Frankfurter Gemeine Zeitung

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Ein Brief an Mert Matan- Zum missglückten “Gay Prank”

Am 13.03.2016 stellte ein erfolgreicher deutscher Youtuber namens Mert Matan ein Video hoch, in dem er sich zum Spaß gegenüber seinem Vater als schwul outete. Die Reaktion fiel heftig aus. Der Vater rastete aus, beschimpfte seinen Sohn und schlug ihn dabei mehrfach mit der flachen Hand.
Dieses Video löste verständlicherweise Empörung aus. Neben der nachvollziehbaren Kritik an der im Video gezeigten homophoben Reaktion des Vaters hagelte es auch eine Menge rassistischer Hasstiraden gegen Mert und seine gesamte Familie.

Als Reaktion darauf stellte Mert am 15.03.2016 ein Statement zu seinem „Gay Prank“ hoch. In diesem rechtfertigte er die Reaktion seines Vaters und beteuerte, weder er, noch sein Vater hätten etwas gegen Schwule. Jeder könne so leben und lieben wie er wolle.
Es handele sich außerdem nur um eine Angelegenheit seiner Familie. Dies wirkte nicht allzu überzeugend.

„Das war seine Reaktion, seine Meinung zu mir und nicht zu der allgemeinen homosexuellen Szene“ und „Mein Vater hat nichts gegen homosexuelle, außer dass sein Sohn vielleicht schwul werden… sein… könnte“ so Mert.
Außerdem sagte er „Das gibt es bei uns in der Familie nicht, in der Kultur und genauso wie in der Religion nicht. Bei uns in der Familie existiert sowas einfach nicht.“

Dass dies die Gemüter nicht beruhigt, war abzusehen und der Shitstorm tobt natürlich weiter. Ich hingegen bin in der Sache hin- und hergerissen. Einerseits beurteile auch ich das „Gay Prank“ Video und das anschließende Statement als homophob und höchst kritikwürdig.
Andererseits kotzen mich die ganzen Leute, die jetzt irgendwas von „abschieben“ oder gar „erschießen“ krakeelen so dermaßen an, dass ich eigentlich Lust hätte, mich mit Mert zu solidarisieren.

Aus diesem Grund schreibe ich ihm hier diesen öffentlichen offenen Brief:

Lieber Mert,

nach Deinem Statement zum „Gay Prank“ scheint mir, dass Du nicht nachvollziehen kannst, wofür Du in der Kritik stehst.

Vielleicht verstehst Du es, wenn ich Dir dazu eine Frage stelle. Du sagst, in Deiner Familie gäbe es so etwas wie Homosexualität nicht. Aber nehmen wir einmal an, das gäbe es doch. Stellen wir uns vor, ein Cousin von Dir würde sich Dir gegenüber als schwul outen. Wie würdest Du reagieren?
Würdest Du Dich dadurch in Deiner Ehre gekränkt fühlen? Würdest Du den Kontakt abbrechen? Würdest Du ihn dafür vielleicht selbst schlagen? Oder würdest Du für ihn einstehen, wenn Du sehen würdest, dass Dein Onkel ihn schlägt?
Wenn Du einen Homosexuellen in Deiner eigenen Familie nicht ertragen könntest, bedeutet das leider, dass Du Homosexuelle nicht als gleichwertig ansiehst.

Der Begriff „Phobie“ bedeutet Abneigung aber auch Angst. Wenn Du Angst davor hast, dass ein Schwuler in der Familie Euren Ruf schädigen könnte, dann bist Du leider homophob im Sinne des Wortes.

Ein Vater der seinen Sohn schlägt, weil er sich als schwul outet, ist homophob.
Ein deutscher Vater, der seiner Tochter sagt, „ich will nicht, dass Du einen Türken als Freund hast“, ist übrigens auch ein Rassist.
Stell Dir einfach mal vor, das wäre kein Spaß gewesen, sondern Du hättest Dich echt als schwul outen wollen und Dein Vater hätte so reagiert.

Du irrst Dich, wenn Du denkst, dass die Angelegenheit zwischen Dir und Deinem Vater eine reine Privatsache wäre.

Dies hat zwei Gründe:

1. Du hast die Reaktion Deines Vaters als erfolgreicher Youtuber online gestellt und damit die Haltung Deines Vaters öffentlich gemacht. Du bist inzwischen eine bekannte Persönlichkeit und musst damit umgehen können, dass solche Dinge öffentliche Kritik hervorrufen.
2. Was in Familien passiert, ist nur so lange Privatsache, so lange es nicht um Gewalt und Diskriminierung geht. Seinen Sohn dafür zu schlagen, dass er sich als schwul outet ist diskriminierende Gewalt. Theoretisch hättest Du ihn dafür sogar anzeigen können.

Wenn Du sagst, so etwas wie Schwule gäbe es in Deiner Kultur und Religion nicht, dann liegst Du leider völlig daneben. Natürlich gibt es schwule Türken und natürlich gibt es schwule Muslime.
Was Du aber meinst, wenn Du sagst, so etwas gäbe es nicht, ist, dass es tabuisiert wird und genau das ist ein Problem.

Aus diesem Blickwinkel muss ich Dein Video trotz aller Kritik dennoch loben. Denn Du hast mit Deinem Video die Autorität Deines Vaters, sowie kultureller und religiöser Überlieferungen in Frage gestellt, alleine dadurch, dass Du den Mut hattest, einen solchen Scherz überhaupt durchzuziehen. Du hast einen Spaß mit etwas gemacht, das es nach Deinem eigenen Bekunden in Deiner Familie, Deiner Kultur und Religion gar nicht geben kann.

Die Leute, die dich jetzt „abschieben“ oder gleich „abknallen“ wollen, sind rassistische Arschlöcher, denen es keineswegs um irgendwelche Rechte für Schwule, Frauen oder andere gesellschaftliche Gruppen geht, sondern die das nur vorschieben, um ihre Propaganda zu verbreiten.

Ich denke, Deine Videos offenbaren ein Problem über das Du ernsthaft nachdenken solltest. Aber ich glaube auch, dass Du in dem Moment als Dein Vater Dich geschlagen hat, durchaus gespürt hast, was falsch an Homophobie in der Familie ist.

Alles Gute,

Florian K.


„Wahlkampf“: Twitter.Hetze gegen DIE LINKE – Ist Twitter noch ein freies Informationsmedium?

Wen überrascht es? Auf Twitter wird gegen DIE LINKE massiv gehetzt. Das soll das nachfolgende Bild demonstrieren (Suchbegriffe: “Linke Frankfurt”):

Hier wird die Schuld bei den Brandanschlägen im Rahmen der Blockupy-Proteste den Linken in die Schuhe geschoben – in der Hoffnung, irgendwas wird hängen bleiben. Doch trägt DIE LINKE definitiv nicht die Schuld. Aber das ist den Meinungsmachenden egal, Hauptsache man kann etwas anhängen: DIE LINKE als Sündenbock kann man so bestens diffamieren!

In diesem Sinnzusammenhang wissen wir um das Nation-Building der USA oder vielmehr um deren paramilitärische, geheimdienstliche und sonstige Organisationen. In der Ukraine gibt es derzeit nicht sehr viel zu tun; in Birma war man gescheitert, dort ist nicht mehr viel zu tun; in Syrien werden militärische Optionen genutzt. Es sind anscheinend Propaganda-Ressourcen frei…

… Und Twitter hat einen Sortier-Algorithmus (blog.twitter.com, 25. Februar 2016)!

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Gigida-Demo am 25. Januar 2015: Neben Fragida jetzt auch noch ein Pegida-Ableger in Gießen?

Di xyz-gidas sind eine Seuche, ähnlich einem NPD-Bus, der durch Deutschland tourt. Aktuell soll es am 25. Januar 2015 Gießen treffen: Die Gießener Allgemeine Zeitung schreibt im Artikel »Anti-Islam-Demonstration geplant (2014-12-23)«:

Wie die Stadt und die Polizei am Montag auf GAZ-Anfrage bestätigten, liegt für Sonntag, den 25. Januar, eine Anmeldung für eine Demonstration mit Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz vor. Auch eine Gegenveranstaltung ist bereits angemeldet worden.

Die Information stammt von der Gießener Antifa. Sie vermuten, dass die Demonstration einen rechtsextremistischen Hintergrund hat und beziehen sich auf Veröffentlichungen im Internet. Die Demonstration richtet sich »Gegen den radikalen Islam und den Terror des IS«.

Ein Stückchen weit Entwarnung dürfte zulässig sein: Laut Gießener Allgemeine Zeitung wird die Demonstration nicht in regionalen rechten Internetseiten beworben. Sie schreibt ferner, dass es in der Rechten Szene keine Bestrebungen gibt, einen Gießener Pegida-Ableger zu gründen. Schließlich wäre der Name Gigida im Internet immer noch frei verfügbar.


Euer Netz ist SCHEISSE!

Im Anschluss an die Performance vom 19.09.2014 im Lola Montez hatte ich ein Gespräch mit einem Freund, der sich die Veranstaltung angesehen hat und sie als in einem gewissen Sinne zu technikfeindlich kritisierte.

Die Veranstaltung sei nicht auf die (politischen) Chancen eingegangen, die sich durch die Vernetzung bieten würden. Beispielsweise seien Facebook & Co. auch als Werkzeuge zu sehen mit deren Hilfe sich politischer Widerstand organisieren ließe.

Ich entgegnete, dass es sich bei Facebook und ganz allgemein bei weiten Teilen des Internet um einen marktförmigen Raum handele, der damit auch marktförmige Kommunikationsformen begünstige. Die Chancen einen politischen Widerstand gegen die zunehmende Durchmarktung unseres Seins ausgerechnet in einem Medium, welches die Turbo-Ökonomisierung wie kaum etwas anderes vorantreibt, zu organisieren, beurteile ich eher pessimistisch.

Mein Freund hielt mir daraufhin entgegen, dass Märkte auch Kommunikationsorte für jene sein könnten, die dort nicht kaufen.
Tatsächlich ist ein Markt in einem sehr klassischen Sinne (z.B. als Bauernmarkt auf der Zeil) ein sozialer Raum, an dem sich Menschen begegnen, ohne zwangsläufig kaufen und verkaufen zu müssen und auch ohne sich zwangsläufig gegenseitig als Ressource oder Ware betrachten zu müssen.

Jedoch ist dem Bauernmarkt kein technischer Mechanismus eingeschrieben, der dafür sorgt, dass in erster Linie der gehört wird, der den gerade aktuellen aufmerksamkeitsökonomischen Standards entspricht. Anders hingegen verhält es sich im Netz, in dem Suchmaschinenpositionierungen zu einem guten Teil darüber bestimmen, welche Botschaften überhaupt noch wahrgenommen werden.
Nicht umsonst ist „search engine optimization“ (kurz SEO) inzwischen ein Wachstumsmarkt und Agenturen, die es als professionelle Dienstleistung anbieten, Texte auf größtmögliche Suchmaschinengängigkeit zu trimmen, schießen wie Pilze aus dem Boden.
Hier also formen Marktmechanismen ganz plastisch, greifbar und direkt unsere Kommunikation und unser Denken. Man schreibt so, dass es die Maschine zufriedenstellt und wer anders schreibt, der wird eben nicht gehört.
Diese Form der Zensur ist allumfassender, als es eine Zensur mittels diktatorischen Zwanges jemals sein könnte, da sie sich nicht einmal wie Zwang anfühlt, sondern den vorauseilenden Gehorsam fast als etwas Lustvolles empfinden lässt und als etwas, das jene auszeichnet, die “up-to-date” sind.
Sie lässt die zensierten Informationen einfach weiterbestehen und beraubt sie lediglich ihrer Relevanz.
Jeder kann jederzeit eine kommunistische, anarchistische, sozialdemokratische, feministische, christliche, reaktionäre, radikalökologische, verschwörungstheoretische oder sonstwelche Plattform im Internet eröffnen. Who cares?
Ein paar Terabyte „politischen Gebrabbels“ mehr oder weniger schaden dem System nicht ernstlich.

Wenn sich dann aber doch einmal eine politische Idee durch das Dröhnen der Werbetrommeln, das Gekreische der Spinner, den omnipräsenten Spam, das Meer von Katzenbildern und persönlichen Erlebnisberichten hindurch Gehör verschaffen will, muss sie sich zuvor auf Konsensfähigkeit eindampfen lassen, es sei denn die politische Idee hätte die schlagkräftige PsyOps-Abteilung einer Regierung oder eines Konzerns hinter sich, die sich Suchmaschinenplatzierungen, wohlwollende Kommentare, Likes und Klicks einfach kaufen, sowie Verbreitungskanäle für diese Idee professionell aufziehen und etablieren kann.
Konsensfähig in diesem Sinne sind vor allem kurzfristige Appelle an Befindlichkeiten, die wenig Reflexion erfordern: „Wir schütten uns Eiswasser über den Kopf um Kranken zu helfen“ oder „wir jagen den Kriegsverbrecher Kony von unserem heimischen Schreibtisch aus“.

Die heutige Netzwelt schafft es, selbst ehrenwerte humanitäre und soziale Gedanken in vollverblödete Zerrbilder ihrer selbst zu transformieren.

Ebenso verhält es sich mit politischer Diskussionskultur. Viele namhafte Zeitungen beklagen inzwischen den veränderten Tonfall der Leserzuschriften, insbesondere auf ihren Onlinepräsenzen.
Dieses Phänomen ist übrigens, anders als oftmals vermutet wird, beileibe nicht nur der scheinbaren Anonymität des Netzes geschuldet.
Zuschriften, die mit „IHR MAINSTREAMPRESSE PROPAGANDAFICKER!!!!!1!!“ getitelt sind, werden von vielen Personen unter ihren Klarnamen verfasst.

Der Tonfall aggressiver Erregung hat sich inzwischen von den kleinen Stammtischen der Eckkneipen an den großen weltweiten Stammtisch verlagert.
Dass dies kein Zufall ist, sollte langsam klarwerden.
Stammtischparolen waren schon immer marktgängig und dass sie dort, wo marktgängige Kommunikation allgemeiner Modus ist, besonders aufblühen, verwundert nicht.
Nicht umsonst war Deutschlands erfolgreichste „Tageszeitung“ (ich denke alle wissen, welche gemeint ist) so ziemlich das einzige Printmedium, das bisher noch vergleichsweise unbeschadet aus der allgemeinen Digitalisierung hervorgegangen ist, wobei es allerdings auch dort inzwischen bergab geht.

Hier findet sich aber wohl doch zumindest eine gewisse Parallele vom digitalen Markt zum klassischen Marktplatz: Marktschreierei lockt den Kunden nach wie vor.

Dennoch hinkt der Vergleich extrem.
Der Bauernmarkt hat nicht die Angewohnheit jede einzelne Handlung bis hin zum unbedeutendsten Fingerzeig zu katalogisieren, auszuwerten und versucht erst recht nicht, jeden unserer zukünftigen Fingerzeige zu prognostizieren.
Die Algorithmen der digitalen Welt hingegen tun dies ständig und unablässig, quasi in Echtzeit.
Dabei sind sie für uns als Personen weder greif- noch begreifbar. Die Algorithmen von Google, Facebook und den großen Finanzinstituten zählen wohl zu den bestgehüteten Geheimnissen, die es außerhalb von Geheimdiensten und Regierungen überhaupt gibt.
Diese Algorithmen kann man durchaus als sich selbst potenzierendes Herrschaftswissen bezeichnen, denn einerseits sind sie selbst Herrschaftswissen, andererseits liegt ihre Hauptaufgabe darin, unablässig neues Herrschaftswissen zu generieren.

Viele Netzapologeten halten dem nun entgegen, dass das Netz helfen könne Herrschaftswissen aufzudecken und zu demaskieren, so wie es Edward Snowden oder Julian Assange getan haben.
Doch hier greift wieder der bereits erwähnte Zensurmechanismus der digitalen Gesellschaft, nämlich die Informationen nicht zu vernichten, sondern schlicht auf wundersame Weise irrelevant werden zu lassen.

Denn welche realpolitischen Auswirkungen hatten denn die ungeheuerlichen Enthüllungen von Edward Snowden bis jetzt?
Die Bundesregierung produzierte heiße Luft in einem so moderaten Umfang, dass sie sich sicher sein konnte, unseren amerikanischen Verbündeten damit keinesfalls auf den Schlips zu treten. Die Opposition fand das doof und hätte sich da schon etwas mehr heiße Luft gewünscht. Die Bevölkerung bedruckte T-Shirts und klebte Sticker mit Snowdens Konterfei und forderte, dass ihm Asyl zu gewähren sei, was gegen globale Überwachung ungefähr so wirksam ist, wie ein Video in dem man sich Eiswasser über den Kopf schüttet, gegen ein unheilbares Nervenleiden. Tatsächlich wäre Snowden auch bekloppt, wenn er ein Asyl in Deutschland annehmen würde, denn hier hätte ihn die CIA schneller am Wickel, als er „oh shit“ sagen könnte.
Meint denn irgendwer ernsthaft, die CIA würde bei einem solchen Zugriff irgendwelche Rücksichten auf deutsche Befindlichkeiten nehmen?
Ich muss sagen, dass ich die Forderung nach Asyl für Snowden als derart unsinnig und an allen Realitäten vorbeigehend empfinde, dass ich mich offen dazu bekenne, solche Sticker schon aus Wut abgerissen zu haben.
Die Stickeraktionen mit „Asyl für Snowden“ halte ich geradezu für ein Paradebeispiel dafür, wie die grenzenlose Impotenz digitalen politischen Widerstandes sogar in die verbliebenen Reste realer politischer Widerständigkeit hineinmetastasiert.

Wenn man die Möglichkeiten des Netzes sich gegen Herrschaft aufzulehnen in die Waagschale wirft gegen die Möglichkeiten der Herrschaft, die im Netz bereits jetzt implementiert sind, so erscheint das dystopische Szenario eines digitalen Faschismus weitaus wahrscheinlicher, als das utopische Szenario einer digitalen Demokratie.

Was also kann man tun?

Ich selbst sehe es ein, dass dieser Text hier auch irgendwie eine pathetische Geste ist. Ich bin der Mann, der sich auf den Marktplatz stellt und laut schreit, „Euer Markt ist Scheiße!“, für eine Weile den Don Quijote mimt und am Ende an einen Marktstand geht, um noch ein paar Eier und eine Kohlrübe für daheim zu kaufen.

Aber wenn es mir gelungen ist, hier ein paar Illusionen, zumindest bei den Wenigen, die dies lesen, zu zertrümmern, dann habe ich wenigstens etwas erreicht.

Und tatsächlich gibt es auch Widerstandspotentiale gegen die Durchdigitalisierung unserer Lebenswelt. Google Street View beispielsweise konnte ein überwiegend analoger (und nicht digitaler), klassisch-politischer Protest ein ordentliches Schnippchen schlagen.
Der Jurastudent Max Schrems konnte mit Datenschutz-Klagen vor ganz analogen Gerichten den mächtigen Facebook-Konzern das Fürchten lehren und der gute alte rustikal-analoge Faustschlag kann noch immer treffsicher die Google-Brille aus dem Gesicht des netzaffinen Schlaumeiers fegen.
So viel Macht haben wir noch.

Und da ich mir vorgenommen habe, in künftigen Artikeln häufiger mal auf jegliche Formen ironischen Augenzwinkerns zu verzichten und mehr agitative Propaganda zu betreiben, möchte ich hier mit ein paar Appellen schließen.

Kauft keine Smartphones!
Nutzt Facebook nicht unter Eurem richtigen Namen!
Stellt keine Informationen in irgendwelche Clouds!
Boykottiert Google-Glasses und Smarthomes!
Glaubt nicht an digitale Demokratien, digitale Revolutionen oder digitalen Aktivismus!


V wie Vendetta- Prototyp einer anarchofaschistischen “Freiheitsrede”

Zugegeben der Film V for Vendetta, der 2006 erschien ist inzwischen eigentlich schon kalter Kaffee. Dass der Film aber immer noch wirkmächtig ist, zeigt sich darin, dass er ein Symbol geschaffen hat, welches aus der heutigen Internetkultur kaum mehr wegzudenken ist: Die Guy-Fawkes-Maske.
Auch die Fernsehansprache des Protagonisten V aus dem Film erfreut sich nach wie vor größter Popularität und wird fleißig von allen möglichen Leuten geteilt, seien es Occupy-Aktivisten, Truther, Reichsdeutsche, Anarchokapitalisten, linke Liedermacher, politisch interessierte Jugendliche, Anonymous-Anhänger u.v.m.

Man kann die Unzahl der Leute unmöglich in eine Schublade stecken und mit dem Etikett „Faschisten“ versehen, auch wenn mir scheint, dass Inhalte der Rede an den kleinen Fascho, der wenn vielleicht nicht in allen von uns, so doch in vielen von uns schlummert, appellieren.
Und so manche der Leute, die heute im Netz oder auf Mahnwachen laut „ERWACHET!“ schreien, meinen damit nicht unseren denkenden Verstand, sondern genau den in uns schlummernden kleinen Fascho, der sich ärgert, dass er wegen der „böööösen Zensur“ durch die „allgegenwärtige political correctness“ nicht raus darf.

Aber lesen wir uns doch einmal den Text der Rede in der deutschen Fassung durch:

Guten Abend London,

Erlauben Sie mir zunächst, mich für die Unterbrechung zu entschuldigen. Wie viele von Ihnen schätze auch ich die Annehmlichkeiten des geregelten Alltags, die Sicherheit des liebgewordenen, täglich wiederkehrenden Einerleis. Ich genieße das ebenso sehr wie jeder andere Mensch.
Aber anlässlich eines Gedenktages, an dem bedeutende Ereignisse aus der Vergangenheit, für gewöhnlich der Tod einer Berühmtheit oder das Ende eines grässlich blutigen Krieges mit einem hübschen Feiertag begangen werden, dachte ich mir, dass wir diesen fünften November, ein Tag – dessen heute leider nichtmehr gedacht wird – erinnerungswürdig machen. Indem wir den Alltag vergessen und ein wenig plaudern.

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Netzaffine Montagsquerfront

Zunächst einmal möchte ich vorwegstellen, dass es in diesem Artikel nicht um die Veranstalter und Hauptredner der Montagsdemonstrationen gehen soll.
Über diese haben Jutta Ditfurth, Volkhard Mosler aber auch Volker Koehnen bereits genug geschrieben und deren Statements schließe ich mich in vielen Punkten an.

Was mich in diesem Artikel interessieren soll, ist die Frage, was die ganzen bisher Unpolitischen, die einfachen Teilnehmer, die Interessierten und Neugierigen dort machen.
Warum hören sich die Teilnehmer der Montagsdemos rechte Parolen an und können diese entweder nicht erkennen oder solidarisieren sich sogar in einem Anfall von diffusem Wir-Gefühl mit den Sprechern? Warum befinden sich auch klar linksorientierte politische Aktivisten in dieser Bewegung und drücken in Bezug auf die geradezu haarsträubenden Verschwörungstheorien, die dort verbreitet werden, mal so eben „beide Hühneraugen zu“?

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Das Internet und die Illusion von Freiheit und Öffentlichkeit

Lange schien es unter der Netzgemeinde ausgemacht, dass das Internet dem Wesen nach basisdemokratisch ist und ein Mittel zur Befreiung der Menschheit in eine offenere und glücklichere Zukunft darstellen könnte. „Freier Meinungsaustausch im globalen Maßstab“ hieß die Vision in die man gewaltige Hoffnungen setzte. Jeder sollte mit jedem kommunizieren können. Jeder sollte die Möglichkeit haben, seine Auffassungen mit anderen zu teilen und zu diskutieren, auf dass aus dem freien Diskurs im bestgemeinten liberalen Sinne eine glücklichere Welt entstünde.
Dieses Bild hat inzwischen auch unter dem Eindruck der totalen Überwachung im Rahmen der NSA-Affäre einige Löcher bekommen.

Netzapologeten wie Sascha Lobo räumten inzwischen ein, sich Illusionen hingegeben zu haben und revidierten einige ihrer allzu enthusiastischen Statements aus den Gründerzeiten des Internet.
Dennoch bleibt der Irrglaube daran, dass das Netz eine freie Öffentlichkeit darstelle, weiterhin in den Köpfen bestehen.

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Offenbach, 12. Mai 2014 – Spektakulärer Termin: Arbeitsgericht lädt Bürgermeister und Null-Euro-Jobber vor

Privat-Communiqué von Triwoko Karmino Die Offenbach-Post hatte es zum „Tag der Arbeit“ am 1./2.Mai 2014 auf Seite 1 aufgemacht: Das Ehrenamt, das Arbeit verdrängen könnte. Keine Frage der Ehre, sondern eine für das Arbeitsgericht ist nun ein Fall vom Haus Falltorweg in Dreieich-Buchschlag. Triwoko Karmino klagt nun gegen die Stadt Dreieich. Der deutsch-indonesische Kläger trägt [...]

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Dein Web-Device: nichts als eine Marionette

Während die phantasieloseren und ängstlichen unter uns, mithin die meisten, bei Berichten über neue technologische Vorhaben in der digitalen Welt die Ohren weiter auf Durchgang halten oder darüber wie von “Science Fiction” träumen, veröffentlichte Jacob Applebaum auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs ein paar weitere Zusammenhänge der Herrschaft via Internet. Es geht in seinem [...]

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Wie kann man sich gegen Google Glasses wehren?

Stell Dir bitte einmal vor, lieber Leser, Du säßest nichtsahnend in der U-Bahn wenn plötzlich ein Kamera-Team Deinen Waggon betrifft.
Stell Dir vor, ein Mitglied dieses Teams fängt an, vor Dir ein Kamerastativ aufzubauen und eine riesige Filmkamera auf Dich zu richten, während ein Anderer Dir einen Tongalgen über den Kopf hängt.
Wahrscheinlich würdest Du empört fragen, was das soll und wenn das Kamerateam Dir darauf keine befriedigende Antwort gäbe, würdest Du es wahrscheinlich ausdrücklich untersagen, dass Filmaufnahmen von Dir angefertigt werden.

Stell Dir nun vor, vor Dir säße ein Smartphoneuser, der sein Smartphone konsequent auf Dich gerichtet hält.
Nach einer Zeit bemerktest Du, dass nicht seine WhatsApp checkt, sondern Dich filmt.
Gewiss fändest Du das befremdlich.
Vielleicht würdest Du, je nach Temperament und Stimmungslage, ihn zur Rede stellen, Dich wegsetzen oder ihm vielleicht sogar drohen, wenn er nicht aufhört, Dich penetrant zu filmen.

Selbst wenn Du nichts Anstößiges tun wolltest, so gäbe es Dir trotzdem ein unangenehmes Gefühl, in Deinen Alltag von Unbekannten gefilmt zu werden.

Gefilmt werden von Unbekannten wird aber immer mehr zur alltäglichen Realität. Der Wahn, alles und jeden permanent zu filmen, greift nicht nur unter Staaten und Sicherheitsbehörden um sich, sondern auch in einem erschreckenden Maße unter Privatleuten.
Dies ist inzwischen auch allgemein bekannt und trotz der theoretischen Gefahren, die es bietet, stört es (bisher) im Alltag erstaunlich wenig.
Meist sind die Aufnahmen ja tatsächlich wertlos und zeigen alltägliche Belanglosigkeiten. Es interessiert die NSA nicht, zu sehen, wie ich in der U-Bahn sitze und ein Buch lese.
Wahrscheinlich haben die das sogar irgendwo auf Video in einer digitalen Schublade herumgammeln, ohne dass mir davon nun eine konkrete Gefahr drohte.
Es ist nicht die Gefahr der Verfolgung durch einen Überwachungsstaat, die wir am meisten fürchten müssten (auch wenn der Überwachungsstaat eine sehr reale Gefahr ist), sondern eine viel umfassendere, universellere Bedrohung.

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+++ Breaking News +++ Deklassifizierten NSA-Unterlagen +++

Endlich! Die Debatte um PRISM/TEMPORA kann als erschöpft gelten, wie Pofalla und andere Politiker uns mit Freude beruhigen, nachdem sie die “deklassifizierten” Unterlagen von NSA bekamen und untersuchten. Amerikanische und Britische Geheimdienste halten sich an Europäischen Gesetzen, kein Grund zur Panik, alles kann weiter gehen. Wie der parlamentarischer Geschäftsführer von SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, vorgestern twitterte, [...]

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August 2013: Medien werden kurzsichtiger

Die Einführung des neuen “Leistungsschutzrechts” zum 1. August verengt das Web wieder ein Stück weiter. Während zu Beginn der Internet-Ära Träume unabhängiger Öffentlichkeiten die Diskussion über Medien belebte und die freien Präsentation vieler neuer Konzepte hinter der nächsten Tür vermutet wurde, sieht die Realität 20 jahre später ganz anders aus. Die digitalen Medien erlangten tatsächlich [...]

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Wir prüfen die Angelegenheit

span style=”color: #000000;”>”Facebook prüft die Angelegenheit“. Äusserungen dieser Art kennen wir aus Militärkommandos rund um die Welt, von Google über ihre China-Geschäfte oder der Bundesregierung zum Abhören der ganzen Bevölkerung Deutschlands.

Anlass zu dieser militärischen Verlautbarung des Web-Konzerns ist die Sperrung eines politischen Eintrags in ihrem “Social-Media”, der zu einer Demonstration gegen die komplette digitale Verwanzung der Lebenswelt aufrief. Wer meint, dass Facebook daran ausser geschäfts-politischen Anweisungen irgend etwas zu prüfen hätte bedenke, dass deren Firmenkonzept und Technologie genau darin besteht, die kleinste digitale Verbindung automatisch zu bewerten. Sprich, sie wissen bestens Bescheid darüber, was ich die letzten Tage zu meiner Bekannten Charlie über Fischstäbchen von mir gab. So werden sie denn auch bestens wissen, was mit dieser Site mit Tausenden von Links auf ihren eigenen Servern passierte. Für wie blöd hält diese Web-Bagage uns eigentlich?

Deutlicher als bisher wird durch diesen digital-politischen Abschaltakt, um was es beim Walten und Schalten, beim Geschwätz um “Sicherheit” und die “Freiheit der Bürger” tatsächlich geht. Wir lernen, dass es einen globalen digitalen Geschäftskomplex gibt, für den wir selbst das Spielgeld sind. Und dieser Komplex pendelt in seinen Aktivitäten zwischen Medien, Märkten und Militärs, sucht für fixe Knete nach allem Denkbaren, gibt dafür alles preis, und zwar an jede Institution weltweit, die genügend Einfluß oder Geld besitzt. In diesem Sinne sind globale IT-Konzerne nichts als Info-Prostituierte.

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Absurditäten: Google und das Wort “Jude”

Aktuell und vor allem wegen Bettina Wulff ist die Autovervollständigungsfunktion von Google derzeit in aller Munde.
Nach Googles eigener Auskunft basiert die Autovervollständigung von Google auf den tatsächlichen Suchbegriffen der User. Wenn also nur genug User nach den Begriffen „Bettina Wulff Prostituierte“ suchen, spuckt die Autovervollständigung diesen Begriff irgendwann auch als vorgeschlagenen Suchbegriff aus.
So weit dürfte das jetzt einem aufmerksamen Zeitungsleser nichts Neues sein.
Allgemein bekannt ist auch, dass Google sich vorbehält bestimmte Suchbegriffe auszufiltern, wenn sie beleidigend, rassistisch, pornographisch u.s.w. sind.
Wenn ich die Buchstaben „Nigg“ eingebe, so vervollständigt Google zu „Niggemeier“, „Niggemann“, „Niggeloh“ und „Niggemeyer“. Wenn ich „Fot“ eingebe, so kommen zum Beispiel „Fotomac“ und „Fotobuch“, wenn ich dann allerdings „Fotz“ daraus mache, so werden keine Suchbegriffe mehr angeboten. Ähnliches trifft auf die Buchstabenkombination „Arsc“ zu.
Irgendwie ist das ja auch nachvollziehbar.

Doch seit wann ist das Wort „Jude“ denn anstößig?

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Leistungsschutzrecht. Der feine Unterschied.

LeistungsschutzrechtMerzmensch

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Blockade deutscher Web-Zeitung nach israelkritischem Beitrag

Die linksgerichtete “Neue Rheinische Zeitung” wurde nach der Veröffentlichung eines israel-kritischen Artikels am Freitag 23. März derart sabotiert, dass sie überhaupt nicht mehr erscheinen kann. Der Server des Web-Blattes wird vermutlich durch Sympathisanten der Politik des Staates Israel blockiert: das NRhZ-Portal kann immer noch nicht erreicht werden. Der Herausgeber vermutet den Anlass in einem Artikel [...]

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Jingjing fucks Chacha- A rule34 on chinese censorship

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Die zwei Comicfiguren Jingjing und Chacha stehen für die chinesische Zensur. Sie erscheinen immer dort, wo man von China aus eine Internetseite aufrufen will, die das chinesische Regime vor seiner Bevölkerung verbergen möchte.
Politisch missliebige Inhalte, aber auch Pornographie werden von ihren strengen Argusaugen aufgespürt.
Doch wie so oft praktizieren die strengsten Moralisten und die härtesten Zensoren die größte Doppelmoral. Während Jingjing und Chacha ihren Landsleuten jegliche Pornographie verbieten, praktizieren sie selbst den allergeilsten Pornosex, wann immer sie sich unbeobachtet fühlen.
Was für versaute Früchtchen unsere beiden braven Polizisten in Wirklichkeit sind, wird die folgende Geschichte zeigen, die außerdem der vielleicht erste Zensurporno der Welt ist.
Als Hinweis an alle empfindsamen Linken, die unsere FGZ lesen, möchte ich darauf hinweisen, dass die folgende Geschichte pornographische Inhalte enthält und bestimmt auch irgendwie sexistisch ist. Ich möchte hiermit betonen, dass ich gegen Sexismus bin.
Allerdings erschien mir die Vorstellung, dass zwei Figuren, die symbolisch für Unterdrückung stehen, unsexistischen und gleichberechtigten Sex haben könnten, irgendwie obszön.

Auf den Jugendschutz achte ich natürlich genauso wirksam wie alle anderen Pornoseiten.
Wer ab diesem Punkt weiterliest bestätigt damit, dass er über 18 ist. Jüngere Personen klicken stattdessen diesen Link.

Wobei… eigentlich ist dies hier ja gar kein Porno, sondern politische Satire, also Kunst.
Wer jetzt schon fröhlich drauflosmasturbieren wollte, dem muss ich deshalb sagen Hände aus dem Schritt!

Nach Auffassung des Sonderausschusses des Bundestags für die Strafrechtsreform sind Schriften, Ton- und Bildträger dann als pornografisch einzustufen, wenn sie „zum Ausdruck bringen, daß sie ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung eines sexuellen Reizes bei dem Betrachter abzielen und dabei die im Einklang mit allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstandes eindeutig überschreiten“ ( BT-Drs. VI/3521 S. 60)

Und das ist hier ja nicht der Fall. Also Ball flach halten und viel Spaß bei der Story Ihr Jugendschützer:

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ACTA: Kampf gegen Kommunikations- und Ideenfreiheit

Das internationale Handelsabkommen “ACTA” bietet eine Gesetzesvorlage für die Einschränkung des Datentransfers im Internet, der sogenannten “Inhaber” sogenannter “Rechte” schützen soll, deren angebliche “geistige Eigentümer” oder “Urheber” sie sind. ACTA würde eine weitreichende Zensur durchsetzen, die wie die Lizenz zur Erpressung der Bürger wirkt. Ein Video erklärt die Zusammenhänge und Folgen.

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Politische Öffentlichkeit im Web: eine Sache der Konsumenten und Konzerne

Wir haben uns daran gewöhnt, dass Revolutionen in der westlichen Welt von Firmen ausgerufen werden, sie scheinen die einzigen zu sein, die dazu heute noch effektiv in der Lage sind. Die erfolgreichsten kamen von Apple, dem beliebten Laden für Ich-Design. Apple meint als erfolgreichste Company der Welt gerade, es wäre schon wieder soweit. Es geht diesmal um Bildung, Wissen um das Lesen, die Produktion schriftlichen Materials für und durch alle. Apples Produkt: du kannst Bücher mit einer smarten Software fix als Selbstverlag herstellen. Selbstproduzierte Bücher sollen nach Maßgabe der IT-Profitmaschine aus den USA schon in Kürze das Schulwesen prägen, dann uns alle. Das klingt toll, hat aber einen kleinen Haken, denn es geht für die Schüler nur über den Apple-Shop, respektive mit Verwendung eines iPads. Das nennt man großes Productplacement und frühe Kundenbindung, wer es sich denn leisten kann.

Eine Facette im globalen Geschehen, denn die Persönlichkeit wird sowieso zunehmend im Web erzogen. Solche Sozialisation gilt nicht nur in der Pflicht, sondern auch bei den spontanen Äusserungen: beeindruckend, wie weit sie heute tragen, aber mit ihnen baut sich das Selbst im Modus von Facebook auf. In Kürze bin ich als öffentliches Web-Tagebuch erfahrbar, zu rastern, von Crawlern nach passenden Japsern auszuspähen. Die Folgen sind absehbar: ich werde mich diesen Bedingungen zunehmend anpassen, nicht explizit, aber mit einer bestimmten Art von Vorsicht, damit mir niemand von irgendwoher etwas kann, irgendwann.

User Content

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Zoophilenhatz im Internet

Zoophiliepic

Das erste Mal in meinem Leben sah ich einen Zoophilieporno bei einem Kumpel, der dem Archteyp des bong-kettenrauchenden Otaku-Slackers entsprach und dessen höhlenartige Junggesellenbude zwischen Klamotten und Manga-Heften nur einen schmalen Korridor zum extrabreiten Fernsehbildschirm und zur Couch ließ. Er hatte den Film damals irgendwo auf einer alten VHS-Kassette gefunden.

Wir schauten ihn uns mit mehreren Freunden an, wobei die Reaktionen sehr verschieden waren. Während einigen davon schlecht wurde und sie es überhaupt nicht ertragen konnten, reagierte ich mehr mit Belustigung auf die unbeholfenen Bemühungen der Darsteller, die offensichtlich inkompatiblen anatomischen Gegebenheiten im wahrsten Sinne des Wortes zur „Deckung“ zu bringen.
Der erfolglose Versuch einer der Darstellerinnen es der russischen Zarin Katharina der Großen gleichzutun (also Geschlechtsverkehr mit einem Hengst zu haben) endete darin, dass sie ihn mit Hilfe einer Plastiktüte befriedigte. Hätte sie sich das Ergebnis ihres Bemühens nicht danach über den Kopf gekippt, hätte man das Ganze in diesem Moment leicht für ein veterinärmedizinisches Lehrvideo über die Samengewinnung bei Zuchthengsten halten können.
Naja… erregt hatte der Film allerhöchstens meine Lachmuskeln und ich glaube ganz ehrlich, dass Tiere zum Essen und nicht zum Vögeln da sind.
Aber es gibt wohl auch Menschen die darauf stehen… was soll´s?

Im Internet und insbesondere auf Facebook hat nun allerdings eine unheilige Allianz aus radikalen Tierrechtlern, Neonazis und empörten „Normalbürgern“ der Zoophilie den Kampf angesagt und sich dabei als Primärziel den Verein ZETA e.V. (Zoophiles Engagement für Toleranz und Aufklärung) herausgepickt.

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Occupy Germany! Der Tag aus Bloggersicht

15. Oktober 2011, ein Tag, den man sich merken sollte. Erstmals gingen in der ganzen Welt, in über 900 Städten, Menschen gegen das aus dem Ruder gelaufene Finanzsystem und für mehr demokratische Partizipation auf die Strasse. Auch in Deutschland gab es in vielen Städten Veranstaltungen und ein paar Blogger haben sich zusammengetan, um ein kleines [...]

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“No more ISlave”: Steve Jobs ist tot.

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Steve Jobs Herz hat aufgehört zu schlagen und die Netzgemeinde badet in einem Meer virtueller Tränen. Auf facebook wird eine hour of silence in all social media networks ausgerufen: eine ganze Stunde lang KEIN Facebook & Co. , um seiner zu gedenken. Das ist wahre Selbstkasteiung. In so einer Stunde kommen einem komische Gedanken: z.B., dass Steve Jobs einfach so an Krebs stirbt, während die Arbeiter der chinesischen Firma Foxconn, in der Apple und Co für ein Appel und ein Ei produzieren lassen, Erklärungen unterschreiben mussten, dass sie trotz der mieser Arbeitsbedingungen keinen Selbstmord begehen. 13 Selbstmorde und 4 Selbstmordversuche von Arbeitern waren dem 2010 vorangegangen. Dann wurde eine Psychologenhotline eingerichtet und die Löhne leicht über den gesetzlichen Mindestlohn angehoben. Apple lobte daraufhin dass Untrernehmen. Viel geändert hat sich aber offenbar nicht: Bei der Eröffnung der neuen Appleläden in Honkong protestierte die Initiative Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (Sacom) gegen die Arbeitsbedingungen bei Foxconn unter dem Slogan: “No more ISlave” und präsentierte eine Studie mit brisanten Einzelheiten.

Während ihrer zehnstündigen Schicht haben die Arbeiter keine Stühle, auf die sie sich setzen können. Machen Sie einen Fehler bei der Produktion müssen sie eine Selbstkritik schreiben, die mit ihrem Foto zur Warnung der Anderen öffentlich ausgehängt wird. Wenn die Arbeiter nicht funktionieren, droht das Management, sie durch Roboter zu

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Demonstration: ‘No MonoPress!’

Die Piratenpartei Frankfurt ruft zur Demonstration gegen das Leistungsschutzrecht für Presseverleger zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse auf ! Der Termin ist am Mittwoch,  12.10.11 um 9:00 Uhr vor dem Haupteingang der Messe Frankfurt. Um was geht es: Die Zeitungsverlage wollen eine Art GEMA ins Leben rufen um ihre Märkte im Netz zu verteidigen. Zunächst soll [...]

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Netz für alle 2011

Tja ok, es ist mal wieder in Berlin, aber vielleicht trotzdem ganz interessant für Web-Politische: Am Samstag, dem 3. September richtet die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Linken die Netz-Konferenz “Netz für alle” im Berliner Bethaus aus. Die Referentenliste ist ziemlich interessant, darunter finden sich zum Beispiel  der Netz-Theoretiker Rainer Fischbach, Constanze Kurz von Chaos [...]

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Zum Absturz politischer Hacker-Illusionen

Einige Autoren der FGZ haben nie einen Hehl aus ihrer Reserviertheit gegenüber Techno-Utopien, speziell in Gestalt des WWW gemacht – und zwar noch auf dem Hintergrund, dass sie selbst professionell mit IT beschäftigt sind. Leider hat dieser Vorbehalt am Wochenende neue Nahrung bekommen, und zwar durch eine gesellschaftliche Unterminierung ihres Tuns von den Utopisten selbst. [...]

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Ich bin´s wieder! Euer Facebook

Liebe Freunde: Hier bin ich wieder, Euer freundliches Social-Network, besser bekannt als Facebook. Zunächst einmal möchte ich mich für Euer aller Vertrauen bedanken und vor allem dafür, dass Ihr mir so fleißig Eure Telefonnummern gegeben habt. Das gefällt mir! Ist es nicht praktisch, dass ihr dank Übermittlung Eurer Telefondaten nun immer die Möglichkeit habt, überall [...]

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Stadt und Web – schrägere Allianzen

Das Web revolutioniert uns und unsere Umwelt: vom globalen Data-Highway, über den Stadtknoten durch die Straßen bis an den eigenen Schreibtisch.
Das Draußen der Stadt sieht man jetzt auch vom Notebook aus: besonders lieb gewonnen haben wir die Karten, Googles große Übersichten. “Map” und “Earth” heißen sie, Adressen und die schnellsten Routen bieten sie, plus schöne Photos, Geschäfte und Restaurants, wichtige Sehenswürdigkeiten und passende Reise-Tours, mit einem Blick wie im Landeanflug. Wichtiger Clou am feinen Service: in all dem Kartenwerk verstecken sich Hinweismarken zu netten Netz-Portalen, mit Angeboten für den Webuser – all over Frankfurt.

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Aber wie sieht das, was wir in den Karten sehen, “wirklich” aus? „ Street View“ heißt Googles Antwort darauf: damit sehen wir nicht nur Fotos von weit oben, sondern können auf Sichtweite durch Straßen fahren, virtuelle Spaziergänge machen. Ein Ökotraum, kein Spritverbrauch, rein virtueller Urlaub.
“Street View” ergänzt die städtische Infobasis, man sieht bereits vorher den Eingang zum Rathaus oder zur Arbeitsagentur, muss nicht verstört in den Straßen umherirren und sich fragen: wo steht bloß die Hausnummer? Oder virtuelles Sightseeing und Shopping als Marketingmaßnahme: ich sehe die Lage des Hotels vor der Buchung, der angebotenen Eigentumswohnung vor der Besichtigung, die Einfahrt zur Shoppingmall vorm Besuch. Städtewerbung per Web verheißt “mehr Sicherheit, mehr Kundennähe”.

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Wider den “Zeitgeist”

Irgendwann habe ich einmal auf Youtube die Filme „Zeitgeist“ und „Zeitgeist: Addendum“ gesehen. Ich fand sie damals nicht besonders gut gemacht und steckte sie in eine geistige Schublade mit Chemtrail-Hypothesen oder der Idee, das britische Königshaus sei unterwandert von einer reptiloiden Alienspezies.

In den letzten Wochen wurde ich allerdings so oft in Gesprächen mit „Zeitgeist“ und dem sogenannten „Zeitgeist-Movement konfrontiert, dass ich beschlossen habe, mich eingehender mit der Thematik zu beschäftigen, zumal das Thema in den klassischen Leitmedien kaum präsent ist, ganz offensichtlich aber zumindest im Netz eine große Fangemeinde finden konnte.
Die neueste Produktion „Zeitgeist: Moving Forward“ brachte es zum heutigen Datum bereits auf 7.434.352 Klicks.
The Zeitgeist Movement“ gefällt auf Facebook immerhin 316.918 Personen.

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Ein paar betrunkene Jugendliche mit denen ich neulich auf einem Spielplatz unterhielt, waren sogar der Überzeugung „Zeitgeist“ zeige die Lösung für alle politischen und wirtschaftlichen Probleme auf und die Begriffe „links“ und „rechts“, sowie die Politik selbst, wären dank der Erkenntnisse von „Zeitgeist“ bald völlig obsolet.
Naja… sie waren jung und betrunken, trotzdem interessierte es mich und ich begann zu recherchieren.

Was also ist „Zeitgeist“?

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Willkommen bei Facebook

Hallo lieber neuer Freund,

Ich bin es: Dein Facebook.

Ich freue mich riesig, dass wir jetzt Freunde sind und Du, meine Werbepartner und ich werden ab jetzt gemeinsam eine Menge Spaß haben.
Zunächst einmal danke ich Dir, dass Du so ehrlich warst, hier Deinen vollständigen Namen und ein biometrisches Foto von Dir hochzustellen. Das gefällt mir.
Schließlich wollen alle Deine neuen Freunde ja wissen mit wem sie es da zu tun haben.

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Gemeinsinn der Leaks ?

Felix Stadler bietet als Züricher Medien- und Kulturtheoretiker bisweilen überraschende Einsichten, die über den gewöhnlichen Kanon der kulturellen Web-Analyse hinausreichen. Das betrifft besonders einen neuen Text, der sich mit den Kontexten von Wikileaks und von Restrukurierungen gesellschaftlicher Öffentlichkeit beschäftigt. Der Artikel wurde bei Eurozine veröffentlicht und kann hier nachgelesen werden.
it-professioneller Bemerkenswert scheint mir dabei die Rolle von undichten Stellen (leaks) in Organisationen zu sein, die Stadler als fundiert in systemischen Problemen diagnostiziert. Was meint das? Das herrschende Modell der Beteiligung von Angestellten, Freiberuflern oder Werkverträglern in professionellen Organisationen steht seit 2 Jahrzehnten unter dem Ideal einer völligen Flexibilität der Engagierten. Unsere engagierenden Institutionen halten diese Verpflichtungsfreiheit für sich selbst besonders hoch, d. h. es gibt keinerlei Loyalität mit Mitarbeitern: der Markt regiert die Handlungen von Firmen wie Administrationen, und zwar auch die gegenüber dem eigenen Stab, dem eigenen Projektteam. Der Job der meisten steht immer auf Kante.

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Ein Streifzug durch die Ruinen des sagenhaften Utopia

Vor ein paar Jahren war „Second“ Life der Medienhype schlechthin, auch wenn ich bis heute niemanden persönlich kenne, der es einmal ausprobiert hat. Danach wurde es allerorten totgesagt, wobei sich immer wieder Fans zu Wort meldeten, die sich vehement gegen die Behauptung wehrten, „Second Life“ sei zur virtuellen Geisterstadt verkommen.

Als ich mich neulich wieder auf meinem Kreuzzug gegen die Ordnung und die scheinbar heile Welt (Zitat von den Hosen) durch die Weiten des Internets bewegte, beschloss ich, den Ruinen von „Second Life“ einmal einen Besuch abzustatten.

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Die Hardware hinterm Web

Da ja “Lehr-Videos” über unintendierte Effekte unseres Tuns ein bißchen in sind, und in der letzten Zeit in der FGZ so wenig Artikel zum Web, Netz und den ganzen Agenten und Robotern, die sich darin tummeln gepostet wurden: für die wenigen Leser die Englisch verstehen zeigt der folgende Lehr-Trickfilm was zur Hardware-Globalisierung. Das Ding mit [...]

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Wie funktioniert Geld? Und wer ist das grüne Alien?

Nach langer Überlegung habe ich beschlossen, die folgenden Videos zum Thema “Wie funktioniert Geld?” hier zu verlinken und zur Diskussion zu stellen, auch um zu zeigen, wie antisemitische Positionen beim Internetpublikum schleichend salonfähig werden.

Ich selbst habe die Videos mehrmals gesehen. Am Anfang habe ich gelacht, später blieb mir das Lachen jedoch im Halse stecken.
Richtig übel fand ich allerdings, dass ich das Video mit mehreren eigentlich politisch links orientierten Personen gesehen habe und außer mir keinem aufgefallen ist, wem diese Art von Kapitalismuskritik eigentlich in die Hände spielt.

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Soziale Bewegungen aus dem Internet

Im Zentrum des gegenwärtigen sozialen Wandels, den uns die Medien immer wieder präsentieren, wird eine „technische Revolution“ angesiedelt, die zu gänzlich neuen Erfahrungen und Verbindungen führen soll. Vor 20 Jahren wurde noch eine digitale Revolution deklamiert, die auf die Massenverbreitung von Computern setzte. Inzwischen wurde die revolutionäre Agenda weiter geschrieben und dem Internet oder Web die Fähigkeit für ausserordentliche soziale Umwälzungen zugemessen.

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Durch die Verbindung der vielen pfiffigen Geräte zusammen mit passenden „sozialen Programmen“ (ala Facebook oder Twitter) sollen gänzlich neue kollektive Kompetenzen und Verbesserungen des Lernens einzelner möglich werden. Web-Utopien vermuten gar ein breites Spektrum neuer demokratischer Potentiale. Sie reichen von Instant-Aktivierungen ala Flashmobs über demokratische Arbeitsorganisation im Stil der „Open Source Software“ Bewegung bis zu einer umfassenden Bürgerbeteiligung an öffentlicher Verwaltung und Planung via „Open Government“.

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Anspruchsvolle Medien-Integration im Web

Der Diskurs über Medien dreht sich gegenwärtig zumeist um Verlust: als Niedergang des gedruckten Buchs, des Fernsehens oder der Präsenz-Universität. All deren Leistungen sollen sich verschieben aufs Internet respektive Web. Viele Enthusiasten bejubeln den technologischen Umbau.

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Die aufmerksame Beobachterin registriert allerdings, dass sowohl das Buch, wie das Fernsehen und oft auch die Universität ganz eigene Rezipitionsstrukturen transportieren, die Leser, Fernsehende und Studierende mit mehr als einem “Content” konfrontieren. Inhalte werden hier besonders sortiert und (manchmal) in zusammengehörigen Komponenten repräsentiert.

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Digitale Kriege – Homeland

… Fortsetzung von “Digitale Kriege – Erstschlag

Sehen wir uns das Umfeld von Cyber-Wars an: hinter den genannten Institutionen der staatlichen Web-Krieger und der meist privaten Betreiber von Großanlagen verbergen sich weitere Instanzen großer Informationsmächte, die erhebliche technische und finanzielle Mittel aufwenden, bevor unsere kleinen Gadget-Regimenter für das allgemeine Publikum arbeiten können. Netzbetreiber und Provider, Technologie- und Kommunikationsanbieter, Finanz- und Service-Firmen, Kommunalbehörden und Finanzämter setzen Apparate und Software-Regimenter der einen oder anderen Art ein und können damit über Datenströme verfügen, die in unserem alltäglichen Leben wichtige Rollen spielen, jetzt schon und täglich mehr.Und wer die dazu nötigen Mittel hat kann sie engagieren.


Es lässt sich für die digitale Umwelt sogar konstatieren, dass wir in der Stadt und den Wohnungen, in der Arbeit und beim Einkauf, im Kontakt mit Freunden wie Bekannten auf diese Hilfsmittel und ihre vielfältige Vernetzung laufend angewiesen sind. Ihre Infrastruktur und Verhalten wird allerdings pausenlos reguliert, durch viele Betreiber und Anbieter am Leben erhalten .

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Digitale Kriege – Erstschlag

Mit den heißbegehrten Gadgets, die wir auf Schritt und Tritt mit uns führen, die als Mitmieter und dienstbare Lieferanten fungieren, spielen wir und erfahren durch sie die Welt. Unsere Gerätschaften sind fast immer mit einer geheimnisvollen Innenwelt ausgestattet, die inzwischen auf permanente Belagerung eingestellt ist. Die Kameras und Bildschirme, Lautsprecher und Mikrofone, Gehäuse und Tasten bilden die Aussenanlage der installierten kleinen Festungen, von denen aus im Inneren der Apparate das Regiment geführt wird. Sie bilden ein Regiment im buchstäblichen Sinne, das pausenlos in den vielen Laptops und Netbooks, den Navis und DVD-Playern, den Phones und Pads marschiert.

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Ihre Hauptbastion bilden kleine Quader, die im Gehäuse verankerten Chips, in denen elektrische Energie die smarte Truppe auf Trab hält. Ihre beweglichen Regimenter nennen wir „Programme“. Sie sind von Experten schreib- und lesbar und sorgen dafür, dass die Gadgets sich so verhalten, dass wir mit ihnen gut umgehen und sie eine Reihe von Aufgaben erfüllen können.

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Ich hab doch nichts zu verbergen!

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„Ich hab doch nichts zu verbergen“ ist wohl das Lieblingsargument aller vertrauensseligen Mitbürger, die überhaupt kein Problem damit haben, dass ihr Name und Bild auf Facebook und bald auch ihr Haus auf Gooogle-Streetview zu sehen sind.

Ist doch alles nicht weiter schlimm, denken manche, schließlich leben wir in einer Demokratie und „was sollte wohl schon einer mit meinem Bild anfangen können“.

Doch ich selbst hatte neulich erst die Ehre einer Veganerin vorführen zu drüfen, dass dies eben nicht so einfach ist.

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Anspruchsloses Web

Neue Technologien wie die großflächige Einführung der Eisenbahn, die Verbreitung der Elektrizität über städtische Straßenbeleuchtungen, das Fernsehen als massenhafte Freizeitbeschäftigung und schließlich allgegenwärtige PC- und Web-Nutzung bringen massive öffentliche Streitigkeiten über die Interpretation ihrer Folgen mit sich. Das betrifft besonders Medien wie Fernsehen und Web, deren Nutzung zur täglichen Gewohnheit wurde und die ganz anders als die Straßenbeleuchtung Symbole und Geschichten unters Volk bringen.
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Besonders die Internetnutzung erstreckt sich über die eigene Wohnung hinaus in viele Tätigkeitsbereiche, reicht oft tief in unsere Verhaltensgewohnheiten hinein

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Der Erlkönig lost in translation

Dieser Artikel ist einem der meistunterschätzten Dichter unserer Zeit gewidmet, von dem ich ein jüngeres Werk hiermit veröffentlichen möchte.

Der Künstler den ich hier vorstelle, ist deshalb so bemerkenswert, da er die erste künstliche Intelligenz ist, die eigenständige Interpretationen bekannter literarischer und lyrischer Werke in einer eigens von ihr entwickelten Metasprache liefern kann.

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Wappen für das Nordend

Durch ein Mitglied unserer Redaktion wurde ich aufmerksam auf das Stadtteilmagazin “NORDend”, welches “ein hochwertig gestaltetes Magazin zum Lesen und Schauen“ sein soll, mit hübschen Fotos und allerlei Geseiere von Wohlfühl(ex)linken wie dem Grünen-Stadtrat Lutz Sikorski.

Es wird herausgegeben im Stile eines Hochglanzmagazins und in der Presseerklärung heißt es ganz unbescheiden „somit hat NORDend beste Chancen, zum Sammelobjekt zu werden“.

Naja… jeder Mensch braucht ein Hobby und vielleicht gibt es ja irgendwo einen Messie mit ausreichendem Sammlertrieb.

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/b/ evil

Alleine mit dem Schreiben dieses Artikels breche ich bereits eine Regel. Denn niemand sollte jemals über /b/ sprechen und wenn doch, dann höchstens als Geheimtip im Flüsterton von Freund zu Freund. Aber da inzwischen das renommierte Computermagazin C´T darüber geschrieben hat, die Community ohnehin schon überlaufen ist, man mittlerweile der Ansicht ist, dass diese Regel [...]

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Wir sind die Roboter!

Viele von uns sind Teil eines Netzwerkes ohne es zu wissen. Ich selbst bin es wahrscheinlich auch, da ich Firewalls für eine Erfindung von Weicheiern halte, die nur unsere geliebten Online-Games unnötig verlangsamen. Um es kurz zu sagen, sehe ich es folgendermaßen : Geringe Latenz > Sicherer Zugang. Die Rede ist natürlich von sogenannten „Botnetzen“. [...]

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Die Tiara des Dagon

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Ich gebe es unumwunden zu:

Ich halte die katholische Kirche für eine der scheinheiligsten und verlogensten Organisationen der Welt und frage mich, wie ein aufgeklärter und erwachsener Mensch deren offenkundigen Lügen tatsächlich Glauben schenken kann. Schließlich widerspricht sich die katholische Kirche laufend selbst.

Beispielsweise haben „unfehlbare“ Päpste jahrhundertelang das Fegefeuer gepredigt, bis unser „unfehlbarer“ Benedikt beschlossen hat, es einfach abzuschaffen. Die gleichen „Unfehlbaren“ behaupteten übrigens auch, die Welt sei eine Scheibe, haben diesen Fehler aber in den 90er Jahren kleinlaut zugegeben, allerdings ohne dabei ihren Unfehlbarkeitsanspruch in Frage zu stellen. Welches Maß an orwellschem Doublethink muss wohl nötig sein, um das Offensichtliche zu ignorieren?

Über die Position zu Verhütung und Abtreibung, die antisemitischen Tendenzen, die kranke Sexualmoral, die abergläubischen Riten (z.B. Exorzismen), die Benachteiligung von Frauen, den Umgang mit den Missbrauchsfällen und die ganzen anderen Tonnen an Dreck, die diese inzwischen am Stecken hat, könnte man Bücher, dicker als das Telefonbuch von Tokio verfassen.

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Web-City

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Die Frankfurter Gemeine Zeitung möchte eine Zeitung anbieten, die lokal wie global genau hinschaut und aus dem lokalen Fokus heraus spannende globale Verbindungen zur Stadt zeigt. Gleiches gilt für Web und Stadt. Ein bekanntes Blatt in einer Stadt, die sich mit Frankfurt vergleichen lässt, ist die New York Times. Kürzlich veröffenlichte dort Virginia Hefferman ein Statement über morphologische Änlichkeiten zwischen Web und Stadt: “The Death oft the Open Web“.

Bemerkenswert an diesem Artikel ist die Gegenüberstellung der belebten Stadt und der getrennten Suburbs, die westliche Großstädte ab den 60er Jahren konfronierten mit einer gleichartigen Bewegung im Web. Während es bisher eher der Stadt glich – von schön drappierten Geschäften bis finsteren Ecken, Google bis Porno – kommt jetzt ein globaler Akteur daher, der die Wechselhaftigkeit und das Gequirle der Stadt ablösen will.

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Lesarten – in Frankfurt und drüber hinaus

Die Stadt am Main trägt einigen Stolz über ihre intimen Bezüge zu Lesbarem herum, seien das ihre Zeitungen oder Bücher, Verlage oder Messen. Lesbares, vielleicht sogar die ganze Symbolwelt befindet sich aber seit Jahren im Umbruch, sei es durch neue Technologien oder durch Globalisierung, Lesegewohnheiten und Städtekonkurrenzen. Die letzten Wochen zeigten in Frankfurt bemerkenswerte Ereignisse rund um Symbolvertilgungen. Sie waren sehr unterschiedlich gestrickt und können – ergänzt durch etwas Stadtarchäologie vom Autor dieses Artikels – Momente über die Verbindung von Medien und Stadt aufzeigen, die über unsere Buchmesse hinausgehen. Gleichzeitig aber, und das ist das Erstaunliche, verweisen sie auch auf die vielen Dimensionen, in die sich einfache Mythen über Web und Print tatsächlich auffalten lassen.

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Eine Stadt liest ein Buch“ war das eine Ereignis: die Lebensgeschichte eines versteckten Frankfurter Juden während der Nazizeit, wiederverlegt von einem Frankfurter Verleger, gelesen an Orten in Frankfurt. Die Idee stammt aus USA, ein globaler Impuls, örtliche Realisierung. Mehr noch: das Lesen geschieht direkt als sozialer Akt, mit einzelnen Vorlesern und einer Menge Zuhörer, an vielen Orten und mit begleitenden Veranstaltungen – fast immer kostenlos. Ein „analoges“ Ereignis auf Papiergrundlage.

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Ein Hoch auf die Esoterik!

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Die Religion mag Wunder bieten an die man glauben kann. Es gibt aber auch Wunder die kann man kaufen.

Sechs kleine Glasperlen beispielsweise für 7,95 EUR, zu kaufen im Tachyon-Shop. Dafür sind die dann auch garantiert positiver Tachyon-Energie aufgeladen. Dass noch nie ein Mensch ein Tachyon gesehen, gemessen oder auch nur in der Realität nachgewiesen hat, hindert den Betreiber des Shops offensichtlich nicht Gegenstände mit Tachyonen aufzuladen und diese dann im Netz feilzubieten.

Ein anderer Internetversand bietet kleine Glasröhrchen (handelsübliche Reagenzgläser) an, die angeblich positive Informationen an Trinkwasser übertragen können.

Der Inhalt dieser Röhrchen laut Erklärung des Händlers: Mineralwasser.

Da fragt man sich doch, warum Vittel und Volvic das Zeug in Literflaschen verkaufen.

Ein weiteres Produkt des Tachyon-Verkäufers hört auf den klangvollen Namen „Clinoptil S“. Es handelt sich dabei um ein Pulver aus Spuren (!) von Boswellia sacra (Weihrauch) und Silizium in „mikronisierter Qualität“ (also feingemahlenem Sand). Ein 250 ml Fläschchen von diesem „Zauberpulver“ kostet immmerhin 27,90 EUR plus Versandkosten.

Und scheinbar gibt es Personen, die das Zeug kaufen, obwohl man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass die enthaltenen Stoffe keine, wie auch immer geartete, Wirkung entfalten.

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Re:publica der Clicks ? Web und Widerstand (2)

De-Digit Zwei Pole der Web-Kultur habe ich im ersten Teil postuliert, die sich in der re:publica ausdrückten. Die Veranstaltung zeigte weder eine Unübersichtlichkeit wie der Spiegel behauptet, noch war die re:publica eine „linke Veranstaltung“ wie die Süddeutsche vermutet. Da ist nämlich hauptsächlich der Mainstream, als Kunden-Web sozialer Plattformen, der Apps und Ads, und gegenüber etwas [...]

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Republik der Clicks ? (1)

DIGIT Die Segen der Computationen gerieten mir letzte Woche durcheinander, als meine Autowerkstatt ihren Befund präsentierte. Früher verabschiedeten die Motoren sich viel schneller, begann der Werkstattleiter, heute meldet die Zentralelektronik ja alles. Der Motor ist also ok, aber die Zentralelektronik, die ist schon wieder hin, in Zahlen: 1400 Euro. Warum soviel Computerei, wenn sich mein [...]

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Re:publica / nowhere : der Kongreß zu Web-Öffentlichkeiten

Viele Nerds aus dem Internet machen sich auf den Weg. Nicht im Web, sondern auf der Straße. Und sie sind unterwegs nicht nach Frankfurt, sondern wieder mal nach Berlin. Zum 4. Mal seit 2007 gibt es einen Kongreß zum Selbstverständnis der Internetkultur, der den 8. Kontinent weiter erkunden möchte: re:publica. Diesmal haben sich sogar 2500 Geeks angemeldet für die 3 Tage vom 14. bis 16. April, gesponsert von Google, Nokia und Philips.

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Schicksals-Mächte: Lokales und Web

Sicher möchte die FGZ nicht schlicht den Prophezeiungen des Gurus Peter Sloterdijks folgen, der das Lokale gegen die Allmacht Internet in seiner Schrift “Weltinnenraum des Kapitals” anrief. Dazu tönt sie doch zu sehr nach den Freiheitsrufen der FDP. Aber mit der Wochenzeitung “Freitag” vermuten auch wir, dass für den Trend einiges spricht. Gegen eine Tendenz [...]

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, digitale Spuren im realen Raum zu hinterlassen. Tagging oder Graffiti, ohne Vandalismus zu betreiben; Markierungen im Sinne von “ich war hier” über das  Bereitstellen von Hintergrundinformationen zu dem Raum, in dem man sich befindet, bis zur Produktion von alternativen Wirklichkeiten über diesen Raum und Hinweisen zu ganz anderen Räumen. Eine Durchdringung [...]

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