Frankfurter Gemeine Zeitung

Stories

Ein Gegenstandpunkt unter Roten

Marxist Coolface

Mit diesem Artikel stelle ich mich wahrscheinlich der politischen Überzeugung der einiger FGZ-Autoren diametral entgegen und ich weiß, dass ich auch den einen oder anderen unserer geschätzten Leser vergrämen könnte.
Trotzdem hoffe ich, dass Ihr alle Eure Freude am Lesen dieser Zeilen und dem was eigentlich zwischen ihnen steht, habt.

Damit die werten Leser nun meinen Standpunkt einordnen können, sollte ich mich an dieser Stelle vielleicht einmal selbst politisch verorten.

Ich bin liberal im angloamerikanischen Sinne, nicht im deutschen Sinne in dem Liberalismus oft als Synonym für Marktradikalität missverstanden wird:

Politisches Viereck

Ich vertrete eine möglichst ausgeprägte Freiheit im persönlichen Bereich, bin aber der Auffassung, dass demokratische Einflussnahme auf wirtschaftliche Prozesse nur mit Hilfe starker und gut ausgestatteter staatlicher Institutionen möglich ist. Der Staat hat für mich auch eine Umverteilungsfunktion von Waren und Ressourcen, wobei sich diese Umverteilung an allgemein akzeptierten ethischen Grundsätzen und nicht an Gesichtspunkten der Markttauglichkeit orientieren darf.

Ich wage zu bezweifeln, dass eine solche Umverteilung immer ohne Druck und auf freiwilliger Basis erfolgen kann.
Aus diesem Grunde glaube ich, dass ein gewisser staatlicher Zwang das Ausleben von persönlicher Freiheit des Einzelnen überhaupt erst möglich macht.
Ich halte es für eine unabdingbare Notwendigkeit, dass Staat und Gesellschaft weiterhin über Machtmittel verfügen, die starke Gruppen und Einzelindividuen daran hindern können, ihre überlegene Position zu Lasten des Schwächeren auszunutzen.

In diesem Sinne kann ich mich auch nicht mit Theorien anfreunden, die versuchen, Herrschaft, Zwang oder dergleichen gänzlich abzuschaffen, auch wenn ich einsehe, dass bei der politisch gegenwärtigen Überbetonung der Yang-Aspekte, Gruppen, die eine Überbetonung der Yin-Aspekte betreiben, zur Verbesserung der Harmonie förderlich sind.

Innerhalb mancher dieser Gruppen stockt allerdings der politische Chi-Fluss, bis er aufgrund der Verleugnung des, dem Yin innewohnenden, Aspekt des Yangs, gänzlich versiegt und so zum Absterben der Gruppe führt.
Wie heilsam wäre hier, einen Gegenstandpunkt innerhalb der Gruppe zu eröffnen um zu verhindern, dass solche Gruppen resignieren oder, schlimmer noch, in der geistigen Sackgasse des neomarxistischen Scholastizismus enden?

Die Wogen des Wandels spülten mich neulich an einen Ort, an dem es mir bestimmt war, Teil des kosmischen Ausgleichs zu sein und inmitten einer Lesung der „herrschaftskritischen“ Mitglieder eines marxistischen Bibelkreises (pardon: Kapital-Lesekreises) ein paar Lanzen für die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland zu brechen.
Und so kam ich, liberale Gedanken im Kopfe und das Feuer junger Leidenschaft in meiner Brust, zu einer Veranstaltung an der Uni, mit dem Titel: „Wer oder was herrscht, wenn das Recht herrscht?“

Eingeladen hatten dazu eine Gruppe namens „farbeROT“ und der „GegenStandpunkt Verlag“ und in einer Erklärung der Veranstaltung hieß es:
„Die Gewalt des Rechts ist nicht zufällig und nicht unberechenbar; sie hat System und Regeln, so dass der Mensch weiß, was ihm erlaubt und was verboten ist. Aber ist eine berechenbare Herrschaft denn keine Herrschaft?
Das kümmert die bürgerlichen Menschen nicht, denn sie schätzen diese Herrschaft als einen nötigen und wohltätigen Zwang gegen ihre eigene Unvernunft: Die Gewalt des Rechts, so sehen sie es, sorge für die Gewaltlosigkeit der Gesellschaft, erzwinge den Frieden unter den Bürgern und regle Konflikte. Die Freunde des Rechts wären weniger begeistert, wenn sie wüssten, dass das Recht nur solche Konflikte regelt – übrigens nicht löst! -, die es selbst in die Welt setzt.“

Diese Auffassung konnte und kann ich nicht teilen.

Richtig ist, dass das Recht uns oft vor unserer eigenen Unvernunft bewahrt. Dies weiß ich aus eigener Erfahrung, denn ich garantiere, dass ich in meinem Leben eine ganze Menge mehr gefährlichen Unsinn angestellt hätte, wenn ich nicht die strafende Hand von Vater Staat fürchten müsste.
Nicht unterschreiben kann ich allerdings die kühne Behauptung, dass die Konflikte, die das Recht regelt, erst durch dieses selbst geschaffen worden seien.

Der Vortragende schien die Auffassung zu vertreten, dass Probleme, die durch das Recht geregelt werden, ausschließlich oder zumindest hauptsächlich Probleme seien, die durch die Eigentumsverhältnisse geschaffen wurden, welche selbst Produkt des Rechtes seien.

Dies halte ich aus 2 Gründen für baren Unsinn:

1. Es gibt viele Situationen, die durch das Recht geregelt werden und die mit Eigentum aber auch rein gar nichts zu tun haben.
2. Eigentumsverhalten, also das Aneignen und Verteidigen von Boden oder materiellen Gütern existierte bereits vor jeder formalisierten Rechtsordnung und sogar im Tierreich, ist also mitnichten durch das Recht geschaffen worden.

Diese beiden Gedanken erregten bei der Gruppe das rege Bedürfnis zum Widerspruch, insbesondere letztere, denn gegenüber einem Neomarxisten die These zu äußern, menschliches Verhalten könne nicht nur in der Gesellschaft, sondern teils auch in dessen Biologie begründet sein , ist als wolle man einen mittelalterlichen Scholastiker in einer philosophischen Diskussion dazu bringen, die Möglichkeit einer Nichtexistenz Gottes in seine Erwägungen miteinzubeziehen.
Dieser würde solche „absurden“ Ideen umgehend mit einer ausgefeilten Synthese aus Aristoteles und der Bibel zu kontern wissen.

Auch andere meiner Auffassungen erregten das Publikum, da ich in den Beispielen, die meine philosophischen Ansichten verdeutlichen, gerne auch das Leben auf einsamen Inseln oder Typen mit Gatling Guns in meine Überlegungen miteinbeziehe.
Doch wie sollte man auf dem Gebiet der Ethik argumentieren, wenn nicht durch verdeutlichende Gleichnisse, so man nicht dem Trugschluss verfallen wollte, Tautologien, die sich aus dem Wesen des eigenen Sprachgebrauches ergeben, zu apriorischen Erkenntnissen zu verklären?

Natürlich stieß auch sehr sauer auf, dass ich, nachdem das Recht selbst in der Veranstaltung negativ dargestellt wurde, die Frage nach Alternativen zum Recht stellte.
Denn die Überlegung, man müsse nur das System fundiert genug kritisieren und könne es damit dergestalt dekonstruieren, dass sich auf wundersame Weise eine messianische Erlösung einstelle, wenn erst eine kritische Masse von Nörglern erreicht sei, muss selbst einem Menschen wie mir, der Konzepte von Yin und Yang in seinen politischen Überlegungen verwendet, quasireligiös und esoterisch anmuten.

Als ich dann auch noch nach einem konkreten Verteilungsmodus für knappe Güter, der nicht auf einem allgemeinen Recht basiert, fragte, hatte ich das vollkommene Unverständnis des Publikums sicher.
Eine junge Studentin, die zum Veranstalterkreis der Vorlesung gehörte, sprang auf und protestierte im Brustton tiefster Überzeugung (und auch wohl in Unkenntnis des ökonomischen Konzeptes der „knappen Güter“), die Knappheit sei doch erst durch das wirtschaftliche System verursacht und in Wahrheit gäbe es überall Überfluss, wenn nur diese geheimnisvollen Wesen, genannt „der Staat“ und „die Wirtschaft“ nicht wären .
Einen kurzen Moment war ich regelrecht überwältigt von der herzergreifenden Tragik dieser Jeanne D´Arc der Empörung, mit der sie im tiefen Bewusstsein unschuldiger Güte einen der gängigsten Allgemeinplätze politisch engagierter Linker intonierte, so dass ich vor Rührung kaum wusste was ich sagen sollte.

Doch natürlich musste ich eines zugeben: Auf der Welt läuft vieles beschissen. Und an vielen dieser Probleme ist die derzeitige Ausgestaltung des politischen Systems schuld.
Dies gab ich nicht nur aus Mitgefühl mit dem sensiblen jugendlichen Herzen der Studentin und Harmoniebedürfnis mit den anderen Teilnehmern zu, sondern aus tiefster Überzeugung.
Nur lässt sich eine bessere Welt nach meiner Auffassung eben nicht in vollkommener Ablehnung des Bestehenden erreichen, sondern nur in konstruktiven Gedanken zu seiner Verbesserung.

Trotzdem… und das muss ich, bei allem was an diesem Artikel vielleicht als spöttisch empfunden werden könnte, anmerken:

Einen kleinen Vorgeschmack auf eine bessere Welt konnte ich in der Gruppe und ihrem herzlichen und respektvollen Diskussionsstil erhaschen, der auch meine gänzlich abweichende Meinung zu Wort kommen ließ!

In diesem Sinne: Diskutiert weiter, Ihr lieben Hochschulmarxisten! Mein Segen sei mit Euch!

Und lasst Euch von einem kleinen Troll wie mir nicht ärgern^^


Florian K. liest den Koran- Des Projektes zweiter Teil

Dies ist nun der zweite Teil meines Koranprojektes, von dem wohl einige gedacht haben, ich würde es nicht mehr weiterführen.

Wie immer ist ABSOLUTE VORAUSSETZUNG zum Verständnis, die Einleitung zum Projekt gelesen zu haben. Zum Gewinn von Fleißpunkten empfehle ich außerdem das Lesen des ersten Projektteils.

Ich muss gestehen, ich habe lange gebraucht um mich wieder an den Koran zu setzen. Um die dritte Sure Al-i-´Imran (Die Sippe Imrans) überhaupt zu lesen habe ich mehrere Anläufe gebraucht, in deren Verlauf ich immer wieder das Bedürfnis hatte, mein Projekt zu begraben, aufgrund des Gefühls der Fremdheit, das mich beim Lesen immer wieder befiel.
Viele Verse der dritten Sure beziehen sich wieder auf das Verhältnis Allahs zu den Ungläubigen, denen ein negatives Schicksal in Form einer schweren Höllenstrafe beschieden sein soll. Vers 24 deutet darauf hin, dass diese Höllenstrafe im Islam, wie in vielen Interpretationen des Christentums als ewige Strafe angesehen wird. Wer dies nicht anerkennt gilt als Widerstrebender.
„Dies, weil sie sagen: „Das (Höllen)feuer wird uns nur für eine bestimmte Anzahl von Tagen berühren.” Was sie (an Lügen) zu ersinnen pflegten, hat sie über ihre Religion getäuscht.“

Ich persönlich kann mit der Vorstellung einer ewigen Höllenstrafe wenig anfangen, da sich die Vorstellung einer ewigen Strafe für ein zeitlich begrenztes Sündersein mit meinem persönlichen Gerechtigkeitsempfinden beißt.
Warum sollte ein Gott der allumfassend gerecht ist, uns als Sünder erschaffen und uns dann für die begangenen Sünden ewig strafen?

Gerade im Koran, in dem jemand nur aufgrund des Willens Allahs überhaupt Ungläubiger ist, erscheint mir dies als widersprüchlich. (vgl. hierzu Teil 1 des Projektes) Doch mir scheint der Text wohl in folgende Richtung zu verstehen:
Wenn Allah etwas tut, so ist dies immer gerecht, auch wenn dies unserem menschlichen Gerechtigkeitsbegriff widerstrebt. In diesem Sinne handelt es sich um eine gänzlich andere Definition von Gerechtigkeit, die vollständig vom menschlichen Gerechtigkeitsempfinden losgelöst ist.

Die ethische Prämisse wird hier nicht aus der Logik unserer Sprache definiert, wie viele von uns dies gewohnt sind, sondern durch das Diktum „unterwerfe Dich und gehorche“. Auf Begründungen wird verzichtet.

Naja… mangelnde Letztbegründbarkeit ist der Makel auch plausibler erscheinender ethischer Prämissen. Man kann aus einer ethischen Prämisse logische Schlussfolgerungen ziehen, doch kann niemand die ethische Prämisse selbst logisch begründen ohne letztlich bei irgendeiner Form der Tautologie zu landen im Sinne von „das Gute ist gut weil es gut ist“.
Welcher ethischen Prämisse man folgt, ist stets Produkt des eigenen Empfindens. Und genau hieran scheitert es bei mir mit der dritten Sure. Ich empfinde einfach nicht so.

Ich kann nicht glauben, dass der Beschluss eines Gottes tatsächlich gut oder gerecht ist, wenn ich mir nicht einmal sicher sein kann, ob es diesen Gott überhaupt gibt oder wenn es ihn gibt, ob das Gelesene auch tatsächlich seinem Willen entspricht.

Aber vielleicht könnte ich vernagelter Abendländer es glauben, wenn man es mir in den Worten meines Glaubens (also Kausalbeziehungen und logisch erscheinende Argumente) erklärte?

Eines wird mir angesichts meiner Betrachtungen klar:
Der Schlüssel zur Bekehrung eines Anderen zu einer Idee liegt nicht in deren logischer Begründung, sondern darin, welche Empfindungen eine Person mit der Idee verknüpft. Ist das Herz einer Person für die Idee gewonnen, so wird der Kopf schon logische Begründungen zu deren Verteidigung finden.
Nebenbei gesagt, ist dies ein Ansatz, der bei der Durchsetzung linker politischer Konzepte oft sträflichst vernachlässigt wird.

Außer diesen zugegebenermaßen weitschweifenden Gedanken konnte ich von meinem rein subjektiven Standpunkt aus der Lektüre der Dritten Sure nichts ziehen, das mich persönlich erbaut hätte, was aber auch an der Unzulänglichkeit meines Geistes oder der vorliegenden Übersetzung gelegen haben kann.

Ich bin nun allerdings doch gespannt auf die nächste Sure, in der es um ein greifbareres Thema gehen soll: Die Frauen.

Eine Betrachtung dieser Sure wird, so Gott (wenn es ihn gibt) will und wir leben folgen, wenn ich die Muße dazu finde.


Plan zur systematischen Wegirrationalisierung des Geistes in 5 Schritten.

Kein Foto vorhandenFangfrage aus dem Bereich Bibliothekswesen:
was tun, wenn man Platz braucht?

Antwort:
alte Bücher wegwerfen. Liest ja eh keiner.

Doch zunächst eine kleine Vorgeschichte: eine nicht näher genannte Hochschule. ZOOM. Irgendwo in Mitteldeutschland. ZOOM. In einer Stadt am Main, in der auch der Namensgeber der Hochschule einst in seine Windeln machte. ZOOM. Institut für Slavische Philologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Naja, zu konkret. Und Konkretsein is the new kitsch. Denn so etwas passiert bundesweit, täglich, jährlich, immer. Nicht  Einzelfall, sondern Regel.

Plan zur systematischen Wegirrationalisierung des Geistes in 5 Schritten.
Zum Ausschneiden und Verteilen bundesweit.

Schritt 1. Euphoria.

Ein geisteswissenschaftliches Institut wird gegründet. Alles floriert. Zahllose Promotionen, Habilitationen, Auszeichnungen, Publikationen, Ruhm und Lorbeerblätter, Beachtung in einem internationalen Maßstab.

Schritt 2. Survival.

Tempora mutantur. Hochschulleiter auch. Institut wird um die Existenz bedroht, und erfährt über die eigene Schliessung aus der Presse oder aus Gesprächen am Nebentisch in der Akademikerkneipe. Hauskommunikation ist so was von overrated. Es wird gekämpft. Lehrkräfte, Studierende, andere Institute, Dekan, alle sind in einer einzigartigen Solidarität verschmolzen. Es wird gekämpft. Es helfen aber keine Artikel in der Presse, keine hier stattfindenden bundesweiten Kongresse, keine außergewöhnliche Medien-Arbeit, keine Umstrukturierungen im Fachbereich, keine der Leitung entgegenkommenden Einsparungen. Und trotzdem: Es wird gekämpft.

Schritt 3. Es wird verloren, oder: Wegirrationalisierung.

Denn anscheinend zählt weder die wissenschaftliche Leistung, noch die Anzahl der Studierenden. Sondern der Drittmittel-Erwerb. Und die Markt-Attraktivität. Und das fehlt wohl bei einem geisteswissenschaftlichen Institut. Wie kann man sonst erklären, dass ein international prominentes Institut schlichtweg gestrichen wird?

Schritt 4. Überreste entsorgen.

Es bleiben noch einige Lehrkräfte da, weil noch Studierende eingeschrieben sind. Es bleibt auch die Institutsbibliothek da, weil die Studierende auch zum Abschluss kommen möchten. Doch keine Sorge, alles ist vergänglich. Der letzte Studierende geht und…

Schritt 5. Ragnarǫk. Apokalypse. Конец света. Oder wie Ihr es nennt.

Institut weg. Studenten weg. Bücher? Weg.

Als ich heute etwas Luft schnappen wollte, habe ich zufälligerweise erfahren, dass der komplette Bibliotheksbestand der Slavistik weggeworfen wird. Einfach so. Autodafé als Platzanschaffungsmassnahme. Heute war der letzte Tag, die Bücher zu retten. Ich war dabei.

Im Keller fand ich Tausende von Büchern. Bereit zum Abtransport auf die Müllhalde. Oder zum Recyclen, um in die umweltfreundliche Tabula rasa für BILD-Zeitung verwandelt zu werden. Universitätsbibliothek mistet aus.

Gemeinnützige Spende? Nada!
Hilfe bei der Aufbau einer öffentlichen Bibliothek? Niet.
Unterstützung der öffentlichen Einrichtungen? Keine, von der ich weiss. Und ich hoffe sehr auf eine Dementierung, ich hoffe sehr auf eine beruhigende Antwort (”Aber nein doch, diese Bücher gehen in die sicheren Hände, sie werden weiter wirken, sie werden weiter gelesen werden“), immernoch, sehnlichst, doch…

Komplette Werke von Tolstoj/Dostoevskij/Čechov/etc./etc. in Dutzenden von Bändern? (In Originalsprache, wohlgemerkt)
Weg damit.
Samizdat-Ausgaben aus NY und Paris, Unikate, wegen dessen Leute in Gefängnis gingen, weil sie sie lasen?
Weg damit.
Unzählige Zeitungen und Zeitschriften, Zeitzeugen aus dem XX. Jahrhundert?
Weg damit.
Erstausgaben aus dem XIX. Jahrhundert?
Weg damit.
Sekundärlektüre, unerlässlich für die Wissenschaft?
Weg damit.

Alles weg. Und ich stehe da mit zwei lächerlichen Umzugskartons vor den Regalen voller Bücher. Nur heute. Nächste Woche kommen Arbeiter, packen alles zusammen und – weg. Wieso erfahre ich darüber zu spät?

Ich habe das erste mal in meinem Leben keine Fotos gemacht. Ich konnte es nicht. War mir zu grausam.

Keine Sorge, liebe Bücher, die heute gerettet wurden. Ihr seid in guten Händen. Euch wird es gut gehen. Ihr werdet weder verkauft, noch geschreddert. What about andere Tausende von Büchern? Wechseln wird lieber das Thema. Ich kann’s nicht mehr.


Kafka gefällig?

Gibt’s genug: die Schulen in Deutschland und Österreich erhalten derzeit kostenlos und unaufgefordert in grossen Mengen die Neu-Ausgabe des Meisterwerkes “Das Schloss” von Kafka. Doch: seltsame, merkwürdige, ja fast unwahrscheinliche Sachen umgeben diese Ausgabe des stolzen jungen österreichischen Verlages Gehlen&Schulz, immerhin als “Die europäische Lese-Initiative” durch EU-Gelder mit 345.000 EUR finanziert und mit der Auflage von 2 Millionen Exemplare realisiert!

Denn, nach Informationen Der Kronenzeitung (Krone.at) sei das Buch voller Tippfehler.

Vgl. Krone:

Da finden sich Gänsehaut-Wortschöpfungen wie “Niemant” oder gleich neue sprachliche Erfindungen wie “K., .er soU” oder “Gerstäkker”.

Und FAZ:

Allein die erste Seite versammelt diese Wortprägungen: „Schne”, „vermiten”, „Wirtstube”, „kurze Zeit draauf”, “mit schauspielerhaftern Gesicht”, „haten”, „Mensh”, „Niemant”, „vorgezeit”. So geht es weiter, jeder Fehlschreibwettbewerb würde gewonnen.

Unzumutbar für die Schüler, an die sich die Ausgabe richte. Der Herausgeber jedoch verleugnet diesen Fehler nicht:

Schuld daran ist ein Softwarefehler (Krone)

behauptet er selbstsicher, und gibt noch mehr Senf dazu in dem das Buch begleitenden Brief:

Uns haben Nachrichten erreicht, dass sich ein paar Rechtschreibfehler in die neue Ausgabe eingeschlichen haben. Stimmt, wir haben diese irgendwann einfach zugelassen. Aus ökonomischen Gründen einerseits, andererseits ist Literatur ja auch kein Rechtschreib- Wettbewerb. (FAZ) (komplette Presseerklärung)

Doch weiter – mehr: es stellt sich heraus, dass laut FAZ und Börsenblatt diese Auflage nicht einmal durch EU-Gelder finanziert sei. Seltsamerweise dementieren die Verleger auch diese ja fast schon unglaubliche Verleumdung nicht. Sie erwidern tapfer:

„Ich habe keine Ahnung, wer das jetzt finanziert hat – EU, Österreich, BMVIT, egal. Ich habe auch keine Ahnung, wie diese Tippfehler in das Buch gekommen sind.“ [...] „Rechtschreibung hin oder her – das interessiert doch niemand. Keiner kann richtig schreiben.“ (Börsenblatt)

Solche Formulierungen seitens Verleger sind schon bemerkenswert. Zumal erklärt die Webseite des Verlages in grossen Buchstaben:

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(Quelle: Gehlen&Schulz)

Ein guter Traum, doch wieso so laut? Andererseits: verständlich. All diese Imageverlust-Angriffe seitens Presse, da kann man nur laut werden! Der Verleger schreibt melancholisch in Twitter:

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Das ganze gleicht einer dekonstruktivistischen Farce: ein EU-Projekt im Namen der Aufklärung mit dem tugendhaften Ziel, bei den Schülern die Liebe zum Lesen zu erwecken. Nein, eigentlich, kein EU-Projekt. Und eigentlich voller Tippfehler. Aber who cares? Liest ja eh keiner.

Doch zum Glück sind nicht alle so zynisch wie diese Pressefuzzis von der FAZ und Co, wie die neuste Pressemitteilung des Verlages euphorisch besagt:

Ein wohlhabender Mitbürger teilt unsere Meinung, betreffend der Wichtigkeit, jungen Menschen die Begeisterung und Liebe für Bücher zu vermitteln. Aus diesem Grund hat er Gehlen und Schulz letzte Woche eine Spende von rund 280.000,- Euro überwiesen. Wir werden dieses Geld direkt verwenden, um 100.000 Aufkleber „Bücher sind wichtig!“ zu produzieren und diese in ärmeren Wohngegenden verteilen.
(Gehlen&Schulz)

100.000 Aufkleber “Bücher sind wichtig” – und das in ärmeren Wohngegenden verteilt. Was ist dagegen Eure kleinkarierte Geldgeber- und Tipfehler-Sucherei?..

P.S. Doch die Verleger verlieren ihren Optimistischen Humor nicht:

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Das ist übrigens, laut der Editions-Liste, Jean-Paul Sartre. Auch wenn nicht Griechenlands Klassiker, egal! Es geht ja schliesslich immer im Endeffekt um die Existenz.

P.P.S. Meine häretische Vermutung: das ganze sei ein Kunstprojekt. So eine Kunstaktion würde ich sogar begrüssen, als eine Art subversives und verwirrendes Spiel mit Medien und Öffentlichkeit. Österreichische Künstler sind ja deswegen berühmt – denke man nur an die Republik Kugelmugel in Wien.


Leere und volle Taschen

Nein, es geht diesmal nicht um die Banker-Gier. Es geht eher um großzügige Geschenke aus ihren Etagen. Oder darum, was es in den gewöhnlichen Nachrichtenmeldungen an uns bedeutet, wenn die Herrschaften hier und dort “alles noch mal durchrechnen” müssen. Das dauert dann manchmal Tage, Wochen, Monate, zuweilen Jahre, die haben wir zu warten. Wenn man zum Beispiel bei Sozialausgaben 5 Euro zulegen will, Euro, nicht Billionen.

200_milliarden_mark

Na gut, wir haben nun alle gelernt, dass es beim Staat wie in der Haushaltskasse von dir und mir zugeht: nur das was drin ist kann man ausgeben, ganz einfach. Deswegen: Rechnen! Und das ist wahnsinnig komplex, eben mindestens so komplex wie die Geschichte mit meiner Haushaltskasse und der monatlichen Gehaltsüberweisung.

Bei so viel Rechnerei kann man schon mal ein paar Euro übersehen, zumindest damit genug Miese übrig bleiben, um uns das Sparen zu verkaufen, das staatliche Sparen an uns natürlich. Nein, nichts übersehen sie beim Warenkorb für ALGII, da checkt man jede Schrippe auf Zehntel Cent.

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Florian K. liest den Koran- Teil 1 des Projektes

Zunächst muss ich den Leser hiermit bitten, die Einleitung zu diesem Projekt zu lesen. Anderenfalls sind eine Einordnung und ein Verstehen der von mir verfassten Betrachtungen nur schwer möglich.
Als Nächstes möchte ich (ich weiß, das ist viel verlangt) den Leser auch noch bitten, die Suren 1 und 2 aus der vorliegenden Koranübersetzung zu lesen. [...]

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Occupy Germany! Der Tag aus Bloggersicht

15. Oktober 2011, ein Tag, den man sich merken sollte. Erstmals gingen in der ganzen Welt, in über 900 Städten, Menschen gegen das aus dem Ruder gelaufene Finanzsystem und für mehr demokratische Partizipation auf die Strasse. Auch in Deutschland gab es in vielen Städten Veranstaltungen und ein paar Blogger haben sich zusammengetan, um ein kleines [...]

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Airport-Security: Überraschungen

Traffic durch die großen Gates der Metropolen hindurch, die Flughäfen besonders: Trotz Web eine Bedingung unseres gegenwärtigen Lebens. Mit viel Sicherheit drum heraum. Mit viel Sicherheit drum heraum, wie auch auf Rhein-Main Airport!
Und die bringt die ganze schöne Flexibilität manchmal durcheinander.
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UNTOTE

Mad for stalking

PUNK IST EIN ZOMBIE!

und sein Schlaf wird gestört

es ist hungrig wie wild

wenn es gefressen hat

Und wenn es Trommeln hört

Lücke

PUNK IST EIN ZOMBIE!

ganz von Kugeln zerrissen

und es ist hinter dir her

es hat offene Brüche

aber kein schlechtes Gewissen

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Die Prinz kriegt den Schweinehirten: Das Sommermärchen ist wahr geworden.

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Das Sommermärchen ist wahrhaft wahr geworden und die Japanischen Frauen sind Weltmeister geworden. Dies gilt, obwohl ihr Medienmenschen, Werbepartner und deutsche Fußballexperten noch immer Vuzuellahaft rumtrötet, dass man Euch in dieser “schönen WM”, die “stimmungsmäßig gut” war und “den Frauenfußball voran gebracht hat”, das “Sommermärchen II” verweigert hätte, nämlich den Titel für die “Deutschen Frauen”. Dies aber zeigt 1. schlechtes Gedächtnis (verzeihlich) 2. mangelnde Kenntnis von Märchen (unverzeihlich). Denn 1. wurde die MännerWM in Deutschland deshalb zum Sommermärchen, weil die Klinsmannschen Mannen viel besser gespielt haben, als man es von den landeseigenen Rumpel(stilzchen)fußballern zuvor erwartet hatte. Die Deutschen Frauen hingegen gingen ruhmbekränzt in diese WM…ihr Sieg hätte nichts überraschendes gehabt, es wäre das zu erwartende gewesen, noch dazu als Fortsetzung eines Männermärchens, und Fortsetzungen sind meist mieser als Teil 1. Damit kommen wir zur Märchenlogik: Kriegen in den Märchen etwa die haushohen Favoriten am Ende den Pokal? Nein, die Prinz kriegt den Schweinehirten und Aschenputtel kriegt den Prinzen, mögen sich ihre beliebten und attraktiven Schwestern Solo und Hope noch so sehr in die engen Fußballschuhe hineinzwängen.

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Shortcuts I – Stevenson, Chesterton & Hemingway

Zur Urlaubszeit mal einen längeren Text lesen? Dafür bieten wir euch ein paar Besprechungen bemerkenswerter Bücher an.

Robert Louis Stevenson – Das Licht der Flüsse. Eine Sommererzählung

In den letzten Jahren erlebt Robert Louis Stevenson auch im deutschen Sprachraum eine Renaissance, oder, um es präziser zu formulieren, eine Neuentdeckung. Eindrucksvoll zeigt sich, daß er viel mehr ist als „nur“ der Autor der Schatzinsel und der Erzählung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Vieles wurde erstmals übersetzt, und jedes Buch ist seine Entdeckung wert.

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Film: Kultur oder Kommerz? Der Kampf um die Stadt

Die Dokumentation “Kultur oder Kommerz” von Arte nöchte rund um die Auseinandersetzungen um das Leben in der Stadt in ganz Europa Perspektiven aufzeigen, um die Stadt von morgen sozial gerechter zu gestalten.

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Finanzmarkt: Frankfurter Gewerbesteuer-Umzug

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Mit Gottes und meiner Hilfe

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Charles Portis Spätwestern True Grit

Bei Howard Hawks lernte John Wayne seine Westernrollen mit mehr Selbstironie zu spielen. Dies half dem alten Haudegen auch 1969, als er für die Rolle des Rooster Cogburn im Film Der Marshall von Henry Hathaway mit dem einzigen Oscar seiner Karriere ausgezeichnet wurde, zu einer Zeit, als das „New Hollywood“ das US-amerikanische Kino revolutionierte.

Der Marshall basiert auf dem Spätwestern von Charles Portis, True Grit, erschienen 1968 als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift. Das Buch war Portis’ größter Erfolg.

Die erneute Verfilmung

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