Von der Spitze des Zuges
Vorab: dieser Zug sollte nie die Innenstadt erreichen, geschweige denn auch nur in der Stadt wahrgenommen werden. Hier wurde nach einem Ausgleich gesucht für all die Aktionen, die so phantasievoll und gut gelaufen sind, hier mussten sich die Gewaltphantasien von Rhein und Konsorten austoben.
Wer es noch nicht begriffen hat: wer die Regeln aufstellt, hat die Macht und den Vorsatz sich im Bedarfsfall nicht an sie zu halten. Wenn jetzt in einigen Monaten Gerichte entscheiden, dass hier bis zur offenen Rechtsbeugung alles vertreten war, so beruhigt dies nicht, sondern dies muss Anlass sein, darüber nachzudenken, wieviel regelkonformes Verhalten in diesem Staat überhaupt wert ist und wohin dies nur führen kann.
Und noch ein weiteres: der Magistrat dieser Stadt hat sich ausdrücklich hinter das Vorgehen der Polizeikräfte gestellt und zwar in der typischen Arbeitsteilung: die CDU mit ihrem pubertierenden Ordnungsdezernenten und ihren rechten und neoliberalen Saubermännern vornweg, die Grünen aus purem Opportunismus dafür und der OB durch einen glänzenden Rückzug, wie er dies schon öfters jetzt praktizierte.
Das gab freie Hand für eine Polizeiführung, die aus dem System Koch mit seinen vielfältigen Seilschaften resultiert und die gerichtsbekannt, vor keinem Mittel zurückschrecken.
Bereits als der Zug sich gerade in Bewegung setzte, wurden Passanten und Beobachter schon vom Schauspielhaus weggescheucht mit dem Hinweis: „Hier wird es gleich ungemütlich.“
Und in der Tat waren hier bereits etwa 7 Hundertschaften in Bereitschaft, schweres Gerät aufgestellt und die gesamte Versorgungslogistik am Platz (selbst Dixies waren schon angeliefert). Wie auch zwei weitere Hundertschaften (die berüchtigten Stuttgarter) sich sofort um die Ecke schoben, um einen Verhaftungskorridor zu schaffen. Nebenbei wurden von Greiftrupps immer wieder ausgedeutete Personen überfallen (der Schreiber war einer davon). Glücklicherweise blieben die meisten am Platz, waren viele Presseleute vor Ort und harrten die Abgeordneten der LINKEN im Kessel aus solange die Bullen dies zuliessen.
Über die Argumentation der bewaffneten Macht ist anderswo genug geschrieben, über Twitter die Abläufe hinreichend dokumentiert. Dass am Schluss den „Demonstranten“ ein gute Heimfahrt gewünscht wurde, ist unfreiwillig komisch und vielleicht sogar ehrlich gemeint.
Wenn wie hier sichtbar wird sich politische Machtausübung und in dieser Stadt austobende Verwertungsinteressen derart innig die Hände reichen, dann müssen wir uns fragen, wie lange wir noch brav in jeden Kessel spazieren wollen, um letztlich damit zu demonstrieren, dass all dies zu nichts nutze ist, im Gegenteil für alle, die nicht in ihm sind, aufgezeigt wird, gar nicht erst mit dem Gedanken zu spielen, auf eine derartige Veranstaltung zu gehen.
Wie oft wollen wir es damit gut sein lassen, vielleicht eine Medien-Öffentlichkeit zu erreichen, die deutlich dokumentiert, wie hier Übertretungen und Beugungen des Rechts geschehen, die völlig konsequenzlos sind für all diejenigen, die sie aktiv betreiben.
Wenn die Herrschaften eine Unterbrechung der Verwertungszyklen in dieser Stadt derart unterbinden müssen, weil sie fürchten, dass damit das Gefüge dieser Stadt ins Wanken gerät dann sollten wir sofort damit beginnen, unsere Phantasie dafür einzusetzen, dass uns dies auch gelingt. Wohl kaum nur mit einem farbenprächtigen Umzug.
Wenn das System seine Zitadellen mit derart militärischen Mitteln und einem Freibrief für die damit betraute Exekutive zu schützen gedenkt, dann müssen wir sie unsererseits in Bewegung halten und uns nicht länger dort bewegen, wo sie sich aufstellen.
Empörung allein schleift sich ab an den alltäglichen Verhältnissen.
In und an Frankfurt wird gerade exerziert, was hier passieren könnte, demnächst, die Stufen der Abschreckung werden durchprobiert. Es reicht ganz einfach und da Wahlkampf ist, sind die Herrschaften gezwungen, sich ins Freie zu wagen, dort mögen wir sie heimsuchen.
Über weitere Schritte unsererseits allerdings sollten wir langsam anfangen, stringenter nachzudenken. Und dies nicht beschränkt auf einzelne Gegebenheiten wie eine Demonstration, denn weder fängt die immerweiter gehende Entrechtung hier an noch hört sie damit auf.



Nein, ich habe gestern nicht die Strassen Frankfurts mit der korporativen Art von #blockupy blockiert. JP Morgen Chase-Lauf 2012 ist ohne mich verlaufen, da bin ich im Reinen mit Herrn Rhein. Doch hier ist mein
Nein, es geht um das Gegenüber dieser nahöstlichen Freiheits-Zitadelle und ein Fadenkreuz das von Ferne auf das Land Iran zielt.