Frankfurter Gemeine Zeitung

Kartografieren

Echte Bedrohungslagen in Deutschland: Januar 2016

Karte rechter Angriffe im Januar 2016

Während uns die tonangebenden deutschen Medien pausenlos über imaginierte Karnevalsbedrohungen berichten, verschwindet der massenhafte rechte Terror dazwischen medial immer mehr – obwohl der nicht phantasiert ist.

Schußwaffeneinsätze, Sprengstoff- und Brandanschläge, Überfälle, Körperverletzungen, Menschenjagd gehören in den normalen Alltag des Umfelds von AfD und Pegida.

Es sind faktisch mindestens 407 Vorfälle (laut “Kaltland-Chronik”) quer durch Deutschland allein im Januar 2016 :

Die Politik nimmt wie die meisten Medien kaum Notiz davon, und diese Taten richten sich nicht ausschließlich gegen AsylbewerberInnen und AusländerInnen. Opfer werden genauso PolizistInnen, PfarrerInnen, BürgermeisterInnen, JournalistInnen, linke AktivistInnen und Parteien wie SPD, CDU, Die Linke und Grüne oder gar gänzlich Unbeteiligte.

Erfundene Vergewaltigungen und andere Straftaten, die angeblich durch Ausländer begangen wurden, heizen den Hass an, rechte Schmierereien, Bedrohungen, rassistische Beleidigungen und Morddrohungen sorgen für ein Klima der Angst.

Knapp ein Drittel der Vorfälle (131) haben einen direkten Bezug zu bewohnten, geplanten und vermeintlichen Asylunterkünften (Brand- und Sprengstoffanschläge, Schüsse, Bedrohungen, Blockaden, Schmiereien, Randale).

Dutzende Körperverletzungen, eine nicht seriös abschätzbare Anzahl Verletzter (> 150) und Millionenschäden sind das Ergebnis des rechten Terrors, der dieses Land durchzieht und immer weiter angeheizt wird durch die geistigen BrandstifterInnen von NPD, AfD und CSU.

Die Karte mit allen Vorfällen findet ihr hier:
https://goo.gl/9ptrCP

Natürlich ist diese Chronik nicht komplett sondern umfasst nur die Vorfälle, die angezeigt und von den Medien veröffentlicht wurden.

Die Kaltland-Chronik in Facebook

 


BVerfG: Filmen von Polizeibeamten zur Beweissicherung zulässig

Auf seinem  Weblog »Internet-Law« berichtete Thomas Stadler am 8.  Oktober 2015 im Artikel »BVerfG: Polizeibeamte dürfen zum Zweck der Beweissicherung gefilmt werden« darüber, dass das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, “dass eine polizeiliche Identitätsfeststellung von Personen, die Polizeibeamten filmen, nicht ohne weiteres zulässig ist (Beschluss vom 24.07.2015, Az.: 1 BvR 2501/13)”. Es muss vielmehr tragfähige, konkrete Anhaltspunkte dafür geben, dass der filmende Bürger den Film unter Verstoß gegen das KUG veröffentlichen will. Das BVerfG stellt nebenbei nochmals klar, dass es grundsätzlich zulässig ist, Polizeibeamte zu Beweiszwecken zu filmen und zu fotografieren.

In seinem Blogartikel zitiert er hierzu den Beschluss des BVerfG auszugsweise:

Hiergegen verstieße es, wenn das Anfertigen von Lichtbildern oder Videoaufnahmen eines Polizeieinsatzes unter Verweis auf die bloße Möglichkeit einer nachfolgenden strafbaren Verletzung des Rechts am eigenen Bild (nach § 22 Satz 1, § 33 Abs. 1 KunstUrhG) genügen sollten, um polizeiliche Maßnahmen wie eine Identitätsfeststellung gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 Nds.SOG durchzuführen. Wer präventivpolizeiliche Maßnahmen bereits dann gewärtigen muss, wenn sich nicht ausschließen lässt, dass sein Verhalten Anlass zu polizeilichem Einschreiten bietet, wird aus Furcht vor polizeilichen Maßnahmen auch zulässige Aufnahmen (zur grundsätzlichen Zulässigkeit des Filmens und Fotografierens polizeilicher Einsätze vgl. BVerwGE 109, 203) und mit diesen nicht selten einhergehende Kritik an staatlichem Handeln unterlassen. Beabsichtigt die Polizei, wegen Lichtbildern und Videoaufnahmen präventivpolizeilich – sei es durch ein Film- oder Fotografierverbot (vgl. BVerwGE 143, 74), sei es wie hier durch eine Identitätsfeststellung – einzuschreiten, ergibt sich aus den durch die Maßnahme jeweils betroffenen Grundrechten – hier Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG – die Anforderung einer konkreten Gefahr für ein polizeiliches Schutzgut. Dies ist eine Frage der tatsächlichen Umstände im Einzelfall. Dementsprechend geht die verwaltungsrechtliche Rechtsprechung grundsätzlich in verfassungskonformer Auslegung der §§ 22, 23 KunstUrhG davon aus, dass unzulässige Lichtbilder nicht auch stets verbreitet werden (vgl. BVerwGE 109, 203). Gehen die Sicherheitsbehörden demgegenüber davon aus, dass im Einzelfall die konkrete Gefahr besteht, eine solche unzulässige Verbreitung sei ebenfalls zu befürchten, bedarf es hierfür hinreichend tragfähiger Anhaltspunkte.

Link zum vollen Wortlaut des Beschlusses.

Dem Ermittlungsausschuss Frankfurt dürfte dieser Bundesverfassungsgerichtsentscheid die Arbeit etwas erleichtern.

[Update 2015-10-09, 19:37 Uhr: hat einen ausführlichen Bericht verfasst: »Verfassungsgericht stärkt Rechte von Demonstrationsbeobachtern« (netzpolitik.org).]


Offener Brief an die Geschäftsführung des Jobcenters Frankfurt am Main

Claudia Czernohorsky-Grüneberg
Geschäftsführerin
Jobcenter Frankfurt am Main
Hainer Weg 44
60599 Frankfurt

21. September 2015

Offener Brief
Bündnis ‘AufRecht bestehen Rhein-Main‘ fordert Eingangs- bzw. Abgabebestätigungen in allen Frankfurter Jobcentern

 

Sehr geehrte Frau Czernohorsky-Grüneberg,

wir sind ein Zusammenschluss verschiedener Erwerbsloseninitiativen aus Frankfurt und Umgebung.

In den letzten Monaten ist uns immer wieder aufgefallen, dass einzelne Jobcenter in Frankfurt Erwerbslosen, die bestimmte Dokumente abgeben wollten, diesen eine Bestätigung der selbigen verweigerten. Dies führte in einigen Fällen dazu, dass ein Teil dieses Personenkreises nochmals vom Jobcenter, mit der Behauptung diese Unterlagen seien nicht abgegeben worden, angeschrieben wurden. Ihnen wurden Sanktionen angedroht, wenn die Unterlagen nicht schnellstens vorgelegt würden. Während die Jobcenter Süd, Nord, Ost und Mitte in der Regel Eingangsbestätigungen aushändigen, stellen sich die Jobcenter West und Höchst strikt gegen eine solche Regelung.

Gerade auf dem Hintergrund, dass immer wieder Unterlagen zwar abgegeben werden, aber den zuständigen Sachbearbeiter/Sachbearbeiterin nicht erreichen und nicht selten angeforderte Unterlagen nochmals kopieft und eingereicht werden müssen, halten wir es für dringend erforderlich hier eine einheitliche Lösung, in Richtung mehr Bürgerfreundlichkeit und Transparenz zu schaffen.

SGB-II-Leistungsbezieherlnnen haben eine sehr schwache Rechtsposition, wenn sie nicht beweisen können, dass sie ein Schriftstück oder eine Änderungsanzeige eingereicht haben.

Selbstverständlich sind die Jobcenter in der Pflicht eine Eingangsbestätigung herauszugeben. Sie ergibt sich aus den behördlichen Pflichten als solche.

Denn “der Verwaltungsträger ist verpflichtet, die Vorsprache auf Verlangen schriftlich zu bestätigen. Aufgrund der in § 37 Abs.2 S1 SGB II zum Ausdruck kommenden Bedeutung des Antrags auf der einen und der den Hilfebedürftigen treffenden objektiven Beweislast auf der anderen Seite, ergibt sich ein solcher Anspruch auch ohne ausdrückliche Normierung bereits aus den allgemeinen verwaltungsverfahrensrechtlichen Grundsätzen”. (Gemeinschaftskommentar SGB II, Hohm, Luchterhand Verlag, Rz 30 zu § 37), so einer der gängigen Gesetzeskommentare zum SGB II. Ähnlich sah es auch das Bundesministerium für Arbeit (BMAS) in seinem Schreiben vom 22.12.2008 zur gleichen Fragestellung in einem Jobcenter in Berlin.

Im Interesse der Betroffenen fordern wir entsprechende Schritte einzuleiten, zum Beispiel eine Dienstanweisung, damit bei allen Jobcentern in Frankfurt am Main, ohne Warten und ohne ausdrückliches Verlangen Eingangs-/Abgabebestätigungen ausgestellt werden können.

Gleichlautende Schreiben versandten wir an die Herren Huth und Weise und an die Vertreter der Arbeitnehmerschaft im Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit in Frankfurt am Main.

Es würde uns freuen, von Ihnen in den nächsten drei Wochen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

Helga Röller
AufRecht bestehen Rhein-Main


Nordwestzentrum Frankfurt: Ein Eldorado der Videoüberwachung

Das Nordwestzentrum Frankfurt ist ein Einkaufzentrum, dem heutzutage in bestem DEnglich der Name Shopping-Mall verliehen würde. Aber das Nordwestzentrum ist mehr als nur ein großes Einkaufszentrum. Dort gibt es dutzende Wohnungen, Sozialeinrichtungen (z. B. eine Kinderkrippe und eine Filiale der Stadtbücherei), ein Bürgerhaus der Saalbau GmbH, ein Schwimmbad („Titus Thermen“) und Außenstellen des Jugend- und Sozialamts („Sozialrathaus Nordweststadt“) und des Bürgeramts der Stadt Frankfurt. Und es gibt Videoüberwachungskameras jedweder Bauart und das gleich im Dutzend. Und die überwachen nicht nur die KundInnen der diversen Ladengeschäfte, Cafes und Restaurants, sondern auch die BewohnerInnen und die NutzerInnen der öffentlichen Einrichtungen, Was es nicht gibt: Hinweise darauf, wer Betreiber dieser Kamera ist. Es darf vermutet werden, dass es die Eigentümer des Nordwestzentrums oder ein von diesen beauftragtes Sicherheitsunternehmen sind.

Die Bürgerrechtsgruppe dieDatenschützer Rhein Main wurde von Eltern von Kindern, die die Kinderkrippe der Stadt Frankfurt im Nordwestzentrum (Kinderzentrum Nidaforum 7, 60439 Frankfurt) besuchen, darauf angesprochen, dass ein Spielplatz den Kinder der Einrichtung nutzen von einer Videokamera überwacht wird.

aIMG_kinderkrippe_nwz0001Spielplatz an der Kinderkrippe; im roten Kreis befindet sich eine Videokamera

Auf Grund dieses Hinweises haben Mitglieder der Bürgerrechtsgruppe dieDatenschützer Rhein Main eine Begehung des Nordwestzentrums gemacht. Dabei mussten sie feststellen, dass – verteilt über das gesamte Areal – mindestens zwei Dutzend Kameras nahezu alle öffentlich zugänglichen Flächen überwachen. Einige Beispiele: Weiterlesen »


Utopie für die Stadt: der Traum von neuer Fürstenherrschaft

Der europäische Stern am Himmel der Finanzmärkte heißt London. Die Pläne und Visionen für die Stadt zeichnen uns ein Bild davon, wie der Umbau urbaner Lebensweisen auch hier bald weiter gehen könnte. Die Wahlen in Großbritannien sind vorbei, die Konservativen, die kapitalistischen Turbos haben klar gewonnen. Labour, ähnlich neoliberal gestrickt wie die SPD, war chancenlos, [...]

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Urban Perspectives without Center – Frankfurt

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weggeTURMt – ein Fotobericht

Und weg war der Turm…

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“Wem gehört die Stadt Frankfurt” ist wieder am Netz


Lange schien sie sanft entschlummert: die Homepage des kritischen Frankfurter Netzwerkes “Wem gehört die Stadt”. Nun ist sie wieder in den endlosen Weiten des World Wide Web präsent unter: http://wemgehoertdiestadtffm.net/ Wer also wissen möchte, wie der Aktionstag gelaufen ist oder was die kritische Stadtbewegung in Frankfurt macht, sollte ihr einen Besuch abstatten. Noch sind die Einträge recht spärlich, aber das muss ja nicht immer so bleiben! Mit von der Partie ist beim Netzwerk ein sehr heterogenes Spektrum: Turn Left, die Bockenheimer Bürgerinitiative, die Gallus-AG, kritische Geographen, die interventionistische Linke usw. Auch die FGZ ist im Netzwerk vertreten.

Sein Selbstverständnis hat das Netzwerk so formuliert:

“»Die Frage, welche Stadt wir wollen, lässt sich nicht von der Frage trennen, was für Menschen wir sein wollen, welche sozialen Beziehungen wir anstreben, (…)« David Harvey

Der Slogan des Netzwerks »Wem gehört die Stadt?« stellt in erster Linie Eigentumsverhältnisse in Frage, und ist die Provokation, mit der wir in den städtischen Raum intervenieren wollen.
Gehört die Stadt überhaupt? Wir wollen mit der Frage die Möglichkeiten, die eine Stadt bietet, ausfindig machen und vor allem die Grenzen, die die gesamte Stadt durchziehen, benennen und angreifen. Sie drückt außerdem aus, dass
wir auf der Suche nach unserem Verhältnis zu dieser Stadt sind. Gehört sie auch denen, die besitzlos sind? Wollen wir, dass sie uns gehört? Eine Frage ruft nach Antworten, die mit Sicherheit sehr unterschiedlich ausfallen werden. Eins
unserer Ziele jedenfalls ist, mit Interventionen in der Stadt Ideen einer Gesellschaft aufzeigen, in der Leben eine andere Bedeutung hat als Lohnarbeit und Freizeitpark.

Was tun?
Wir wollen, dass nicht die soziale Herkunft oder die Hautfarbe darüber entscheidet, wer eine Wohnung in der Stadt bekommt. Wir wollen uns unkontrolliert und nach eigenem Belieben überall bewegen können. Wir wollen eine Stadt,
in der das Wohnen ein bedingungsloses Recht aller ist, völlig egal, welche materiellen Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen und egal, in welche Kategorie von »Nützlichkeit« irgendwer gesteckt wird. Mieter_innen Initiativen für bezahlbaren Wohnraum, die Forderung nach sozialem Wohnungsbau in Mitten der Städte und Kämpfe gegen Aufwertung und die damit einhergehende Verdrängung und Umstrukturierung wollen wir unterstützen und bestärken.
Gleichzeitig sind wir der Meinung: Wohnraum darf keine Ware sein, Stadt darf keine Ware sein!

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Internationales Festival für urbane Erkundungen

Foto: Noah Katz / Art Direction: Atelier Liska Wesle
4.-13. Oktober 2013, WIEN

urbanize! 2013 macht sich unter dem Motto CITOPIA NOW auf die Suche nach verborgenen Potenzialen in den Zwischenräumen des Urbanen. Denn um Voraussetzungen für eine lebenswertere Stadt und eine gerechtere Stadtgesellschaft zu schaffen, gilt es in der Gegenwart zu handeln. Theoretische Analyse und Kritik treffen beim Festival auf praktische Experimentierräume: Mit Werkzeugen aus Wissenschaft, Kunst und Aktionismus und mittels Vortrag, Diskussion, Ausstellung, Workshop, Film, Stadtspaziergang und Intervention will urbanize! dazu beitragen, latenten Vorstellungen und visionären Ideen zur Revolutionierung des urbanen Alltags beim Keimen zu helfen. Visionen willkommen!

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Frankfurt ist auf Draht: Alle Preisträger, alle Urkunden des 1. Goldenen Stacheldraht Awards

Letzte Woche hat die “Akademie für bewegende Bilder, Kunst und Orte mit Strahlkraft” zum ersten Mal verschiedene Bauten und Einrichtungen in Frankfurt mit dem “Goldenen Natodrahtaward” ausgezeichnet. Dem Vernehmen nach stammt der dabei verwendete Draht aus den Beständen der ABG, die ihn um Gebäude auf dem Campus Bockenheim großzügig ausgelegt hat. Zusammen ergibt die Riege der Preisgekrönten ein eindrücklichesBild der Frankfurter Stadtpolitik, dass im starken Kontrast zu den schöngefärbten Reden der Magistratspolitiker steht. Wir dokumentieren deshalb hier alle Preisträger mit der Preisbegründung:

Der Goldene Stacheldraht in der Kategorie PREIS FÜR DIE BESTE GESCHÄFTSIDEE – „TEURER GEHT IMMER“ geht an das *** Palmengarten Gesellschaftshaus ***

„Wenn ich schon im Palmengarten eine Gourmetoase für die Superreichen aus Kronberg und deren Autohersteller bauen will, warum soll ich das dann selbst bezahlen? Wenn das die Stadt macht, ist das für mich doch viel günstiger!“ Also dachte sich Schwarz-Grün Liebling Jonny Klinke und hatte eine ebenso einfache wie überzeugende Geschäftsidee: ich pachte das Dinge von der Stadt für einen Quadratmeterpreis, für den man im Westend normalerweise einen Kiosk anmietet, verpachte es für Unsummen an Vereine etc. weiter und serviere Vorspeisen ab 20 Euro aufwärts. Und weil sich in Johnnys Tigerpalast die schwarzgrüne Politikprominenz den, bzw. die Klinke in die Hand gibt, klappte das vorzüglich. Dummerweise kostet dieser Deal die Stadt jetzt 2 Millionen pro Jahr, aber machen wir halt im Palmengarten die Einheitspreise noch ein Stück höher…dann noch ein paar Millionen beim Theater und der Oper, den Schwimmbädern etc. eingespart und schon stimmt die Rechnung wieder.

„Der Goldene Stacheldraht in der Kategorie PREIS FÜR DIE BEWUSSTESTE FEHLLEISTUNG
geht an das*** Sigmund Freud-Institut ***

„Wo ES war, soll WERT gesteigert werden“ – Das Gebäude des von Alexander Mitscherlich gegründeten Instituts konnte besetzt werden, weil es seit mehr als eineinhalb Jahren leer stand, um ab Sommer mit Mitteln des Landes Hessen renoviert zu werden. Die fünf Millionen Euro, die das Land dafür bereitstellte, waren verknüpft mit einer 40-prozentigen Kürzung der Mittel für die wissenschaftlichen Mitarbeiter auf etwa 400.000 Euro pro Jahr. Gab es in den 80er und 90er Jahren noch mehr als 20 feste wissenschaftliche Mitarbeiterstellen, so ließen sich nun damit kaum fünf finanzieren. Die Zahl wird sich weiter reduzieren, da die Mittel auf diesem Niveau eingefroren wurden. Zur gleichen Zeit wurde das Institut mit Teilbereichen seiner Forschung zwei hessischen Universitäten angegliedert und ist seither auf das Einwerben von Drittmitteln angewiesen. Anstelle der Psychoanalyse soll jetzt vor allem Hirnforschung betrieben werden. Der Geist der Psychoanalyse wird zum zweiten Mal Frankfurt ausgetrieben. Herr, wirf ein wenig Hirn vom Himmel!

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Die Räumung der Kriftelerstraße schlägt Wellen: Eier für die Grünen und Anzeige gegen städtischen Mitarbeiteter

Die brutale Räumung der Kriftelerstraße auf Veranlassung von OB Cunitz (Grüne) schlägt erhebliche Wellen. Bis auf den letzten Platz besetzt war eine Veranstaltung im Galluszentrum zum Thema „Zukunft des Gallus – Aufwertung oder Verdrängung“ am letzten Sonntag. Teile des Publikums mussten auf dem Podium Platz nehmen. Aber aufgrund der Räumung hatten die Veranstalter das geplante Thema ohnehin in Richtung der aktuellen Ereignisse abgeändert und wollten anstelle einer Podiumsdiskussion ein offenes Gespräch mit dem Publikum in Gang setzen. Verteter der “Initiative Communale West” stellten noch einmal den Verlauf der Ereignisse dar: Die Besetzer hätten sich in gutem Kontakt zur Politik befunden, Vertreter der Grünen, der Linken und der SPD hätten vorbeigeschaut; die Grünen hätten den Besuch von Olaf Cunitz für den Abend angekündigt. Am späten Nachmittag waren im Vorgarten etwa 40 Personen damit beschäftigt das Essen zu schnippeln, als ein Trupp von ca. sieben Männern plötzlich auftauchte, allesamt muskelbepackte, tätowierte Schränke von Hooliganhaftem Äußeren mit kurzgeschorenen Haaren, einer mit einem bei Nazis verbreiteten T-Shirt (Marke Thor Steiner), ausgestattet mit Teleskopschlagstöcken. (ein auseinanderziehbarer Schlagstock aus Stahl und Gummi).

Zur Illustration hier ein von uns geschwärztes Foto, das Indymedia zugespielt wurde.


Freund und Helfer, mit Teleskopschlagstock rechts.

Die hätten sich eine Schneise durch die Leute geschlagen und wären ins Haus. Die schockierten Anwesenden glaubten an einen Naziüberfall und waren zunächst gradezu erleichtert, als wenige Minuten später das SEK und dann die Polizei auftauchte. Allerdings stellte sich dann heraus, dass der Vortrupp aus Zivilpolizisten bestand, und was sich da vor ihren Augen vollzog war: eine Räumung. Viele der Leute, die dabei gewesen waren, sagten, sie hätten in den letzten Jahren noch nie eine derartig brutale Räumung erlebt.

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Wie über unhaltbare Lebensbedingungen von Flüchtlingen Kasse gemacht wird

Weniger Kilomater östlich der Frankfurter Stadtgrenze liegt Maintal. Im dortigen Gewerbegebiet Ost befinden sich in der Otto-Hahn-Straße Nummer 7a und 9 zwei Gebäude, die als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden. in dürftigen bis miserabel Unterkünften leben dort 24 Flüchtlinge, nur wenige Quadratmeter für den/die einzelnen. Die Unterkümfte werden allerdings zum Wucherpreis vermietet: um die 30 Euro pro [...]

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Mysterien aus Buchstaben

Konkrete Poesie ist das Flustern der Zeichen im Auge des Betrachters. Irrlichterierende Buchstabenkaleidoskope, erstarrte Hast eines dahingeworfenen Anagramms. Und Franz Mon – er ist mit seinen Ideogrammen der Meister, die Koryphäe dafür.

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MMK Talks: Slominski schweigt.

(…)

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Mailbox

“Der gewünschte Gesprächspartner ist gerade nicht zu erreichen, bitte versuchen sie es später noch einmal.” ~Die unsexy Stimme~   Als Pensionär wäre mir das Grund genug im Funkloch des Sonntagsausflugs meine Taschen zu leeren, den überschwänglichen jungen Damen und Herren, die mich mit Bögen und Äxten bedrohen meinen Respekt zu bekunden und zu beschließen heute [...]

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Neues vom Campus. Heute: Überraschung

Erstaunlich, gar überraschend, wie sich Campus Bockenheim verändert. Wenn Sie diese Tage sein ausgetrocknetes Innere besuchen, werden Sie tatsächlich überrascht sein:

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Und nun in Buchstaben zum Mitlesen (und mit-googlen):

EI LOVE ROSA!
NEU & nur für MÄDCHEN.

Die Überraschung, ja gar Verwunderung ist gross.

Welche Zielgruppe wird hier angesprochen?..

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Siberian Art Underground

372793_388720034524426_305905324_nSo, und während die Mauer zwischen zwei Deutschlands noch nicht – zumindest materiell – gefallen war, weit weg, in Sibirien, genauer gesagt in Tomsk – und noch genauer: 5.538 Kilometer von Berlin entfernt (70 Stunden Autofahrt, 984 Stunden zu Fuss) – da wurde im Herbst 1988 die Internationale Assoziation der Neuen Proletarischen Kunst gegründet. Und dann im Februar 1989 bereits das erste Dada-Konzert in der UdSSR. Und noch jede Menge anderer Aktivitäten, die immer wieder die Mainstream+Staatskultur der UdSSR sprengten, hinterfragten, persiflierten.

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Stacheluniversität, oder ABG Holding vs. Philosophicum

Wie Sie bereits wissen, werte Leser, ist am letzten Samstag eine kurzweilige Besetzung des Philosophicums stattgefunden.

Das hat den hellen Köpfen von ABG Holding gar nicht geschmeckt. Denn die hellen Köpfe von ABG Holding haben mit diesem denkmalgeschützten Meisterwerk der Architerktur noch Grosses vor.  Sie erinnern sich:

(Quelle: http://www.kulturcampusfrankfurt.de/wp-content/themes/kulturcampus/map.html)

Und dann…

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Staatliche Antigentrifizierung, oder Viel Lärm um Roth.

Frankfurt ist dynamisch. Frankfurt ist im Wandel. Frankfurt ist im Werden. Frankfurt geht berg ab/auf (das richtige bitte streichen).

DSC_0027Dazu geschieht in Frankfurt etwas mysteriöses…

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Fotostrecke Blockupy I

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Goethestrasse: Sperrholzglamour

Wunderschön sind die Strassen in Frankfurt am Main. Zeil ist lebendig und voller Menschen. Bergerstrasse lädt zum fröhlichen Bummeln ein. Goethestrasse ist aber einzigartig. Das ist die Strasse der Reichen und Schönen. In die Geschäfte auf dieser Strasse geht nicht jeder. Glänzend und mysteriös atmet hier die Glamour-Welt.

Doch im Vorfeld der Blockupy-Demonstrationen hat sich auch diese Strasse etwas ganz besonderes ausgedacht: sie hat sich selbst blockiert.

Ich lade Euch, werte Leser, zu einer wunderschönen Reise ein – in eine Paralleldimension.

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“Them Chemicals!” oder: ~cubische potentiale~

Neulich nächtens, Weil Zeit und Herz mich so sehr quälten, Traf ich trinkend auf dem Nach-Hause-Weg Auf ein Häuschen blauer Farbe, Wie es jedem Bauarbeiter wohl bekannt sein dürfte. In der Hoffnung die Reste meines Rausches Einer chemischen Grube zu übergeben -sprich: mich drückte die Blase- Näherte ich mich dem provisorischen Bau, In Hoffnung auf [...]

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“How about:” ~ Ein offener Brief~

Hey Berlin!

duell

Du psychedelisch verpepte Parlamentarische Preussenpussy,
Verschlingerin aller Künste,
Du Vietnam des Nordens,
Was soll ich von dir halten?

Du hast den Ossis die Freiheit geschenkt:
Und jetzt werden aus unseren Verwandten Nazis…
Weil aus Mauerstücken plötzlich ein Geschäft geworden ist.
Schade. Echt schade.

Ein Grienen an die Ohren getackert
Schleppst Du Dich durch die Nächte
Und fickst um Dein Leben,
Weil Dich sonst so friert.

Mexico City ist eine Stadt
Istanbul ein Kontinentalbruch
Mein Herz ein Tempel
Und Du hast nur AIDS.

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Plan zur systematischen Wegirrationalisierung des Geistes in 5 Schritten.

Kein Foto vorhanden
Fangfrage aus dem Bereich Bibliothekswesen:
was tun, wenn man Platz braucht?

Antwort:
alte Bücher wegwerfen. Liest ja eh keiner.

Doch zunächst eine kleine Vorgeschichte: eine nicht näher genannte Hochschule. ZOOM. Irgendwo in Mitteldeutschland. ZOOM. In einer Stadt am Main, in der auch der Namensgeber der Hochschule einst in seine Windeln machte. ZOOM
ZOOM. Institut für Slavische Philologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Naja, zu konkret. Und Konkretsein is the new kitsch. Denn so etwas passiert bundesweit, täglich, jährlich, immer. Nicht Einzelfall, sondern Regel.

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Gegen-Gipfel zu G20 in Nizza

Während sich die Polit-Stars der 20 führenden Wirtschaftsnationen im südfranzösischen Cannes treffen, formiert sich im nahem Nizza ein Stück weit Widerstand. Vermutlich werden sie es nicht feiern, dass die USA des ehemals gefeierten Obama alle Rekorde beim CO2-Ausstoß im letzten Jahr gebrochen hat: so viel schädlichen Dampf gab es noch nie. Und gewiß auch nicht, [...]

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Occupy in Berlin: rein in die Wohnungen

Im Dauerkampf des Städtewettbewerbs spielen die Events eine wichtige Rolle. In Frankfurt wurden in den letzten Jahrzehnten unzählige davon institutionalisiert. Während es früher in der Innenstadt nur das Mainfest, den Faschingsunzug und den Weihnachtsmarkt gab, sind Street days, Museumsuferfest, Weinfeste und vieles andere hinzugekommen. Meist überall garniert mit der gleichen Art von Verkaufsbuden und leicht [...]

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Occupy Germany! Der Tag aus Bloggersicht

15. Oktober 2011, ein Tag, den man sich merken sollte. Erstmals gingen in der ganzen Welt, in über 900 Städten, Menschen gegen das aus dem Ruder gelaufene Finanzsystem und für mehr demokratische Partizipation auf die Strasse. Auch in Deutschland gab es in vielen Städten Veranstaltungen und ein paar Blogger haben sich zusammengetan, um ein kleines [...]

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Occupy Frankfurt: Video

Occupy Frankfurt
15. Oktober 2011.

Video von Merzmensch
Mitarbeit von Aylin Karacan

s. auch Fotogallerie.

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Herzlichen Glückwunsch, Frau Roth – es ist vollbracht!!

Für 90 Mio. Euro ist das Areal in Bockenheim über den Tresen gewechselt, mit roten Köpfchen und hoch erfreut, dass es wieder einmal ohne jegliche Mitsprache und parlamentarische Kontrolle durchgezogen werden konnte, stellten sich die Lichtgestalten der Presse. Endlich können Sie loslegen, Frau Roth, und wir uns freuen. Es wäre auch zu traurig, wenn Sie [...]

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Der Gallus und die Chinesen

Eine globalisiertes Metropölchen wie Frankfurt wird von Kräften weiter Weltbereiche berührt, etwa von China oder von Schwarzafrika, sei es über Waren oder Immigranten. Die beiden könnten kaum weiter voneinander entfernt sein, kommen uns aber meistens über Medien etwas näher. “China” treffen wir bei Saturn-Hansa, mit Audio- und Video-Geräten; im Fernsehen tritt es als die expansive Wirtschaftsmacht auf, voll von Fabriken, ein Exportweltmeister, der angeblich die Welt gnadenlos mit Waren überschwemmt. Bei Schwarzafrika dagegen wird immer das gleiche, dazu konträre Schema ausgelöst: Niedergang, Krise, Elend, marodierende Warlords, Flucht und Immigration, besonders hierher. Was ist dran?

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Dezember-Wochenende: Frankfurter Kulturachse

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Wetterauer Ethologie

Wetterau heißt ein Gebiet in der Rhein-Main-Metropolenregion, nordöstlich von Frankfurt gelegen, der Länge nach mißt es ungefähr 40 bis 50 Kilometer, die man auf dem Weg in den Vogelsberg eher schnell hinter sich bringen möchte. Vom Metropolenschub hat die Wetterau nicht viel abbekommen, hauptsächlich Pendlerstaus, steigende Preise in den Einfamilienhauskarrees und verödende Dörfer.

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Zirkusjubiläum

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Anreise. Der „Platz der Republik“ wird gemeinhin unterschätzt: er bildet nicht nur die Nabe der Globalisierung Frankfurts, sondern gleich noch die größte Verkehrs-Kreuzung des Stadtgebiets. Dafür bleibt als Platz nicht viel übrig, doch das lieben die Frankfurter. Nabe für zwei Achsen gibt er ab, eine die der Infrastruktur, vom Hauptbahnhof zum Messegelände, die andere, für uns wichtigere bietet eine Promenade der Financial Corporations nach Nordwesten, die Mainzer entlang. Auf ihr bewegen wir uns.

Nach Soll und Haben, den Öko-Türmen der Deutsche Bank AG, etwa auf der Höhe der Alten Oper knickt die Strasse nach Norden ab.

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Kreuzberg Boulevard

Kreuzberg Boulevard: Die Wandzeitung für Interaktive Realitäten P1000948 Mit einer Beobachtung zu einer Kreuzberger Wandzeitung meldet sich die ehemalige Frankfurt, oder!- Korrespondentin aus Berlin zurück.

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Frankfurts Netze – eine Geruchsprobe (II)

Wir haben erkundet: der “lustigste Physiker Deutschlands” Vince Ebert arbeitet für die Mainova und die Frankfurter Rundschau. Ist er ein Physiker unserer Kapitalmärkte bei der Rundschau? Macht er sich über die Ertragspläne der Mainova als Kabarettist lustig? Möchte er vielleicht doch den Unsinn gegenwärtiger Vermarktung der Welt satirisch abschießen? Oder verfolgt er gar noch höhere [...]

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Stadtfauna – 1

VORAB

Die in den letzten Ausgaben beschriebenen Strategien zur Eindämmung der neoliberalen Monokultur, die die letzten lebenswerten Viertel zu kolonisieren droht, waren eine gute Anregung, auf den Spaziergängen durch die Stadt doch genauer hinzuschauen, der Oberfläche eben nicht zu vertrauen.

Es ist ja nun nicht nur so, dass (Unter-)Arten aussterben, die Evolution kennt immer Phasen, in denen sich Neues entwickelt. Nur spielen sich die interessantesten Prozesse nicht unbedingt leicht erkennbar – und doch vor aller Augen – ab. Die morphologischen Kennzeichen sind ebenfalls nicht unbedingt phänotypisch ersichtlich, so dass sich eine Einordnung erst langsam erschliesst.

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Frankfurts Netze – eine Geruchsprobe (I)

Ein Gütesiegel echter Metropolen liefert deren Vernetzung, als Ausbau regionaler und Einbindung in globale Netze. Je nachdem wie das gelingt, soll sich eine eigene Marke der Stadt aufbauen, das Glück der Bewohner ansteigen und viele Auswärtige mit ihr in Verbindung stehen. Das gilt auch für Metropölchen wie Frankfurt und RheinMain.

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Die Trompeten von Jericho

Eigentlich war ich ja von Anfang an ein Gegner der nervigen WM-Plastiktröte, die unter dem klangvollen Namen Vuvuzela verkauft wird. Ich hielt sie für eine weitere degenerierte Ausgeburt des nationalistischen WM-Hypes, der hoffentlich möglichst bald vorüber sein möge. Inzwischen denke ich aber ernsthaft über die Anschaffung eines solchen Terrorinstrumentes nach. Zuerst kam mir dieser Gedanke [...]

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Noi noi noi – verschdaaschd mi nedderd? Teil 1

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Ich habe es ja selbst so gewollt oder vielleicht mich auch wollen lassen, wie auch immer – ich sitze jetzt „ebbelwoi“ – vermissend im Schwabenland und wundere mich täglich.

Eigentlich dachte ich immer, dass die Sachsen aufgrund ihres Dialektes schlecht zu verstehen sind – doch weit gefehlt – es sind definitiv die Schwaben und das mit einer Ruhe und Gelassenheit, die einen hektischen Hessen auf Apfelweinentzug zum Wahnsinn treiben kann.

Dem ersten Irrglauben, dem ich erlegen war:

Geschwind kommt von Geschwindigkeit?

Lieber Leser – NEIN! Das beliebteste schwäbische Wort „geschwind“ oder in der Sparvariante „g’schwind“ hat definitiv nichts mit Geschwindigkeit zu tun. Das musste ich zu Beginn meiner Schwabenzeit zweifach erfahren und beim zweiten Mal sehr schmerzlich.

Beim ersten Mal sagte der Makler in der Wohnung: „So, dann gehen wir mal geschwind ins Wohnzimmer“. Noch vom Irrglauben geleitet, dieses Wort hätte etwas mit Geschwindigkeit zu tun, wartete ich. Und ich wartete und wartete und wartete. Es passierte nichts, rein gar nichts.

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Eine Woche Frankfurt-Branding

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Die letzte Woche war geprägt von Ereignissen, die Meinungsführer der Rhein-Main Region in Entzücken versetzten. Nach einer kleinen Verzögerung kam für unsere EZB im Ostend endlich der Spatenstich; dann landete der erste Airbus A380, den die Lufthansa bestellt hatte und doch wirklich aus „Frankfurt“ getauft wurde; schließlich war es uns gelungen, der Berlinern oder Hamburgern oder beiden den „Kreativ-Gipfel“ des Art Directors Club abzuluchsen. Die anderen wollten ihn wohl nicht mehr. Eine große Woche und eine Folge von Geschehnissen, die ein Schlaglicht auf die Situationen von Großstädten und die verschiedenen Risse durch sie wirft.

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Sechs Quadratmeter Weltruhm- Die Frankfurter Küche (2)

frankfurter küche neu

Die „Frankfurter Küche“ besaß folgende Charakteristika:

- zahlreiche Einbauschränke, teilweise mit Schubkästen aus Aluminium. Die Schubläden wurden speziell für die „Frankfurter Küche“ von einer Firma entwickelt. Mehl, Reis etc. wurden damals gewöhnlich in Papiersäcken gelagert. Die Schubkästen hatten einen Behälter zum Schütten und einen Aluminiumsteg, so dass der Inhalt direkt in den Topf geschüttet werden konnte. Für die größeren Mehlvoräte gab es eine Schublade aus Eichenholz, deren Gerbsäure Wurmbefall verhindern sollt

-eine Dunstabzugshaube über dem Herd. Die Wohnungen der Arbeiter sollten endgültig vom traditionellen Küchenmief befreit werden.

- einen gemauerten Müll-und Besenschrank zwischen Küche und Vorzimmer. Der Küchenabfall konnte von der Küche aus, der Kehricht vom Vorzimmer aus eingeworfen werden, so dass in der Küche kein Staub entstand.

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Sechs Quadratmeter Weltruhm – Die „Frankfurter Küche“ (1)

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Der Ausdruck „Frankfurter Küche“ bezeichnet nicht nur eine Ansammlung lokal-regionaler Spezialitäten, sondern auch den vielleicht wichtigsten Beitrag Frankfurts zur Architekturgeschichte der Moderne: eine der ersten Einbauküchen der Welt für Wohnungen. Entwickelt wurde sie ab Mitte der 20er Jahre von Margarete Schütte-Lihotzky, einer jungen Wiener Architektin, die von Ernst May 1926 an das städtische Siedlungs- und Hochbauamt Frankfurt berufen wurde. Der sozialdemokratische Einfluß auf die Frankfurter Stadtregierung ermöglichte in den 20er Jahren die Realisierung ehrgeiziger sozialreformerischer Wohnungsbauprojekte durch die Kommune. May war der Spiritus Rector dieser neuen Baubewegung, und gleichzeitig als Architekt im Hochbauamt für die Umsetzung der Ideen verantwortlich. Arbeitern und kleinen Angestellten sollten bezahlbare Wohnungen zur Verfügung gestellt werden, die Luft, Licht und modernen Komfort boten.

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Frankfurt, oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt. Teil 7

Meine tapferen Leser und Leserinnen müssen beim Verfolgen meiner Wege auf dem Atlas Blasen an den Zeigefingerkuppen bekommen und an meinem Verstand gezweifelt haben. Erst dieses Ping-Pong zwischen Main und Oder, dann ein schier unsinniger Ausflug nach Amerika (Frankfort/Maine?!). Was, bitte schön, wollen diese Leser und Leserinnen wissen, hat dies alles mit Frankfurt/Oder zu tun, [...]

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Frankfurt oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt Teil 6

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Warum gibt es so viele Frankforts in den USA, aber kein Frankfurt?

Und was ist die Rolle von Frankfurt/Oder in all dem?Meine These zum Namen Frankfort, USA widerspricht den meisten lokalen Folkloren. Frankfort, Kentucky wurde angeblich nach Stephen Frank benannt, der am Fort des Kentucky Rivers von Indianern getötet wurde. Frankfort, New York behauptet, nach dem Siedler Lawrence Frank benannt zu sein. Frankfort, Kansas hieß angeblich ursprünglich Frank’s Ford (keine weiteren Angaben). In Erasmus Jones’ History of the Town of Frankfort, Maine (1897) findet sich kein Hinweis zur Herkunft des Namens; auch Frankfort, Michigan und Frankfort, Ohio scheinen sich nicht besonders um die Herkunft ihres Namens zu scheren. Auch die beiden (!) Frankforts (!) im Staate Wisconsin schweigen sich dazu aus.

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Frankfurter Slowfood für den Sieg über England: Die Kochkiste 2

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Was aber war das Geheimnis der Kochkiste, wie funktionierte sie?

Lotte Mohr:
„Häufig begegnete man noch bei vielen Frauen einem ungläubigen Lächeln, wenn man von der Kiste spricht, und es will ihr nicht in den Kopf, dass man ohne Feuer kochen kann.

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Frankfurt Oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt Teil 5

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Am 26.2.2010 fragte die Märkische Oderzeitung, die Regionalzeitung von Frankfurt/Oder, ihre Online-Leser: Warum, glauben Sie, sinkt die Zahl der Unfalltoten stetig? „Ich weiß es nicht,“ antworteten 12 Prozent der Leser. 20 Prozent sagten: „Weil die Zahl der jungen Leute sinkt.“ Ich finde, das sind zwei sehr traurige Antworten (die Mehrzahl der Leser antwortete übrigens: „Die Autos werden sicherer.“ Ob das einen fröhlicher stimmen soll, weiß ich nicht). Besonders traurig ist die, die den Rückgang der Unfalltoten mit dem Rückgang von jungen Leuten begründet. Keine jungen Kamikaze-Kleists rasen mehr betrunkenen Kopfes gegen Alleebäume; nicht, weil die jungen Leute inzwischen weniger saufen und dem Leben positiver gegenüberstehen, sondern weil sie gar nicht erst geboren, beziehungsweise bereits weggezogen sind.

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„Griechenland“ braucht hartes Vorgehen – wie „Frankfurt“

Neulich bei Stuttgart auf der Autobahn. Einer dieser ganz witzigen Sender mit Gewinnspielen und „Nachrichten“, SWR. Eine schöne kleine schwäbische Kommedy wurde gegeben: Konkursos oder so hieß der Familienvater, wohnhaft in Athen, wie jeder Grieche. Mit kleiner Familie auf 6000 Quadratmeter in der Innenstadt, ja so gut geht’s denen. Und seit 13 Jahren im Streik, [...]

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Frankfurter Slowfood für den Sieg über England – „Die Kochkiste Frankfurter System“

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Die Erfindung eines Perpetuum mobile ist ein uralter Menschheitstraum. Auf das Gebiet des Kochens angewendet wäre ein Perpetuum mobile ein Herd, der ohne Gas, Strom oder Feuerung, also ohne äußere Energiezufuhr, bis in alle Ewigkeit vor sich hin kocht – führwahr eine ehrfurchtsgebietende Vorstellung.

Zu Zeiten des Ersten Weltkrieges sind in Frankfurt einige patriotisch gesonnene Damen und Herren der Realisierung dieser Utopie recht nahe gekommen. Sie propagierten in zahlreichen Broschüren, Vorträgen und Pamphleten die Einführung der „Einfachen Kochkiste Frankfurter System“ für alle deutschen Haushalte. Eine „Kommission Kochkiste des nationalen Frauendienstes“ etablierte sich in der Frankfurter Fahrgasse. Sie gab unter anderem Lotte Mohrs Bröschüre „Kocht in der Kochkiste!“ heraus, 1916 in zweiter Auflage, da die 22000 Exemplare der ersten Auflage bereits nach 5 Monaten vergriffen waren. Darin forderte die Verfasserin kategorisch im Fettdruck: Pflicht jeder Frau ist es, sich wenigstens einmal mit der Frage der Kochkiste zu beschäftigen!

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Frankfurt oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt. Teil 4

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In der letzten Folge unserer Korrespondenz hatten wir Frankfurt/Oder mehr oder weniger als das verdrängte Andere von Frankfurt/Main etabliert. Die Brücke vom Doppelgänger zum Zwilling ist kurz. Dass nicht Frankfurt und Frankfurt, sondern Frankfurt und Słubice Zwillingsstädte sind, ist in diesem Zusammenhang geradezu empörend.

Jetzt wird es lustig, denn ich werde über die literarischen Söhne der geteilten Zwillingsstadt Frankfurt sprechen: über die Zwillingssöhne Kleist und Goethe. Das wird deswegen lustig, weil ich keine Ahnung von Kleist und Goethe habe. Kafka verehrte die Prosa von Kleist, aber er verehrte, wie allgemein bekannt ist, auch die Tochter des Hausmeisters des Weimarer Gartenhäuschens. Das bringt für jeden einen Punkt: Goethe – Kleist 1:1. Goethe liegt, im auch von dieser Stadtnetzzeitung mit Aufmerksamkeit bedachten Frankfurter Städel, wie hingegossen in der römischen Campagna.

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Frankfurt, oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt. Teil 3

3 Die Berliner Korrespondentin, die zur Zeit des Mauerfalls in Frankfurt am Main wohnte, hat es noch immer nicht geschafft, Frankfurt an der Oder zu besuchen, obwohl diese Stadt so eindringlich zu ihrem Herzen spricht. Ich muss den Reim noch einmal wiederholen, durch den ich zuerst von Frankfurt/Oder hörte: „Weil Frankfurt so groß ist, da [...]

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Frankfurt oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt. Teil 2

2 Frankfurt/Oder kenne ich aus einem alten Kinderlied. Als die Mauer fiel (wie man in Amerika zur Wende sagt), wohnte ich in Frankfurt/Main und beschloss, irgendwann einmal das andere Frankfurt zu besuchen. Jetzt wohne ich seit zwanzig Jahren in Berlin und war immer noch nicht da. Manchmal, wenn ich in meinem Alltag versacke, wenn die [...]

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Frankfurt, oder! Reportagen aus dem anderen Frankfurt

I. „Weil Frankfurt so groß ist, da teilt man es ein / in Frankfurt an der Oder und Frankfurt am Main!“ sangen wir Kinder in den Sechziger Jahren mit einer ganzen Reihe weiterer Gassenhauer  aus der Vorkriegszeit, die unsere Eltern schon gesungen hatten – darunter ein Lied über eine alte Tante in „Groß-Grünau“, die es [...]

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Wo die bösen Onkels wohnten-Der Frankfurter Berg

M lebte ihr Leben lang am Frankfurter Berg. Mehr als 20 Jahre lang in der Julius Brechtstrasse bei ihren Eltern, dann für ein paar Monate in einer der Wohnungen , die dort gebaut worden, wo ehemals die Kasernen und Wohngebäude der US-Army gestanden haben. Nur hundert Meter von der Julius-Brechtstrasse entfernt und doch eine andere [...]

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In diesem unserem Lande

gibt es blühende Landschaften. Etwa in Kronberg. Das ist nahe bei Frankfurt. Ein Teil des sogenannten “Speckgürtel”. Wie aber kommt es zum Speckgürtel, wo kommt der Speck eigentlich her? Ist es der Speck der Leistungsträger, unserer gnädigen Steuergeber? Was machen Speckgürtel mit uns, wie fallen die Speckgürtelvertreter in die Stadt ein?

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