Frankfurter Gemeine Zeitung

Kolumne

Kundenorientierung und Dienstleistungsgedanke als Erziehungsmodell

Anlässlich der Geburt unserer Tochter erkannten meine Frau und ich, dass wir nunmehr auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung stehen.
Vor diesem Hintergrund erschien es uns als logischer Schritt, die sich uns stellenden Herausforderungen auf eine strukturierte und zukunftsweisende Art und Weise anzugehen.
Bei einem unserer Meetings kamen meine Frau und ich zu dem Schluss, dass hierfür die Verabschiedung eines Leitbildes als verbindliche Grundlage der Unternehmenskultur unserer Familie notwendig ist.

Nach kurzer Beratung stellten wir einhellig fest, dass im Projekt Elternschaft, dem Kind die Kundenrolle zukommt. Zwar sind die Eltern der unternehmerische Part dieser Kundenbeziehung, jedoch hängt ihr eigenes Wohlergehen maßgeblich von der Zufriedenheit des Kindes ab. Der Benefit aus einer gelungenen Eltern-Kind-Beziehung zeigt sich in Erhöhung des Sozialprestiges der Eltern und erfolgreiche Erziehung kann sich bei entsprechender Karriereentwicklung des Kindes auch in finanzieller Hinsicht positiv auswirken.

Gleichzeitig soll unser Ansatz jedoch berücksichtigen, dass unser Kind keinesfalls ein nach unserem Willen formbarer Gegenstand, mithin also keine Ware ist.
Die Kundenrolle des Kindes trägt dem normativen Individualismus einer modernen Marktgesellschaft Rechnung.

Zudem legt sie damit auch die Rolle der Eltern auf die der Erziehungsdienstleister fest, welche eine hochwertige Leistung im Interesse des Kunden anbieten.
Problematisch bei dieser Betrachtungsweise erscheint allerdings, dass der Kunde die Erziehungsleistung als solche nicht in jeder Situation schätzt oder annehmen will. Gleichzeitig ist aber der Versuch einer Realisierung von Erziehungszielen ohne die notwendige Compliance ihres Adressaten zum Scheitern verurteilt.

Eine vergleichbare Problematik zeigt sich im Kundenbegriff des New Public Managements, der sich mit ähnlichen Schwierigkeiten konfrontiert sieht, beispielsweise dort, wo eine Behörde ihrem „Kunden“ einen Bußgeldbescheid erteilen und diesen auch notfalls mit Zwang durchsetzen muss.
Notwendigerweise müssen die Kundenbegriffe in der öffentlichen Verwaltung, genauso wie der Kundenbegriff in der Erziehung gewisse Unterschiede zum privatwirtschaftlichen Kundenbegriff aufweisen.
Der Kundenbegriff ist in diesem Sinne metaphorisch zu verstehen, jedoch gleichzeitig eine Notwendigkeit, wenn es darum geht, sich den gewandelten Marktgegebenheiten anzupassen.
Um Kundenorientierung auch in der Erziehung verwirklichen zu können, erschien es uns daher notwendig den Begriff des „langfristigen Kundeninteresses“ in unser Erziehungskonzept einzuführen.
Dies soll hier kurz anhand eines Beispiels illustriert werden:
Wenn unsere zweijährige Erziehungskundin das impulsive Bedürfnis zeigt, auf die Straße vor ein fahrendes Auto zu rennen, so mag dies zwar in ihrem kurzfristigen Interesse liegen, nicht jedoch in ihrem langfristigen Kundeninteresse.

Das Ziel unseres familiären Unternehmens kann nicht die Verwirklichung kurzfristiger Kundeninteressen sein. Gerade die Erziehung eines Kindes ist ein auf Langfristigkeit ausgelegtes Investitionsprojekt.
In manchen Fällen ist es in der Erziehung daher notwendig, gegen kurzfristige Kundeninteressen zu handeln um langfristige Kundeninteressen zu wahren.
Die empathische Einnahme der Kundenperspektive stellt für uns dennoch eine Möglichkeit zur realistischen Umsetzung eines antiautoritären Erziehungsideals dar, allerdings ohne den ideologischen Ballast der 70er Jahre aufgrund dessen die antiautoritäre Erziehung noch immer in Verruf steht. Autorität wird somit ausschließlich im Interesse des Kunden ausgeübt und auch nur in dem Maße, dass die Kundenzufriedenheit keinen langfristigen Schaden nimmt.
In Zusammenhang damit diskutierten meine Frau und ich auch die Frage, in wieweit Autorität zur Verwirklichung von Stakeholderinteressen zum Einsatz kommen darf. Stakeholder sind in diesem Zusammenhang alle Personen, die unmittelbar oder mittelbar von den Handlungsdispositionen, welche unser Kind trifft, beeinflusst werden.
Hierzu zählen Lehrer, andere Kinder, Nachbarn aber auch Passanten, sowie die Gesellschaft als arbeitsteiliges Gemeinwesen.
In unserer Diskussion kristallisierte sich heraus, dass das langfristige Kundeninteresse gar nicht abgekoppelt von den Interessen der Erziehungs-Stakeholder gedacht werden kann.
Wenn unser Kind sich sozialschädlich verhält, beeinträchtigt es damit sowohl seine eigenen langfristigen Interessen, als auch die Interessen unserer Familie als modernes Dienstleistungsunternehmen.
Für uns kommt daher keine andere Lösung in Betracht, als unsere Corporate Social Responsibility auch in der Erziehung ernst zu nehmen. Als Unternehmen möchten wir somit unseren Beitrag zu einer besseren Welt leisten.
Wir verfolgen das Ideal einer sozialen und ökologisch bewussten Erziehung, verzichten hierbei aber gezielt auf starre ideologische Imperative, sondern setzen vielmehr auf eine fluide und den Marktgegebenheiten angepasste Erziehungsstrategie.
Diese Strategie muss sich auch in der Aufbau- und Ablauforganisation unseres Unternehmens niederschlagen. Wir verzichten deshalb auf Hierarchiebildung innerhalb unseres Unternehmens, sondern setzen verstärkt auf persönliche Verantwortungsbereiche des Einzelnen im Umgang mit dem Kunden.
Hier arbeiten wir mit Verantwortungsbereichen sowohl im zeitlichen, als auch im sachlichen Sinne.
Zu dieser Strategie gehören klar umgrenzte Aufgabenfelder und Zuständigkeitszeiten innerhalb derer meine Frau und ich jeweils ohne Kontrolle des Anderen agieren können.
Dies ermöglicht uns eine Optimierung unserer Kind-Life-Balance, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung unser Dienstleistungsbereitschaft 24/7 und zwar das gesamte Jahr über.

Kritisch haben wir allerdings über die Frage diskutiert, ob die hierbei zwangsläufig entstehende Methodendiversität für das Gesamtunternehmen nachteilig oder positiv zu bewerten sei. Aus einer antiquierten Sicht von Erziehung heraus betrachtet, könnte die Methodendiversität nämlich als Mangel an elterlicher Konsequenz aufgefasst werden.
Vor dem Hintergrund einer gesellschaftlich immer stärker ausgeprägten Tendenz zur Bildung fluider Identitäten, erschien es uns außerordentlich wichtig, dass unser Kind früh lernt, sich ein breites Portfolio situationsangepasster Rollen und Haltungen anzulegen.
Wir kamen hierbei zu dem Ergebnis, dass unsere konsequent-inkonsequente Herangehensweise eine besondere Stärke unseres Unternehmens ist.
Auf diese Weise können wir unsere Erziehungsmethoden benchmarken und hierbei eine Best-Practice entwickeln.
Beispielsweise zeigte sich, dass das von meiner Frau etablierte Einschlafritual zwar einen größeren personellen Aufwand erfordert als das von mir etablierte, jedoch beim Kunden deutlich größere Akzeptanz genießt.
Mit unserer Hierarchiefreiheit, persönlichen Verantwortung und Methodendiversität verwirklichen wir das gesellschaftliche Ideal der Emanzipation weitaus stärker als traditionell aufgestellte Familienunternehmen, ohne hierzu auf ideologische Konzepte wie den Feminismus zurückgreifen zu müssen.
Anhand dieser Überlegungen haben wir ein Leitbild entwickelt, welches ich hier gerne vorstellen möchte und welches folgende Punkte umfasst:

1. Unsere Familie ist ein modernes Dienstleistungsunternehmen, welches die Interessen des Kunden in den Mittelpunkt seiner Anstrengungen stellt.
2. Ziel unseres Unternehmens ist die Verwirklichung langfristiger Kundeninteressen.
3. Als Unternehmen handeln wir nachhaltig und ökologisch. Unsere soziale Verantwortung nehmen wir ernst.
4. Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von gegenseitigem Vertrauen und Respekt.
5. Wir glauben an die Eigenverantwortlichkeit unserer Kunden und Mitarbeiter. Statt auf Hierarchie setzen wir auf persönliche Verantwortungsbereiche.

Im Praxistest präsentieren sich unser Leitbild und unsere kundenorientierte Sicht auf Erziehung inzwischen als erfolgversprechendes Alleinstellungsmerkmale unseres Unternehmens.
Im direkten Vergleich mit anderen Gleichaltrigen zeigt sich unsere Kleine deutlich aufgeweckter, neugieriger und gesünder. Auch Stakeholder wie die Krippenbetreuerinnen loben die vorbildlich sozialverantwortliche Herangehensweise unseres Unternehmens.
Und ist ein Kinderlachen nicht der wunderbarste Lohn, den man sich für die konsequente Umsetzung des Dienstleistungsgedanken wünschen könnte?


Von der Spitze des Zuges

Vorab: dieser Zug sollte nie die Innenstadt erreichen, geschweige denn auch nur in der Stadt wahrgenommen werden. Hier wurde nach einem Ausgleich gesucht für all die Aktionen, die so phantasievoll und gut gelaufen sind, hier mussten sich die Gewaltphantasien von Rhein und Konsorten austoben.
Wer es noch nicht begriffen hat: wer die Regeln aufstellt, hat die Macht und den Vorsatz sich im Bedarfsfall nicht an sie zu halten. Wenn jetzt in einigen Monaten Gerichte entscheiden, dass hier bis zur offenen Rechtsbeugung alles vertreten war, so beruhigt dies nicht, sondern dies muss Anlass sein, darüber nachzudenken, wieviel regelkonformes Verhalten in diesem Staat überhaupt wert ist und wohin dies nur führen kann.
Und noch ein weiteres: der Magistrat dieser Stadt hat sich ausdrücklich hinter das Vorgehen der Polizeikräfte gestellt und zwar in der typischen Arbeitsteilung: die CDU mit ihrem pubertierenden Ordnungsdezernenten und ihren rechten und neoliberalen Saubermännern vornweg, die Grünen aus purem Opportunismus dafür und der OB durch einen glänzenden Rückzug, wie er dies schon öfters jetzt praktizierte.
Das gab freie Hand für eine Polizeiführung, die aus dem System Koch mit seinen vielfältigen Seilschaften resultiert und die gerichtsbekannt, vor keinem Mittel zurückschrecken.
Bereits als der Zug sich gerade in Bewegung setzte, wurden Passanten und Beobachter schon vom Schauspielhaus weggescheucht mit dem Hinweis: „Hier wird es gleich ungemütlich.“
Und in der Tat waren hier bereits etwa 7 Hundertschaften in Bereitschaft, schweres Gerät aufgestellt und die gesamte Versorgungslogistik am Platz (selbst Dixies waren schon angeliefert). Wie auch zwei weitere Hundertschaften (die berüchtigten Stuttgarter) sich sofort um die Ecke schoben, um einen Verhaftungskorridor zu schaffen. Nebenbei wurden von Greiftrupps immer wieder ausgedeutete Personen überfallen (der Schreiber war einer davon). Glücklicherweise blieben die meisten am Platz, waren viele Presseleute vor Ort und harrten die Abgeordneten der LINKEN im Kessel aus solange die Bullen dies zuliessen.
Über die Argumentation der bewaffneten Macht ist anderswo genug geschrieben, über Twitter die Abläufe hinreichend dokumentiert. Dass am Schluss den „Demonstranten“ ein gute Heimfahrt gewünscht wurde, ist unfreiwillig komisch und vielleicht sogar ehrlich gemeint.
Wenn wie hier sichtbar wird sich politische Machtausübung und in dieser Stadt austobende Verwertungsinteressen derart innig die Hände reichen, dann müssen wir uns fragen, wie lange wir noch brav in jeden Kessel spazieren wollen, um letztlich damit zu demonstrieren, dass all dies zu nichts nutze ist, im Gegenteil für alle, die nicht in ihm sind, aufgezeigt wird, gar nicht erst mit dem Gedanken zu spielen, auf eine derartige Veranstaltung zu gehen.
Wie oft wollen wir es damit gut sein lassen, vielleicht eine Medien-Öffentlichkeit zu erreichen, die deutlich dokumentiert, wie hier Übertretungen und Beugungen des Rechts geschehen, die völlig konsequenzlos sind für all diejenigen, die sie aktiv betreiben.
Wenn die Herrschaften eine Unterbrechung der Verwertungszyklen in dieser Stadt derart unterbinden müssen, weil sie fürchten, dass damit das Gefüge dieser Stadt ins Wanken gerät dann sollten wir sofort damit beginnen, unsere Phantasie dafür einzusetzen, dass uns dies auch gelingt. Wohl kaum nur mit einem farbenprächtigen Umzug.
Wenn das System seine Zitadellen mit derart militärischen Mitteln und einem Freibrief für die damit betraute Exekutive zu schützen gedenkt, dann müssen wir sie unsererseits in Bewegung halten und uns nicht länger dort bewegen, wo sie sich aufstellen.
Empörung allein schleift sich ab an den alltäglichen Verhältnissen.
In und an Frankfurt wird gerade exerziert, was hier passieren könnte, demnächst, die Stufen der Abschreckung werden durchprobiert. Es reicht ganz einfach und da Wahlkampf ist, sind die Herrschaften gezwungen, sich ins Freie zu wagen, dort mögen wir sie heimsuchen.
Über weitere Schritte unsererseits allerdings sollten wir langsam anfangen, stringenter nachzudenken. Und dies nicht beschränkt auf einzelne Gegebenheiten wie eine Demonstration, denn weder fängt die immerweiter gehende Entrechtung hier an noch hört sie damit auf.


Frankfurter Rundbriefe – März 2013

Es geschieht derart viel in dieser Stadt, dass leicht der Überblick verloren gehen kann. Deshalb soll von nun an immer zu Monatsbeginn eine kleine vollkommen parteilische Auswahl von Ereignissen kolportiert werden, begleitet mit kleinen Überleitungen, die den vielen Einzelereignissen einen Zusammenhang geben.

Die Staatsmacht in dieser Stadt lässt nichts unbeachtet, was geeignet sein könnte, eine auch nur latente Bedrohung der Menschen in dieser Stadt vermuten zu lassen. Um fast jeden Preis muss der Eindruck erweckt werden, dass sich hier alles versammle, was nichts weiter im Sinn hat als den Frankfurter*innen ihren Alltag beschwerlich zu machen. Ein permanenter Belagerungszustand wird angedeutet und wie zu Zeiten der preußischen Besatzung sind Grüppchen über vier höchst verdächtig, die Verabredung zur nächsten Straftat liegt nahe.
Argwöhnisch schleicht sog. Sicherheitspersonal durch die B-Ebenen, die Hand am Sprechfunkgerät, die andere am Spray oder Knüppel, resozialisierte, stolz auf ihren Auftrag, froh über irgendeinen Job, der sie vermeintlich in die Mitte rückt. Und um anzuzeigen, wie groß doch die Gefährdung ist, rückt dann die militarisierte Gewalt an, um dem Spuk von Anfang an ein Ende zu bereiten. Es wäre lächerlich, erzeugte es nicht ein Unwohlsein, denn sie sind eine reale Bedrohung, diese Art von „Ordnungshütern“, die sich da zeigen. Und wir haben es in Bornheim erlebt, dass der Weg nach Hause sehr wohl über einen Aufenthalt in der Notfall-Ambulanz gehen kann.
Der Eindruck, dass sich der bewaffnete Arm der Staatsmacht so langsam aber dafür umso konsequenter zu einer Besatzungstruppe mausert, ist nicht so weit hergeholt, da hilft nur, sich zunächst einmal nicht beeindrucken zu lassen und das, was noch an öffentlichen Plätzen in dieser Stadt vorhanden ist, nach eigenem Gutdünken zu nutzen. Dies beinhaltet nicht nur politische Veranstaltungen, weil mittlerweile jeglicher Aufenthalt, der nicht direkt dem Konsum dient, unterbunden werden soll.
Natürlich kann alles mögliche aus einem lockeren Zusammentreffen sich ergeben, eine Kneipentour, ein Club-Abend, eine Kundgebung, eine Hausbesetzung. So ist denn auch genau zu beobachten, wer da mit wem – und prophylaktisch erstmal zu untersagen. Die Bürger*innen müssen solchen Meinungsäußerungen ausweichen können und das geht am besten, wenn sie gar nicht erst zugelassen werden – und wenn dazu die B-Ebenen in Hochsicherheitszonen umgewandelt werden müssen, so soll es eben so sein, wenn es denn der eigenen Sicherheit dient.
Damit hier keine Verwechslung möglich ist: öffentliche Plätze unterliegen zuerst der öffentlichen Kontrolle und deren Vollstrecker bestimmen, was adäquat und was missbräuchlich. Daher ist es auch vorausschauend, möglichst viele kommerzielle Spektakel auf ihnen zu veranstalten, dann kann dort nämlich nicht demonstriert werden (wer spricht denn hier von Privatisierung?).
Nicht nur scheint der hiesige Ordnungsdezernent etwas nervös und leicht zu beeindrucken zu sein, da flegelt auch ein hessischer Innenminister in Wiesbaden herum und freut sich über jede Gelegenheit dem Frankfurter Pack eins auszuwischen, ist ja nicht mal sicher, ob er sein Direktmandat gewinnen kann. Da gilt es auf der rechten Seite soviel Pluspunkte zu machen wie möglich. (setzt voraus, dass da noch jemand weiter rechts steht)

Zum Trauerspiel entwickelt sich auch und zunehmend die Frankfurter Universität, trotz – oder besser wegen – der ganzen Exzellenz-Cluster und ähnlichem Spektakel, mit dem neoliberale Bildungsvorstellungen und Forschungsaufträge daher kommen. Damit der Mittelbau auch frühzeitig weiss, wo es lang zu gehen hat, werden sie staatlicherseits auf Sparflamme gesetzt und dürfen in die diversen Industrie-Ärsche kriechen, um die paar Cent für ihre Vorhaben zusammen zu kratzen. Nun ja, das heisst, für das Leben zu lernen. Da sie nicht vorhat, die verfasste Studierendenschaft und gar selbstbestimmtes Lernen noch länger auf ihrem Gelände zu dulden, unterdrückt sie auch jede Regung, die in dieser Richtung sich bewegt und hat wiederum in jenem Politdarsteller in Wiesbaden den richtigen Fürsprecher, der sofort die bewaffnete Staatsmacht mobilisiert. Besetzungen, selbstverwaltete Institutionen, Schnee von gestern – und lenken ab vom Regelstudium.
Wie man das macht und wie Erfolg aussieht, das können sie nebenan im Palmengarten begutachten. Hier feiert Wilhelm II. fröhliche Auferstehung und der Frankfurter Zukunftsrat hat endlich ein adäquates Zuhause, inklusive Zeremonienmeister und Auffahrt. Ob es nun jedermanns Sache ist, Frau von Plottnitz im Tutu zwischen den Tischen tänzeln zu sehen, na ja.
Aber eine Gastdozentur für den Haushofmeister sollte schon eingerichtet werden.

Dafür müssen sich die einst viel gepriesenen freien Initiativen jetzt erstmal kräftig bescheiden, denn der Etat für Kultur ist da wohl zunächst erschöpft und auch die Höchster dürften ihren Bolongaro-Palast weiter von aussen betrachten oder vielleicht dem grossen Zampano anbieten, damit sie wenigstens einen Biergarten bekommen.
Dass auch bereits etablierte Grössen erleben, dass Zapfenstreich ist, hat Michael Quast erfahren, im angepeilten Paradieshof in Sachsenhausen kommt jetzt das lukrative gehobene Wohnen, da darf er natürlich auch einziehen, aber nur mit Familie,, womit nicht sein Theater gemeint ist. Ja auch hier gibt es Prioritäten, vielleicht gibt ihm die ABG ja Räume auf dem MAN-Roland Gelände in Offenbach, das wäre dann so etwas wie regionale Entwicklungshilfe und brächte Kultur in diesen vernachlässigten Landstrich, besonders wenn es gelingt all die dorthin zu verfrachten, für die in Frankfurt eben kein Platz mehr ist.

Die dringende Empfehlung, sich dort nach gefördertem Wohnraum umzutun, geht an die Bewohner*innen des Mainfelds in Niederrad. Schon während er letzten Zwangsräumung dort hat man die Leutchen nach Oberrad geschickt, Offenbach ist natürlich noch besser.
Sind wir schon wieder bei den Hausbesetzungen. Finden ja viele nicht ganz so schlecht (aber friedlich, gell?), unterstützen es vielleicht, so klammheimlich, haben aber leider viel zu wenig Zeit, um sich weiter damit zu befassen. Macht die Räumung natürlich umso leichter, selbst wenn man das ganze Viertel prophylaktisch abriegeln muss.

Ansonsten ist es bewundernswert ruhig in der Stadt, die Zeil macht Umsatz wie gehabt, überall entsteht das schöne neue Frankfurt. Altstadt, Hauptwache, Gallus, EZB, Maintor, Europa-Viertel, Kulturcampus, für jeden etwas. Die Leuchttürme versperren sich gegenseitig die Aussichten – und uns das Luftholen.

Und dieses neu Frankfurt hat die Produktivkraft „Protest“ entdeckt; die Consultants freuen sich bereits auf Blockupy im Frühling und bieten allerlei Hilfreiches für diese Tage. So füllt man Auftragsbücher. Der gute Rat an die Herren und Damen des gehobenen Bankwesens: bleibt zu Hause ist da nicht gefragt, denn er ist umsonst – ausserdem ist ein Brückentag, na dann. Immerhin, alles bietet in dieser Stadt eine neue Perspektive und wem es zu ruhig ist, kann montags auf den Flughafen.


E rfolgreiche R ückversicherer G enießen O rgien

Human Centipede 3

Dass die Blöd-Zeitung bei jeder sich bietenden Gelegenheit laut „Skandal“ schreit, ist hinlänglich bekannt. Davon lebt diese Zeitung und wenn ihr einmal die Skandale ausgehen, dann erfindet sie sich auch gerne welche.
Es bräuchte doch nur mitten im Sommerloch der Hund irgendeines drittklassigen Politikers in eine Grünanlage zu defäkieren, von einem Blöd-Blockwart… pardon, Leserreporter… dabei fotografiert werden und schon würde das Blatt eine ganze Woche lang über „Häufchengate“ berichten.
Wenn es sich um einen Politiker der ungeliebten Linken handelte, hätte es sogar Chancen auf eine Titelstory.

Doch bei so manchem „Häufchengate“-analogen Vorgang stehen auch deutsche Leitmedien der Blöd in nichts nach.
Insbesondere wenn Sex im Spiel ist, ist natürlich auch das Interesse der Bevölkerung groß. Eigentlich hat es zwar meist keinerlei irgendwie geartete politische Bedeutung, wer mit wem in die Kiste steigt, aber irgendetwas Animalisches in uns will mehr wissen, am besten jedes Detail, um sich dann an der eigenen Empörung aufzugeilen oder an der eigenen Geilheit zu empören, je nach Standpunkt.
So ganz kann ich mich da nicht einmal ausnehmen, denn auch ich habe die Stories über die Bumstouren von Mitarbeitern der Ergo-Versicherung mit einem seltsamen und mir selbst kaum erklärlichen Interesse gelesen.

Dabei ist die Geschichte doch eigentlich ein alter Hut. Jedem interessierten Menschen dürfte bekannt sein, dass Firmen für ihre Mitarbeiter Incentive-Reisen buchen und dabei zum Teil auch ordentliche Summen springen lassen.
Für die höheren Chargen dieser Firmen beinhalten solche Incentive-Reisen durchaus auch Kaviar-Häppchen, 5-Sterne-Unterbringung und mehr Moët & Chandon als man trinken kann.

Natürlich kann man diese Reisen sehr kritisch sehen, da sie ja letztlich von den Kunden der jeweiligen Unternehmen finanziert werden, doch die allgemeine öffentliche Empörung bleit normalerweise aus. Letztlich kann man sich auch fragen, ob es nicht zum normalen Spektrum unternehmerischer Entscheidungsfreiheit gehört, zu entscheiden, mit welchen Maßnahmen es seine Mitarbeiter motivieren will.
Wer dies kritisieren will, der sollte deutlich mehr in der Tiefe der Sache ansetzen.

Und kann es mir als Kunden letztlich nicht vollkommen egal sein, ob mein Geld nun verfressen, versoffen, verkokst, verfickt oder nur verspekuliert wurde?

Also warum regt man sich nun so auf?
Na weil es um Sex geht! (Pfui! Nein sowas!)

Für mich in erster Linie ein Prüderie-Skandal meiner Mitdeutschen.

Letztlich bin ich aber froh, in einem Bereich zu arbeiten, in dem ich niemals Gefahr laufe, zu so einer dämlichen Incentive-Zwangsbespaßung meines Arbeitgebers eingeladen zu werden.
Als ich heute das Foto von der aktuellen Sex-Orgie von Mitarbeitern des Deutschen Herold, mit der Nackt-Polonaise auf Jamaika sah, dachte ich dabei nicht spontan an Spaß, sondern fragte mich eher, ob das das neue Coverbild für „Human-Centipede 3“ werden soll.


Leistungsschutzrecht. Der feine Unterschied.

LeistungsschutzrechtMerzmensch

weiterlesen »


Chase-Lauf ’09. Non progredi est regredi

IMAG0140Nein, ich habe gestern nicht die Strassen Frankfurts mit der korporativen Art von #blockupy blockiert. JP Morgen Chase-Lauf 2012 ist ohne mich verlaufen, da bin ich im Reinen mit Herrn Rhein. Doch hier ist mein Bericht aus dem Jahre 2009. Samt Bananenklau, wild um sich herum schiessenden Ministerpräsidenten Koch und einigen halbnackten Südländerinnen (oder ohne sie, je nach dem). Zur Kenntnis. To whom it may concern. Einfach so.

***

ich bin an sich weder sportlich, noch mitläufer. doch diesmal bin ich sportlich mitgelaufen: chase-lauf war angesagt.

weiterlesen »


Liebe Piratenbashende Mely Kiyak!

ich schreibe normalerweise keine Artikel in Form von öffentlichen Briefen an fremde Leute, weil das doch irgendwie eine merkwürdig übergriffige Art ist: so zu tun, als würde man den anderen adressieren, während man doch in Wirklichkeit immer an die eigenen Leser denkt, die sich befriedigt denken sollen: na, die oder der hats DENEN aber mal wieder gegeben! Aber der Franz Josef Wagner macht das für die BILD schon seit 10 Jahren und Sie machen ihm das seit geraumer Zeit nach für die Frankfurter Rundschau , nur das die anders als beim Wagner für die sich denkend dünkenden Menschen ist, also für die im Nordend, und das gibt dann immer so eine schöne, persönlich klingende Kolumne und schreibt sich schnell weg und deshalb mache ich das jetzt Ihnen nach. Denn neulich, in der FR. vom 1-3. Oktober, las ich so einen Brief von Ihnen, überschrieben mit “Liebe Politpioniere”. Das klang ein bisschen nach alter DDR, meinte aber die siegreiche Berliner Piratenpartei. Ihr Brief hat mich richtig bewegt, obwohl ich kein Mitglied dieser Partei bin und sie noch nicht mal gewählt habe. Bei der Lektüre aber ging es mir wie Ihnen bei der Lektüre der, wie Sie sagen, “zehn Thesen zur Netzpolitik der ungelüftet Internetsüchtigen”, nämlich so: “Wenn ich sage, es hat mir die Nackenhaare aufgerichtet, dann wäre das zu wenig, sie standen wie Betonpfeiler ab.”
Sie, liebe Mely Kiyak, begannen schön bei sich: “Ich sah ein Gruppenfoto, das die Piratenfraktion aus Berlin zeigte. Undiplomatisch und sexistisch wie ich bin, spreche ich es aus: Das war eine Ansammlung von zotteligen Typen. Schwammige Figuren, ungesunder Teint, hässlich, mein Gott, da ist ja nichts dabei. Man roch die vermieften T-shirts regelrecht.” Das folgte dem inzwischen sehr beliebten Gestus : “Das muss man doch sagen dürfen”, von dem ja auch der Sarrazin zehrt. Aber mal ganz undiplomatisch gesagt, liebe Mely Kiyak: Mir stieg bei Ihrem altmodischen Wort “zottelig” ein anderer Geruch in die Nase. Der abstoßende Mief des Journalismus von vorvorgestern. Hatte die Presse nicht exakt so einst über die frühen Grünen geschrieben, damals in den 80ern? Oder noch früher in den 60ern über die “zotteligen, ungewaschenen” Studenten?
Aber, mein Gott, heute im Jahr von 2011 funktioniert dieses Ekelbashing eben immer noch.

weiterlesen »


Medien- und sonstige Löcher: Kompaßstörungen

Sommer-Löcher gibt es dieses Jahr zuhauf, vom Himmel bis auf Erden. In den USA wurde die Lochverteilung die letzten Wochen besonders klar. Washington und manch andere Höhen gerierten sich als Olymp einer kleinen Kaste von Spielern, die besondere Übung in der Drehtürbedienung erlangten. Rein in die Administration und raus, rein in die Companies und raus, oder anders herum. Passt eh und bringt!
Eine kleine Clique von Multimillionären spielt dort mit der Bevölkerung Katz und Maus, kassiert weiter ein und streicht Sozialleistungen wie es nur geht. Möglichst in Personalunion als Berater oder Vorstandsposten.

Unser Proto-Typ war Rot-Grün vor Jahren (Consultants: Schröder, Fischer, Clement, Müller, Schily etc, fast das ganze Kabinett), aber eher noch auf Sparflamme. Zumindest sind sich Europa und USA in diesen “postdemokratischen” Verhältnissen immer noch nahe.

Ganz anders sieht es in Kerala / Indien diesen Sommer mit den Löchern aus! Die werden gestopft. In Indien findet man nämlich noch Schätze, und zwar solche, die direkt vor der Nase liegen: im KELLER.

weiterlesen »


Medienkompass – Kriegserklärungen

Nein, es geht jetzt nicht darum, dass das friedliebende Deutschland, das genötigt von Marktgesetzen gern Rüstungs-Exportweltmeister werden möchte, einem Verteidiger unserer Freiheit gerade einen Haufen Anti-Terror-Panzer vertickert. Auch nicht darum, dass diese Fahne der Freiheit im feudalistischen Saudi-Arabien weht.

fadenkreuzNein, es geht um das Gegenüber dieser nahöstlichen Freiheits-Zitadelle und ein Fadenkreuz das von Ferne auf das Land Iran zielt.

weiterlesen »


Welt des schönen Scheins – geht weiter

BILD0031a

Kaum einem unvermeidlichen erscheinendem Schicksal entronnen, kommt ihm selbiges von der anderen Seite des Atlantiks wieder entgegen. DSK hat einfach kein Glück mehr bei Frauen (ausser der eigenen).

weiterlesen »


Powered by WordPress • Theme by: BlogPimp/Appelt Mediendesign und tech-a • Beiträge (RSS) und Kommentare (RSS) • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.