gehört auch die vielbeschworene “Komplexität” der kapitalistischen Wirtschaft und der Finanzmärkte, über die unsere Medien und fast alle Politiker vor ihren Mikrofonen stöhnen. Es ist aber eine Sache, ob man sich um die Komplexität der Rettung aller bestehenden Verhältnisse sorgt und eine ganz andere, ob es um die Komplexität genau einer weitergehenden Änderung dieser dreht. Und genau dieser Unterschied wird gerne unübersichtlich gemacht.

Die widersprüchlichen Erwartungen und Folgen quer durch die Gesellschaft machen einen weiteren Teil der Unübersichtlichkeit aus, und das betrifft die (auch hier beginnenden) Widerstände gegen die wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Trotzdem müssen solche Widerstände weiter gehen.

Unweit von “Soll und Haben”, der Zentrale der Deutsche Bank AG steht die EZB und in der Wiese davor steht das Camp der Occupy Bewegung. Diese plant für Samstag, den 29. Oktober um 12 Uhr in Frankfurt eine erneute Demonstration, Treffpunkt ist der Rathenauplatz.

Angesichts der aktuellen Ereignisse spricht alles für diese Demonstration.

Zweifelsohne ist occupy selbst unübersichtlich, mit einem Korpus vager “Forderungen”, und Ansprüche, vieler obskurer Vereinnahmungsversuche und manch übertriebener Diskurssperren. Manches davon ist gut, anderes fragwürdig. Das spricht aber noch lange nicht per se gegen die Bewegung, sie ist halt unübersichlich, und gleicht damit ein Stück den Finanz-Prozessen. Es bleibt noch eine Menge an Möglichkeiten offen.

Einige Infos und Artikel über die Wogen um Occupy:

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Manifeste zum Recht auf Stadt

The right to the city is like a cry and a demand (…), a transformed and renewed right to urban life“ (Lefebvre).

Die Forderung nach einem „Recht auf Stadt“ scheint aktuell den Kern von Protesten gegen Stadtentwicklungsmaßnahmen zu treffen. Zahlreiche Initiativen versammeln sich hinter diesem Anspruch. Die berühmtesten Beispiele sind in Frankfurt, Freiburg, Berlin und vor allem in Hamburg zu finden. Auch das Manifest der Initiative „Not In Our Name, Marke Ham­burg!“ fordert das „Recht auf Stadt“.

Recht auf Stadt - Fahne

Diese Formulierung geht auf den französischen Philosophen Henri Lefebvre zurück. Als Reaktion auf eine „Krise der Stadt“ in der Industrialisierung entstanden, kann man Recht auf Stadt bei Lefebvre als “Recht auf den Nichtausschluss” von den Qualitäten der urbanisierten Gesellschaft“ zusammenfassen.

Durch den Vergleich des Manifests „Not In Our Name, Marke Ham­burg!“ mit Lefebvres Ausarbeitungen soll im Folgenden geklärt werden, ob dort seine Inhalte übernommen werden und inwieweit das Berufen auf ihn gerechtfertigt ist. Es zeigt sich, dass zwar das Schlagwort, aber nicht der systemkritische Anspruch Lefebvres übernommen wird.

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Berichte von der Sozialfront – Resteverwertung

Wenn jetzt das Netzwerk gegen Lohndumping in der sozialen Arbeit demonstriert (s. Blind Dates), dann ist dies ein Hinweis darauf, was auf diesem Gebiet der Klassenkampf von oben so alles anrichtet, darüber soll aber auch nicht vergessen werden, was im Schattenreich der neoliberalen Stadt so alles herumgeistert.
In den letzten Jahren hat sich in aller Stille [...]

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Emphatischer Zeitraffer: Innenstadt

Mit 9000 Bildern in ca. 28 Stunden reiner Aufnahmezeit hat Marc Schmidt ein Zeitraffer-Video (”Time Lapse Frankfurt”) von Frankfurt hergestellt, das wegen seiner verschiedenen Perspektiven sehenswert ist.
Würde er auch noch die übertriebenen Kommentierungen etwas runterschrauben, könnte was Nettes draus werden.

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Herrschaft der Narren

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Das Leben in einer Epoche medialer Blödheit.
Über die treffende Gegenwartsbeschreibung »Blödmaschinen« von Markus Metz & Georg Seeßlen

»Die welt jnn üppikeyt is blynt / vil narren / wenig wyser synt.« (Sebastian Brant: Das Narrenschiff, 116)

Die Ökonomie, schrieb Guy Debord in der »Gesellschaft des Spektakels« 1967, verwandle die Welt in eine Welt der Ökonomie; in eine Welt der Pseudoereignisse und Dramatisierungen, in der das Bewusstsein immer zu spät komme. Diese Welt wird inzwischen von glücklichen Narren bewohnt, die ohne Sinn für Geschichte dahinleben. Alte Wahrheiten entdecken sie auf diese Weise immer wieder neu. Sie werden in Tortengrafiken aufbereitet, in tabellarische Halbsätze gezwängt oder als wortlose Statistik präsentiert. Mit Hilfe von Vokabeln wie Story-telling und Rocket Science lässt sich fast zweieinhalb tausend Jahre nach Aristoteles konstatieren, der Mensch sei eigentlich ein soziales Wesen.

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Wie man Schwarzgurtträger bezwingt- Eine Allegorie

Vor dem, der einen schwarzen Gürtel vor sich her tragen kann, hat manch einer, der im Allgemeinen wenig und im Besonderen noch nie gegen einen Schwarzgurtträger gekämpft hat, gewaltigen Respekt.
Schließlich hat der Schwarzgutträger, so meint man, jahrelang die Kunst des Kämpfens studiert und müsse auf diesem Gebiet nun jedem Anfänger überlegen sein.
Und tatsächlich hat der [...]

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Internationale GeographInnen verabschieden Resolution

Campus Bockenheim soll ein Ort für alle bleiben
Anlässlich der 6. International Conference of Critical Geography (ICCG), die vom 16. bis 20. August 2011 an der Goethe-Universität Frankfurt stattgefunden hat, haben 450 WissenschaftlerInnen aus über 30 Ländern eine Resolution verabschiedet, die sich für den Erhalt und die Entwicklung des Campus Bockenheim als einen öffentlichen und demokratischen [...]

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Zum Absturz politischer Hacker-Illusionen

Einige Autoren der FGZ haben nie einen Hehl aus ihrer Reserviertheit gegenüber Techno-Utopien, speziell in Gestalt des WWW gemacht – und zwar noch auf dem Hintergrund, dass sie selbst professionell mit IT beschäftigt sind. Leider hat dieser Vorbehalt am Wochenende neue Nahrung bekommen, und zwar durch eine gesellschaftliche Unterminierung ihres Tuns von den Utopisten selbst.
Aus [...]

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Aufrüstung an der europäischen Sozialfront – hessische Vorstöße

Es sollte nur ein Artikel werden, doch sind die Aktivitäten seitens der herrschenden Eliten, angetrieben von deren ungebremsten Eifer, zu vielfältig, immer weiter auf der Suche, wo noch etwas zu holen ist. Unten natürlich, oben gibt’s nix zu holen! Eine neue Gesetzesänderung soll es nun richten.

Schlafstelle

Es wird überall gezündelt – sich dann gewundert und empört, wenn es zu einer Explosion kommt. Salbaderndes Gerede von rationalen Entscheidungen finden dort keinen Adressaten mehr, wo das offizielle: jeder für sich! Auf die trifft, die mit dem Rücken an der Wand stehen, auf dass sie besser niedergeknüppelt werden können.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Initiative der Regierungsfraktionen in Wiesbaden und den Eruptionen in Großbritannien. Wer dies nicht wahrhaben will, sollte sich am besten sofort in die entsprechende Gated Community begeben. Das in letzter Zeit oft gehörte „Jetzt reicht’s“ hat viele Sprachen und viele Gesichter. Das sollte im Hinterkopf sein beim Lesen.

Der selige Herr Koch ist einmal nach USA gefahren und dort hat er entscheidende Inspiration erfahren. Angetan von dem Musterland sozialer Bemühungen, begann er sofort diese wertvollen Richtlinien umzusetzen, da auch hierzulande die notwendigen Reform-Maßnahmen anstanden, die Schröder nach seinem Spezi aus der Wirtschaft nannte. Das Wunderwerk Hartz IV verlangte ein Gesetz zur Umsetzung, damit die vielen neuen Job-Center auch effizient arbeiten könnten.

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Medien- und sonstige Löcher: Kompaßstörungen

Sommer-Löcher gibt es dieses Jahr zuhauf, vom Himmel bis auf Erden. In den USA wurde die Lochverteilung die letzten Wochen besonders klar. Washington und manch andere Höhen gerierten sich als Olymp einer kleinen Kaste von Spielern, die besondere Übung in der Drehtürbedienung erlangten. Rein in die Administration und raus, rein in die Companies und raus, oder anders herum. Passt eh und bringt!
Eine kleine Clique von Multimillionären spielt dort mit der Bevölkerung Katz und Maus, kassiert weiter ein und streicht Sozialleistungen wie es nur geht. Möglichst in Personalunion als Berater oder Vorstandsposten.

Unser Proto-Typ war Rot-Grün vor Jahren (Consultants: Schröder, Fischer, Clement, Müller, Schily etc, fast das ganze Kabinett), aber eher noch auf Sparflamme. Zumindest sind sich Europa und USA in diesen “postdemokratischen” Verhältnissen immer noch nahe.

Ganz anders sieht es in Kerala / Indien diesen Sommer mit den Löchern aus! Die werden gestopft. In Indien findet man nämlich noch Schätze, und zwar solche, die direkt vor der Nase liegen: im KELLER.

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Aufrüstung an der europäischen Sozialfront

Gewisse Werte sind in der abendländischen Kultur tief verankert und werden unter den verschiedensten Bedingungen immer wieder nach oben gespült. Dies gilt vor allem im „sozialen Bereich“. Arbeitshaus, Arbeitsdienst, Galgen und elektronische Überwachung sind einem solchen Wert zugeordnet, alles phantasievolle Instrumente wie sie ansonsten nur noch bei der Verfeinerung von Foltermethoden beobachtet werden kann. Im Folgenden avantgardistische Entwicklungen auf dem Feld „Arbeitsmarkt“.

Die Aufmerksamkeit, die quer durch die Zeiten und Systeme den „Nicht-Arbeitenden“ gewidmet ist, wird seit jeher getragen von zwei unverrückbaren Säulen: einmal von der Sorge der Herrschenden um die Sicherung ihres Teiles am Gesamtvermögen der beherrschten Areale, zum anderen von der Sorge der kleinen Leute, den Rest auch noch teilen zu müssen.

Die Sorge war einmal tragendes Konzept der klassischen antiken Philosophie und mithin der ihr entstammenden Politik. Mittlerweile hat sich der Begriff der Sorge etwas gewandelt, erweitert sozusagen und begegnet uns als Sorge um den eigenen Status in Form des „Jeder ist sich selbst der Nächste“.

Müll-Sammler

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Verschollen geglaubte Deportationslisten entdeckt

Das inzwischen geschlossene Polizeigefängnis Klapperfeld hatte eine zentrale Funktion für Deportationen aus Frankfurt. Der Initiative »Faites votre jeu!« ist es gelungen, verschwunden geglaubte Deportationslisten ausfindig zu machen. Die Listen belegen Deportationen von über 3.300 Menschen allein für den Zeitraum von Februar 1943 bis Mai 1944 sowie für August 1942. Diese Dokumente, die unter anderem die [...]

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Bürgerbeteiligung à la Frankfurt – das ist so beschlossen

Was die Herrschaften darunter verstehen und wie sie es verstehen, sie dann zu umgehen.

Schwadroniert hat Frau Roth lange: von Bürgforen, dann Planungswerkstätten aber auch von Sachzwängen und Refinanzierungspflichten und Koalitionsverträgen. nur: die wichtigsten Verträge hat sie dabei ganz vergessen.

Klar und deutlich wird das Kalkül, betrachtet man das Letter of Intend von Römer und ABG, die erklärte Grundlage des Kaufvertrages zwischen der Stadt – nein der ABG Holding – und dem Land Hessen für den Ankauf des alten Campus-Areals in Bockenheim.

Planung Campus

Auf den ersten Blick möchte man meinen, hier ringen zwei Partner um den größtmöglichen Vorteil für beide Seiten, was öffentlichen Körperschaften auch gut anstünde, aber nur auf den ersten Blick. Sobald man die Materie genauer unter die Lupe nimmt – und sich die Akteure realistischer vorstellt als sie sich selbst darstellen – dann schwindet schnell, was sich eventuell als Hoffnungspflänzchen ans Keimen traute.

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Von den Problemen mancher „hierarchiefreier“ Communities

Insbesondere in der linken Szene stellen viele Initiativen und Gruppen an sich selbst den Anspruch hierarchiefrei oder gar herrschaftsfrei zu sein.
Dieses Ansinnen ist durchaus respektabel und bestimmt würden die meisten Menschen eine Welt, in der es weder Herrschaft noch Hierarchien gibt sehr begrüßen. Ich jedenfalls würde es.
Doch gut gemeint ist nicht immer gut gemacht wie [...]

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Medien-Kompass – anregende Kreisläufe


Ka-Ching – Shania Twain – MyVideo

Ja, wir wissen dass die großen Medien (”der Mainstream”) und die Politik ganz enge Allianzen eingehen. Die Berliner “Elitejournalisten” in Mitte betreuen ähnlich wie die viel größere Schar der Lobbyisten die Abgeordneten und die Parteiarbeiter bis in die Kuschelkneipen hinein. Man arbeitet eng zusammen, verwendet die gleichen Sprüche und will Effekte erzeugen. Effekte bringen Geld, viel Effekte bringen hier viel Geld. Deswegen wusste der greise Polit-Gott Helmut Schmidt schon früh, dass man in Deutschland nicht gegen “Bild” regieren kann.
Der grandiose Robert Murdoch betrieb das Effekthaschen in England besonders intensiv, hörte Tausende ab, bespitzelte so gnadenlos, wie es sonst nur staatliche Institutionen machen. Sein Abhörchef wurde – wie medial ärgerlich für die englische Regierung – zum Pressechef beim Premierminister: da weiß man was man hat und kann.

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Die neoliberale Stadt im globalen Wettbewerb?

Kritische Anmerkungen zum Leitparadigma gegenwärtiger Kommunalpolitik

Zumal im Zeitalter der Globalisierung befinden wir uns auch als Region in einem weltweiten Wettbewerb, dem wir uns stellen müssen – denn wir wollen diesen Wettbewerb gestalten und nicht erleiden. Bestehen können wir in diesem Wettbewerb nur dann, wenn wir alle unsere Stärken, die in der Region vorhanden sind, entwickeln und zur Geltung bringen“ (Petra Roth, Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main und Präsidentin des Deutschen Städtetages 2008).

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Medienkompass – Rasen aus Spanien

Rasen-Export
“Wachstumsperspektiven” lieferte der Kapitalismus schon immer, aber jetzt soll das Spiel der freien Märkte auch noch gegen unser schlechtes Wetter helfen. “Die Sonne im Rucksack” und raus aus Griechenland lautet der Tip eines studierten Wirtschaftsfachmanns, nämlich vom gegenwärtigen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Man könnte die Mittelmeerländer in die Energiewende integrieren, heißt der Grünen-kompatible, wohl ganz ernst gemeinte Vorschlag. „Griechenland hat eine viel höhere Anzahl von Sonnenstunden im Jahr als wir in Deutschland und könnte Strom zu uns exportieren

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Medienkompass – Utopien und Ehrungen

Kürzlich stellte eine hochgeehrte global aktive Institution einer technisch-administrativen Ereignisfolge mit globaler Wirkung die Absolution. Das wäre nun nicht weiter bemerkenswert, wäre diese Institution nicht vor Jahren mit höchster Ehrung, dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Und würde sich mit ihr nicht eine besondere, doppelschneidige Utopie verbinden, die mehrere blinde Flecken hat. Die Rede ist von der IAEA, der “Internationalen Atomenergie-Organisation“.

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Sie veröffentlichte vor Tagen ihren Bericht zur 3fach-Kernschmelze in Japan – und fand dort alles wunderbar. Selbst das Handelsblatt, kein ausgemachter Kernkraftgegner kommentiert: “Abstrus wird der Bericht der IAEA aber an der Stelle, wo deren Inspektoren den Umgang der japanischen Regierung und TEPCO mit der Krise als “beispielhaft” loben. Wer mit unabhängigen Wissenschaftlern und Nichtregierungsorganisationen spricht, wer einfach nur seine Augen aufmacht, weiß es besser.

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Gegen die Kriminalisierung sozialer Proteste

Ein aktueller  Aufruf im Zusammenhang der Proteste gegen die geplante Innenministerkonferenz in Frankfurt 2011

“Gegen die Kriminalisierung sozialer Proteste und mediale Stimmungsmache! Für das Recht auf soziale Bewegung!
Wir, die UnterzeichnerInnen, protestieren gegen die aktuelle Kriminalisierung der Proteste gegen die Innenministerkonferenz 2011 in Frankfurt. Wir werten die jüngsten Aktionen der Frankfurter Polizei gegen Linke als einen Versuch, legitime Proteste zu behindern und die Ausübung demokratischer Grundrechte einzuschränken. Zudem verurteilen wir die tendenziöse Berichterstattung einiger Medien.
In der Nacht vom 25. auf den 26. Mai wurden in Frankfurt am Main zwei Antifaschisten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, eine Protestparole gegen die Innenministerkonferenz (IMK), die im Juni in der Stadt stattfinden soll, an eine Wand gesprüht zu haben – eigentlich eine juristische Lappalie.

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