Nordend Poetry im Mai: No more Gentry please


O S T E R N 2013
Der vierstündige Abend der KAMMEROPER Frankfurt und des THEATER WILLY PRAML bietet ein ungewöhnliches Opern- und Theaterfest in der Naxoshalle.
Theater, Oper und Kammermusik werden dabei zu einer Art Gesamtkunstwerk verschmelzen, das das Osterthema aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet. Es führt von der Alltagsgeschichte einer verlassenen Liebhaberin hinüber zur großen Erzählung vom Tod des Menschensohns. Der Begriff PASSION: Leiden und Leidenschaft verbindet die drei Teile des gemeinsamen Projekts zu einer Suche nach dem Anfang und dem Ende des Lebens.
Die Termine der Doppelvorstellungen sind: 29./ 30./ 31. März und 01. April jeweils 18 Uhr.
Es gibt aber auch Einzelvorstellungen von JESUS D`AMOUR, gest./ auferst. Die Passion am 28. März um 20 Uhr und Einzelvorstellungen DIE MENSCHLICHE STIMME. Oper von Poulenc am 27. März/ 03./ 05./ 06. April jeweils 20 Uhr.

Foto: Seweryn Zelazny
Am Anfang steht die Oper – und eine verlassene menschliche Stimme. Eine Frau telefoniert mit ihrem Liebhaber, der nach fünf Jahren nichts mehr v on ihr wissen will. Zwischen Abgeklärtheit, Verletztheit, Koketterie und Verzweiflung bewegen sich ihre Worte schamlos hin und her, jetzt, da sie den Mittelpunkt ihres Lebens verliert.
DIE MENSCHLICHE STIMME von Francis Poulenc (nach einem Theaterstück von Jean Cocteau) ist ein Unikum der Operngeschichte: eine Telefonoper, die uns zu Voyeuren eines intimen Gespräches macht und eine Oper für eine einzige Sängerin. Der Mann, das Ziel der Wünsche und Verwünschungen, bleibt unhörbar. Poulencs Musik folgt jeder Gefühlsschwankung und entwirft ein Psychogramm von äußerster Intensität.
Die psychologisch und sängerisch anspruchsvolle Solopartie interpretiert Ingrid El Sigai.
Das Ende des Monodramas deutet einen Selbstmord an, doch die KAMMEROPER FRANKFURT und das THEATER WILLY PRAML führen die Geschichte der Frau unkonventionell weiter. Die Verlassene gebiert ein Kind. Ist es der Sohn eines Gottes?
Andrea Cavallari, zeitgenössischer italienischer Komponist, hat dazu als Intermezzo eigens ein Streichquartett komponiert. Cavallaris Musik ist seit Jahren auf vielen internationalen Festivals präsent, so auf dem “Festival dei Due Mondi” in Spoleto, der “Documenta” in Kassel, den “Jornadas de Musica del Siglo XX” in Segovia und der Royal Festival Hall in London.
Das Panorama weitet sich im dritten Teil aus von der vergeblichen Passion einer einzelnen Frau zur Passion Christi. Unter dem Titel: JESUS D ´AMOUR, gest. / auferst. DIE PASSION nach den Evangelien des Markus, Lukas, Matthäus und Johannes wagt sich das THEATER WILLY PRAML an das Kernstück des Christentums heran: den Tod von E i n e m – Gott und Menschensohn in eins, mit dem die Liebe in die Welt kommt.
Ausgangspunkt: Jerusalem, die politische Zuspitzung und dann der Tod am Kreuz.
Es geht um die alte Frage, die in ihrem Kern bis heute Bedeutung hat, die Frage danach, was passiert, wenn E i n e r mit der Unbedingtheit seiner Ansprüchen an A l l e auf den Widerstand einer starren Gesellschaft trifft.
Diese biblische Passionsgeschichte präsentiert das THEATER WILLY PRAML jenseits von Oberammergau: in einer Mischung aus Wucht und Komik.
Über den großen Menschheitsfragen wird der Leib nicht vergessen: Zwischen den einzelne Teilen kann sich das Publikum an einem ÖSTERLICHEN CATERING laben.
Patricio Pron
Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf
Nun sind auch die Argentinier Papst. Und wie weit Franziskus I. unter Gedächtnisverlust leidet oder ihn simuliert, was seine Haltung und seine Handlungen während der Militärdiktatur angeht, das wird sich vielleicht noch herausstellen. Mit Amnesie und Gedächtnisverlust, damit scheinen sich die Argentinier besonders herumschlagen zu müssen, aber das gilt wohl für alle Nationen, in denen eine Diktatur ihr Unwesen trieb.
Argentinien hat aber nicht nur Papst, sondern auch die Leser hoffnungsvoll stimmende Autoren, so wie den 1975 in Buenos Aires geborenen, jetzt nach Studienjahren in Göttingen in Spanien lebende Patricio Pron. Pron hat sich mit Erzählungen einen Namen im spanischsprachigen Raum gemacht, jetzt ist sein erster Roman in der Übersetzung von Christian Hansen erschienen: Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf. Prons Ich-Erzähler hat ebenfalls große Erinnerungslücken, selbstgemachte: „ … bewirkte der Konsum gewisser Drogen, daß ich fast vollständig das Gedächtnis verlor, weshalb sich die Erinnerung an jene Jahre ( …) ziemlich verschwommen und oberflächlich ausnimmt.“ Wie sein Autor ist der Erzähler 1975 geboren, stammt aus Argentinien und hält sich in Deutschland auf. Darüber wie autobiographisch das Buch ist, heißt es am Ende: „Obwohl die in diesem Buch erzählten Ereignisse im wesentlichen der Wahrheit entsprechen, sind ein paar Dinge der Notwendigkeit fiktionalen Erzählens geschuldet – ein Genre, für das andere Regeln gelten als für Zeugnis oder Autobiographie; in diesem Sinne sei hier erwähnt, was der spanische Schriftsteller Antonio Muñoz Molina einmal zur Erinnerung und Mahnung sagte: ‚Ein Tropfen Fiktion färbt alles mit Fiktion’.“
Eines Tages bekommt der Erzähler die Nachricht, dass sein Vater , der schon früh Anzeichen von Alsheimer zeigte, im Krankenhaus liegt. Er fliegt nach Hause, die prekäre gesundheitliche Situation des Vaters sorgt dafür, daß er langsam aus dem Fluß Lethe steigt und sich an seine Kindheit und Jugend wieder zu erinnern beginnt. Auf dem Schreibtisch des Vaters liegt eine umfangreiche Akte mit einer Sammlung von Fotos und Zeitungsartikeln. Vor allem geht es um das Verschwinden des sechzigjährigen Alberto José Burdiso, dessen Leiche, er ist 2008 einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, in einem vertrockneten Brunnen gefunden wurde. Und um das Verschwinden von Alicia Burdiso, der Schwester, die 1976 während der Militärdiktatur verschwand und ebenfalls ermordet wurde. Sein Vater hat beide gekannt.
Im Laufe der wiederkehrenden Erinnerung fallen ihm die seltsamen Verbote und Gebote ein, die ihm als Kind von seinen Eltern auferlegt wurden. Nie einen Spielkameraden mit nach Hause bringen, auf der Straße nicht gegen Pappkartons treten, immer gegen die Fahrtrichtung des Verkehrs laufen. Seine Eltern, der Vater arbeitete als Journalist, waren marxistisch-lenininstisch geschult, dann Perronisten und Mitglieder der linken argentinischen „eisernen Garde“ (unglücklich gewählt der Name, hieß doch so eine berüchtigte faschistische rumänische Organisation), die im Untergrund nach Perrons Exil weiterkämpfte. Die Eltern wollten ihn schützen, das wird ihm jetzt bewußt.
Prons Roman besticht durch seine offene, formale Komposition: ein Puzzle aus Narrativem und Archivarischen. Pron ist des weiteren ein Meister der Aufzählung und Reihung, beeindruckend, was er aus diesem Stilmittel alles zu zaubern weiß. Die eigenwillige Nummerierung der Kapitel ist wohl als eine Hommage an Cortazars großen Roman Rayuela zu sehen? Oder doch ein Hinweis auf das Stocken der Erinnerung? Ein wichtiges Buch, nicht nur für argentinische Leser, diesem Land, „wo nur die Toten die Toten begraben“. Denn jede Nation hat schließlich sein „Argentinien“ im Keller.
Patricio Pron, der Geist meiner Väter steigt im Regen auf, Roman, Aus dem Spanischen von Christian Hansen, Reinbek, Rowohlt Verlag 2013, 220 Seiten, geb., 18,95 €
Kevin Powers
Die Sonne war der ganze Himmel
Zuerst machen sie auf dicke Hose, ersaufen in patriotischen Wahn und Welterlösungsphantasien. Dabei werden sie von A bis Z belogen, die US-Amerikaner. Und irgendwann kommt der große Kater vom Besäufnis und man möchte die Blutorgien schnell vergessen. Das war nach Vietnam so und auch beim Irak, mit all den Ungeheuerlichkeiten der Foltergefängnisse, ist es nicht anders. Literatur kann dafür einstehen, sich dieser nationalen Amnesien anzunehmen. Den Vietnamkrieg hat Karl Marlentes in seinem an Tolstoi erinnernden Mammutwerk Matterhorn (Schweizer Namen gaben die Marines den Bergen, auf denen Geschützstellungen angelegt wurden) wieder in Erinnerung gerufen. Und den Horror des Irakkrieges schildert Kevin Powers in seinem Debüt Die Sonne war der ganze Himmel.
Kevin Powers weiß, wie auch Marlantes, wovon er erzählt. Er war als Maschinengewehrschütze von 2004 bis 2005 Im Irak stationiert und kämpfte in Mosul und in Tal Afar. Im Gegensatz zu Marlantes’ Buch könnte man seinen Roman fast eine Novelle nennen, Powers konzentriert sich auf eine kleine, aber dadurch nicht weniger eindringliche Geschichte. John Bartle ist 21, er nimmt den 18jährigen Daniel Murphy unter seine Fittiche. Das hat er dessen Mutter vor dem Abflug in den Irak versprochen, eher genervt, weil er das Gespräch mit ihr beenden will. Er tut es denn doch. Im Zentrum der mit Vor- und Rückblenden erzählten Geschichte steht eine Schlacht, die jedes Jahr aufs neue stattfindet bei Al Tafar, in der Provinz Ninive im Nordirak, so auch im September 2004. Die GIs gehen raus, müssen unter fast deckungsloser Sicht in die Stadt, um sie vom Feind zu säubern:
„Wir hatten uns im Graben aufgereiht, standen bis zu den Knöcheln im nassen Schlamm. Ich hatte das Gefühl, als wäre dies der Endpunkt eines schlampig vorbereiteten Experiments in Sachen Unausweichlichkeit: Alles war am richtigen Ort, wartete darauf, daß die Zeit innehielt und die Kräfte an Schwung verloren, damit man den Verlauf im Nachhinein analysieren konnte. Die Welt kam mir so dünn vor wie ein Blatt Papier, und die Welt war die Obstwiese, und die Obstwiese war das, was uns nun bevorstand. Aber all das war Unsinn. Ich hatte einfach Angst zu sterben.“
Daniel Murphys Leben wird Bartle nicht retten können. Und er selbst wird wie so viele andere traumatisiert in die USA zurückkehren, sich wie sie andere fragen, was nun?
Kevin Powers, Die Sonne war der ganze Himmel, Roman, Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens, Frankfurt, S. Fischer Verlag 2013, 240 Seiten, geb., 19,90 €
Hin und wieder postet doch mal jemand etwas auf Facebook das einen schmunzeln oder nachdenken lässt… im besten Fall beides.
Folgenden Text stellte neulich ein Bekannter von mir hoch. Und traurigerweise hat er sooooooo recht.
Bei Pipi Langstrumpf geht es gar nicht um ein kleines Anarchomädchen sondern um eine Drogenabhängige!
Sie hat im Haus ein Pferd (horse – ein altes Slangwort für Heroin) und einen Affen (Entzug). Ihr Vater sitzt im Knast vermutlich wegen Bankenkriminalität. Sie lebt von seiner Beute und muss sich ständig mit ihrer Sozialarbeiterin rum schlagen.
Es ist eine Milieustudie.
Das schlimmste daran ist:
Würde ich das heute so ins Netz posten, würden es morgen religiöse Faschisten aller Dogmen, rechtradikale Paranoiker, und die 5. Kolonne der Teepartei -> rumorende Occupanten, truth äh ne, verirrte Zeitgeister und die strg-c/v Zombiekinder von Anon es als Tatsache über den Erdball verteilen… Ups! Jetzt isses zu spät.
Kommt ein Deutscher zum Arzt: „Herr Doktor! Herr Doktor! Ich leide an Patriotismus!“ Antwortet der Arzt: „Na dann verordne ich Ihnen Geschichtsunterricht. Das hilft dagegen.“
Auf Parties bist Du mit mir der Star. Wenn Du mich hast, hast Du Reputation.
Yuppies und Hipster lieben mich. Wenn sie mich bezahlen können.
Jeder der mich verkauft, schwört auf meine Qualität. Dabei bin ich doch überraschend kurzlebig.
Du willst nicht wirklich wissen, wo ich herkomme!
Ich mache Leute abhängig.
Dabei verderbe ich den Charakter.
Es gibt andere Produkte, die sind genauso schnell. Und sie sind billiger. Doch sie haben nicht meinen Ruf.
Ich bin überteuert. Das ist Teil von meinem Image.
Mit einem Wort: Was bin ich?
“Der gewünschte Gesprächspartner ist gerade nicht zu erreichen, bitte versuchen sie es später noch einmal.” ~Die unsexy Stimme~ Als Pensionär wäre mir das Grund genug im Funkloch des Sonntagsausflugs meine Taschen zu leeren, den überschwänglichen jungen Damen und Herren, die mich mit Bögen und Äxten bedrohen meinen Respekt zu bekunden und zu beschließen heute [...]

Text: Tonscherbe
Fotos: Anja Kühn
Man geht durch abendliche Straßen, schaut von unten in erleuchtetete Fenster. Man sieht einen Ausschnitt und fragt sich, wie der Rest des Zimmers aussieht. Ein altes Spiel, befeuert durch eine Ecke Schrank hier, ein angeschnittenes Regal, die Gardine, die Art der Beleuchtung. Wer versammelt sich unter der scheußlichen Messingkreation? Wie sehen die aus? Meist erfährt man es nie.
Wilma März und Elfie Effeff leben in einer Wohngemeinschaft, die diese Fragen beantwortet. Sie haben sich für ein Schaufenster entschieden, eingepackt zwischen Szenekneipe und Italiener.
Gehen wir näher ran, schauen wir rein in dieses Schaufenster. Schriftzüge und Zeichnungen in Krikkelkrakkelmanier auf Glas, merkwürdige Schiffren, nicht zu entwirren. Alles vor der Scheibe spiegelt sich in der Scheibe, je intensiver je weiter die Dämmerung voranschreitet. Die vorbeifahrenden Autos, die Menschen, die Lichter, vermischen sich mit dem hinter der Scheibe.
Eine Menge schlaue Leute machten sich Gedanken um unseren Umgang mit den Maschinen, über die immer pfiffigeren und sich wundersam vermehrenden Gerätschaften. Manche brachten ihr Funktionieren mit dem Geist und der Realität des Kapitalismus in Verbindung, ob als “Gestell” oder in einer “instrumentellen Vernunft”, mit “Hybriden” oder “Technocultures”. Sie gelten mal als Verheißung, mal als Vorbote der Apokalypse.
In Zeiten der Smartphones und Apps in jeder Tasche, einer vorgeblichen Ökologisierung der ganzen Welt, dem grünen Kapitalismus erscheinen derartige Materialspektakel anachronistisch: letztlich sei der Kern unserer 3. technologischen Revolution am ehesten virtuell, leichtgängig, kreativ. Was wollen wir mehr?
Fast im Stil von Stanislaw Lem nähert sich der spanische Filmemacher Jossie malis unseren Maschinen, ihren Gespinsten quer durch die Welt, von ihm mal fein, mal bedrohlich zusammen mit mächtigen Akteuren gezeichnet.
Nach dem Motto: “Relax … Everything is under Control” arbeiten sie in einem Comic, der wie ein chinesischer Holzschnitt daherkommt. Der neueste Streifen zeigt unser aller fossiles Mobilitätsspiel antik anmutend mit vielen Göttern und Dämonen. Wirklich sehenswert!
Gefühle vergehen. Das ist nicht nur ein individuelles Schicksal. Und es bezeichnet auch nicht allein, dass das Objekt nicht mehr vom Gefühl getroffen wird. Das Gefühl wird ab einem gewissen Zeitpunkt von keiner nennenswerten Anzahl an Personen weiter empfunden. Zurück bleibt eine Ruine. Eine Gefühlsruine der Deutschen ist die „Innigkeit“, ein Begriff, der kaum in andere Sprachen zu übersetzen ist, eine ehemalige bekannte deutsche Spezialität wie Labskaus. Das Gefühl für dieses Gefühl ist ebenso verschwunden wie das Gefühl selbst.
Wie so viele deutsche Gefühle entstammt es der Romantik. Sein perfektester Ausdruck: die Lieder von Franz Schubert.
Auch die Innigkeit hatte -paradox genug- ihre „Hymne“: „Der Lindenbaum“ von Schubert, ein herausgerissenes Stück aus der finsteren „Winterreise“, das in der gefälligen a capella Bearbeitung von Friedrich Silcher unter dem neuen Titel-Label „Am Brunnen vor dem Tore“ das ganze 19. Jahrhundert aus ungezählten Männerkehlen erscholl und für feuchte Frauenaugen sorgte.
Zugegeben: die ersten holt man sich unfreiwillig, danach eine, um zu wissen, was die Stunde geschlagen hat, eine Zeit lang sucht, vemisst oder meidet man sie; letzendlich nimmt man Verletzungen in Kauf. ..,- Phase Zwei bedeutet Übertragung. Kein Mensch weiß, wie es dem Anderen geht. Nichts desto Trotz darf es nicht verboten sein zu mutmaßen: [...]
Bittend, flehend, sprechend, Tribut, Wut, Gebühren blechend, Freunden gegenüber oder Dem Waffenschieber, Fanaten, Diplomaten, Haben viel Spass an Staten. Denn flexibel ist übel, Denn von jedem Giebel Schmeißt sich für die Quoten Ein Nerd schnell zu Boden, Nach hundert Schuss Weil einer der muss ja Dem Stuss der geschehen Entgegenstehen Nicht mehr prassen: Vermöbeln lassen [...]

1. Innere Erfolge
„Innere Erfolge, ja. Doch was hat man von solchen? Geben einem innere Erungenschaften zu essen? Ich möchte gerne reich sein, in Droschken fahren und Geld verschwenden.“
Robert Walser, Jakob von Gunten
2. Mitfühlende Franzosen
„Wegen der Schwindelanfälle und dem häufigen Nasenbluten,das ich bekomme, wenn ich nicht mit hochgelegenem Kopfe schlafe, muss ich immer, wie Sie wissen ein sehr dickes Kissen haben. Als ich dieses unselige Kissen mitnehmen wollte, schien es, als wäre ich im Begriff, eine Liste von Staatsfeinden zu entwenden; man riß es mir aus den Händen und erklärte, daß ein Vorgehen solcher Art niemals geduldet werden könnte. Ich sage Ihnen, diese Dinge muss man erleben, um sie glauben zu können, und wenn einer erzählen würde, sie hätten sich in China zugetragen, so würden unsere zartbesaiteten Franzosen sofort ausrufen: Oh, diese Barbaren!“
Marquis de Sade in einem Brief an seine Frau über seine Überführung in die Bastille
“Ihr braucht mich, denn ich bin reich und ihr seid arm; treffen wir doch unter uns eine Vereinbarung: Ich erlaube, dass Ihr die Ehre habt, mir zu dienen, unter der Bedingung, dass ihr mir das wenige geben werdet, was euch bleibt, und dies für die Mühe, der ich mich unterziehen werde, um euch zu befehlen.“
So, und während die Mauer zwischen zwei Deutschlands noch nicht – zumindest materiell – gefallen war, weit weg, in Sibirien, genauer gesagt in Tomsk – und noch genauer: 5.538 Kilometer von Berlin entfernt (70 Stunden Autofahrt, 984 Stunden zu Fuss) – da wurde im Herbst 1988 die Internationale Assoziation der Neuen Proletarischen Kunst gegründet. Und dann im Februar 1989 bereits das erste Dada-Konzert in der UdSSR. Und noch jede Menge anderer Aktivitäten, die immer wieder die Mainstream+Staatskultur der UdSSR sprengten, hinterfragten, persiflierten.
Wir wissen es seit Schröder und Putin: lupenreine Demokratie passt zu lupenreinem Christentum in Europa, besonders auch in Russland.
Dass die beiden Vertreter wohl eher Postdemokratie meinen, zeigt sich die Tage wieder auf üble Weise: junge “Beleidigerinnen der Religion” wurden in Käfigen der Justiz und den Medien präsentiert, sie befinden sich bereits seit Monaten hinter Gittern.
Regina Spector with “Us” in the White House. In Honour of Jewish American Heritage Month. Obama and his beautifull wife listening. Regina is soo nervous under her locks. And Obama is so sympathetic…he seems to be one of Us. But he is not. He is one of the U.S. He, nobelprizewinner for peace, commands the little drones who killed thousands of (probably dangerous) people in the last years just like…that. “Oh, Man…this is hard. I don´t know how you do what you do.”
Der Redaktion ging eine Erklärung zu, die sich mit der Kritik am „schwarzen Block“ auseinander setzt. Es bleibt zu vermuten, dass dies aus jenen Kreisen kommt, die zu Recht als die Mütter und Väter der heutigen Generation dieses Zirkels bezeichnet werden können. Sie betonen diese Tradition und stellen einige Punkte klar. Wir sind der Meinung, [...]
Die inhaltsleere Diskussion über das Spektakel, das heißt über das, was die Eigner dieser Welt treiben, wird so durch das Spektakel selber organisiert: man legt Nachdruck auf die enormen Mittel des Spektakels, um nichts über deren umfassende Verwendung zu sagen. So wird der Bezeichnung Spektakel oft die des Mediensektors vorgezogen. Damit will man ein einfaches [...]
Der wunderbare italienische Straßenmaler blu (www.blublu.org) soll im Rahmen von Blockupy (16. bis 19. Mai in Frankfurt) unsere Stadt verschönern.
Wer kann ihm dafür Platz bieten, z. B. eine schön gelegene Hauswand?
Kontakt: Blu
notblu@gmail.com
Im vollen Bewusstsein meiner wahrhaft schweren Aufgabe und der Verantwortung, die ich trage, der Welt zu sagen was gut und richtig ist, verfasste ich, von quälenden Selbstzweifeln zerfressen, diese Zeilen. Zuvor möchte ich bemerken: Der folgende Text ist KEIN GEDICHT! Wer nun beabsichtigt, diesen Text als Gedicht misszuverstehen, weil heute jeder über seine dahingekritzelten Pamphlete [...]
Neulich nächtens, Weil Zeit und Herz mich so sehr quälten, Traf ich trinkend auf dem Nach-Hause-Weg Auf ein Häuschen blauer Farbe, Wie es jedem Bauarbeiter wohl bekannt sein dürfte. In der Hoffnung die Reste meines Rausches Einer chemischen Grube zu übergeben -sprich: mich drückte die Blase- Näherte ich mich dem provisorischen Bau, In Hoffnung auf [...]
Was ist „Bankers Babylon“?
Bankers Babylon ist eine Folge von Events und Web-Aktivitäten gegen die Macht der Märkte in Frankfurt und anderswo.
Wir interpretieren in den nächsten Monaten Geld und Liebe, Städtisches und Globales, Kultur und Politik unter dem großen Finanzregime neu. Wir nutzen dazu Theater und Wissenschaft, Initiativen und Involvierte, Musik, Tanz, Bilder, Texte, Naheliegendes und Fernes, Realität und Fiktion- und vermengen all dies miteinander.
Die gegenwärtigen Umbrüche, die vielen Rankings und Verpflichtungen halten uns pausenlos in Trab und stellen uns dabei doch weitgehend still.
Warum ist das so? Gilt das für immer? Wo verbreiten sie Begeisterung, wo Schrecken?
Wir schreiben darüber, filmen es, rappen es, tanzen es, tragen es, ertragen es und tragen es vor.
Rund um Bankers Babylon kommen Wissenschaftler zu Wort, Autoren, Theatermacher, Künstler, aber auch Leute, denen selten zugehört wird, die das System ausgespien hat. Oder solche, die manches vorhaben. Und andere, die in unterschiedlichen Funktionen in dem System mitarbeiten oder mitgearbeitet haben- egal, ob als Manager, Mitglieder der Putzkolonne oder “Kreative”.
Viele von ihnen hoffen wir im Laufe des Projektes noch zu finden.
Wir wollen diese Leute zusammenbringen, weil sie selten zusammen kommen und eigentlich zusammen gehören. Dabei geht es uns nicht vordringlich um “das Leben der Anderen” oder um “gierigen Banker”.
Das öffnet uns ein paar neue Perspektiven auf das laufende Geschehen, abseits der selbsternannter Finanzspezialisten. Es gilt zu zeigen, wie unsere eigenen Anteile daran im großen Geschäft funktionieren. Warum alles so weiter geht wie bisher, und ob uns wirklich nichts anderes einfällt.
Der Titel der Veranstaltungsreihe, Bankers Babylon ist ein Vexierbild: Wir nutzen die ‚babylonischen’ Sprach- und Ausdrucksvielfalt für gemeinsame Projekte und gemeinsames Handeln .
Damit möchte Bankers Babylon eine Kontrastfolie zu herrschenden Interpretationen und Lebensweisen der Finanz- und Dienstleistungs-City Frankfurt bieten.
Die Redaktion der “Frankfurter Gemeine Zeitung” lädt weitere Initiativen ein, sich am Projekt “Bankers Babylon” zu beteiligen, in welcher Form auch immer.
Denn wie manche Kommentatoren erkannt haben: der Neoliberalismus lebt, vielleicht stärker als je zuvor. Es gilt, ihm auch kulturell mit neuen Mitteln entgegenzutreten, gerade in Frankfurt.
Bernhard Grzimek, der legendäre Frankfurter Zoodirektor nach dem 2. Weltkrieg (“Serengeti darf nicht sterben“), kann uns mit seinen feinen Umwelt-Analysen auch heute noch hilfreich zur Seite stehen. Eine besonders bemerkenswerte Hörfunksendung, die uns Vergangenheit wie Zukunft der Wohnbedingungen vieler nahe bringt, gelangte beim Hessischen Rundfunk jetzt noch einmal zur Austrahlung: “Wenn so eine kleine Wanze [...]
DU bist gegen Abtreibung, für den „Schutz des ungeborenen Lebens“, was bei Dir eigentlich meint „für den Schutz der Geburtenrate des deutschen Volkes“. DU bist ein unbescholtener Bürger der auf das Recht pocht. DU bist ein Familienmensch mit geregeltem Einkommen und denkst, jeder andere müsste sein Leben auch so einrichten. DU bist für die Nachtruhe [...]
EXOTERISCHE ANWENDUNG OKKULTER MASSNAHMEN

Dieser Text wurde ins Leben gerissen, weil mir ein alter Freund vor langer Zeit eröffnete, dass Flüche dauerfristig eher uninteressant sind, meist jedoch zumindest wirkungsvolle und bisweilen unterhaltsame Resultate zeichnen. Auf jeden Fall sind sie im Gegensatz zu Beleidigungen straffrei, wenn sie kostenlos, also nicht im Auftrag Dritter gegen Entgelt gesprochen werden.
Es handelt sich hierbei um eindeutig Schwarze Magie.
Wer keine Lust hat, sich Flecken auf der Seele zu holen, lässt es also lieber bleiben…
Hey Berlin!

Du psychedelisch verpepte Parlamentarische Preussenpussy,
Verschlingerin aller Künste,
Du Vietnam des Nordens,
Was soll ich von dir halten?
Du hast den Ossis die Freiheit geschenkt:
Und jetzt werden aus unseren Verwandten Nazis…
Weil aus Mauerstücken plötzlich ein Geschäft geworden ist.
Schade. Echt schade.
Ein Grienen an die Ohren getackert
Schleppst Du Dich durch die Nächte
Und fickst um Dein Leben,
Weil Dich sonst so friert.
Mexico City ist eine Stadt
Istanbul ein Kontinentalbruch
Mein Herz ein Tempel
Und Du hast nur AIDS.

Franz Kafka
Um sich vor den Sirenen zu bewahren, stopfte sich Odysseus Wachs in die Ohren und ließ sich am Mast festschmieden. Ähnliches hätten natürlich seit jeher alle Reisenden tun können, außer denen, welche die Sirenen schon aus der Ferne verlockten, aber es war in der ganzen Welt bekannt, daß dies unmöglich helfen konnte. Der Sang der Sirenen durchdrang alles, und die Leidenschaft der Verführten hätte mehr als Ketten und Mast gesprengt. Daran aber dachte Odysseus nicht, obwohl er davon vielleicht gehört hatte. Er vertraute vollständig der Handvoll Wachs und dem Gebinde Ketten und in unschuldiger Freude über seine Mittelchen fuhr er den Sirenen entgegen.
Nun haben aber die Sirenen eine noch schrecklichere Waffe als den Gesang, nämlich ihr Schweigen. Es ist zwar nicht geschehen, aber vielleicht denkbar, daß sich jemand vor ihrem Gesang gerettet hätte, vor ihrem Schweigen gewiß nicht. Dem Gefühl, aus eigener Kraft sie besiegt zu haben, der daraus folgenden alles fortreißenden Überhebung kann nichts Irdisches widerstehen.
Feministischer Rap.
Nice obwohl schon älter. Gerade wiederentdeckt.
*Triggerfinger verbeißt sich in “Gefällt-mir-Button”*
Text:
Händedruck
Тяжесть рук
Time is just a freaky spook.
僕の背中に
trage Tage, days и дни.
Спотыкаюсь я о пни
Of my daily harmony.
“Also gewinnen doch immer Gewehre gegen Schwerter.” schrieb mir meine Liebste, und ich staunte, über die Weisheit in dem was sie da sprach. Nicht, weil sie nicht weise wäre, sondern ob der Wahrheit Ihrer Worte. Die Ehrlichkeit beherrscht sie nämlich meisterlich! Kriegskunst beinhaltet mehrerlei: Reichweite (wie nah Dir jemand sein muss, um Dich verletzen zu [...]
Liebe Leser, mein Unwort des Jahres steht für dieses Jahr fest und lautet: Armutsgefährdet Die Menschen, die arm sind, als »armutsgefährdet« zu bezeichnen ist nicht nur falsch, sondern üble Meinungsmache und blanker Hohn. Bester Neusprech ist es hier, die Armut durch solche Ausdrücke wie »armutsgefährdet« zu relativieren. Es gibt schließlich eine große Armut in Deutschland. [...]
Es kam der Tag, an dem die Wege meines Bruders und meine eigenen sich trennten. Wir liebten beide unsere Mutter. Immer schon schien es mir, dass sie ihn bevorzugte. Aber das war noch vor dem Umzug nach Mönchen-Gladbach. Danach konnte ich keinen Unterschied mehr feststellen.Das hat er auch gesagt: nach Mönchen-Gladbach war alles anders. Ich weiß bis heute nicht, warum. Wir waren unzertrennlich im Grunde. Ich hatte mir schon ein paar Gedanken gemacht, weil er keine Freundin hatte. Natürlich war es mit Beate für mich auch nicht immer einfach. Aber es war immerhin besser als gar nichts. Das habe ich ihm auch gesagt. Aber er wollte ja nicht. Er hat mir dann irgendwann gesagt, dass er nach Russland geht, zum Chor der Roten Armee. Nicht aus politischen Gründen, aber er wollte einfach mal etwas anderes ausprobieren, hatte ja auch diese wunderbare Singstimme. Ich sagte zu ihm: Du bist verrückt! Sei vorsichtig! Er wurde dann Held der Sowjetunion und ist Ende der 60er mit Chruschtschow oder so jemand aufgetreten, der dirigierte den Chor.
Mutter hat in Mönchen- Gladbach geweint vor Glück. Es war Weihnachten, als sie es im Fernsehen sah. Er sang etwas über dunkeläugige “Kosakenmädchen”. Ich hatte Mutter einen Birnenkuchen
Yellow Blätter blättern ab,
Bäume двигаются в такт:
Up and down and down and up,
Gretchenfrage = Teufelspakt.
ドイツ、秋、here and now.
Zeitをコンビニで買う.

Der alte Konstantin Wecker hat was Hörbares zur Empörung auf den Weg gebracht. Hier könnt ihr es Probehören.
Ob die Gruppe Kraftwerk nun reine Techno-Avantgarde ist oder auch kritische Momente hat?
Sei es drum! Zu unseren laufenden Maschinen passte jedenfalls ein Auftritt der alten Technologen in München am 12. Oktober ganz gut. Und man konnte all das schon vor Jahrzehnten ahnen.

“Wenn Du was im Schädel hast, dann -Freund!
Meide Ketsch.
In Ketsch ist eine leere Straße nicht sicher für den Zweiberadten.
Sei sie auch Tausend Ellen schnurgerade
Und Deine Speichen noch so solide.
Dort springen schwimmerbekreuzte Damen Dir
Vors Schutzblech und der Soundtrack spielt
Blaulicht im Loop.
Darum -Freund: Meide Ketsch!”
Reprise
Surprise
Doch zum Glück bin ich der Linerider!
Mein Schal flattert in turbulenten Winden,
Und mein Schlitten bricht
Niemals
Alle lassen mich durch Soundtracks purzeln.
Du siehst es nicht,
Es hat Servo! Es hat “Full Stop!” Es geht mit Dir in jede Kurve und es hat Autopilot straight way home! Nüchtern oder sonstwiedrauf, denn es tankt von alleine!
DESHALB sind Pferde besser als Autos, Mulis auch und Esel erst recht. Fangen wir bei Letzteren an:
Ein Esel will leben. Er hält sich aus diesem Grund nicht gerne mit Fakten auf. Fakten sind nur folgerichtig. Ein Esel will den nächsten Schritt tun!
Wärst Du ein Esel, Freund und Brüderin, wäre Dir nach einem wohlen Kraut, soviel Du saufen kannst, einem Platz im Schatten und dem nächsten Fick.
Wärst Du ein Maultier wäre Dir auch danach, nur wäre der Sex dann eher willkommener Beigeschmack.
Und immer wollest Du rennen!
Menschen machen das anders. Sie lassen sich tragen. Einige nicht! Oh ihr Pferdemädchen
Und stolzgeschwellten Reiter. Ihr gleitet.

PUNK IST EIN ZOMBIE!
und sein Schlaf wird gestört
es ist hungrig wie wild
wenn es gefressen hat
Und wenn es Trommeln hört

PUNK IST EIN ZOMBIE!
ganz von Kugeln zerrissen
und es ist hinter dir her
es hat offene Brüche
aber kein schlechtes Gewissen
…
Du nimmst dem Himmel die Sterne nicht. Den Vögeln den Himmel Oder den Menschen die Vögel. Unsere Welt wird verglühen, Es ist alles geliehen. Wir laufen hier nur drüber: Attention! Humans crossing! Sei kein Borstenvieh… Billy Baboon is a busy bounty hunter Beloved by barbarian barbexcusers Du rückst tags Regalbretter bei Möbel Ungern Und nachts [...]
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