Liegende Figuren – hingelegt oder hingefallen? Ohnmacht und Hilflosigkeit?
Gestalten, vom finsteren Hintergrund fast schon verschlungen. Aber immer noch da…
Schwere Formen, dunkle Farben.
Und dazwischen – zwei Monitore mit Videoprojektionen:
eine Zugfahrt, sonnige vorbeihuschende Landschaften;
Waldspaziergänge;
tropisch anmutende Strände, Tiefblau des Meeres, Hellblau des Himmels;
ein spielender Junge – auf dem Feld, auf der winterlichen Eiskruste, lächelnd, heiter.
Wolkenlose Kindheit, strahlend und naiv.
Die weißen Wände der Plattform Sarai vereinen diese zwei Extremen: die ausstrahlenden, dynamischen Videoaufnahmen des Glücklichen sowie das Desolate der herumirrenden, eingefrorenen Figuren.
“Dieses ausweglose Viertel um den Frankfurter Hauptbahnhof. Kaiserstrasse. Kennst Du jene Gegend?”, fragt mich der Künstler Alexander Salivontchik, “Ich bin dort einem Russen begegnet.
Er war zwanzig Jahre jünger als ich. Doch sein Weg war zu Ende. Er ist einst aus Russland gekommen, mit Familie. Voller Hoffnungen, voller Pläne. Doch dann hat ihn seine Frau verlassen. War auf einmal weg. Er ist gefallen. Drogen, Obdachlosigkeit. Er war gestolpert. Er war ein Mensch wie ich, doch sein Leben war kaputt.
Aber als ich ihm zuhörte, als ich ihm meine Aufmerksamkeit schenkte – da hat er gestrahlt. Er hat das Licht wiedergefunden. Weil ein Fremder stehen blieb, statt vorbei zu gehen. Ich war ihm fremd. Er war mir fremd. Doch er war mein Bruder. Verstehst du? Er war mein Bruder. Das könnte ich sein. Das könntest Du sein. Das könnte jeder sein.
Aber das war er. Er war gestolpert. Doch in diesem Moment, als ich mit ihm sprach, fühlte er, dass er nicht allein war. Mein Leben ist mein Glück. Leben ist Wunder – ich habe meine Familie, ich habe diese Welt, ich lebe weiter.
Wir leben ein bitteres, verlogenes Leben. Wir leben ein wunderschönes Leben. Das ist dein Leben. Das ist mein Leben. Ein doppeldeutiges, ambivalentes, zweischneidiges Leben. Ich möchte diese Kontraste aufzeigen. Ich möchte den Menschen helfen, wie ich dem Bruder auf Kaiserstrasse half. Mit meiner Aufmerksamkeit. Damit die Liebe wieder in dieser Welt herrscht.
Liebe. Liebe! Die Liebe wird die Welt retten. Frei nach Dostojewski. Das ist meine Philosophie. Verstehst Du? Möchtest Du darüber schreiben? Dann bitte ich Dich, sei ein Mensch: schreibe darüber ehrlich und ohne Hintergedanken.”
Bad Homburg: Weil ein Beschäftigter nach Dienstende Informationen über einen Warnstreik seiner Gewerkschaft verteilte, erhielt er von der Geschäftsführung der Bad Homburger Wicker-Klinik eine Abmahnung. Gleichzeitig sprach der Konzern Kündigungsdrohungen gegen Streikende an anderen Standorten aus. Dieses Vorgehen gegen die berechtigten Forderungen der Beschäftigten verurteilt ver.di und fordert Wicker dazu auf, sämtliche Drohungen und erfolgten Abmahnungen sofort zurückzunehmen.
„Streiks und gewerkschaftliche Betätigung sind durch das Grundgesetz geschützt. Arbeitgeber, die versuchen Grundrechte auszuhebeln, müssen mit massivem Widerstand der Beschäftigten rechnen“, erklärt der ver.di-Landesleiter Jürgen Bothner. „Wir verurteilen das skandalöse Verhalten von Wicker aufs Schärfste und fordern die sofortige Rücknahme aller Maßregelungen.“
Das Grundgesetz garantiert die Freiheit zur gewerkschaftlichen Betätigung, „Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig.“
„Verhandlungen werden abgelehnt, Streikende bedroht und Grundrechte missachtet. Das hört sich nach Feudalismus, nicht aber nach 21.Jahrhundert an“, meint Bothner. „In keinem Fall wird Wicker mit diesem Verhalten durchkommen. Wir werden alle juristischen Mittel ausschöpfen und weiterhin mit Nachdruck für die Forderung nach einem Tarifvertrag eintreten.“
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Forderung der Gewerkschaft ver.di nach Aufnahme von Tarifverhandlungen. Bislang verweigert der Konzern jegliche Verhandlungen. Das branchenübliche Niveau wird in den Wicker-Kliniken deutlich unterschritten: Eine Krankenschwester verdient bis zu 10.000 € weniger als in vergleichbaren Kliniken. Gleichzeitig hat der Konzern für die Ärztinnen und Ärzte einen Tarifvertrag mit dem Marburger Bund abgeschlossen.
Unterdessen fordert Fabian Rehm, ver.di-Verhandlungsführer für die Wicker-Kliniken, die sofortige Aufnahme von Tarifverhandlungen: „Erst jahrelange Verweigerung von Tarifverhandlungen und jetzt sollen den Beschäftigten auch noch die Möglichkeiten genommen werden für ihre Rechte einzutreten. Wicker sollte nicht den Weg von Schlecker gehen, sondern endlich Verhandlungen aufnehmen.“
Weitere Informationen und O-Töne:
Jürgen Bothner, ver.di Landesleiter Hessen, 069-2569-1100
Kürzlich wurde mir klar: Ich leide unter “German Angst”. Bekanntlich haben die Engländer und Amerikaner diesen Germanizismus in ihre Sprache übernommen aus keiner anderen Absicht, als um uns international lächerlich zu machen. “German Angst” bezeichnet die Vorliebe der Deutschen für irrationale Furcht vor Atomkatastrophen, Vogelgrippen, humanitären Bombenabwürfen, Liebesentzug, Falten und finanziellem Ruin.
Die Angelsachsen ihrerseits, insbesondere die Briten halten sich ihre Unverzagtheit auch in schwierigen Situationen zu Gute, wie dies exemplarisch ein Monty Python Sketch zu den “Zulu Wars” zeigt:
So viel Haltung ist bewunderswert, aber leider gehöre ich zu denen ohne dieselbige, zu den altmodisch Verzagten, denen mit, Verzeihung, Zukunftsangst.
Ich fürchte mich nicht allein davor, ein Bein zu verlieren, sondern zwei, bzw. alle. Meinem Gefühl nach stehen ich und die Welt und unser politisches und wirtschaftliches System vor einem Abgrund. Das Gefühl verwundert mich selbst, denn kaum einer der Deutschen um mich herum teilt es. Die “German Angst” scheint sich eher auf die anderen in der Eurozone und die USA verlagert zu haben. Alle hier hingegen reden so von ihren Urlauben, ihren “Altervorsorgen”, ihren Zukunftsabsichten (”Wo sehe ich mich in fünf Jahren”), ihren Liebschaften und Lieblingssongs, ihren Büchern und Begonien, ihren Projekten und Portofolios, als wäre es doch ganz klar, dass es das alles in fünf Jahren noch gibt.Die Endzeitstimmung der 80er ist -Majakalender hin oder her- inGerman Angst Country so endgültig verflogen wie eine Schwalbe, die im Sommer den Weg nach Afrika antritt. Mich aber erinnert die BRD 2012 an die DDR 1989. Nur ohne reichen Bruder im Westen. Aber das ist mein Problem, die Hessen als solche schauen optimistisch in ihre und Hessens Zukunft, wie ich in Umfragen gelesen habe. Die Arbeitslosen- und Krankenstandsquote ist niedrig wie nie und in “Badewürteberg” gibt jetzt sogar ein Grüner den Ministerpräsidenten, der dafür sorgen wird, dass wie in Frankfurt nur die notwendigen Bäume gefällt und nur die üblichen Verdächtigen verhaftet werden.
Meine German Angst machte mir Angst und ich beschloss, sie mittels eines “Antiangstseminars” an der Volkshochschule Offenbach zu bekämpfen. Hätte ich zu dem “Antiangstseminar” noch das “Antiagingseminar” gebucht wären mir 20 Prozent der jeweiligen Kursgebühr erlassen worden, aber ich wollte mich auf meine Kernkompetenz (G.A.) konzentrieren.
Unser Kursleiter seilte sich an einem Bungeeseil in den Seminarraum ab und rief:
„Scheiße, das Seil hält!Ich bin Peter, für meine Freunde: Panikpeter! Und wenn einer sagt, ich hätte gar keine Freunde, dann zeige ich ihm die begeisterten Postkarten und “Gefällt -Buttons, die ich aus aller Welt kriege. Okay, die habe ich selbst geschrieben und gepostet, aber deshalb sind sie nicht weniger ehrlich, oder? Ich hoffe, ihr seid alle voll da und habt mir ein bisschen was von Euren engsten Ängsten mitgebracht. In den Staaten ist German Angst, inzwischen ein feststehender Begriff wie „Kindergarden“ oder „Würstel“! Und dagegen hilft nur eines: Knallharte Hömeopathie! Wir kurieren gleiches mit gleichem. Wir werden eine geile, superharte Zeit hier zusammen haben! Und diejenigen unter Euch, die keine Arbeit mehr haben, haben um so mehr Zeit, mal an sich selbst zu arbeiten. Unser Motto bei „German Angst“ heißt: Die Stimmung kann ruhig saumies sein, hauptsache: STIMMUNG! Und damit jetzt ein bisschen Stimmung aufkommt, hat unser Angstluder Kerstin die Türen abgeschlossen.
Eine Blondine schloß die Tür ab. Den Schlüssel verschlucke ich jetzt hier vor Euren Augen, damit ihr ein realistisches Bild der Situation kriegt.
Peter verschluckte den Schlüssel.
Als erstes Uhrenvergleich: wir alle hier im Saal stellen jetzt unsere Uhren auf „5 vor 12“ und dann werden Gruppen gebildet: Die Hypochonder in den ersten zwei Reihen: ab in die „Körperweltenausstellung“! Wo sitzen die Leute mit Absturzangst? Spielt keine Rolle, ob´s um Eure Firma geht oder um den nächsten Urlaubstrip: ihr geht jetzt eine Runde am Absturzsimulator fliegen mit Steve. Steve war 1A-Flugkapitän bei Ryan Air, bis er vor ein paar Jahren wegen eines kleinen Alkoholproblems Schwierigkeiten bekam.Und für all die chronisch schüchternen und verklemmten unter Euch, die bis zum Ende durchhalten, gibt es zum Kursende zwei Tuben Antierrötungscreme zum Preis von einer!“
Unsere Abschlussprüfung war nicht besonders schwierig eigentlich: Sich Schuhcreme ins Gesicht schmieren und mit einem „Deutschland ist Scheiße“- T-Shirt in Brandenburg Bus fahren . Bei meiner zweiten Fahrt kamen Kalle und Atze auf mich zu. Ich hatte die Schuhcreme vergessen und mir stattdessen Antierrötungscreme ins Gesicht geschmiert. Aber es funktionierte trotzdem, denn Kalle 1,90 m groß und 190 Kilo schwer, sagte zu mir: „He, Du Neger! „Scheiße“ schreibt man mit Doppel-S! So ein Neger: Zu dumm, um „Scheiße“ zu schreiben!“
Atze war nur 1,70 groß und 70 Kilo schwer und sagte: „Kalle, Scheiße schreibt man nicht mit SS, sondern mit SZ, so wie Atze oder Katze oder KZ. Das steht im Duden! “
Kalle :„Scheiß neue Rechtsschreibung! Ich schlag dem den Scheissschädel ein!“
Atze: „Aber Kalle, das war schon immer so! Alte Rechtsschreibung: Scheißschädel mit sz! Neue Rechtsschreibung: Scheißschädel mit sz!“
Kalle: „Scheiße mit Sz, so eine Scheiße!“
Das war so ein Moment, da fühlte ich mich im Bus wie ein Zulu. Aber nicht wie ein Zulu im Januar 1879, den Monthy Python schildert, sondern im Juli des gleichen Jahres bei der Schlacht von Ulundi. Die Armee der Zulus unter König Cetshwayo kaMpande
König Cetshwayo
bestand in diesem Sommer aus 20.000 Mann, die der Briten unter Lord Chelmsford
Lord Chelmsford
aus 5317 . Die Zulus kämpften in ihrer klassischen, von König Shaka eingeführten Taktik: in vier Gruppen in Form eines Stierkopfes. Die stärkste Gruppe bildete den Brustkorb und griff den Feind frontal an. Die zweite und dritte Gruppe bildeten die Hörner. Die letzte Gruppe war die Reserve. Zulukrieger waren mit einem großen Schild aus Kuhhaut, Kriegsspeeren und einigen erbeuteten Gewehren bewaffnet. Nach einer halben Stunde brach der Angriff der Zulu im Feuer der britischen Gewehre und Kanonen zusammen Die Zulu verloren in der Schlacht 1.500 Mann, die Briten: 12 .
Nach der Schlacht hörte das Königreich der Zulus auf zu existieren.
Und irgendwie, aber das gehört vielleicht nicht hierher, hatte ich nach dem Seminar auch keine German Angst mehr.
Vor 40 Jahren, am 28. Januar 1972, beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Willy Brandt den sogenannten „Radikalenerlass”. Zur Abwehr angeblicher Verfassungsfeinde sollten „ Personen, die nicht die Gewähr bieten, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten“, aus dem öffentlichen Dienst ferngehalten bzw. entlassen werden. Mithilfe der „Regelanfrage“ wurden etwa 3,5 Millionen Bewerberinnen und Bewerber vom „Verfassungsschutz“ auf ihre politische „Zuverlässigkeit“ durchleuchtet. In der Folge kam es zu 11 000 offiziellen Berufsverbotsverfahren, 2 200 Disziplinarverfahren, 1 250 Ablehnungen von Bewerbungen und 265 Entlassungen.
Formell richtete sich der Erlass gegen „Links- und Rechtsextremisten“, in der Praxis traf er vor allem Linke: Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und anderer sozialistischer und linker Gruppierungen, von Friedensinitiativen bis hin zu SPD-nahen Studierendenorganisationen. Mit dem Kampfbegriff der „Verfassungsfeindlichkeit“ wurden missliebige und systemkritische Organisationen und Personen an den Rand der Legalität gerückt, wurde die Ausübung von Grundrechten wie der Meinungs- und Organisationsfreiheit bedroht und bestraft.
Der „Radikalenerlass“ führte zum faktischen Berufsverbot für Tausende von Menschen, die als Lehrerinnen und Lehrer, in der Sozialarbeit, in der Briefzustellung, als Lokführer oder in der Rechtspflege tätig waren oder sich auf solche Berufe vorbereiteten und bewarben. Bis weit in die 80er Jahre vergiftete die staatlich betriebene Jagd auf vermeintliche „Radikale“ das politische Klima. Der „Radikalenerlass“ diente der Einschüchterung, nicht nur der aktiven Linken. Die existentielle Bedrohung durch die
Verweigerung des erlernten oder bereits ausgeübten Berufes war eine Maßnahme der Unterdrückung außerparlamentarischer Bewegungen insgesamt. Statt Zivilcourage wurde Duckmäusertum gefördert. Erst Ende der 80er Jahre zogen sozialdemokratisch geführte Landesregierungen die Konsequenz aus dem von Willy Brandt selbst eingeräumten „Irrtum“ und schafften die entsprechenden Erlasse in ihren Ländern ab. Einige der früher abgewiesenen Anwärterinnen und Anwärter und zum Teil sogar aus dem Beamtenverhältnis Entlassenen wurden doch noch übernommen, meist im Angestelltenverhältnis. Viele mussten sich allerdings nach zermürbenden und jahrelangen Prozessen beruflich anderweitig orientieren.
Heute gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das eine Diskriminierung wegen politischer Überzeugungen verbietet. Damit wurde eine entsprechende EU-Richtlinie umgesetzt. Doch ein öffentliches Eingeständnis, dass der „Radikalenerlass“ Unrecht war, unterblieb. Er hat Tausenden von Menschen die berufliche Perspektive genommen und sie in schwerwiegende Existenzprobleme gestürzt. Eine materielle, moralische und politische Rehabilitierung der Betroffenen fand nicht statt.
Die Bedrohung durch den „Radikalenerlass“ gehört auch 2012 keineswegs der Vergangenheit an: Im Jahr 2004 belegten die Bundesländer Baden-Württemberg und Hessen den Heidelberger Realschullehrer Michael Csaszkóczy mit Berufsverbot, weil er sich in antifaschistischen Gruppen engagiert hatte. Erst 2007 wurde seine Ablehnung für den Schuldienst durch die Gerichte endgültig für unrechtmäßig erklärt.
Trotzdem wird in Bayern von Bewerberinnen und Bewerbern für den öffentlichen Dienst weiterhin formularmäßig die Distanzierung von Organisationen verlangt, die vom „Verfassungsschutz“ als „linksextremistisch“ diffamiert werden. Und eine sogenannte „Extremismus“-Klausel, die sich auf die Ideologie und mehr als fragwürdigen Einschätzungen des „Verfassungsschutzes“ stützt, bedroht existenziell die wichtige Arbeit antifaschistischer, antirassistischer und anderer demokratischer Projekte.
Eine politische Auseinandersetzung über die schwerwiegende Beschädigung der demokratischen Kultur durch die Berufsverbotspolitik steht bis heute aus. Sie ist dringlicher denn je. Unter dem Vorwand der Bekämpfung des Terrorismus werden wesentliche demokratische Rechte eingeschränkt. Die in den letzten Monaten des Jahres 2011 zu Tage getretenen „Verfassungsschutz“- Skandale haben gezeigt, wie tief der Inlandsgeheimdienst ideologisch und personell in die neonazistische Szene verstrickt ist. Seit seiner Gründung im Jahr 1950 – unter Beteiligung von NS-Verbrechern – hat der „Verfassungsschutz“ an der Ausgrenzung, Einschüchterung und letztendlichen Kriminalisierung
antifaschistischer Politik und linker Opposition gearbeitet.
Dieser antidemokratische Geheimdienst ist nicht reformierbar, er muss abgeschafft werden. Der „Radikalenerlass“ und die ihn stützende Rechtssprechung bleiben ein juristisches, politisches und menschliches Unrecht. Wir als damalige Betroffene des „Radikalenerlasses“ fordern von den Verantwortlichen in Verwaltung und Justiz, in Bund und Ländern unsere vollständige Rehabilitierung. Die Bespitzelung kritischer politischer Opposition muss ein Ende haben. Wir fordern die Herausgabe und Vernichtung der „Verfassungsschutz“- Akten, wir verlangen die Aufhebung der diskriminierenden Urteile und eine materielle Entschädigung der Betroffenen.
UnterzeicherInnen
Hans Henning Adler (Oldenburg) – Eckhard Althaus (Dortmund) -
Wolfgang Artelt (Kassel) – Frank Behrens (Bremerhaven) – Christel
Berger (Italien) – Wolfgang Beutin (Köthel/Stormarn) – Norbert Birkwald
(Mörfelden-Walldorf) – Volker Blaschke (Itzehoe) – Heinrich Blasenbrei-W.
(Besigheim) – Jochen Böhme-Gingold (Melsungen) – Horst W. Blome
(Stadt Altdorf) – Beate Bongard (Köln) – Dieter Bongartz (Köln) – Rutger
Booss (Herdecke) – Bernhelm Booss-Bavnbek (Bronshoj DK) – Cornelia
Booss-Ziegling (Hannover) – Sylvia Brecht (Düsseldorf) – Klaus Bregler
(Heidelberg) – Hans Peter Brenner (Bonn) – Hubert Brieden (Neustadt) -
Axel Brück (Gießen) – Gretel Bühler (Groß-Gerau) – Beate Büttner
(München) – Christine Burian- Manske (Schwaig) – Sylvia Burkert
(Düsseldorf) – Barbara Chaluppa (Grasellenbach) – Agnes Christ-Fiala
(Bremen) – Irmgard Cipa (Bonn) – Volker Croon (Hannover) – Hildegard
Daldrup (Schermbeck) – Harald Demetz (Coburg) – Ingelore Devendran
(Sindelfingen) – Alfred Dreckmann (Hamburg) – Karl Otto Eckartsberg
(Garbsen) – Thomas Eilers (Wiesbaden) – Ulrich Farin (Bramsche) – Bernd
Fichtner (Hilchenbach) – Doris Fisch (Frankfurt) – Christine Fischer-Defoy
(Berlin) – Sabina Fischer-Hampel (Stuttgart) – Ulrich Flamme (Hamburg) -
Gerlinde Fronemann (Karlsruhe) – Reinhard Gebhardt (Mannheim) – Silvia
Gingold (Kassel) – Bernd Göbel (Flensburg) – Karlfried Göllner
(Schweinschied) – Berthold Goergens (Frankfurt) – Volker Götz
(Düsseldorf) – Arno Grieger (Reinheim) – Gesa Groeneveld (Tübingen) -
Theo Grünbaum (Nürnberg) – Wolf Dieter Gudopp von Behm (Frankfurt) -
Hendrijk Guzzoni (Freiburg) – Holm Hagmann (Remscheid) – Ursula-
Regine Hagmann-Teiner (Remscheid) – Georges Hallermayer
(Sarreguemines) – Hans-Heinrich Hausdorf (Bad Salzuflen) – Else
Heiermann (Duisburg) – Eduard Hertel (Bayreuth) – Dorothea Holleck
(Kassel) – Inge Holzinger (Duisburg) – Ingo Hoppe (Heppenheim) – Martin
Hornung (Heidelberg) – Hans Hoyer (Erlangen) – Uwe Hüttmann (Kalkar) -
Siegfried Imholz (Fürth) – Ilse Jacob (Hamburg) – Gerhard Jenders
(Gummersbach) – Anne Kahn (Frankfurt) – Gisela Kehrer
Bleicher(Tübingen) – Norbert Kißler (Köln) – Wolfgang Kohla (Eningen) -
Hans Kolb (Weiden) – Friedrich Konrad (Altdorf) – Uwe Koopmann
(Düsseldorf) – Dietmar Koschmieder (Berlin) – Dorothea Kröll (Kassel) -
Joachim Kroll (Zernien) – Werner Krone (Darmstadt) – Gisela Krüger-
Kuhlmann (Weitefeld) – Stefan Kühner (Karlsruhe) – Dieter Lachenmayer
(Stuttgart) – Heinz-Udo Lammers (Moormerland) – Burghard Lange
(Flensburg) – Hans-Joachim Langmann (Marl) – Hans-Hartwig Lau
(Werder) – Manfred Lehner (Cadolzburg) – Angelika Lehndorf-Felsko
(Köln) – Dagmar Lembeck (Garbsen) – Helmut Leonhardt (Winkelhaid bei
Nürnberg) – Elke Leppin (z.Zt. in Brasilien) – Ewald Leppin (Hamburg) -
Wolfgang Liß (Langenhagen) – Gerd Manecke (Bruchköbel) – Ulrike Marks
(Varel) – Klaus Mausner (Stuttgart) – Wilhelm Meeger (Köln) – Jürgen Meier
(Hildesheim) – Gudrun Melchior (Saarbrücken) – Volker Metzroth (Fürfeld)
- Egon Momberger (Gießen) – Hans -Joachim Müller (Bad Zwischenahn) -
Hans Norden (Hannover) – Heiko Pannemann (Oldenburg) – Udo Paulus
(Hildesheim) – Eva Petermann (Bensheim) – Klaus Pilhofer (Schwabach) -
Lothar Pollähne (Hannover) – Uwe Post (Hamburg) – Hildegard Proft
(Troisdorf) – Angela Rauscher (Nürnberg) – Eveline Renell (Biebertal) -
Jürgen Reuter (Braunschweig) – Hartmut Ring (Hamburg) – Manfred
Rößmann (Offenbach) – Susanne Rohde (Bonn) – Dieter Roth (Heidelberg)
- Andreas Salomon (Kolbermoor) – Walter Schäfer (Hohenahr) -Uwe
Scheer (Hamburg) – Ulrike Schmitz (Braunschweig) – Rolf Schön
(Hannover) – Ingrid Scholz (Fürstenfeldbruck) – Klaus Seemann
(Oldenburg) – Axel Seiderer (Frankfurt) – Norbert Ulgar Sembritzki
(Neustadt a. Rübenberge) – Friedrich Sendelbeck (Nürnberg) – Peter
Singer (Frechen) – Udo Spengler (Hamburg) – Gabriele Sprigath
(München) – Hans Dietrich Springhorn (Hamburg) – Gustav Steffen
(Hamburg) – Klaus Stein (Köln) – Harald Stierle (Heidelberg) – Magdalena
Storm-Wahlich (Münster) – Heidrun von der Stück (Krefeld) – Irmela Tank
(Eberbach) – Raimund Teismann (Brühl) – Ulli Thiel (Karlsruhe) – Jörg
Trinogga (Potsdam) – Bernd Wagner (Freiburg) – Angelika Wahl
(Frankfurt) – Ilse Weinzierl (Barcelona) – Klaus Weißmann (Bergisch-
Gladbach) – Harald Werner (Bestensee) – Gerd Wernthaler (Lörrach) -
Matthias Wietzer (Hannover) – Jane Zahn (Heidelberg) – Ewald Ziegler
(Nürnberg)
Der Verfassungsschutz, unter anderem von ehemaligen Gestapo-Offizieren aufgebaut, trägt seit Jahren durch die Bezahlung von V-Leuten zur Finanzierung von Neonaziorganisationen bei. So hat allein die Thüringer Naziszene, aus der die „NSU“ hervorgegangen ist, über die Jahre hinweg mehrere hunderttausend Euro erhalten.
Gegenwärtig schreibt und spricht die Republik über wirtschaftlich-politische Verstrickungen rund um Hannover. Eine wichtige Rolle im großen Geschäft um die Millionen kleinen Renten spielt dabei der Finanzkonzern AWD, eine mit SPD wie CDU befreundete Vermittlungs- und Verkaufagentur, die in hohem Maße vom Verkauf von Altersversorgungen lebt. Neben Lebensversicherungen betrifft das seit fast einem Jahrzehnt die Riester-Rente. Sie war ein wichtiger Teil eines großen Privatisierungsschubs, der gerade durch die rot-grüne Koalition zwischen 1997 und 2005 durchgedrückt wurde – und zwar noch weitaus umfassender als durch schwarz-gelbe Regierungen.
Die ARD dokumentierte die Funktionsweise des “Riesterns”, die Profite der Finanzkonzerne daraus und die Nachteile für Betroffene in einem sehenswerten Film:
Müde plätschern Meldungen über Pro- und Kontra-Argumente zu einem möglichen NDP-Verbot von den großen Web-Portalen der Tageszeitungen ins Gedruckte, lahm wie schon seit Jahren. Dazwischen huschen Meldungen über eigenartige, illegale Vorgänge bei der Polizei in Sachsen, auch zum wiederholten Male, ohne Folgen, als kleine Notizen. Nach den großen Reden zur Nazi-Mordserie quer durch Deutschland, zum ideologiefreien Kampf gegen Rechts- genau so wie Linksradikalismus fordert die CSU jetzt in einer Art ausgleichenden Gerechtigkeit das Verbot der Partei die Linke. Kaum jemanden interessiert auf diesem Hintergrund, dass die Berliner Regierung aktiv gegen anti-nazistische Gruppen agiert, oder sogar „die Linke“ ein bevorzugtes Ziel gerade solcher Nazigruppen bietet, die als Etappe der Mörderbanden funktionieren. Mit Erstaunen registrieren die wenigen Interessierten nach ein paar Wochen „wichtig!“, dass keine investigativen Scharen das Gemenge von braunem Alltag und passendem Milieu in der Exekutive millimetergenau ausmessen, ein Gebräu, das so vielen Menschen in den letzten Jahren das Leben kostete.
Die große Medienschar beschäftigt sich seit einem Monat schlicht andernorts: die mächtigen deutschen Pressekonzerne kämpfen gegen die Verknüpfung von Wirtschaft und Politik und für die Pressefreiheit, Glaubwürdigkeit bei ganz oben und für ganz Deutschland. Diesen Kampf bestreiten sie allerdings auf Zwergenniveau, zum tölpelhaften Verhalten einer Präsidialfigur, die in Deutschland nur zu besinnlichen Reden dient; einer etwas armseligen Figur, die sich in Vorgänger wie Lübke einordnet, der als KZ-Konstrukteur Gäste mit „Liebe Neger“ ansprach, oder einem Nachfolger, der sein Amt über den Gesang eines „Hoch auf dem gelben Wagen“ in unserer Erinnerung bewahrte.
So ganz will es mit der Umstellung von Wehrpflicht auf Berufsheer in Deutschland nicht klappen. Trotz aller Werbevideos, die versuchen, die Bundeswehr als attraktiven Arbeitgeber darzustellen, sind die Zahlen derer, die sich freiwillig verpflichten doch weit geringer, als sich ein Verteidigungsminister dies wünschen würde.
Denn die Bundeswehr ist mitnichten attraktiv als Arbeitgeber, was unter anderem folgende Gründe hat:
In den besseren Wohnquartieren, unter Rentnern wie bei Menschen, die durch die Insolvenz getrieben werden, kennt man eine Finanz-Firma, die ihren Sitz nicht in Frankfurt hat, aber auch mit Produkten aus der Mainmetropole beschäftigt ist. Finanzgeschäfte bestehen nämlich beileibe nicht nur aus schnellen Deals im Web und trickreichen Derivaten, sondern aus Lebensversicherungen, Beteiligungen an Immobilien, [...]
Das Problem ist nicht, einen genehmigten Ort des Protestes zu finden, sondern den genehmigten Ort des Protestes zu verlassen!
Wir alle stehen vor einem gordischen Knoten: Wenn die Unzufriedenen störungsfrei ihren Unmut auf die Straße tragen, kommen viele. Wenn wir diejenigen stören wollen, die für diese Unzufriedenheit verantwortlich sind, dann sind wir nicht genug (Zahltag-Initiativen) oder zu wenige (Die Überflüssigen). Der Masterplan, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen, ist noch nicht gefunden.
Nun wird immer wieder gesagt, die ›Bewegung‹ sei jung, brauche Zeit, müsse sich finden und formulieren, um aus der Repräsentanz der Unzufriedenheit eine Bewegung der Unzufriedenen zu machen. Wer ihr das Fehlen von Zielen und Konsequenzen vorhalte, ersticke die Bewegung im Keim. Diese Mahnung zur Geduld ist sympathisch … und irreführend. Denn die Zweifel an Occupy Frankfurt kommen nicht vom Hochsitz der wahren Erkenntnis, sondern aus zurückliegenden Erfahrungen. Wie will man die Macht der Banken, der Finanzwirtschaft brechen, außer in Beschwörungen und Worten? Wie will man verhindern, dass die Krise der Ein-Prozent-Elite auf die 99 Prozent abgewälzt werden? Will man einen guten, also gezügelten Kapitalismus, der auch für das letzte Drittel genug übrig lässt?
Kaum jemand kannte die Gruppe Occupy Frankfurt, die für den 15. Oktober 2011 zu einer Demonstration vor der Europäischen Zentralbank/EZB aufgerufen hatte. Den wenigsten waren Inhalte und Forderungen bekannt.
Bildausschnitt aus einem Youtube-Video: Neonazis demonstrieren in Masken, Leute stehen daneben und winken
Das Markenzeichen der Anonymous-Bewegung ist die Guy-Fawkes-Maske , die man in letzter Zeit immer häufiger bei Flashmobs, Protesten und Demonstrationen sieht.
Das Konzept des gemeinsamen maskierten Auftretens hat nun allerdings auch innerhalb der rechten Szene, insbesondere unter den sogenannten „Autonomen Nationalisten“ Anklang gefunden, hier allerdings nicht in Form des grinsenden Gesichtes eines Guy Fawkes, sondern unter einer schlichten, gespenstisch wirkenden „Neutralmaske“.
Besonders die im norddeutschen und nordöstlichen Raum aktive Neonazi-Gruppe „Spreelichter“ ist oft und gerne unter der Maske aktiv.
Die „Spreelichter“ sind aber nur Teil eines Netzwerkes, der sogenannten „Unsterblich“-Bewegung, welche weitreichende Verflechtungen in das gesamte Bundesgebiet und auch bis nach Österreich aufweist.
Deren Schlachtruf lautet „werdet unsterblich“ und ihr Ziel ist es, den „deutschen Volkstod“, den sie als verursacht durch die parlamentarische Demokratie betrachten, aufzuhalten. Hierzu bedienen sie sich verstärkt moderner Protestformen wie Flash-Mobs und viraler Verbreitung ihrer Ideen auch im Internet.
Nein, es geht diesmal nicht um die Banker-Gier. Es geht eher um großzügige Geschenke aus ihren Etagen. Oder darum, was es in den gewöhnlichen Nachrichtenmeldungen an uns bedeutet, wenn die Herrschaften hier und dort “alles noch mal durchrechnen” müssen. Das dauert dann manchmal Tage, Wochen, Monate, zuweilen Jahre, die haben wir zu warten. Wenn man zum Beispiel bei Sozialausgaben 5 Euro zulegen will, Euro, nicht Billionen.
Na gut, wir haben nun alle gelernt, dass es beim Staat wie in der Haushaltskasse von dir und mir zugeht: nur das was drin ist kann man ausgeben, ganz einfach. Deswegen: Rechnen! Und das ist wahnsinnig komplex, eben mindestens so komplex wie die Geschichte mit meiner Haushaltskasse und der monatlichen Gehaltsüberweisung.
Bei so viel Rechnerei kann man schon mal ein paar Euro übersehen, zumindest damit genug Miese übrig bleiben, um uns das Sparen zu verkaufen, das staatliche Sparen an uns natürlich. Nein, nichts übersehen sie beim Warenkorb für ALGII, da checkt man jede Schrippe auf Zehntel Cent.
Die Lage ist unübersichtlich: in Frankfurt, in Deutschland, in Europa, der Welt und dem Web. Das betrifft nicht nur die Finanzen, die der Märkte und der Staaten.
Ackermann und China verkünden in schönem Gleichklang: “Das Vertrauen der Finanzmärkte ist gestärkt” – “Gott sein Dank” möchte man anfügen.
Am Tag nach Brüssel, nach dem nun jeder die “Billion” kennt, jubeln die Finanzmärkte und manch andere, allen voran die Aktionäre der Deutsche Bank AG: Sage und Schreibe 15% plus hat ihr Kurs in den ersten Handelsstunden. Natürlich war von keiner Finanzmarkt-Transaktionssteuer die Rede heute Nacht, aber von vielen Zahlungsversprechen und über den Ausverkauf von Staaten wurde besonders palavert.
Wer glaubt, der “Neo-Liberalismus” sei auf dem absteigenden Ast, unterliegt vermutlich einer Täuschung: so schnell wie in diesen Monaten wurden öffentliche Ressourcen im letzten halben Jahrhundert in Europa noch nie vertickert. Allein Italien hat gestern die Privatisierung öffentlichen Eigentums in Höhe zweistelliger Milliarden abgekündigt.
Aber eine ganze Menge Leute in Europa und anderswo freuen sich überhaupt nicht darüber, aus ganz verschiedenen Gründen. Selbst dass der Druck auf viele zunimmt ist noch lange keine Garantie dafür, dass sich “die Wirtschaft” erholt. Und selbst wenn: unter diesen Bedingungen bleiben viele, wenn nicht die meisten Verlierer in diesem Spiel. Über die Ausweitung der Arbeitszeiten bei immer weiter steigender Produktivität und besserer Technologie können wir uns denn auch gar nicht freuen: und das gilt fast überall.
Zur Unübersichtlichkeit gehört auch die vielbeschworene “Komplexität” der kapitalistischen Wirtschaft und der Finanzmärkte, über die unsere Medien und fast alle Politiker vor ihren Mikrofonen stöhnen. Es ist aber eine Sache, ob man sich um die Komplexität der Rettung aller bestehenden Verhältnisse sorgt und eine ganz andere, ob es um die Komplexität genau einer weitergehenden Änderung dieser dreht. Und genau dieser Unterschied wird gerne unübersichtlich gemacht.
Die widersprüchlichen Erwartungen und Folgen quer durch die Gesellschaft machen einen weiteren Teil der Unübersichtlichkeit aus, und das betrifft die (auch hier beginnenden) Widerstände gegen die wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Trotzdem müssen solche Widerstände weiter gehen.
Unweit von “Soll und Haben”, der Zentrale der Deutsche Bank AG steht die EZB und in der Wiese davor steht das Camp der Occupy Bewegung. Diese plant für Samstag, den 29. Oktober um 12 Uhr in Frankfurt eine erneute Demonstration, Treffpunkt ist der Rathenauplatz.
Angesichts der aktuellen Ereignisse spricht alles für diese Demonstration.
Zweifelsohne ist occupy selbst unübersichtlich, mit einem Korpus vager “Forderungen”, und Ansprüche, vieler obskurer Vereinnahmungsversuche und manch übertriebener Diskurssperren. Manches davon ist gut, anderes fragwürdig. Das spricht aber noch lange nicht per se gegen die Bewegung, sie ist halt unübersichlich, und gleicht damit ein Stück den Finanz-Prozessen. Es bleibt noch eine Menge an Möglichkeiten offen.
Einige Infos und Artikel über die Wogen um Occupy:
Momentan haben Banken und Banker keine gute Presse, selbst hier in Frankfurt übt man sich ein Stück weit in Zurückhaltung. Zumindest werden große Banketts nicht emphatisch medial begleitet. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, dass wir Armen ein paar reichen Bösewichten hinter den Glasfassaden ausgeliefert sind, die in ihrer blinden Gier allein alle anderen in Schwierigkeiten bringen.
Am Rad der Finanzialisierung drehen eine Menge Leute und Organisationen mit, und Banken ordnen sich als besondere Instanzen in ein verbreitetes Geschehen von Kapitalbewegungen ein. In diesem Finanzgeschehen werden Banken sogar oftmals dahin geschoben, in bestimmte, vermeintlich schnell profitable Geschäfte einzusteigen.
In den letzten Tagen wurden zwei Vorgänge greifbar, die sich in Bayern und Rheinland-Pfalz mit dem Zusammenhang von Profiten, Pleiten und sozialem Wohnungsbau auseinandersetzen. Besonders dreht es sich darum, welche Vorteilsnahmen politische Repräsentanten, Manager in (semi-)staatlichen Institutionen und Privatunternehmer auf Kosten von über einhunderttausend Mietern versuchten.
Aufruf zu Demonstration und Kundgebung am Samstag, 22. Oktober 2011 12.00 Frankfurt Main Rathenauplatz
Am Sonntag (und dann am Mittwoch) findet erneut ein EU-Gipfeltreffen zur Finanzkrise statt.
Damit nicht erneut Beschlüsse gefasst werden, die vor allem die Sozial Schwachen treffen, gehen wir auf die Straße.
Denn es besteht die Gefahr, dass die Verursacher der Krise enorme Summen erhalten, [...]
Im Dauerkampf des Städtewettbewerbs spielen die Events eine wichtige Rolle. In Frankfurt wurden in den letzten Jahrzehnten unzählige davon institutionalisiert. Während es früher in der Innenstadt nur das Mainfest, den Faschingsunzug und den Weihnachtsmarkt gab, sind Street days, Museumsuferfest, Weinfeste und vieles andere hinzugekommen. Meist überall garniert mit der gleichen Art von Verkaufsbuden und leicht [...]
Wenn jetzt das Netzwerk gegen Lohndumping in der sozialen Arbeit demonstriert (s. Blind Dates), dann ist dies ein Hinweis darauf, was auf diesem Gebiet der Klassenkampf von oben so alles anrichtet, darüber soll aber auch nicht vergessen werden, was im Schattenreich der neoliberalen Stadt so alles herumgeistert.
In den letzten Jahren hat sich in aller Stille [...]
Endlich ist sie wieder da die IAA: Taxifahrer freuen sich, viele große Autos mit Fremd-Kennzeichen biegen falsch ab, Männergruppen des Aussehens “Shop Floor Untertürkheim” tragen gleichfarbige Plastiktüten durch die Stadt. Alles ist gut in Auto-Deutschland.
Wenn ich im Cafe auf der Berger sitze, und aus der Schlange von Roadstern und SUV´s ein Wagen ausschert, die Fahrerin [...]
In Städten wie Berlin und Hamburg wächst der Widerstand der Bevölkerung gegen Mietpreissteigerung und Verdrängung, wir haben mehrfach darüber berichtet (hier).
Nach einer großen Demonstration in Berlin vor einigen Tagen sieht sich die Immobilienwirtschaft dort nicht nur zu empörten Kommentaren aufgefordert, sondern zum Handeln veranlasst.
Zuerst die Klagesuade über die bemerkenswerte Einschränkung wirtschaftlicher Freiheit – zum Schaden [...]
Kinder während der Grundschulzeit in der Schulbetreuung unterzubringen ist überhaupt nicht einfach. Obwohl schon die Kleinsten für drei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kindergartenplatz haben, soll mit Eintritt in die Grundschule alles schwerer werden. Jetzt, da gerade die Schule wieder begonnen hat, geraten deswegen viele Eltern unter Erklärungsdruck, wenn sie sich nicht in einem konventionellen Angestelltenverhältnis befinden.
Nun gibt es aber verschiedene Arten von Lebensmodellen, ebenso verschiedene Gründe, weswegen eben kein Angestelltenverhältnis besteht. Das Leben ist vielfältig, davon müssen wir ausgehen.
Eines ist dabei allerdings gewiss, es kann nicht nur die klassische Erwerbstätigkeit ausschlaggebend für den Erhalt eines Betreuungsplatzes sein. Alle Kinder müssen Anspruch auf die gleichen Möglichkeiten der Partizipation haben, wobei die Situation der Eltern hier nicht Ursache des Ausschlusses sein darf. Auch sind nicht alle Situationen selbst verursacht oder gewollt.
Die neusten Mietspiegel und Statistiken zu Mietpreisen in deutschen Städten sprechen eine deutliche Sprache: in manchen Großstädten und ihren Stadtteilen steigen die Preise rasant, woanders (gerne im deutschen Osten) stagnieren sie oder sinken eher.
In Frankfurt haben wir einen Durchnittslevel von 10,70 Euro pro Quadratmeter für das ganze Stadtgebiet erreicht. Im westlichen Nordend, inzwischen eine Gegend für gutsituiertes Bürgertum kann man schon mal auf 16 Euro kommen – Kaltmiete, versteht sich. Andere Statistiken setzten die Mietpreise in Frankfurt sogar noch höher an.
Das bezieht sich natürlich auf neu anzumietende Wohnungen und wird in Deutschland nur noch von München übertroffen, wo die Durchschnittsmiete (kalt) sich 12 Euro nähert. Also: für eine 70 Quadratmeter Wohnung in Bornheim, was noch nicht unbedingt eine Luxusvilla darstellt, zahlt man gut und gerne 900 Euro, und mit den diversen Umlagen kommen noch 200 dazu: Summa summarum 1100 Euro im Monat sind dann zu löhnen. Da reicht kein einzelnes Durchschnittsgehalt mehr, und selbst beim Haushaltseinkommen von 2200 Netto im Monat (ein ganzer und ein halber Job) landet 50% im Monat bei den Vermietern – kaum noch bezahlbar!
Stolze Sieger bei Landtags- und Bürgermeisterwahlen gab´s am und nach dem Wochenende in den Medien zu besichtigen. In Mecklenburg-Vorpommern wie in Offenbach hieß die Sieger-Partei SPD.
Ein neuer Aufwind für sie? Wohl eher nicht (wenn man vom wohldotierten Job für Amtsträger absieht), denn das wichtigste Faktum dieser Wahlen war das Desinteresse der aufgerufenen Wähler: die Sieger-Partei [...]
Nachdem in Frankfurt die allgemeine und mediale Öffentlichkeit die Erschießung von Christy Schwundeck in einem Jobcenter hier vor Ort ohne weitere echte Prüfung ad acta gelegt hat, setzt sich die bundesweite Serie des polizeilichen Vorgehens mit todlichen Folgen für die Betroffenen fort. Das Erstaunliche bei diesen Aktionen ist: oft sind es Hilfsbedürftige, die Polizei tritt im Rahmen der Hilfe für staatliche Administrationen Erscheinung und ist hinsichtlich der Gewaltmöglichkeiten haushoch überlegen, die Betroffenen sind allein und es wird von Beamten sofort mit tödlicher Wirkung geschossen.
In Berlin ähnelte der Fall der Tötung der 53jährigen Andrea A. durch einen Polizei-Trupp demjenigen von Christy Schwundeck, nur die Umstände waren noch haarsträubender: es ging um gerichtliche Vorführung der “psychisch gestörten” Person. Sie sollte aus der Wohngemeinschaft, in der sie lebte vor ein Gericht und dann in eine Psychatrie geschafft werden, also eine Gefangennahme, die niemandem wirklich Spaß macht: “Die Frau sollte zum Amtsgericht Wedding gebracht werden, um sie in eine psychiatrische Klinik einzuweisen, sagte eine Justizsprecherin“.
Dem “Kulturkritiker” und “bürgerlichen Vordenker” Frank Schirrmacher muß ob plötzlich erkanntem Ausdünnen “bürgerlicher Werte” der Schreck in die Glieder gefahren sein: unter der Überschrift „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“ möchte er in einem FAZ-Artikel eine Art Ent-Finanzialisierung der CDU antriggern. Ihn bewegt jetzt ein feuilleton-politisches Unbehagen der Art, wie es bereits [...]
Der sogenannte “Fahrstuhleffekt” wurde von einigen Sozialwissenschaftlern mit kritischem Anstrich entdeckt: laut Soziologen wie Ulrich Beck erlangt unser gegenwärtiger Kapitalismus seine Berechtigung aus dem schlichten Faktum, dass es nicht nur für die Großkopferten immer weiter nach oben gehe, sondern sich die ganze Gesellschaft quasi in einer großen Fahrstuhlanlage befinde: es gehe deshalb gleichzeitig für alle [...]
Jetzt hat der alte Tanker die Aufholjagd fast geschafft, man möchte gar von Überholmanöver sprechen. Nicht allein eine einzelne Parteivorsitzende soll es richten wie die Merkel bei der CDU, oder eine Doppelspitze wie bei den Grünen oder den Linken, nein! MÄNNER wie aus Stein müssen her, und zwar gleich Stücker 3.
Bild: SPD.de
Es sind Felsen, die [...]
Gilt beim Spiegel bis heute die Devise: “A bissl Hitler geht immer” , so scheint dies seit einiger Zeit ergänzt worden zu sein um: “Man sollte immer ein bisschen Steinbrück im Haus haben”. Kaum eine Woche , ohne dass er, mehr Quadratschädel als Querdenker, dort präsentiert, porträtiert oder zitiert wird. Dies gilt ähnlich für andere Quaaaalitätsmedien wie die Rundschau, FAZ,TAZ oder BILD. Dahinter steht immer die Frage: Ist er DER AUSERWÄHLTE, auf den die SPD, “die Deutschen” und Steinbrück selbst schon so lange hoffen? Um der Frage auf den Grund zu gehen machte Spiegel Online neulich sogar den direkten Vergleich zwischen der Bundeskanzlerin und dem einfachen Abgeordneten Steinbrück auf und labelte das zwei Jahre vor der Wahl als “Kandidatencheck“. Und siehe da: Steinbrück schnitt unverblüffenderweise nicht schlecht ab. Wir aber fragen: Ist die zermürbte Merkel momentan wirklich ein ernstzunehmender Vergleichsparameter? Wir schlagen daher einen ernsthafteren Gegner vor, um das Potential auszuloten: Osnabrück, die sympathische Friedensstadt im Niedersächsischen. Schauen wir uns die Kandidaten genauer an :
1. Führungsstärke
Angeblich Steinbrücks große Stärke: “Steinbrück ist jemand, der klare Vorstellungen hat, was er will”, schreibt das Nachrichtenmagazin. Was er will, weiß zwar eigentlich keiner, das kann ja auch schon mal wechseln, man muss das nicht so eng sehen…. Hauptsache alle wissen, DAS er was will, denn das macht ja Führungsstärke aus. In der
Ikea ist für manchen das symphatische Möbelhaus aus Schweden. Für manch andere: Möbel- Terror mit menschlichem Antlitz. Es war eine Frage der Zeit, wann dies mit Gegenterror beantwortet wird. Wie das menschliche Antlitz aussieht, das ihn ausübt, weiß man zur Zeit noch nicht. Am Pfingstfreitag ist nach einem Bericht der FR in einer Ikea Zentrale in Dresden ein Sprengsatz in der Küchenabteilung explodiert, geringer Sachschaden, zwei Kunden erlitten laut Pressebericht ein “Knalltrauma”. Knalltrauma? Hey, Leute, habt ihr einen Knall? Was macht ihr eigentlich an Sylvester? Ende Mai waren bereits kleine Sprengkörper in Frankreich, Belgien und Holland hochgegangen. Das Interessante ist nun: Es gab keine Drohungen, keine Erpressung, keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Explosionen in anderen Ländern. Es sieht also so, aus als richte sich der Terroranschlag nicht zum Beispiel gegen die Politik von Ikea, günstige Reihenhäuser anzubieten, die keinen Keller haben, in deren Wände sich kein Nagel einschlagen lässt und die den Käufer dazu verpflichtet, 15 Jahre Strom von dem Anbieter “Botlok” (sei klug) abzunehmen. Aber das wurde nach einem negativen Bericht der Stiftung Warentest im April ohnehin korrigiert, die Planungen in Wiesbaden, Offenbach und Hofheim zurückgeschraubt. Ist der Terrorist vielleicht ein ehemaliger Mitarbeiter?