Frankfurter Gemeine Zeitung

Geschichte Frankfurter Wohnungs-Verhältnisse

Seit 1970 wurden in Frankfurt Häuser besetzt, Mieter von Immobilienfirmen drangsaliert, der bebaute Stadtraum als besonders lohnende Profitquelle behandelt. Oft arbeiteten und arbeiten dabei Stadtregierung und Immobilienfirmen zusammen. Im Laufe der Jahre gab es darüner heftige politische Auseinandersetzungen, und die Erinnerung daran möchten wir hier bewahren und sukzessive ausbauen.

Neckermann-Berichte: „Hier komme ich mir vor wie ein Krimineller!“

Ort des Schreckens auf der Hanauer Landstr. in Frankfurt/M.

von WelcomeFrankfurt

Berichte der Geflüchteten aus „Neckermann“

Zusammenfassung am 25. Januar 2016

Uns wurden sehr viele Berichte zugesendet bzw. persönlich überbracht. Wir versuchen hier eine Zusammenfassung:

Ein Aspekt, der gerade für die Menschen, die vorher in der Fechenheimer Sportfabrik untergebracht waren, wichtig ist, ist dass ihre Gemeinschaft, die sie sich dort aufgebaut hatten nun auseinandergerissen wurde. Die ersten Ansätze von Selbstorganisierung waren da und jetzt müssen wir wieder neu aufgebaut werden. Wir werden das was wir tun können, tun damit die Geflüchteten sich selbst organisieren können.

Viele Dinge, unter anderem dass die Geflüchteten von der Sportfabrik im fünften Stock gemeinsam untergebracht sein werden, wurden einfach nicht eingehalten. Sie sind jetzt alle in unterschiedlichen Räumen unter 1200 neuen Leuten verteilt und müssen nach und nach Kontakt zueinander suchen. Uns wurde berichtet, dass insgesamt die Unterkunft so groß ist, dass man sich darin verliert. Schon der Abstand zwischen den Schlafplätzen und den Duschen scheint weit zu sein.

Durchsuchung der Taschen und Einsammeln von „scharfen Gegenständen“

Bei der Ankunft wurden die Taschen der Geflüchteten durchsucht und sie mussten Gegenstände aus Metall, auch Stricknadeln abgeben. Aus Sicherheitsgründen. Später haben wir erfahren, dass eine Frau ihre Stricknadeln zurückbekommen hat. Es hatte bei der Ankunft scheinbar geheißen, es könne ja zu Auseinandersetzungen kommen, deshalb will man keine scharfen Gegenstände bei den Leuten. Schon diese Tatsache allein deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen selbst wissen, dass die Unterbringung von so vielen Menschen in solchen Lagern zu Konflikten führen müssen, zumal es ziemlich trostlos und frustrierend ist, dort zu verweilen. Einer der Geflüchteten sagte zu uns: „Hier komme ich mir vor wie ein Krimineller!“

Nicht genügend Warmwasser

Viele verschiedene Geflüchtete haben unabhängig voneinander uns berichtet, dass das Warmwasser sehr knapp ist. In den frühen Morgenstunden scheint es noch zu funktionieren, aber ab 8:00 Uhr / 9:00 morgens nicht mehr. Duschen ist unter solchen Umständen nur bedingt möglich, gerade für Kinder.

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125 Jahre ABG – und kein Ende der Feier

Anmerkung der Redaktion:
uns wurde ein Manuskript geschickt zu den Feierlichkeiten eines bedeutsamen Teils der Stadt-Geschichte und der aktuellen Entwicklungen hier und weil das Gedränge am Mikrophon zu dieser Gelegenheit erheblich sein wird, will sich doch alles im besten Lichte präsentieren, kann es sein, dass solch Rede schlicht untergeht. Dem vorzubeugen und zur besseren Einstimmung auf die Festlichkeiten, zu denen alles aufgeboten wurde, was sich im Quartier (und im Römer) so bewegt, veröffentlichen wir sie vorab.
Aber auch, weil wir befürchten, nicht so ganz grundlos, dass dieser Beitrag seinen Weg nicht ganz bis zum Mikro findet, nichts bestärkt die Annahme, dass ein OB es an sich nimmt und verliest (siehe Ginnheim). Zudem ist auch nicht ausgeschlossen, dass ein ABG-Vertreter und SPD-Mitglied dieses Mal nicht doch den Saft abdreht, aus Erfahrung klug geworden.
Wie dem auch sei, hier kommt sie:

Beitrag zum Jubiläum
von K. Ritik

Geschätzte Frankfurter*innen, Anwohner*innen des Gallus und Mieter*innen, wo immer Sie es auch in nächster Zeit hin verschlagen mag,
wir blicken auf eine lange Tradition in dieser Stadt zurück, ein Teil davon eben diese 125 Jahre ABG – eine Erfolgsgeschichte, ohne Übertreibung, ein Beispiel für die Welt.
Traditionen wollen gepflegt werden und dies tun wir hier und heute mit diesen Festtagen der Gemeinsamkeit. Und welcher Platz (hier in der Nähe der Quäkerwiese mit ihrem modernen Pavillon) wäre geeigneter als diese – nunmehr vorzeigbare – Frankenallee in unserem Gallus. Hier an der Schnittstelle des alten “Neuen Frankfurt” mit dem aktuellen neuen Frankfurt des modernen gehobenen Wohnens und Lebens (wiewohl beides noch zusammenfinden muss – und auch wird).
Lassen Sie und die Fährnisse des Alltags in dieser Stadt in diesen beiden Tagen des Frohsinns vergessen und geniessen wir unsere erfolgreiche Stadt und zollen ihren Baumeistern auch einmal den Tribut, gönnen wir diesen Getriebenen das erfrischende Bad in unserer Menge, einer frohgelaunten, passend zum Anlass. Hören wir einem Kämpen der ersten Stunde zu (wenn auch die unendliche Wiederholung seines leicht trögen Vortrags die Eine oder Andere leicht abstossen mag, die Botschaft gleicht dies mehr als nur aus) und freuen wir uns auf den Aufsichtsrats-Vorsitzenden, dessen einigende Kraft zum Ausgleich der mannigfaltigen Kräfte dieser Stadt beiträgt. Derart bombardiert mit sozialer Verantwortung, zu der, oft übersehen der Planungsdezernent nicht müde wird, seine Beiträge zu finden, das Aufblühen dieses Viertels unmittelbar vor Augen, das wir noch erleben und vor allem mitgestalten dürfen.
Lasst uns die Feste feiern wie sie fallen, auch und gerade, weil wir nicht wissen können, ob wir dies demnächst in dieser Zusammensetzung noch erleben dürfen, das ist der Lauf der Dinge.
In diesem erhebenden Gefühl sind wir diese Tage alle ABG und bereit, uns wegtragen zu lassen (wenn dies auch immer häufiger mit Zwangsräumungen in Zusammenhang gebracht werden dürfte), vergessen wir einmal, unter welchem Kostendruck ABG und ihre Mieter*innen stehen und lassen im Angesicht der vielen Stände, die die Lebendigkeit des Quartiers symbolisieren, die Skepsis fahren, die leider immer mehr an Boden gewinnt. Nicht jede Äußerung ist automatisch eine Mogelpackung, nur weil sie von den zitierten Herrschaften ausgeht und auf einer ABG-Bühne vorgetragen wird. Das hieße der Vielfalt dieser Stadt, dieses Viertels Unrecht angedeihen zu lassen.
Die gesunde wirtschaftliche Aufstellung ist nun wirklich kein Grund zu klagen, ca. 230 Mio. Euro Gewinn in den letzten vier Jahren sprechen für sich, da gibt es nichts zu kritteln. Stets an der Spitze der hiesigen Entwicklung, Grund genug, einmal nachzudenken, was das bedeutet.

Doch an solchen frohen Tagen heisst es auch großzügig sein, wir alle tragen schließlich bei, diese Stadt an der Spitze der globalen Liga zu positionieren, die ABG-FH zu einem wahrhaft prosperierenden Unternehmen zu machen – neue und alte Frankfurter*innen, jede nach ihren Fähigkeiten und Ressourcen. Dass dieses gemeinsame Unterfangen stete und konstante Höchstleistungen von allen abfordert, muss hier nicht besonders betont werden. Unser aller Einsatz zählt.
Setzen wir ein Zeichen – wie vor 125 Jahren – und lassen wir unserer Begeisterung über die Entwicklung freien Lauf, um damit die Beteiligten zu überwältigen wie einst Petra Roth, die sich davon tief beeindruckt, nicht so recht von diesem Überschwang erholte. Ekstase ist noch das Wenigste, um unseren Stolz auf diese Stadt und ihre Regierung, ihre Leistungsfähigkeit, der Welt vor Augen zu führen.

Nicht: klammheimliche Freude, dass die ABG-FH es endlich geschafft hat, die Differenzen in den Miethöhen auszugleichen, offene aktive Zustimmung ist hier geboten zu dieser konsequenten und keine Privilegien achtende Geschäftspolitik. Kein Lamento über fehlende Instandhaltungen, wo Modernisierung strahlende Fassaden zaubert und neue Gesichter in den Fenstern.

Ja und auch dies: aktive Stadt = Aktivhäuser!
Das ist ein Schritt ins neue Jahrtausend, ob Angstschweiß bei der nächsten Mietenrunde oder heftiger Zorn bei der letzten Abrechnung, alles wird Energie, die es zu nutzen gilt, die in Zählbares umgemünzt werden kann.

Niemand wird abgewiesen, das ist geübte Geschäftsphilosophie, nicht alle haben Platz, das ist die traurige Realität.

Doch, die ABG-FH baut für Alle unterschiedslos, drinnen und draußen (hier finden wir den Eckpfeiler des immensen Erfolgs, den Unterschied zur ABG für kleine Wohnungen). So funktionieren Metropolen nunmal und mal Hand aufs Herz, wer weniger Miete zahlt, etwas weiter draußen, hat mehr übrig für Monatskarten und Benzin. Nebenbei, wer zwei Stunden Anfahrt hinter sich bringt, weiß klar und deutlich, dass er an Wichtigem, Globalem, beteiligt ist, erleidet es jeden Tag.

Ein Wort an alle, die trotz dieser ermutigenden Zeichen, der positiven Entwicklung, eine skeptische Miene zur Schau stellen: auch für sie ist Platz.
Reminiszenzen sind Bestandteile der lokalen Folklore wie die neue alte Altstadt. Nur bitte: Erinnerung ohne Nostalgie, dafür Rücksicht und eine Willkommenskultur für die vielen Neu-Frankfurter*innen und Achtung für deren Beitrag zur Sicherung des Standorts in diesem gnadenlosen Wettbewerb. Alle Mittel müssen ausgeschöpft werden, bis zur bitteren Neige, um die Attraktivität zu erhöhen und dazu ist es unabdingbar, Platz für diese Neuankömmlinge zu schaffen.

Hier stellt sich die ABG den Anforderungen, ohne wenn und aber, dafür steht auch der erste Abschnitt des Campus Bockenheim, und sie stellt sich auch der offenen Diskussion, zu der auch Widerspenstigkeit gehört, solange sie produktiv gehandhabt wird, die Schwachstellen im Konzept an die Oberfläche zerrt, um die gute Entwicklung zu festigen.
Aktive Partizipation ist das Salz in der Suppe gewinnträchtiger Entwicklungen.

Wir sollten uns freuen über das grosse Interesse an der ABG, es entspricht ihrer Rolle in unserer Stadt und erfreulich ist auch, dass sie im Gleichschritt mit Fraport ihren produktiven Wirkungskreis über die Stadtgrenzen hinaus ausdehnt, wovon Offenbacher und Friedberger ein Lied singen können. Eine Wohltat für die ganze Region.
Damit viel Vergnügen am 19. und 20. September in der Frankenallee im Gallus. Für Kurzweil wird gesorgt.


1973, eine etwas andere Anti-AGB-Aktion – Mietstreiks im Gallus

Beitrag von R. aus der AG Gallus

Seit Ende 1970 wurden in Frankfurt Häuser besetzt, besetzte Häuser durch brutale Polizeieinsätze geräumt, weitere Häuser besetzt; schließlich traten v.a. migrantische Familien, die in abbruchreifen Häusern leben mussten, in den Mietstreik – der Name für diese heftigen sozialen Kämpfe zwischen 1970 und 1974 um das “Recht auf Wohnen” in der entstehenden Finanzmetropole lautet bis heute: “Häuserkampf”.

Der Ausgangspunkt des Konflikts um die Miethöhe im Gallus liegt im Dezember 1972: Die ABG (Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen), schon damals als Wohnungsbaugesellschaft zu 99% im Besitz der Stadt, kündigt massive Mieterhöhungen für ihren Bestand an Wohnungen an. Die meisten Wohnungen der ABG und der Hellerhof im Gallus stammen aus den Jahren 1922-32; die MieterInnen dort haben in den Jahren nach 1945 die Wohnungen selbst leidlich “hergerichtet”, umfangreiche Renovierungen vorgenommen, weil die ABG selbst über Jahre kein Geld in notwendige Baumaßnahmen gesteckt hatte. Die Wohnungen sind entsprechend “einfach” bis heruntergekommen, ohne jeden Komfort, haben in der Regel noch Kohleöfen, nur teilweise Bäder – insgesamt typisch kleinbürgerlich-proletarische Wohnungen wie in der Weimarer Republik.

Ende Dezember 72 erhalten die MieterInnen die Mieterhöhungen schriftlich auf den Tisch: sie liegen meist zwischen 20 und 50%! Für viele Mieter heißt das: Jetzt ist Schluss! Die Unruhe im Stadtteil ist enorm; ähnliche Mieterhöhungen will die ABG auch in Bockenheim, in Bornheim, Höchst und der Römerstadt durchsetzen – von daher wird der Kampf rasch stadtteilübergreifend. Politische Initiativen sind von Anfang an im Kampf gegen die Mieterhöhungen präsent: die radikal linke Stadtteilgruppe Bockenheim, die eng mit dem „Häuserrat“ verbunden ist, beginnt mit Hausbesuchen und Befragungen der Betroffenen, die DKP ist in einigen örtlichen Mietervereinen am Start, im Gallus sind zunächst vor allem JUSOS aktiv, die zu Stadtteilversammlungen einladen. Auf den gut besuchten Stadtteilversammlungen im Gallus, z.B. am 1.2.1973, schlägt die Stimmung hoch: die Forderung “Keine Mietpreiserhöhung!” ist unumstritten – keine Kompromisse mit der ABG, fordern die linken Initiativen, einleuchtend für viele Gallus-BewohnerInnen. Ein Mieterrat, dessen VertreterInnen aus allen betroffenen Stadtteilen delegiert sind, wird gewählt.

Es kommt Bewegung in den Konflikt

- Insgesamt über 1.000 Mietparteien aus dem ganzen Stadtgebiet, darunter zahlreiche aus dem Gallus und viele migrantische Familien, treten Anfang 1973 in den Mietstreik!

- Im 17. Februar 1973 demonstrieren ca. 1.500 MieterInnen der ABG und der Hellerhof-Siedlung.

- Eine zweite Demo zieht wenig später zum SPD-Bezirksparteitag, besetzt den Parteitagssaal und heizt den Delegierten ein. Ein linksradikaler Vertreter aus dem Mieterrat erklärt unter großem Beifall, dass die MieterInnen von der Frankfurter SPD „nichts“ mehr erwarten – die SPD-Delegierten fassen den Beschluss, die stadteigene ABG aufzufordern, auf die Mieterhöhungen zu verzichten. OB Rudi Arndt (SPD) antwortet postwendend: ein Parteitag könne alles Mögliche beschließen – die Entscheidung würde aber die Stadt treffen, und nicht zuletzt er selbst!

- Die Mietervereinigung “Unione Inquilini”, in der die italienische “Gastarbeiter”-Familien organisiert sind, fordert, dass Mieter höchstens 10% ihres Einkommens für die Miete berappen dürfen.

Seit Frühjahr 1973 kommt es zu den ersten Prozessen gegen die säumigen Mietparteien – die ersten werden (überraschend) gewonnen, fast alle weiteren Prozesse gehen aber verloren. Am 11. Juni 1974 entscheidet das Landgericht Frankfurt “im Namen des Volkes”, dass die Miethöhe des “freien” Wohnungsmarktes durchaus bei der Berechnung der Miethöhe im gemeinnützigen Wohnungsbau zum Vergleich herangezogen werden können. “Damit ist jedem Mieterhöhungsgebahren im gemeinnützigen Wohnungsbau Tür und Tor geöffnet.” (so der Häuserrat Frankfurt: Wohnungskampf in Frankfurt, 1974, S. 221)

An diese Maxime scheint sich die ABG bis heute zu halten. Sie praktiziert Mieten und Mieterhöhungen, die sich am „freien“ Immobilienmarkt orientieren. Im Europaviertel verlangt sie für die Wohnungen im Komplex “Belvivo”, wo angeblich “italienischer Flair” anzutreffen ist, zwischen 12,50 und 18 EURO – alles nach dem Motto: Wer sich Frankfurt nicht leisten kann, soll verschwinden. Die aktuelle Anti-AGB-Kampagne hat sich also ein lohnendes Ziel ausgesucht. Und das Gallus war der richtige Ort für den Auftakt der Kampagne.

Eine Stadt für Alle! Wem gehört die ABG?


Erklärung des AK “Kritische Geographen” zum Trauerspiel um das Philosophicum

Konsterniert haben wir die Entscheidung der Stadt Frankfurt und der städtischen Wohnbaugesellschaft ABG Holding zur Kenntnis genommen, das Wohnprojekt Philosophicum scheitern lassen zu wollen. Als Geograph_innen und Stadtforscher_innen, die an der Goethe-Universität wissenschaftlich zu Fragen von Stadt- und Wohnungspolitik, Immobilienmärkten und demokratischer Teilhabe arbeiten bzw. hier studieren, sehen wir uns zu einer Stellungnahme gedrängt.

Die Deregulierung und Liberalisierung von Immobilien- und Wohnungsmärkten ist ein wesentliches Merkmal stadtpolitischer Entwicklungen, wie sie in Deutschland – und darüber hinaus – seit mehreren Jahrzehnten zu beobachten sind. Diese Restrukturierungsprozesse haben dazu geführt, dass (Wohn-)Immobilien zu einem bevorzugten Investitionsobjekt geworden sind, was wiederum gerade in Metropolen massive Mietsteigerungen zur Folge hat (Heeg 2013). So ist es insbesondere für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zu einer starken Verknappung von verfügbarem Wohnraum gekommen. Das Resultat dieser Entwicklung ist die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte aus den Stadtzentren sowie eine zunehmende sozialräumliche Polarisierung.

In der Stadt Frankfurt zeigen sich diese Entwicklungstendenzen in besonders zugespitzter Form. Betrug der Bestand an  Sozialwohnungen in Frankfurt Anfang der 1990er Jahre noch 70.000 Wohnungen, sind es nunmehr weniger als 30.000. Auch nach den eigenen Angaben der Stadt reicht dies in keinster Weise aus, um den Bedarf an günstigem Wohnraum zu decken. Hinzu kommt, dass sich der Bestand an mietpreisgebundenen Wohnungen in den nächsten Jahren weiter reduzieren wird, da diese aus der sog. Mietpreisbindung fallen und der geschaffene Ersatz die Abnahme bei weitem nicht kompensiert.

Die Politik der Stadt Frankfurt ist seit den 1990er Jahren von der Schaffung hochpreisigen Wohnraums geprägt. Beispiele sind der Ost- und Westhafen, das Rebstock- und Europaviertel sowie jüngst die Planung für das Gelände des ehemaligen Uni-Campus Bockenheim. Vermittelt über den politisch gewollten Mietspiegel führen derartige Projekte nachweislich zu deutlichen Mietsteigerungen in den anliegenden Stadtteilen. Die Politik, die darauf abzielt, in erster Linie für Haushalte mit mittleren und hohen Einkommen Wohnraum zu fördern und zu schaffen, führt jedoch nicht zur sozialen Stabilisierungen. Stattdessen zeichnet sich bereits heute eine zunehmende sozialräumliche Segregation, Polarisierung und Gentrifizierung ab.

Anstelle für sozialen Ausgleich zu sorgen, bedient der von der Stadtpolitik unterstützte Trend zum Luxuswohnbau stattdessen nicht zuletzt die Interessen institutioneller Investor_innen, die auf Grund der Euro-Krise vermehrt in vermeintlich sichere Immobilien – sog. Betongold – investieren. Bei einem strukturellen Leerstand im Bereich der Büroimmobilien von ca. 2 Mio. Quadratmetern in Frankfurt erscheinen Wohnimmobilien als sicherer und vor allem ertragsreicher Hafen. Steigende Bodenpreise sind die eine Seite der Medaille, Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten die andere.

Vor diesem Hintergrund sind die mangelnde Unterstützung und die angekündete Absage an die Projektgruppe Philosophicum nicht nur als vertane Chance zu sehen, einen wohnungspolitische Richtungswechsel einzuleiten. Auch werden damit leichtfertig Eckpfeiler einer demokratischen Gesellschaft wie Engagement, Teilhabe und Partizipation aufs Spiel gesetzt. Das städtische Agieren über privatrechtliche Gesellschaften – wie die ABG Frankfurt Holding – macht es dem Magistrat und den politischen Vertreter_innen der Stadt darüber hinaus möglich, sich politischer Verantwortung weitgehend zu entledigen. Obwohl also im Aufsichtsrat der ABG zahlreiche politische Vertreter_innen der Stadt Frankfurt sitzen, wird der Konflikt um den Verkauf des Philosophicums nicht im Zusammenhang mit steigenden Mieten, Verdrängung und nachhaltiger und sozialer Stadtentwicklung geführt, sondern nur auf der Ebene des Kaufpreises verhandelt. Es ist jedoch ersichtlich, dass das Projekt Philosophicum nicht aufgrund mangelndem Engagements und mangelnder Verhandlungsbereitschaft seitens der Projektgruppe für gescheitert erklärt werden kann, sondern einer Realisierung der fehlende politische Willen und Mut der politischen Verantwortlichen in der Stadt im Wege steht.

Wir möchten an dieser Stelle die Verantwortlichen auffordern, auf ihre Entscheidung zurückzunehmen und den stadtpolitischen Wert eines in den lokalen Strukturen des Stadtteils verankerten, kollektiv finanzierten und sozial engagierten Projekts, wie es das Philosophicum ist, anzuerkennen. Wir fordern die Stadtpolitik auf, sich nicht hinter dem vermeintlichen Marktzwang steigender Bodenpreise zu verstecken, sondern stattdessen die bestehenden politischen Handlungspotentiale zu nutzen. Wir erachten es an dieser Stelle als zwingend notwendig, die vorherrschende städtebauliche Logik zu durchbrechen und zusammen mit dem Projekt Philosophicum neue und innovative stadtpolitische Wege zu beschreiten.

AK Kritische Geographie, Goethe Universität Frankfurt, Juli 2014


Leerstand mit Räumung gesichert – Demo am Donnerstag 24.4. 19 Uhr Opernplatz

Foto: Jusos

Nachdem Aktivist*innen im besetzten Haus in der Weilburger Straße am Ostermontag nach der Belagerung und Verweigerung Nahrungsmittel ins Haus zu lassen durch die Polizei, völlig entkräftet das Haus verlassen haben, wurde am Dienstag das zweite Haus in der Hohenstaufenstraße von einem massiven Aufgebot der Polizei geräumt. Gegen 13 Uhr stürmten plötzlich über 100 Polizisten auf das Gelände. Menschen, die versuchten zu diesem Zeitpunkt das Gelände zu verlassen, wurden von der Polizei daran gehindert und vor das Haus zurückgedrängt. Erst im Anschluss folgte die Aufforderung das Gelände zu verlassen seitens der Polizei. Völlig willkürlich hat die Polizei bestimmt, wer zu den Besetzer*innen gehört und wer nicht, manche Leute konnten sich auf dem Parkplatz aufhalten, andere wurden vor das Haus gedrängt, teilweise mit Gewalt und mussten ihre Personalien abgeben.

Eine Stunde zuvor hatten die Aktivist*innen ein neues Verhandlungsangebot an den Eigentümer des Gebäudes der CA Immo gesendet. Sie forderten zumindest das veröffentlichte Programm bis zum 01.Mai 2014 in dem Haus durchführen zu dürfen. „Da bereits klar ist, dass das Haus abgerissen wird, haben wir darauf gehofft, dass der Besitzer mit sich verhandeln lässt und uns zumindest eine mittel-oder kurzfristige Nutzung ermöglicht. Leider hat er auf unser Verhandlungsangebot nicht reagiert. Uns ist unverständlich wieso ein Gebäude bis zum Abriss leer stehen muss und nicht für unkommerzielle Projekte genutzt werden kann.“ sagt Sarah Schneider. „Wir fordern, dass die CA Immo den Strafantrag zurückzieht.“

Das volle Programm im Haus und die zahlreichen Zusagen von Bands, Künstler*innen, Theoretiker*innen in diesem Haus Veranstaltungen anzubieten zeigen, dass derzeit ein selbstverwalteter Ort in Frankfurt fehlt.

Die Stadtpolitik hatte nach der Räumung des IvI’s im April 2013 angekündigt zu prüfen, ob dem selbstorganisierten Projekt ein Ersatzobjekt zur Verfügung gestellt werden könne, die Prüfung ist nach Angaben Planungsdezernates immer noch nicht abgeschlossen. „Wenn die Stadt nicht in der Lage ist uns ein Ersatzobjekt zu geben, nutzen wir den Leerstand, den es überall in Frankfurt gibt. Auch wenn die beiden Besetzungen dieses Wochenende uns noch kein neues IvI ermöglicht haben, werden wir nicht aufgeben und so lange weiter besetzen bis wir neue Räume haben.“ ergänzt Benjamin Walter. Selbstverständlich wären die Besetzer*innen nach wie vor bereit ein Ersatzobjekt von der Stadt zu nutzen.

Am Donnerstag, den 24.04.2014, wird es um 19 Uhr am Opernplatz eine Demonstration gegen die Räumungen der besetzten Häuser und für ein neues IvI geben.

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Effizienz macht hässlich – IvI macht selbst das Europaviertel schön

FRANKFURT. Willkommen im Europaviertel – kaum eine Ecke Frankfurts ist so öde wie diese. Damit ist ab heute glücklicherweise Schluss: Eine Gruppe hat an diesem Ostersonntag ein leer stehendes Gebäude an der Hohenstaufenstraße besetzt, um zwischen Tower 185 und Skyline-Plaza, also inmitten des Unfugs, den die hiesigen „Stümper des Städtebaus“ (F.A.Z.) anrichten, einen Ort zu [...]

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Die Hintergründe und Ziele der Besetzung der Georg-Voigt-Str. 10

Zu den Hintergründen der (inzwischen schon wieder geräumten) Besetzung der Georg-Voigstr. 10 am Samstag, den 15.10., hier eine Erklärung der Aktivisten sowie des Frankfurter ASTAs:

Am 15.03.2014 wurde die Villa in der Georg-Voigt-Straße 10 unter dem Namen L_rst*ll* (Leerstelle) besetzt.

Lange ist es nicht her, dass Bürger_innen in Frankfurt aktiv eigenen Raum forderten. Die Versuche dabei mit der Stadt zu kooperieren haben ins Leere geführt, die Repräsentant_innen begegneten dem mit Ignoranz und ließen die letzten Besetzungen immer zügig räumen.
Lang bestehende und renommierte Projekte wie das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ wurden geräumt, neue Versuche sich die Räume anzueignen, wie der „Blaue Block“, sind schnell beendet worden. „Gespräche sind immer wieder gescheitert“, bemerkt Simone B. „deshalb sehen wir es nicht ein, diese zum wiederholten Male aufzunehmen, wenn unser Begehren ohnehin nicht ernst genommen wird. Wir haben uns entschlossen dies nicht länger hinzunehmen.“

Trümmerhaufen der Geschichte – Access Denied

In Anbetracht der vergangenen Bauprojekte der Stadt Frankfurt zeichnet sich bereits ein katastrophales Bild ab, dass nach kollektiver Selbstaneignung gerade zu schreit. Großartige Prestigeobjekte, wie das Palais Quartier – Bauprojekt MyZeil – in der City und die ewige Baustelle Goethe-Universität sind schon gescheitert oder zumindest im Begriff dazu. Eben jene Gebäude bieten, für die meisten Personen, nur einen eingeschränkten Zugang; durch begrenzte, klar zugewiesene Funktionen und der darüber ausgeführten Kontrolle. Der Aufenthalt in MyZeil ist nur möglich, solange man brav von Laden zu Laden einkaufen geht. Parallel dazu wird man, falls man kein_e eingeschriebene Student_in ist, vom Gelände der Frankfurter Universität verwiesen; nicht das dieses besonders schön wäre: Am Neubau des viel gerühmten IG Farben Campus, Projekt „Harvard am Main“ oder auch „Palast des Geistes“ genannt, häufen sich derweil die Sanierungsfälle obgleich viele Fachbereiche noch nicht einmal über eigene Gebäude verfügen und die Gelder dafür weiterhin fehlen. Trotz mehrerer Wochen unerträglich überfüllter Hörsäle und Seminarräume zu Beginn eines jeden Semesters hat sich die Präsidiumsleitung weiterhin nur um die öffentliche Anpreisung als Prestige Universität gekümmert, statt um den Ausbau fehlender Kapazitäten.
Somit hat es keines der Großprojekte geschafft zu einem integralen Teil des alltäglichen Lebens zu werden… die Liste der Beispiele ist endlos….

Wasted Youth – There’s nothing left to say!

Neu- und Umgestaltung des Stadtbildes ist durchaus begrüßenswert, jedoch fehlt bei all diesen Projekten jegliche Spur der Integration der Bürger_innen seitens der Stadt und Stadplanung. Bürger_innenbeteiligung gestaltet sich als ein platter Vortrag über die neuen Bauprojekte, deren Ausgestaltung bereits abgeschlossen ist: Das ist der von der Stadt sogenannte Dialog.

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Infostand neuer Nachbarschaftsini auf der Berger Str.

“Wohnst du noch oder wirst du schon vertrieben?” Im Nordend, Bornheim und Ostend ist eine neue Nachbarschaftsinitiative entstanden, die sich am Samstag, den 07. Dezember zwichen 11 und 15 Uhr auf der Berger Str. in Höhe der Nr. 174 aufstellt (das ist in der Nähe des Marktes) und sowohl Tipps als auch Infos über cden [...]

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Macht sich Frankfurt mit den “Siegerentwürfen” zum Campus Bockenheim lächerlich?

Seit Mitte September sind die ersten Pläne zur Bebauung des Campus Bockenheim, und damit zur Entwicklung des „Kulturcampus“, öffentlich. Wir teilen weitgehend die heftige öffentliche Kritik an den Wettbewerbsergebnissen für die Fläche zwischen Senckenberganlage, Bockenheimer Landstraße und Jügelstraße. In den Plänen der Investoren ist kein Konzept für die Gestaltung des Campus als öffentlichen Raum erkennbar. [...]

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Frankfurt ist auf Draht: Alle Preisträger, alle Urkunden des 1. Goldenen Stacheldraht Awards

Letzte Woche hat die “Akademie für bewegende Bilder, Kunst und Orte mit Strahlkraft” zum ersten Mal verschiedene Bauten und Einrichtungen in Frankfurt mit dem “Goldenen Natodrahtaward” ausgezeichnet. Dem Vernehmen nach stammt der dabei verwendete Draht aus den Beständen der ABG, die ihn um Gebäude auf dem Campus Bockenheim großzügig ausgelegt hat. Zusammen ergibt die Riege der Preisgekrönten ein eindrücklichesBild der Frankfurter Stadtpolitik, dass im starken Kontrast zu den schöngefärbten Reden der Magistratspolitiker steht. Wir dokumentieren deshalb hier alle Preisträger mit der Preisbegründung:

Der Goldene Stacheldraht in der Kategorie PREIS FÜR DIE BESTE GESCHÄFTSIDEE – „TEURER GEHT IMMER“ geht an das *** Palmengarten Gesellschaftshaus ***

„Wenn ich schon im Palmengarten eine Gourmetoase für die Superreichen aus Kronberg und deren Autohersteller bauen will, warum soll ich das dann selbst bezahlen? Wenn das die Stadt macht, ist das für mich doch viel günstiger!“ Also dachte sich Schwarz-Grün Liebling Jonny Klinke und hatte eine ebenso einfache wie überzeugende Geschäftsidee: ich pachte das Dinge von der Stadt für einen Quadratmeterpreis, für den man im Westend normalerweise einen Kiosk anmietet, verpachte es für Unsummen an Vereine etc. weiter und serviere Vorspeisen ab 20 Euro aufwärts. Und weil sich in Johnnys Tigerpalast die schwarzgrüne Politikprominenz den, bzw. die Klinke in die Hand gibt, klappte das vorzüglich. Dummerweise kostet dieser Deal die Stadt jetzt 2 Millionen pro Jahr, aber machen wir halt im Palmengarten die Einheitspreise noch ein Stück höher…dann noch ein paar Millionen beim Theater und der Oper, den Schwimmbädern etc. eingespart und schon stimmt die Rechnung wieder.

„Der Goldene Stacheldraht in der Kategorie PREIS FÜR DIE BEWUSSTESTE FEHLLEISTUNG
geht an das*** Sigmund Freud-Institut ***

„Wo ES war, soll WERT gesteigert werden“ – Das Gebäude des von Alexander Mitscherlich gegründeten Instituts konnte besetzt werden, weil es seit mehr als eineinhalb Jahren leer stand, um ab Sommer mit Mitteln des Landes Hessen renoviert zu werden. Die fünf Millionen Euro, die das Land dafür bereitstellte, waren verknüpft mit einer 40-prozentigen Kürzung der Mittel für die wissenschaftlichen Mitarbeiter auf etwa 400.000 Euro pro Jahr. Gab es in den 80er und 90er Jahren noch mehr als 20 feste wissenschaftliche Mitarbeiterstellen, so ließen sich nun damit kaum fünf finanzieren. Die Zahl wird sich weiter reduzieren, da die Mittel auf diesem Niveau eingefroren wurden. Zur gleichen Zeit wurde das Institut mit Teilbereichen seiner Forschung zwei hessischen Universitäten angegliedert und ist seither auf das Einwerben von Drittmitteln angewiesen. Anstelle der Psychoanalyse soll jetzt vor allem Hirnforschung betrieben werden. Der Geist der Psychoanalyse wird zum zweiten Mal Frankfurt ausgetrieben. Herr, wirf ein wenig Hirn vom Himmel!

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Die Räumung der Kriftelerstraße schlägt Wellen: Eier für die Grünen und Anzeige gegen städtischen Mitarbeiteter

Die brutale Räumung der Kriftelerstraße auf Veranlassung von OB Cunitz (Grüne) schlägt erhebliche Wellen. Bis auf den letzten Platz besetzt war eine Veranstaltung im Galluszentrum zum Thema „Zukunft des Gallus – Aufwertung oder Verdrängung“ am letzten Sonntag. Teile des Publikums mussten auf dem Podium Platz nehmen. Aber aufgrund der Räumung hatten die Veranstalter das geplante Thema ohnehin in Richtung der aktuellen Ereignisse abgeändert und wollten anstelle einer Podiumsdiskussion ein offenes Gespräch mit dem Publikum in Gang setzen. Verteter der “Initiative Communale West” stellten noch einmal den Verlauf der Ereignisse dar: Die Besetzer hätten sich in gutem Kontakt zur Politik befunden, Vertreter der Grünen, der Linken und der SPD hätten vorbeigeschaut; die Grünen hätten den Besuch von Olaf Cunitz für den Abend angekündigt. Am späten Nachmittag waren im Vorgarten etwa 40 Personen damit beschäftigt das Essen zu schnippeln, als ein Trupp von ca. sieben Männern plötzlich auftauchte, allesamt muskelbepackte, tätowierte Schränke von Hooliganhaftem Äußeren mit kurzgeschorenen Haaren, einer mit einem bei Nazis verbreiteten T-Shirt (Marke Thor Steiner), ausgestattet mit Teleskopschlagstöcken. (ein auseinanderziehbarer Schlagstock aus Stahl und Gummi).

Zur Illustration hier ein von uns geschwärztes Foto, das Indymedia zugespielt wurde.


Freund und Helfer, mit Teleskopschlagstock rechts.

Die hätten sich eine Schneise durch die Leute geschlagen und wären ins Haus. Die schockierten Anwesenden glaubten an einen Naziüberfall und waren zunächst gradezu erleichtert, als wenige Minuten später das SEK und dann die Polizei auftauchte. Allerdings stellte sich dann heraus, dass der Vortrupp aus Zivilpolizisten bestand, und was sich da vor ihren Augen vollzog war: eine Räumung. Viele der Leute, die dabei gewesen waren, sagten, sie hätten in den letzten Jahren noch nie eine derartig brutale Räumung erlebt.

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Wohin geht Bockenheim? Veranstaltung Mittwoch 5. Juni 19.30 Uhr, Kirchplatz 9

Bockenheim hat sich verändert und verändert sich weiter. Die Universität geht, Neues kommt. Dieser Wandel birgt Chancen und Risiken. Der Stadtteil ist ein guter Platz zum Leben. Er ist für viele Heimat. Die unterschiedlichsten Menschen wohnen und arbeiten gerne in diesem bunten und vielfältigen Stadtteil. Was können wir tun, damit Bockenheim für uns alle „Bockenheim“ [...]

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Schöne neue Gallus-Welt

Da hatte der Ortsbeirat die gute Idee, die vielgepriesenen Investoren und Entwickler (jener scheue Menschenschlag, der für alle nur das Beste will – und vor allem – von allen) eingeladen, um die Problembürger*innen aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie „ihr“ Viertel in Bälde aussehen wird und vor allem, welch grandiose Zukunft hier in die Höhe [...]

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Flexibel bis zum Anschlag: Bauen und Planen für die Global City Frankfurt

Von Susanne Heeg

Grundsätzlich umfassen „Politiken der gebauten Umwelt“ Planungspolitiken, die sich auf Infrastrukturen (Straßen, ÖPNV, Wasser etc.) sowie bauliche Nutzungen (Gewerbe, Einzelhandel, Wohnen, Büro etc.) beziehen. Ich werde mich im Folgenden auf einen Teilbereich, nämlich die bürobezogene Planungspolitik, den Wohnungsbau sowie Wohnungspolitik in Frankfurt konzentrieren. Häufig wird ja der Vorwurf erhoben, dass sich die Planung in Frankfurt quasi willenlos und willfährig zeige. So wurde Edwin Schwarz, dem letzten Planungsdezernenten, in seinem Abgang hinterher gerufen, dass seine Politik und Handlungen ungeregelt und planlos gewesen wären. Dieser Einschätzung schließe ich mich nicht an, sondern ich gehe davon aus, dass diesen Politiken eine Wettbewerbslogik zugrunde liegt. Die an einzelnen Projekten orientierte und ermöglichende Politik von Schwarz fügt sich sehr gut in den wettbewerbsorientierten Umbau von Frankfurt ein. Sie war ausgerichtet an einer Ermöglichung von Büroprojekten und gehobenen Wohnungsbau, um dem noch vor 10 Jahren weithin beklagten Wegzug guter Steuerzahler etwas entgegen zu setzen. Es muss sich noch zeigen, ob der neue Planungsdezernent Olaf Cunitz eine andere Politik wählt. Mit Blick auf die vergangene Politik ergibt sich der Titel des Beitrags: eine sehr flexible, aber nicht willen- und planlose Baupolitik.

Die Politik der letzten 30 und mehr Jahre zielte darauf, die Infrastruktur zu schaffen, die Frankfurt den Status der Global City verleiht und sichert. Dazu gehören der Flughafen, die Bürogebäude, Informations- und Telekommunikationsinfrastruktur sowie der gehobene Wohnraum. Grundsätzlich zielten viele zentrale stadtpolitische Anstrengungen der letzten 30 Jahre darauf, Frankfurt zum attraktiven
Büro- und Wohnstandort zu machen. Es handelt sich dabei um einen Prozess ohne Ende, da die Stadtplanungspolitik immer wieder von der Angst getrieben ist, dass der Status „Global City“ im Wettbewerb mit London, Paris und anderen Städten verloren gehen könnte. Ich werde mich im Folgenden auf den Büro- und Wohnungsmarkt bzw. -politik konzentrieren, um die Politik in einer Globalizing City nachzuvollziehen.

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Hausbesetzung und Psychoanalyse

Die kurzzeitige Besetzung des Frankfurter Sigmund-Freud-Instituts durch Studenten des „Instituts für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die Verhältnisse an deutschen Universitäten, sondern auch auf die gegenwärtige Situation der Psychoanalyse überhaupt. Das Gebäude des von Alexander Mitscherlich gegründ eten Institutes konnte nur besetzt werden, weil es seit mehr als eineinhalb Jahren leer steht, um ab Sommer mit Mitteln des Landes Hessen renoviert und erweitert zu werden. So großzügig der Geldgeber hier auftrat, die baulichen Maßnahmen sind ein Danaergeschenk. Denn die 5 Millionen Euro, die das Land dafür bereit stellte, waren vorher verknüpft mit einer 40 % Kürzung der Mittel für die wissenschaftlichen Mitarbeiter auf schließlich ca. 400.000 Euro pro Jahr. Gab es in den achtziger und neunziger Jahren noch mehr als 20 feste wissenschaftliche Mitarbeiterstellen, so ließen sich nun damit kaum fünf von ihnen finanzieren; ihre Zahl wird sich weiter reduzieren müss en, da die Personalmittel auf diesem Niveau eingefroren wurden.

Zur gleichen Zeit wurde das Institut mit Teilbereichen seiner Forschung zwei hessischen Universitäten angegliedert und ist seither weitgehend auf das Einwerben von Drittmitteln angewiesen. Drittmittelgeber und Universitäten aber , im „Würgegriff der Ökonomie“, legen Forschungen weitgehend auf Betriebswirtschaftlichkeit und auf Standards der Naturwissenschaften fest. Resultate haben sich durch „Objektivität“, durch von Jedermann nachvollziehbare und überprüfbare Aussagen auszuweisen. Das „erledigt“ jedoch jegliche Spezifität der Psychoanalyse und damit ihre Forschungsfreiheit und gesellschaftskritische Ausrichtung. Was die Arbeit des Instituts in Zeiten der beiden Mitscherlichs, Richters u.a. gekennzeichnet hatte, sollte nun der „Objektivität“ weichen, wie sie ihr z.B. vom Neurowissenschaftler Kandel anempfohlen worden ist. Wer das jedoch zu Zielvorgaben der Psychoanalyse macht, der hat ihr Wesen und ihren Erkenntnisreichtum nicht verstanden. Warum?

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Kundgebung: Skandalöser Mietwucher – Frankfurt bricht alle Rekorde

Kundgebung am Dienstag, 11.12.12, 17:00-19:00, Konstablerwache

- Zweithöchste Mieten in Deutschland- 10,- € Kaltmiete pro Quadratmeter

- Niedrige Löhne – durchschnittliches verfügbares Einkommen bei 1612,- € im Monat

- Mehr Einwohner – zu wenig preisgünstige Wohnungen -700.000 Einwohner, aber kaum neue günstige Wohnungen

- Zu wenige Sozialwohnungen für 5,- € pro Quadratmeter – Bedarf liegt b ei 125.000, verfügbar sind noch 30.000!

- Die städtische ABG-Holding will teure statt günstige Wohnungen – Neubauwohnungen mit 11,50 € pro Quadratmeter und höher

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Unser Traumhaus im Europaviertel und die SubSubs

europaviertel
I.
Wollen sie wissen, was mein Traumhaus ist? Gleich ums Eck von Bockenheim, im neuen Europaviertel neben der Messe, wird immer noch gebaut.
Ein Flyer verkündet:
„Hier entsteht das Haus Nygars Park,
Exclusive Gartenwohnungen, zum Teil mit eigenem Eingang u. 2,80 m Deckenhöhe.
Bis zu 300 qm Gartenfläche zum Teil mit eigenem Pool.
Fenstertüren aus Holz zu den Terrassen und Loggien komplett aufschiebbar
in allen Räumen massives Eichenholzparkett mit Fußbodenheizung
Hohe Einbruchschutzstandards.“

Wenn ich das lese, läuft mir das Wasser im eigenen Brain-Pool zusammen.
Ich durchschreite Terrassen, komplett aufschiebbare Loggien, lebe mitten in Frankfurt in einer „Gartenwohnung“, wärme mir die Füße am Eichenholzparkett und habe gleichzeitig den Kopf frei für all meine wunderbaren Ideen Dank 2,80 m Deckenhöhe.
Gibt es ein schöneres, deutscheres Wort als „Einbruchschutzstandards“?
Wozu noch Nordend, Ostend, Westend, wenn wir bald das: „Parkend“ haben können und mit dem Europaviertel den “bunten Nutzungsmix” aus Mensch, Arbeit & Natur?

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2003: Frankfurter Häuserkampf mit der ABG – eine Filmdokumentation

Der Frankfurter Dokumentarfilmer Martin Kessler schildert die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums mitten in der Main-Metropole. Die “Arbeitersiedlung” in Bockenheim gegenüber der Frankfurter Messe war neun Jahrzehnte ein Idyll für kleine Leute mit niedrigem Einkommen. Dann entschloss der städtische Wohnungsbau-Konzern ABG, durch Abriss und Sanierung an der Mietenexplosion zu partizipieren und an der Aufwertung des Quartiers „City West“ mitzustricken.
Der Film verfolgt den Widerstand der Altmieter, der am Ende zwar erfolglos blieb, aber die Wohnungspolitik der ABG Holding nachhaltig in Frage stellte. Eine Einschätzung der ABG Holding als Haupteigentümer großer Areale vom Campus Bockenheim, des Studierendenhauses und des – von Abriss bedrohten – Studentenwohnheims an der Bockenheimer Warte ist ebenso wie in den ABG-Siedlungen „Am Mainfeld“, „Platensiedlung“, … eine wichtige Voraussetzung für zukünftige Auseinandersetzungen mit diesem Konzern.

Der Film wurde auf der Veranstaltung “Mieten? Ja, wat denn?” im Studentenhaus Campus Bockenheim am 9. Oktober gezeigt. Mit gutem Grund: Die ABG spielt bei der Neubebauung des Areals eine Hauptrolle, so wie bei anderen Verdrängungsvorhaben quer durch Frankfurt.

Wohin mit all diesen Leuten in einer Stadt, in der die Geldbörse den Wert eines Menschen auf zwei Stellen hinter dem Komma genau angibt. Hier entsteht eine Situation, in der sich die Lage von Student*innen und all den anderen trifft, die mit wenig über die Runden kommen müssen und durch das Raster fallen. Sie genügen den Ansprüchen der Vermieterseite nicht, die einen, weil sie halt zumeist nur BaFöG ihr eigen nennen, die anderen, weil man sie nicht haben will, selbst wenn das Job-Center ihnen mit recht grosser Sicherheit die Mieten stellt.

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Filmvorführung zum “Frankfurter Häuserkampf”

Im Rahmen der Aktionswoche “Mieten? Ja, wat denn?” vom ASTA Frankfurt und Campusantifa Frankfurt zeigen wir am Montag, den 8. Oktober 2012 um 20 Uhr im Festsaal Pupille/Studierendenhaus Campus Bockenheim, 1. Stock, Mertonstr. 26-28, 60325 Frankfurt am Main Bilder und Filmausschnitte zum Frankfurter Häuserkampf der 70er Jahre: Ein HR-Bericht rund um die Besetzung und Räumung [...]

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Veranstaltung: Die Nassauische Heimstätte in der Business-City

Es war schön zu sehen, dass und wie sich alle gefreut haben, etwas Positives vermelden zu kön­nen und auch mal in der Schilderung eines „Erfolgsmodells“ zu schwelgen. Ansonsten bleibt fest­zuhalten, dass hinterher weit mehr Fragen bestehen und auf die meisten keine Antwort. Das liegt nicht unbedingt am fehlenden guten Willen der Beteiligten, der war überreich vorhanden an die­sem Abend, es ist auch eine Frage von Macht- und Mehrheitsverhältnissen, von aktiver Opposition und deren Fehlen vor allem.

Also erstmal die gute Nachricht: die Drohung eines Verkaufs der Nassauischen Heimstätte an die ABG oder einen genauso schlimmen Finger, ist zunächst vom Tisch, es wird nicht daran gerührt und auch die Verfassung der Gesellschaft bleibt wie sie ist. Die Podiumsrunde war sich einig, stan­den sie doch alle auf derselben Seite und es klang phasenweise zu schön, um wahr zu sein. Immerhin war der Wechsel im OB-Zimmer die entscheidende Grösse in diesem Spiel, denn damit konnte der Coup der hessischen Landesregierung nicht mehr über die Bühne gebracht werden.

Dieses Hochgefühl legte sich dann doch etwas bei den folgenden Fragen aus dem Auditorium.

Es wollte einfach keine Konsequenz klar werden, die sich aus dem Erfolgsmodell NH ziehen lies­se, was im Hinblick auf die Frankfurter Situation und vor allem an diesem Platz – immerhin der künftige Kulturcampus – unbefriedigend ist.

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Staatliche Antigentrifizierung, oder Viel Lärm um Roth.

Frankfurt ist dynamisch. Frankfurt ist im Wandel. Frankfurt ist im Werden. Frankfurt geht berg ab/auf (das richtige bitte streichen).

DSC_0027Dazu geschieht in Frankfurt etwas mysteriöses…

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